{"id":2643,"date":"2026-04-11T15:07:38","date_gmt":"2026-04-11T15:07:38","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2643"},"modified":"2026-04-11T15:07:39","modified_gmt":"2026-04-11T15:07:39","slug":"udo-straeter-in-zusammenarb-mit-claudia-neumann-hg-philipp-jakob-spenerbriefwechsel-mit-adam-rechenberg-1686-1704-band-2-1690-1691","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2643","title":{"rendered":"Udo Str\u00e4ter in Zusammenarb. mit Claudia Neumann (Hg.): Philipp Jakob Spener,Briefwechsel mit Adam Rechenberg 1686\u20131704. Band 2: 1690\u20131691"},"content":{"rendered":"\n<p>Udo Str\u00e4ter in Zusammenarb. mit Claudia Neumann (Hg.): <em>Philipp Jakob Spener,<\/em> <em>Briefwechsel mit Adam Rechenberg 1686\u20131704. Band 2: 1690\u20131691,<\/em> T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2025, geb., Ln., XXXV+708\u00a0S., \u20ac\u00a0229,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/en\/book\/briefwechsel-mit-adam-rechenberg-1686-1704-9783161644160\/\">978-3-16-164416-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>\u201eDaraus werdet Ihr leicht erkennen, welch ein Sturm \u00fcber unserer Kirche tobt\u201c (Nr.&nbsp;8, Z.&nbsp;17\u201318), so klagt Philipp Jakob Spener (1635\u20131705) im Februar 1690 \u00fcber die Situation der lutherischen Kirche. Adressat seines Schreibens ist der Leipziger Universit\u00e4tsprofessor Adam Rechenberg (1642\u20131721), seit 1686 durch Heirat mit Speners \u00e4ltester Tochter Susanna Katharina auch sein Schwiegersohn. Nun liegt der zweite von sechs B\u00e4nden des Briefwechsels zwischen Spener und Rechenberg vor, deren rege Korrespondenz die pers\u00f6nliche Vertrautheit und die enge Zusammenarbeit und Abstimmung, z.&nbsp;B. in Fragen von Stellenbesetzungen und Publikationen, zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Von den knapp 1150 erhaltenen Briefen, davon 700 von Spener an Rechenberg, werden in Band 2 weitere 173 Briefe aus den Jahren 1690 und 1691 ver\u00f6ffentlicht. Damit deckt der Briefwechsel jene Zeit ab, in der Spener noch kurs\u00e4chsischer Oberhofprediger in Dresden ist, bevor er im Juni 1691 Kursachsen Richtung Berlin verl\u00e4sst. Aus dieser Zeit sind nicht nur wie in Band 1 (1686\u20131689) die Briefe Speners an Rechenberg erhalten, sondern auch zahlreiche Briefe von Rechenberg an Spener, so dass in Schreiben und Antwortschreiben der Gedankenaustausch und die Entwicklung der Korrespondenzthemen gut sichtbar wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie zeitgen\u00f6ssisch \u00fcblich, korrespondierten die beiden Akademiker in lateinischer Sprache, die Briefe sind entsprechend in der lateinischen Fassung ediert und, wie f\u00fcr die Spener-Briefb\u00e4nde \u00fcblich, nicht ins Deutsche \u00fcbersetzt. Das mag man bedauern; erw\u00e4hnt werden muss aber auch, dass die Inhaltszusammenfassung zu Beginn jedes Briefs und die ausf\u00fchrliche Erl\u00e4uterung von erw\u00e4hnten Personen (in Biogrammen), Sachverhalten und Texten im Anmerkungsapparat, ebenso wie das Personen-, Orts- und Bibelstellen-Register (685\u2013708) dazu beitragen, die lateinischen Briefe inhaltlich zu erschlie\u00dfen. Die knappe Einleitung (XI\u2013XVI) f\u00fchrt in die Person Adam Rechenbergs ein, der im Vergleich zu Spener \u201ezu einem zupackenden Vorgehen\u201c (XIII) neige. Mehr muss zur Edition hier nicht mehr gesagt werden; auch Band 2 der Spener-Rechenberg-Korrespondenz entspricht dem gewohnten wissenschaftlichen Standard der historisch-kritischen Brief-Editionen.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Zeit vom 7.&nbsp;Januar 1690 bis zum 2.&nbsp;Juni 1691 werden 131 Briefe Speners sowie 42 Briefe Rechenbergs ediert. Die angesprochenen Themen sind nicht neu, sondern bekannt aus Speners Briefwechsel mit anderen Korrespondenten (s. Briefe aus der Dresdner Zeit, Bd.&nbsp;4) und aus seinem vorausgehenden Briefwechsel mit Rechenberg (s. Bd.&nbsp;1). Bereits der erste Brief (Nr.&nbsp;1) vom 7.&nbsp;Januar 1690 ist typisch f\u00fcr den Briefwechsel: Neben Gr\u00fc\u00dfen an seine Tochter Susanna Katharina kommt Spener auf die Stellung der Leipziger zu August Hermann Francke zu sprechen, distanziert sich vom Wittenberger Theologen Valentin Alberti, erw\u00e4hnt Vorw\u00fcrfe, die gegen Spener erhoben werden, die Kollekte f\u00fcr Opfer der franz\u00f6sischen Zerst\u00f6rungen in Rothenburg o.&nbsp;d. Tauber und zu besetzende Stellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei aller Vielfalt sind f\u00fcr die Zeit von Januar 1690 bis Juni 1691 zwei Themen prominent: die Untersuchung der pietistischen Unruhen in Leipzig und Speners Zerw\u00fcrfnis mit seinem Kurf\u00fcrsten. So kommt Spener gegen\u00fcber Rechenberg ab Januar 1690 immer wieder auf die pietistische Bewegung in Leipzig zu sprechen. Er \u00e4u\u00dfert sich besorgt \u00fcber Erbauungsversammlungen von Leipziger B\u00fcrgern, bis diese durch die kurs\u00e4chsische Landesregierung verboten werden (Nr.&nbsp;13, 15, 17, 18). Spener beschreibt seine Versuche, gegen Vorw\u00fcrfe gegen\u00fcber den Pietisten und dem Pietismus vorzugehen sowie sein Gutachten \u00fcber die Vorg\u00e4nge in Leipzig (Nr.&nbsp;20, 32\u201333, 42). Spener und Rechenberg kommentieren zwischen August und November 1690 (Nr.&nbsp;57\u201394) in fast jedem Brief die Untersuchung der Leipziger Unruhen, die in Leipzig angelegten Akten und Speners Gutachten zu den Untersuchungsakten. Die Beurteilung der Leipziger Vorg\u00e4nge ist verbunden mit der Kritik an der pietistischen Bewegung und oft auch an August Hermann Francke. In diesem Kontext fordert Spener wie schon fr\u00fcher (vgl. Bd.&nbsp;1, Nr.&nbsp;162) eine klare Definition, was seine Gegner als \u201ePietismus\u201c bezeichnen: \u201eOb ich zu den Komplizen des Pietismus gez\u00e4hlt werden kann, wird sich zeigen, wenn sie zuerst definieren, was sie Pietismus nennen. Denn wenn sie mit diesem Namen ein ernsthaftes Bestreben ausdr\u00fccken, die Fr\u00f6mmigkeit gem\u00e4\u00df der Wahrheit zu pflegen [&#8230;], so werde ich nicht z\u00f6gern, meinen Namen darunter zu schreiben\u201c (Nr.&nbsp;3, Z.&nbsp;27\u201332; \u00fcbers. v. U.T.).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Briefwechsel zeigt auch die Entwicklung des Verh\u00e4ltnisses von Spener und dem Leipziger Theologieprofessor Johann Benedict Carpzov (1639\u20131699), zunehmend ein scharfer Kritiker und Gegner der pietistischen Bewegung. Heute eher kurios muten dagegen die \u00dcberlegungen Speners und Rechenbergs an, ob bzw. wie sich die Gr\u00fcndung der Universit\u00e4t Halle (Saale) verhindern lassen k\u00f6nne (Nr.&nbsp;77, 78).<\/p>\n\n\n\n<p>Das zweite gro\u00dfe Thema ist Speners Wirken in Dresden. So vermutet Spener schon im April 1690, dass er vom Dresdner Hof entfernt werden soll (Nr.&nbsp;26), berichtet von seinem Zerw\u00fcrfnis mit Kurf\u00fcrst Johann Georg III. von Sachsen (Nr.&nbsp;27, 28, 95, 109 etc.), von Verunglimpfungen (Nr.&nbsp;38) und Vorw\u00fcrfen (Nr.&nbsp;29, 50). Er ber\u00e4t sich ab Juni 1690 mit Rechenberg \u00fcber die Anfrage, in Berlin das Amt eines Propstes zu \u00fcbernehmen (Nr.&nbsp;43, 44, 48). Die Kl\u00e4rung seiner Stellung in Dresden bzw. die Berufung nach Berlin dominieren die Briefe zwischen Dezember 1690 und Januar 1691 (Nr.&nbsp;109\u2013145), bis Spener im April 1691 seine Entlassung aus den kurf\u00fcrstlichen Diensten und die Berufung nach Berlin erh\u00e4lt (Nr.&nbsp;156\u2013157, 162).<\/p>\n\n\n\n<p>\u00a0Daneben korrespondieren Spener und Rechenberg \u00fcber theologische Fragen, die Besetzung von Stellen, ein taktisch kluges Vorgehen gegen Gegner, aber auch \u2013 selten \u2013 \u00fcber die famili\u00e4re oder politische Situation. Der Briefwechsel zwischen Spener und Rechenberg bietet damit \u201edetailreiche Einsichten in die aktuellen Auseinandersetzungen im Umfeld der beiden Briefpartner und in die Rollen, die beide in diesen Prozessen einnahmen\u201c (XVI). Auch der zweite Briefband richtet sich v.\u00a0a. an den fachwissenschaftlichen Leser, dem der Briefwechsel \u201eeine reichhaltige Quelle f\u00fcr die interdisziplin\u00e4re Erforschung der Fr\u00fchen Neuzeit und insbesondere des lutherischen Pietismus\u201c (XVI) bietet. Darin leistet auch Band 2 einen wichtigen Beitrag f\u00fcr die Pietismus-Forschung, und das ist ebenso von den vier noch in Arbeit befindlichen Briefb\u00e4nden zu erwarten.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Udo Str\u00e4ter in Zusammenarb. mit Claudia Neumann (Hg.): Philipp Jakob Spener, Briefwechsel mit Adam Rechenberg 1686\u20131704. 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