{"id":2623,"date":"2025-10-04T18:27:12","date_gmt":"2025-10-04T18:27:12","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2623"},"modified":"2025-10-04T18:27:13","modified_gmt":"2025-10-04T18:27:13","slug":"ronald-t-michener-mark-a-lamport-hg-handbook-on-postconservative-theological-interpretation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2623","title":{"rendered":"Ronald T. Michener \/ Mark A. Lamport (Hg.): Handbook on Postconservative Theological Interpretation"},"content":{"rendered":"\n<p>Ronald T. Michener \/ Mark A. Lamport (Hg.): <em>Handbook on Postconservative Theological Interpretation,<\/em> Eugene, OR: Cascade Books, 2024, xliii+756 S., kt., US\u00a0$\u00a069,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781666744057\/handbook-on-postconservative-theological-interpretation\/\">978-1-6667-4405-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Die Beitr\u00e4ge dieses gro\u00dfen Sammelbandes stehen unter einem gemeinsamen Gesichtspunkt: Postkonservative Bibelauslegung. Dieser Begriff taucht so im Deutschen (noch) kaum in der Literatur auf, und doch ist das Ph\u00e4nomen und die Praxis von <em>post<\/em><em>conservative theological interpretation<\/em> auch im deutschsprachigen Raum seit dem Einfluss der Postmoderne (bzw. Sp\u00e4tmoderne) auf die Theologie sp\u00fcrbar. Dieser Band erkl\u00e4rt und begr\u00fcndet nicht dogmatisch oder argumentierend diese eine Art der Bibelauslegung gegen\u00fcber anderen kontempor\u00e4ren Methoden. Vielmehr w\u00e4hlt dieses Handbuch einen deskriptiven Weg, die vorgefundene Vielfalt innerhalb des breiteren Evangelikalismus von Bibelauslegungen im 21. Jahrhundert zu zeigen. Den Herausgebern ist bewusst, dass sie damit \u00fcber die \u201eklassische, fundamentale oder konservative Perspektive innerhalb evangelikaler Theologie hinausgehen\u201c (xxi, \u00dcbersetzung des Rezensenten).<\/p>\n\n\n\n<p>Doch was ist diese postkonservative Bibelauslegung, die nicht pauschal mit dem auch im deutschsprachigen Raum genutzten Begriff Postevangelikalismus gleichgesetzt werden sollte? Zuerst meint <em>postconservative<\/em> eben genau nicht <em>postevangelical<\/em>, denn die Autoren verstehen sich immer noch innerhalb der evangelikalen Tradition (xxv). <em>Postconservative<\/em> bindet sich aber nur noch dort an traditionelle Glaubenskonstrukte, solange sie mit der Bibel verteidigt und begr\u00fcndet werden (xxv). Nicht zuletzt, so schreibt Roger E. Olson im Prolog, haben postkonservative Denker gemeinsam, dass sie nicht von einer irrtumslosen Bibel ausgehen, wie sie \u00fcblich im Evangelikalismus und insbesondere in der Chicago-Erkl\u00e4rung definiert wurde (xxvi). Andererseits betont Olson, dass postkonservative Theologie auch nicht so progressiv sein will, dass man sie mit der liberal-universit\u00e4ren Theologie gleichsetzen k\u00f6nnte oder sollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei sei der Wunsch der 45 Mitautoren, Engagement, und nicht Zustimmung zu erreichen. Die Autoren m\u00f6chten den Leser herausfordern, die Art, wie man die Bibel versteht und \u00fcber sie denkt, zu hinterfragen, ohne dabei die Wahrheit zu verlieren (xxii). Zudem ist es f\u00fcr die Autoren wichtig, aus dem Spektrum \u201elinks&nbsp;\/&nbsp;rechts\u201c auszubrechen, wo ein Theologe entweder konservativ oder liberal ist. Die <em>postconservative theology<\/em> wurde bis zu einem gewissen Ma\u00df sicherlich von der Yale Schule und ihrer <em>postliberal theology<\/em> inspiriert.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses gro\u00dfe Buch stellt nun nach mehreren Einleitungen von bekannten Theologen (Merold Westphal, Roger E. Olson und John Sanders) diverse Arten zeitgen\u00f6ssischer Bibelauslegung vor. Die ersten neun Kapitel richten sich nach dem Oberthema <em>postmodern philosophical interpretation<\/em>, Kapitel 10\u201322 handeln von <em>doctrinal interpretation<\/em> und im dritten Teil des Buches mit den Kapiteln 23\u201333 geht es um <em>contextual interpretation<\/em>. Die letzten beiden Hauptteile gehen einerseits auf <em>scripture and interpretation<\/em> (Kapitel 34\u201342) und andererseits auf <em>pastoral-applicational interpretation<\/em> (Kapitel 43\u201346) ein. John Franke und Telford Work schreiben f\u00fcr jedes Kapitel jeweils eine Art Nachwort, um die beschriebene Methode kritisch zu w\u00fcrdigen. Exemplarisch werden dabei zwei Autoren und ihre Bibelauslegungen n\u00e4her betrachtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Der progressive Theologe Gregory A. Boyd widmet sich beispielsweise im zweiten Hauptteil einer <em>cruciform hermeneutics<\/em>, einer im deutschsprachigen Raum durch Manuel Schmid bekannt gewordenen <em>kruziforme<\/em><em>n<\/em> oder Jesus-zentrierten Hermeneutik, welche die Gewalttexte des Alten Testaments durch die Brille des Kreuzes aus der Sicht des 21. Jahrhunderts neu verstehen will.<\/p>\n\n\n\n<p>Im vierten Abschnitt des Buches schreibt Peter Enns \u00fcber eine <em>deconstruction hermeneutics<\/em>. Er beschreibt unser aktuelles Ph\u00e4nomen, dass viele Christen ihre Glaubenskonstrukte hinterfragen. F\u00fcr Enns ist dies aber weder beunruhigend noch neu. Denn die Hermeneutik der Dekonstruktion findet bereits im Alten Testament Berichte von Menschen, die ihre Glaubensfundamente hinterfragen und \u00fcberpr\u00fcfen. Er nennt das Problem hebr\u00e4ischer Sklaven bei hebr\u00e4ischen Besitzern, K\u00f6nig Manasse und sein Verhalten, die Rolle der Assyrer als Gottes Werkzeug und weitere Beispiele.<\/p>\n\n\n\n<p>Des Weiteren finden sich in diesem Buch Methodenb\u00fcndel zu postmoderner Hermeneutik, politischer Theologie und Hermeneutik und missionaler Hermeneutik. Besonders eigenst\u00e4ndig und horizonterweiternd erscheint der dritte Sektor unter dem Titel kontextueller Interpretation. Dort werden Methoden wie interkulturelle, <em>racial identity<\/em>, asiatische, schwarze, afrikanische, feministische und indigene Interpretationen vorgestellt.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders hilfreich ist der Band f\u00fcr Theologen, welche sich mit dem Thema der postkonservativen Bibelauslegung besch\u00e4ftigen oder selber in dieser Tradition stehen. Einzelne Kapitel erhellen neue Str\u00f6mungen innerhalb des Evangelikalismus aus der Sicht jener, die diese Bibelauslegung praktizieren. Dementsprechend fehlt eine kritische W\u00fcrdigung aus tendenziell konservativer Sicht. Dies h\u00e4tte mitunter geholfen, einzelne Methoden auf ihre L\u00fccken hin zu untersuchen. Aber auch so ist der Band sehr hilfreich, um diese neueren Methoden einmal wahrzunehmen. Zudem hat es auch einen didaktischen Mehrwert, 45 unterschiedliche Autoren kennenzulernen, welche teilweise sehr weit weg von der eigenen Tradition zu liegen scheinen, sich aber selbst auch im Bereich des Evangelikalismus einordnen. Diese F\u00fclle und Vielfalt ist auf alle F\u00e4lle horizonterweiternd, auch wenn man nicht mit allem \u00fcbereinstimmen muss.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Joshua Ganz, Pastor und Armeeseelsorger, Winterthur, Schweiz<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ronald T. Michener \/ Mark A. 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