{"id":2655,"date":"2026-04-11T15:24:17","date_gmt":"2026-04-11T15:24:17","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2655"},"modified":"2026-04-11T15:24:19","modified_gmt":"2026-04-11T15:24:19","slug":"jakob-eisler-conrad-schick-autodidakt-forscher-koeniglich-wuerttembergischer-baurat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2655","title":{"rendered":"Jakob Eisler: Conrad Schick \u2013 Autodidakt, Forscher, K\u00f6niglich W\u00fcrttembergischer Baurat"},"content":{"rendered":"\n<p>Jakob Eisler: <em>Conrad Schick \u2013 Autodidakt, Forscher, K\u00f6niglich W\u00fcrttembergischer Baurat. Seine ersten Jahre in Pal\u00e4stina und Jerusalem<\/em>, Kleine Schriften des Vereins f\u00fcr w\u00fcrttembergische Kirchengeschichte 31, Stuttgart: Verein f\u00fcr w\u00fcrttembergische Kirchengeschichte, 2024, geb., 168 S., \u20ac 20,\u2013 ISBN <a href=\"https:\/\/www.verein.wuerttembergische-kirchengeschichte.de\/veroeffentlichungen\/kleine-schriften-des-vereins-fuer-wuerttembergische-kirchengeschichte\">978-3-944051-10-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Neben Johann Ludwig Schneller, dem Gr\u00fcnder des Syrischen Waisenhauses, war Conrad Schick zweifellos der bedeutendste Missionar der jungen, 1840 gegr\u00fcndeten Pilgermission auf dem St. Chrischona-Berg bei Basel. Wie Schneller arbeitete Schick in Jerusalem, anfangs als Leiter der diakonisch-p\u00e4dagogischen Einrichtung \u201eBr\u00fcderhaus\u201c, zunehmend jedoch als Erforscher und Kartograph Jerusalems und Architekt zahlreicher wichtiger Geb\u00e4ude und des Stadtviertels Mea Sche\u2019arim.<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Das Leben von Conrad Schick wurde erst in den letzten 50 Jahren wieder entdeckt (Vorwort, 9). In seiner \u201eEinf\u00fchrung zum Leben Conrad Schicks (1822\u20131901)\u201c gibt Eisler einen \u00dcberblick \u00fcber die Vita des Bauernsohnes von Bitz (bei Albstadt-Ebingen) auf der Schw\u00e4bischen Alb (13\u201330). Mit gro\u00dfer Liebe zum Zeichnen, Basteln und Gestalten ausgestattet, erlernt Schick in Korntal das Schlosser-Handwerk mit Berufsziel Missionar. Nach beruflicher Fortbildung in verschiedenen Werkst\u00e4tten und vergeblicher Bewerbung bei der Basler Mission wird Schick einer der fr\u00fchesten Pilgermissionare. Auf Anraten von Christian Friedrich Spittler reist Schick gemeinsam mit Johann Ferdinand Palmer 1846 von Basel via Triest, Beirut und Jaffa nach Jerusalem, um dort eine Missionsstation aufzubauen (16). Das \u201eBr\u00fcderhaus\u201c nahm in bescheidenem Rahmen seine Arbeit auf, aber die finanzielle Lage besserte sich auch auf lange Sicht nicht. Auch die Montage mitgebrachter Schwarzwalduhren sorgte nur kurzzeitig f\u00fcr finanzielle Erleichterung. Nach f\u00fcnf Jahren wechselte Schick in das handwerklich ausgerichtete \u201eIndustriehaus\u201c, das die Londoner Judenmissionsgesellschaft f\u00fcr Konvertiten 1848 eingerichtet hatte. Schick amtierte ab 1855 als Hausvater, danach auch als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. In Zusammenarbeit mit den Auszubildenden entstanden hier seine ber\u00fchmten Holzmodelle der Stadt Jerusalem (18).<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Auf den Seiten 18 bis 27 beschreibt Eisler mit zahlreichen historischen Pl\u00e4nen und Bildern die in Jerusalem und dar\u00fcber hinaus nachweisbaren Bauten und Pl\u00e4ne von Conrad Schick. Mithilfe der Einzelb\u00e4nde des Handbuchs <em>Die Schule der Baukunst: Ein Hb. f\u00fcr Architekten, Bau-u. Gewerbschulen, und zum Selbstunterricht f\u00fcr Bauhandwerker und Bauunternehmer<\/em> konnte sich Schick als Autodidakt ab 1854 in das anspruchsvolle Thema Architektur einarbeiten. Das j\u00fcdische Wohnviertel Mea Sche\u2019arim ist wahrscheinlich das bekannteste der f\u00fcnfzehn Projekte, die Eisler herausfinden konnte. Dazu kommen diverse Pl\u00e4ne Jerusalems, seit den 1860er Jahren zus\u00e4tzlich \u00fcber 400 Beitr\u00e4ge in Zeitschriften und Zeitungen. Schick wurde Mitglied in verschiedenen karitativen und wissenschaftlichen Vereinen. Seine Arbeit wurde siebenmal mit Orden, Titeln und der T\u00fcbinger Ehrendoktorw\u00fcrde ausgezeichnet (27\u201329). \u00dcber Schicks Holzmodelle von Bauten und Stadtvierteln Jerusalems hat nach Eislers Angaben Holger Siegel 2024 eine Dissertation verfasst (28), die bisher allerdings bibliographischnicht nachweisbar ist. In seinen letzten zehn Lebensjahren konnte Schick sein f\u00fcnfzigj\u00e4hriges Jerusalem-Jubil\u00e4um feiern und die Einweihung der Erl\u00f6serkirche durch Kaiser Wilhelm II. und Kaiserin August Victoria miterleben (30).<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Den zweiten und gr\u00f6\u00dften Teil der Monographie bildet die Ver\u00f6ffentlichung von 45 sprachlich modernisierten Briefen aus Schicks ersten f\u00fcnf Jahren im Orient von 1846 bis 1851 (31\u2013148). Zweiunddrei\u00dfig Briefe stammen aus Schicks Feder, dreizehn sind von Verwandten, Kollegen und Freunden, beispielsweise von Spittlers leitendem Mitarbeiter in der Zentrale der Christentumsgesellschaft, Louis J\u00e4ger (s. Theodor J\u00e4ger, <em>Jakob Ludwig Jaeger. Ein Lebensbild<\/em>, Basel: Kober, 1898). In den Briefen berichtet Schick zuerst von der Reise nach Jerusalem im Herbst 1846, von Hindernissen, ambivalenten neuen Eindr\u00fccken und schwierigen Anf\u00e4ngen, nicht un\u00e4hnlich dem acht Jahre sp\u00e4ter ausreisenden Johann Ludwig Schneller (Jakob Eisler, Arno G. Krau\u00df: <em>Nach Jerusalem m\u00fcssen wir fahren<\/em> [&#8230;], Lahr: Johannis [u.a.], 2002).<\/p>\n\n\n\n<p>&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp; Die Briefe besch\u00e4ftigen sich mit dem t\u00e4glichen Leben und der Ausbildung von Jungen im Br\u00fcderhaus (63, 80f, 91f, 95ff, 125, 135); oft werden die knappen Finanzen der Pilgermissionare erw\u00e4hnt. Durch den Verkauf von Schwarzw\u00e4lder Uhren, die als Bausatz ins Land gebracht worden waren, und selbst hergestellten Souvenirs wird manchmal die Kasse aufgebessert (76, 87, 92, 99, 130). Schick versucht, Wein herzustellen \u2013 vielleicht nicht nur, weil er \u201eals ein gutes Schmerzmittel gegen das Fieber empfohlen wird\u201c (124). Selbstversorgung durch einen Garten ist sehr wichtig (73). Um die Einnahmenseite zu st\u00e4rken, wird eine Seidenraupenzucht geplant, kann aber nicht umgesetzt werden (120, 134, 137, 147). Oft werden Krankheitsn\u00f6te erw\u00e4hnt (61, 71f, 119, 141f); Ferdinand Palmer w\u00e4re fast gestorben (142). Das einfache Leben, die Armut der Stadtbewohner, aber auch \u00fcbertriebene Erwartungen an ein Leben in Jerusalem werden entt\u00e4uscht (44f, 46, 52). Eine \u201ePhysharmonika\u201c (Vorl\u00e4ufer des Harmoniums) w\u00e4re zur F\u00f6rderung des geistlichen Lebens willkommen (47, 60, 76, 126). G\u00e4ste werden manchmal zur Last (90).<\/p>\n\n\n\n<p>Erste Erkundungen in der N\u00e4he und im weiteren Heiligen Land illustrieren die Fremdheit des Vorderen Orients: die bunte Kleidung und \u201ekomische Musik\u201c, als der Pascha hoch zu Ross, nicht in einer Kutsche, von einer Reise zur\u00fcckkehrt (54). Die Zeremonien an den Feiertagen werden als unangenehm erlebt (54f). Es g\u00e4be zwar sch\u00f6ne Gegenden, in denen sich europ\u00e4ische Kolonisten niederlassen k\u00f6nnten (82, 92f, 101f, 104, 114). In der Praxis scheitern die Eingewanderten aber oft, sodass Schick Amerika als bessere Destination f\u00fcr Auswanderungswillige ausmacht (89, 95, 131, 135, 141). Ausdr\u00fccklich deklariert Schick seine \u00dcberlegungen zur Kolonisation als \u201enur meine Gedanken\u201c (90). Nicht zuletzt werden die politischen Umw\u00e4lzungen von 1848 in der Heimat erw\u00e4hnt (79, 81, 88f, 127f).<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich naht das Ende der Arbeit im Br\u00fcderhaus, weil im Oktober 1849 zuerst Heinrich Baldensperger austritt. Palmer und Schick wechseln 1850 und 1851 in den Dienst der englischen Judenmissionsgesellschaft CMJ bzw. ihrer Einrichtungen im Heiligen Land. Eine Rolle spielte dabei, dass die Pilgermission die Kosten f\u00fcr verheiratete Missionare nicht aufbringen konnte (122, 126, 145).<\/p>\n\n\n\n<p>Den Schluss des Buchs bildet eine detaillierte Bibliographie der Schriften und Aufs\u00e4tze von Conrad Schick (149\u2013165), die Haim Goren und Jakob Eisler zusammengetragen haben. Goren hat wie Eisler auf dem Gebiet der Pal\u00e4stinaeinwanderung und -erforschung publiziert (u. a. <em>\u201eZieht hin und erforscht das Land<\/em><em>\u201c. Die deutsche Pal\u00e4stinaforschung im 19. Jahrhundert<\/em>, G\u00f6ttingen, 2003).<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende des Bandes befinden sich das Titelblatt und eine Zusammenfassung des Inhalts (\u05ea\u05e7\u05e6\u05d9\u05e8) auf Neuhebr\u00e4isch (168\u2013166, \u05d2 \u2013\u05d0).<\/p>\n\n\n\n<p>Die beigegebenen Abbildungen ergeben statt der gedruckten Anzahl \u201e36\u201c richtig die Gesamtzahl achtunddrei\u00dfig, weil die Nummer 34 zweimal vergeben wurde und eine Abbildung auf S. 8 nicht gez\u00e4hlt wurde. Gerne h\u00e4tte der Leser \u2013 wenn archivalisch m\u00f6glich \u2013 mehr \u00fcber die Herkunft der Bilder erfahren. Zumindest Namensregister und Ortsregister w\u00e4ren praktisch gewesen, aber auch in der vorliegenden Form hat das Werk seinen Zweck in hohem Ma\u00dfe erf\u00fcllt: \u201eM\u00f6gen diese Liste und diese Quellen zu Schicks Leben weitere Forscher ermuntern, \u00fcber Schick und sein Werk f\u00fcr Jerusalem und das Heilige Land weiter zu forschen.\u201c (Eisler im Vorwort, 10)<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Schriesheim<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jakob Eisler: Conrad Schick \u2013 Autodidakt, Forscher, K\u00f6niglich W\u00fcrttembergischer Baurat. 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