{"id":264,"date":"2017-05-01T20:03:05","date_gmt":"2017-05-01T20:03:05","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=264"},"modified":"2017-05-01T20:31:37","modified_gmt":"2017-05-01T20:31:37","slug":"ralph-kunz-aufbau-der-gemeinde-im-umbau-der-kirche","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=264","title":{"rendered":"Ralph Kunz: Aufbau der Gemeinde im Umbau der Kirche"},"content":{"rendered":"<p>Ralph Kunz: <em>Aufbau der Gemeinde im Umbau der Kirche<\/em>, Theologische Studien NF 11, Z\u00fcrich: TVZ, 2015, 152 S., \u20ac 19,90, <a href=\"http:\/\/www.tvz-verlag.ch\/index.php?id=56&amp;tx_commerce_pi1[showUid]=160612&amp;tx_commerce_pi1[catUid]=365\">ISBN 978-3-290-17812-3<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Kunz_Aufbau.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Auch die Schweiz bleibt nicht verschont: Der radikale Umbau der Landeskirche hat begonnen. Auf diesem Hintergrund entsteht die skizzenhafte \u201eVorstudie\u201c von Ralph Kunz, Professor f\u00fcr Praktische Theologie an der Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Z\u00fcrich. Die Studie will weder einen Ratgeber noch Ma\u00dfnamenkatalog zum Umbauprozess der Ev. -reformierten Landeskirche im Kanton Z\u00fcrich vorlegen, sondern besch\u00e4ftigt sich mit grunds\u00e4tzlicheren Fragen. Darum ist das B\u00fcchlein, das sich in f\u00fcnf Kapitel aufteilt (Er\u00f6ffnung, Erschlie\u00dfung, Erkundungen, Ermittlungen, Ermutigungen) auch inhaltlich l\u00e4nder\u00fcbergreifend relevant. Es geht um \u00dcberlegungen zum Modus einer im Umbau befindlichen Kirche und ihrer zuk\u00fcnftigen Konturen. Methodisch nutzt Kunz das Stilmittel beharrlich provozierender Fragen und setzt auch auf Humor, denn \u201eein wenig Biss hat der Theologie noch nie geschadet\u201c (11). Doch wirken die R\u00fcckfragen nicht besserwisserisch oder als Propagierung idealistischer Thesen, vielmehr geht es dem Autor darum, eine Kirche zu entwickeln, die \u201esich auf den hin re-orientiert\u201c, der mit S\u00fcndern Gemeinde baut (35). Ausgehend von dieser Grundhaltung regen die Nachfragen l\u00f6sungsorientierte Diskussionen zur Kirchenreform an und rufen die Akteure des Gemeindeaufbaus zum Umdenken (metanoia) auf. Alles dreht sich elementar um die Gemeinde (101): Wo lebt sie und wie entsteht sie? Wof\u00fcr steht sie und welche Kr\u00e4fte halten sie zusammen? Wohin geht sie und wie lebt sie?<\/p>\n<p>\u201eErkundungen\u201c: Im theologiegeschichtlichen Mittelteil des Buches stellt Kunz auf immerhin 51 Seiten Theologen vor, die er in einem von ihm erstellten Konstrukt der sog. \u201eZ\u00fcrcher Schule\u201c zusammenfasst. Es handelt sich dabei um H. Bullinger, A. Schweizer, L. Ragaz, E. Brunner, E. Schweizer, W. Mostert, die eine gewisse Verbundenheit mit der Z\u00fcrcher Universit\u00e4t aufweisen. Auch wenn sie geschichtlich zum Teil Jahrhunderte voneinander getrennt sind und unterschiedliche Disziplinen vertraten, so ist ihnen dennoch gemeinsam, dass sie sich alle ekklesiologischen Fragen widmeten. In ihren Analysen, die dieses Kapitel wiedergibt, finden sich zweifellos theologisch wertvolle Perlen zum Wesen der Kirche, zum Beispiel folgende Aussage von Mostert: \u201eDas Religi\u00f6se ist das Allgemeine und der christliche Glaube das Bestimmte. Wenn wir eine Antwort darauf geben, was Kirche ist, bestimmt der Glaube das Religi\u00f6se und nicht das Religi\u00f6se den Glauben\u201c (78). Auch wenn sich die Landeskirchen in der Schweiz und Deutschland \u00e4hneln, bestehen dennoch Unterschiede: W\u00e4hrend in den deutschen Landeskirchen die ordinierten Wortverk\u00fcndiger das Sagen haben, spiegelt sich im Gemeindeaufbau der reformierten Schweiz das Gemeinwesen der politisch-kulturellen Schweiz wider: Gemeindebau verl\u00e4uft \u201evon unten nach oben\u201c.<\/p>\n<p>\u201eErmittlungen\u201c: Aus den ekklesiologischen Leitlinien der \u201eZ\u00fcrcher Schule\u201c m\u00f6chte Kunz zun\u00e4chst nicht vorschnell f\u00fcr eine Parochie pl\u00e4dieren (96). Eher \u2013 und nun verl\u00e4sst er das Grunds\u00e4tzliche und wird konkret \u2013 steht ihm die missionale Ekklesiologie der Fresh Expressions of Church vor Augen, die Menschen nicht in bestehende Gemeinden beheimaten, sondern in \u201ekirchenfremden Kontexten\u201c mit dem Evangelium erreichen will. Dass dadurch enge Beziehungen zur Einwohnergemeinde entstehen, empfindet Kunz als reizvolle Dimension der \u00d6ffentlichkeit von Kirche (99f). Daran ankn\u00fcpfend spricht er vom s\u00e4kularen Umfeld der Kirche, das eine Gemeinde lesbar und erz\u00e4hlend erleben will (104). Hier ist die Gemeinde eine Lebensform: Glaubensgemeinschaft f\u00e4llt mit der gesellschaftlichen Lebensgemeinschaft zusammen. Dabei greift Kunz den missiologischen Ansatz der Konvivenz auf, denn \u201ewo nichts erlebt wird, gibt es nichts zu erz\u00e4hlen und wo nichts erz\u00e4hlt wird, l\u00e4sst sich nichts \u00fcber das Leben der Gemeinde \u2013 und den gelebten Glauben \u2013 erfahren\u201c (105). Eine ganze Kaskade praktisch-herausfordernder Fragen, inspirierender Perspektiven und anregender Praxisfelder folgt unter dem Leitbegriff der \u201eKommunikation des Evangeliums\u201c im unterschiedlichen Spannungsbereich zwischen Mission und Inkulturation sowie Inklusion und Mission im Aufbau der Gemeinde (109\u2013117). Hier wagt sich Kunz an missiologisch-ekklesiologische Problemfelder heran, die bisher kaum praktisch-theologisch diskutiert werden. So fragt er beispielsweise nach der \u201eInklusionskraft der Gemeinde\u201c (110) und ist doch gleichzeitig realistisch genug, Gef\u00fchle der \u00dcberforderung und Angst mit zu ber\u00fccksichtigten. Schlie\u00dflich argumentiert Kunz f\u00fcr ein notwendig dialektisches Verh\u00e4ltnis in vers\u00f6hnter Unterschiedlichkeit zwischen dem parochialen Gemeindemodell auf der einen sowie Gemeindegr\u00fcndungen und Fresh Expression-Bewegungen auf der andern Seite. Dennoch l\u00e4sst er die Risiken des \u201eWildwuchses\u201c nicht au\u00dfer Acht.<\/p>\n<p>Das Buch endet mit Ermutigungen und dem Abschlusspl\u00e4doyer f\u00fcr einen Umbau der Kirche zur Mission in der Region, ohne die Ortsgemeinden dabei gering zu sch\u00e4tzen (129-149). Leider fehlt der Studie ein Verzeichnis, das die verarbeitete Literatur in den \u00fcber 360 Fu\u00dfnoten nachweist. Hervorzuheben ist der leserfreundliche und aphorismenartige Sprachstil. Und wem ist das Buch nun zu empfehlen?: Kirchlichen Leitungsgremien, Haupt- und Ehrenamtlichen \u2026, kurz, allen, die den Aufbau der Gemeinde verhei\u00dfungsorientiert von Gott erglauben, sich engagieren und ernsthaft mit den R\u00fcckfragen auseinandersetzen wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Manfred Baumert, Schulleiter des Theologischen Seminars Adelshofen, Eppingen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ralph Kunz: Aufbau der Gemeinde im Umbau der Kirche, Theologische Studien NF 11, Z\u00fcrich: TVZ, 2015, 152 S., \u20ac 19,90,<\/p>\n","protected":false},"author":14,"featured_media":265,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-264","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praktische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/264","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/14"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=264"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/264\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":266,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/264\/revisions\/266"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/265"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=264"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=264"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=264"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}