{"id":2670,"date":"2026-04-11T15:36:30","date_gmt":"2026-04-11T15:36:30","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2670"},"modified":"2026-04-11T15:36:32","modified_gmt":"2026-04-11T15:36:32","slug":"markus-witte-das-buch-hiob","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2670","title":{"rendered":"Markus Witte, Das Buch Hiob"},"content":{"rendered":"\n<p>Markus Witte, <em>Das Buch Hiob<\/em>, ATD 13, G\u00f6ttingen: V&amp;R, 2021, L+698\u00a0S., \u20ac\u00a0130,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/56351\/das-buch-hiob?number=1006731\">978-3-525-51643-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Markus Witte legt einen Kommentar zu Hiob vor, der fast 700 Textseiten umfasst. Seine Ver\u00f6ffentlichungen zum Hiobbuch umfassen nicht zuletzt seine Dissertation von 1994 oder auch einen Sammelband von Studien von 2018. Damit k\u00f6nnte diese Rezension auch schon ihr Ende finden, denn diese Eckdaten erz\u00e4hlen die Geschichte von jemanden, der mit diesem Bibelbuch gut 30 Jahre unterwegs ist, vieles gelesen, bewegt und diskutiert hat. Es sollte niemanden \u00fcberraschen, dass mit diesem Kommentar ein wertvoller Gespr\u00e4chspartner f\u00fcr alle vorliegt, die sich mit Hiob, mit der Rezeptionsgeschichte Hiobs oder alttestamentlicher Weisheit besch\u00e4ftigen wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wittes Kommentar tritt an die Stelle von Artur Weisers Kommentar, 1951 erstmals erschienen, 1974 zuletzt durchgesehen, aber nicht grundlegend \u00fcberarbeitet und seitdem nur nachgedruckt. Bei aller Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr Weisers Kommentar begr\u00fcndet Witte seine \u201egrundlegend neue Kommentierung\u201c mit den Ver\u00e4nderungen im Bild der biblischen Literatur- und Theologiegeschichte und der Anforderung, dass ein Kommentar den biblischen Text stets f\u00fcr seine Gegenwart auslegen muss. Sein Kommentar \u201eist in einem umfassenden Sinn redaktionsgeschichtlich [\u2026], verbindet die klassischen historisch-kritischen Fragen nach der Ursprungsintention und der Ursprungssituation der literarkritisch ermittelten Schichten mit den Fragen nach der literarischen und theologischen Funktion, welche die aufgenommen Texte in ihrem jeweils neuen literarischen und religionsgeschichtlichen Kontext haben. Zudem bezieht er die fr\u00fche Rezeptionsgeschichte ein.\u201c Damit bringt Witte sehr treffend auf den Punkt, was mit diesem Kommentar vorliegt. Vier Punkte ergeben sich daraus, denen ein besonderes Augenmerk gilt: 1. Fortschreibungen und Redaktionen tragen zu einem fortlaufenden Auslegungsprozess bei, wobei \u201ein den j\u00fcngsten Fortschreibungsphasen die \u00dcberg\u00e4nge von der Literatur- und Textgeschichte flie\u00dfend sind\u201c (1); 2. Die Kommentierung geht vom masoretischen Text aus, aber die LXX wird als eigenst\u00e4ndige Textform gesehen und Differenzen zwischen MT und LXX werden konsequent in den Blick genommen; 3. Die umfangreichen altorientalischen Texte zu Fragen der g\u00f6ttlichen Gerechtigkeit oder einer argumentativen Auseinandersetzung mit G\u00f6ttern werden ber\u00fccksichtigt, weil \u201ebei aller literarischen und theologischen Originalit\u00e4t \u2026 das Hiobbuch tief in der vorderorientalischen und antiken griech. Mythologie sowie der israelitisch-j\u00fcdischen Literatur verankert [ist], mit denen es spielerisch und kreativ umgeht\u201c (2); 4. Die Wirkungsgeschichte des Hiobbuches kommt immer wieder beispielhaft in den Blick, weil sie sowohl ein Licht auf den Ursprungstext wirft als auch zum gegenw\u00e4rtigen Verstehen beitr\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese vier Punkte beschreiben wichtige Facetten der Kommentierung und machen viele \u00dcberlegungen und Diskussionen von Witte nachvollziehbar. Man muss nicht alle diese Punkte teilen oder das jeweilige Ph\u00e4nomen auf dieselbe Art und Weise beschreiben, um von der jahrzehntelangen Besch\u00e4ftigung Wittes bereichert, angeregt oder zum Widerspruch angestachelt zu werden. Diese vielf\u00e4ltigen Reaktionen auf einzelne Kommentierungen, Argumentationen oder Thesen werden sich wohl wechselhaft bei Leserinnen und Lesern des Kommentars einstellen. Das mag aber vielleicht weniger \u00fcber Wittes Kommentar aussagen als \u00fcber das Verh\u00e4ltnis, das in meiner Erfahrung und Beobachtung viele Menschen zum Hiobbuch pflegen. \u00c4hnlich wie das beim Jonabuch der Fall ist, trifft man bei alttestamentlich interessierten Menschen immer wieder auf tiefe \u00dcberzeugungen, die sich nicht oder nur wenig durch Beobachtungen am Text, theologische oder geschichtliche oder wirkungsgeschichtliche \u00dcberlegungen beeindrucken oder gar ersch\u00fcttern lassen. Neben diesem eigent\u00fcmlichen Ph\u00e4nomen tr\u00e4gt auch das Hiobbuch selbst auf eine f\u00fcr mich eindr\u00fcckliche Weise zu diesen vielf\u00e4ltigen Reaktionen bei. Das Zusammenspiel von einzelnen Teilen des Buches (Prolog, Hiob 3, die Freundesreden, Hiob 28, Hiob 29-31, die Elihureden, die Gottesreden, Epilog) zum Buchganzen l\u00e4dt zu vielf\u00e4ltigen Perspektiven ein und fordert den Ausleger in einer Weise heraus, wie es wohl nur f\u00fcr wenige Bibelb\u00fccher der Fall ist. \u00c4ndert sich die Perspektive oder die Auslegung einer dieser Abschnitte, so hat das nicht selten Auswirkungen auf das Buchganze und umgekehrt. Das Zusammenspiel der einzelnen Buchteile ist ebenso eine Fundgrube f\u00fcr Bereicherung und Herausforderung. Kurzum, wenn Wittes Kommentar bereichert, anregt und zum Widerspruch anstachelt, sollte das nicht \u00fcberraschen und sagt nicht nur etwas \u00fcber seine Kommentierung aus. Beispielsweise w\u00fcrde ich engagiert \u00fcber Wittes Bestimmung des Zentrums des Buches diskutieren. F\u00fcr ihn stehen dort drei Fragen, also die Frage nach dem Sinn des Leidens, nach dem grunds\u00e4tzlichen Wesen Gottes und des Menschen und die Frage nach M\u00f6glichkeiten der Erkenntnis Gottes und der angemessenen Rede von ihm (7). F\u00fcr die erste Frage ist das Hiobbuch bekannt und wird gerne zu Rate gezogen, wenn diese Frage umtreibt, ob nun pers\u00f6nlich existenziell oder theologisch. Die beiden anderen Fragen spielen im Laufe des Buches eine wichtige Rolle, nicht zuletzt bei den Gottesreden, aber auch bei den Reden der Freunde \u00fcber Gott oder Hiobs (Streit-)Reden mit Gott. Es kann also kein Zweifel daran bestehen, dass sie bei der Lekt\u00fcre des Buches eine wichtige, teilweise weichenstellende Bedeutung haben. Aber warum sollte man sie als zentral beschreiben, gerade wenn die erste Frage m.&nbsp;E. letztlich im Buch nicht beantwortet wird und man mit Blick auf die dritte Frage \u00fcberlegen muss, ob dies eine passende Frage f\u00fcr die Entstehungszeit des Buches ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sich nicht auf die umfangreiche Kommentierung einlassen kann, sollte sich auf jeden Fall die \u00fcber 70-seitige Einleitung g\u00f6nnen und die Sch\u00e4tze, die mit Blick auf Sprache, Stil, altorientalische und griechische Parallelen oder Rezeptionsgeschichte zusammengestellt werden, entdecken. Witte fasst seine entstehungsgeschichtlichen Thesen kompakt auf Seite 45-59 (davon Tabellen auf 57\u201359) zusammen. Wer sich auf alle 700 Seiten einl\u00e4sst, wird mit einer Vielzahl an wertvollen Beobachtungen und \u00dcberlegungen, anregenden Diskussionen und Perspektiven, diskussionsw\u00fcrdigen Positionen und Thesen und einem Schatz an rezeptionsgeschichtlichen Informationen beschenkt. Kurzum, es liegt ein Kommentar vor, der f\u00fcr ein Studium des Hiobbuches auf dem Schreibtisch oder neben dem Lesesessel liegen sollte.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Heiko Wenzel, Research Fellow University of Pretoria<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Witte, Das Buch Hiob, ATD 13, G\u00f6ttingen: V&amp;R, 2021, L+698\u00a0S., \u20ac\u00a0130,\u2013, ISBN 978-3-525-51643-0 Markus Witte legt einen Kommentar zu<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":2671,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2670","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2670","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2670"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2670\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2672,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2670\/revisions\/2672"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2671"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2670"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2670"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2670"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}