{"id":2626,"date":"2025-10-04T18:30:02","date_gmt":"2025-10-04T18:30:02","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2626"},"modified":"2025-10-04T18:30:28","modified_gmt":"2025-10-04T18:30:28","slug":"veli-matti-kaerkkaeinen-theological-renewal-for-the-third-millenium","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2626","title":{"rendered":"Veli-Matti K\u00e4rkk\u00e4inen: Theological Renewal for the Third Millenium"},"content":{"rendered":"\n<p>Veli-Matti K\u00e4rkk\u00e4inen: <em>Theological Renewal for the Third Millenium. A K\u00e4rkk\u00e4inen Compendium<\/em>, Hg. Patrick Oden \/ Andrew Ray Williams, Eugene, OR: Cascade Books, 2022, Pb., xxix+321\u00a0S., \u20ac\u00a037,60, ISBN <a href=\"https:\/\/wipfandstock.com\/9781666713541\/theological-renewal-for-the-third-millennium\/\">978-1-6667-1354-1<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der finnische Systematiker Veli-Matti K\u00e4rkk\u00e4inen hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten als bedeutender Theologe profiliert. Seit dem Jahr 2000 lehrt er am Fuller Theological Seminary in Pasadena, Kalifornien, und ist zudem Dozent an der Universit\u00e4t Helsinki. Seine akademische Laufbahn f\u00fchrte ihn auch nach Bangkok, Thailand, wodurch er Perspektiven aus drei verschiedenen Kontinenten in seiner Arbeit vereint. Hinzu kommt eine doppelte geistliche Beheimatung: das finnische Luthertum und die Pfingstbewegung (xxvii). In seinem autobiografischen Vorwort spricht K\u00e4rkk\u00e4inen zudem von drei weiteren \u201eBekehrungen\u201c: einer \u00f6kumenischen, einer globalen und einer interreligi\u00f6sen (xxviii).<\/p>\n\n\n\n<p>Sein theologischer Ansatz besteht darin, in der Nachfolge der deutschen Theologen J\u00fcrgen Moltmann, Wolfhart Pannenberg und Paul Tillich, eine zeitgen\u00f6ssische, konstruktive christliche Theologie zu entwickeln, die hermeneutische und kritische Werkzeuge anwendet, um die christliche Theologie f\u00fcr das dritte Jahrtausend bereit zu machen. Im Unterschied zu Pannenberg, dessen Hauptgespr\u00e4chspartner die Philosophie war, w\u00e4hlt K\u00e4rkk\u00e4inen einen vergleichenden Ansatz, der kontextuelle, pluralistische und interreligi\u00f6se Perspektiven st\u00e4rker miteinbezieht. Sein f\u00fcnfb\u00e4ndiges Hauptwerk <em>A Constructive Christian Theology for the Pluralistic World<\/em> (2013-2017) ist das umfassende Ergebnis dieses Vorhabens.<\/p>\n\n\n\n<p>Der vorliegende Band, <em>Theological Renewal for the Third Millennium<\/em>, ist ein erg\u00e4nzendes Kompendium, das 17 seiner Essays aus den Jahren 2006 bis 2020 versammelt. Die Beitr\u00e4ge sind in die f\u00fcnf Teile Methodik, Systematische Theologie, \u00d6kumenische Theologie, Interreligi\u00f6se Theologie und Interdisziplin\u00e4re Theologie gegliedert. Diese Essays er\u00f6ffnen ein Fenster zur Theologie von K\u00e4rkk\u00e4inen f\u00fcr diejenigen, denen er noch nicht vertraut ist, und zugleich erweitern sie das Verst\u00e4ndnis seiner \u201eumfassenden theologischen Vision\u201c (xi, alle \u00dcbersetzungen durch den Rezensenten) wie der Dekan des Fuller Theological Seminary, Amos Young, in seinem Vorwort hervorhebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Herausgeber des Bandes sind Patrick Oden und Andrew Ray Williams. Ihre doppelte Vorstellung K\u00e4rkk\u00e4inens passt sehr gut zu seiner Methodik, in der er die Bedeutung von Biografie und pers\u00f6nlichem Narrativ betont (29). K\u00e4rkk\u00e4inen selbst unterstreicht in seinem Essay zur \u201eG\u00f6ttlichen Gastfreundschaft und Gemeinschaft\u201c (43\u201358), dass \u201ealle Theologie kontextuell\u201c sei (53), weshalb er oft pers\u00f6nliche Erfahrungen in seine theologische Arbeit integriert. In beiden Perspektiven der Vorstellung wird der enge Bezug zu Moltmann und Pannenberg hervorgehoben. Oden, der bei K\u00e4rkk\u00e4inen studierte und inzwischen als au\u00dferordentlicher Professor mit ihm bei Fuller zusammenarbeitet, berichtet, dass die Studenten nur darauf warteten, bis der Name \u201ePannenberg\u201c fiel (xviii), da K\u00e4rkk\u00e4inen ihn in jeder Vorlesung zitierte. Wenig \u00fcberraschend sind Moltmann und Pannenberg daher die am h\u00e4ufigsten genannten Gespr\u00e4chspartner in den Essays.<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften Vorteile dieser Essays und der Theologie von K\u00e4rkk\u00e4inen liegt in seinen vielf\u00e4ltigen Gespr\u00e4chspartnern von allen Kontinenten und Religionen: Ob er \u00fcber Individualismus und Gemeinschaft mit dem Asiaten Yeow Choo Lak und dem Kenianer John Mbitit spricht (9), die Trinit\u00e4t mit Metropolit Zizioulas diskutiert (51) oder die Sakramente mit Hans K\u00fcng (122) und Roger Haight er\u00f6rtert (129) \u2013 K\u00e4rkk\u00e4inen bringt Theologen und Denker aus unterschiedlichen Kontexten miteinander ins Gespr\u00e4ch. Er zitiert aus der buddhistischen Schrift, der Dhammacakkappavattana Sutta (192), und diskutiert diese mit dem thail\u00e4ndischen Theologen Satanun Boonyakiat (195), um nur eine kleine Auswahl zu nennen. In der Bibliographie werden 394 unterschiedliche Autoren angef\u00fchrt. Die vielen unterschiedlichen, dazu globalen Perspektiven, die K\u00e4rkk\u00e4inen miteinander ins Gespr\u00e4ch bringt, sind sehr erfrischend und regen zum Weiterlesen und -denken an.<\/p>\n\n\n\n<p>An diesem Punkt zeigt sich aber auch eine potenzielle Schwachstelle: K\u00e4rkk\u00e4inens Eifer f\u00fcr den \u00f6kumenischen und interreligi\u00f6sen Dialog birgt die Gefahr, dass die eigenen theologischen Grundlagen in den Hintergrund treten. Obwohl er ordinierter lutherischer Pastor ist, kommen Bibelstellen und Bekenntnisbez\u00fcge in seinen Essays \u00fcberraschend selten vor. Dagegen stellt er die These auf, dass eine pfingstliche Geist-Christologie ein von \u201eGott gesandtes Korrektiv\u201c gegen eine christologische Verk\u00fcrzung im Apostolischen Glaubensbekenntnis sein k\u00f6nnte (26). Auch in Fragen nach Gottes Absicht f\u00fcr die Menschen orientiert er sich eher an soziologischen und gesellschaftlichen Entwicklungen sowie der Befreiungstheologie, statt klassisch lutherisch die Rechtfertigungslehre zu fokussieren (44).<\/p>\n\n\n\n<p>K\u00e4rkk\u00e4inen ist sich dieser Problematik offenbar bewusst, wie sein Essay \u00fcber \u201eErl\u00f6sung als Rechtfertigung und Theosis\u201c (101\u2013113) belegt. Er referiert die Position der sogenannten finnischen \u201eNeuen Luther-Interpretation\u201c, die wiederum der \u201eNeuen Paulusperspektive\u201c folgt, und eng verbunden mit Tuomo Mannermaa ist, dass Luthers Position, im Unterschied zu sp\u00e4teren Lutheranern, nicht im Widerspruch zur orthodoxen Lehre der Theosis des Menschen steht. Obwohl er mit dieser Position sympathisiert, folgt er der sogenannten Mannermaa-Schule nicht g\u00e4nzlich und weist auf die Schwierigkeiten hin (109\u2013111). Dennoch kommt er zum Schluss, dass die \u00f6kumenischen Differenzen zwar ernstgenommen werden m\u00fcssen, aber doch letztlich dem Kontext der Reformations- und Gegenreformationszeit entspringen und nicht zwangsl\u00e4ufig heutige Gespr\u00e4che belasten m\u00fcssen (112). Und er erg\u00e4nzt, dass eine Neubetrachtung der \u201ealten christlichen Lehren\u201c helfen kann, auf Basis der Verg\u00f6ttlichung des Menschen mit anderen Religionen wie dem Hinduismus und dem Buddhismus sowie afrikanischer Spiritualit\u00e4t ins Gespr\u00e4ch zu kommen, und dass so \u00f6kumenische Sackgassen \u00fcberwunden werden k\u00f6nnen (113).<\/p>\n\n\n\n<p>So anregend viele seiner Gedanken auch sind, gerade in diesem Bereich des \u00f6kumenischen und interreligi\u00f6sen Dialogs lauert die Gefahr, eigenen \u00dcberzeugungen und Lehren zu verlieren. Eine st\u00e4rkere Bindung an Schrift und Bekenntnis w\u00fcrde seine Theologie vor solchen Fallstricken sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Martin P. Gr\u00fcnholz, Dozent f\u00fcr Systematische Theologie und Kirchengeschichte an der Biblisch-Theologischen Akademie bei Forum Wiedenest<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Veli-Matti K\u00e4rkk\u00e4inen: Theological Renewal for the Third Millenium. A K\u00e4rkk\u00e4inen Compendium, Hg. 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