{"id":2676,"date":"2026-04-11T15:40:23","date_gmt":"2026-04-11T15:40:23","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2676"},"modified":"2026-04-11T15:40:24","modified_gmt":"2026-04-11T15:40:24","slug":"hans-christoph-aurin-benno-jacob-zu-levitikus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2676","title":{"rendered":"Hans-Christoph Aurin, Benno Jacob zu Levitikus"},"content":{"rendered":"\n<p>Hans-Christoph Aurin, <em>Benno Jacob zu Levitikus. Eine Studie zu seinem Nachlass mit Edition des Manuskripts \u201eLeviticus 17-20\u201c<\/em>, FAT II\/134, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2022, XIV+461\u00a0S., \u20ac\u00a0109,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/benno-jacob-zu-levitikus-9783161610363\/\">978-3-16-161036-3<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Schon ein Hinweis darauf, dass unvollst\u00e4ndige Manuskripte und Notizen von Benno Jacob zu Levitikus zug\u00e4nglich gemacht werden, kann leicht Vorfreude bei all denen ausl\u00f6sen, die mit dem Genesis- oder Exoduskommentar von Benno Jacob gearbeitet haben. Seit 2013 arbeitet das Benno-Jacob-Editionsprojekt an der Hebr\u00e4ischen Universit\u00e4t in Jerusalem unter der Leitung von Shimon Gesundheit an der Herausgabe weiterer Schriften. Der erste Band kam 2021 unter dem Titel \u201cStudien zur Thora\u201d heraus, der einige fr\u00fche Studien von Jacob leicht zug\u00e4nglich macht, einleitet und kommentiert. Mit Reinhard Gregor Kratz an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen und weiteren Mitarbeitern gibt es seit 2017 einen deutschen Kooperationspartner.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit seiner Dissertation legt Hans-Christoph Aurin eine Vorstudie der geplanten und in Arbeit befindlichen Edition vor, in der er sich auf Jacobs Manuskript zu Lev&nbsp;17\u201320 aus dem Jahre 1903 beschr\u00e4nkt. Dieses Manuskript wird editiert und \u201ewerkbiografisch, methodisch und exegetisch\u201c kommentiert (7). In Teil I findet sich \u201eWerkbiografisches\u201c (13\u201336) und eine Charakterisierung von Jacob und seinem Werk (\u201eEin konservativ-freisinniger Gelehrter\u201c; 37\u201360). Im zweiten Teil stellt Aurin Textkritisches (63\u201378), die Auseinandersetzung mit Literarkritik (79\u2013104) und mit religionsgeschichtlichen Entwicklungen (105\u2013128) sowie Jacobs Verh\u00e4ltnis zur traditionellen j\u00fcdischen Exegese (129\u2013153) dar. Im dritten Teil findet sich eine Darstellung und Auseinandersetzung mit Jacobs Exegese von Lev 17 (157\u2013197), Lev&nbsp;18 (198\u2013228), Lev&nbsp;19 (229\u2013277) sowie eine kompakte Zusammenfassung dieser Teile seiner Arbeit (279\u2013288) bevor die Edition von Lev&nbsp;17\u201320 folgt (292\u2013427).<\/p>\n\n\n\n<p>Jacobs Arbeiten wurden von Martin Buber und Franz Rosenzweig sehr gesch\u00e4tzt. Gleiches gilt beispielsweise auch f\u00fcr Gerhard von Rad, Brevard Childs und Norbert Lohfink. Aurin beschreibt Jacobs Auslegungen als \u201ewerkimmanenten Interpretationsansatz\u201c (2), der sich in seiner Zeit (1862\u20131945) gegen Theorien der Quellenscheidung und religionsgeschichtlichen Entwicklungen stellte. Zurecht stellt Aurin heraus, dass Jacobs Lekt\u00fcre von Gesetzestexten Robert Alters Werke zu Poesie und Narrativen um \u201eThe Art of Biblical Law\u201c erg\u00e4nzt (5). Jacobs scharfe Polemik und konservative Tendenz haben dazu beigetragen, dass sein Werk viele Jahre wenig beachtet wurde, was sich aber in den vergangenen drei Jahrzehnten ver\u00e4ndert hat. Es ist das Verdienst u.&nbsp;a. von Almuth J\u00fcrgensen und Bernd Janowski, dass der Exoduskommentar 1997 erschienen ist und der Calwer Verlag drei Jahre sp\u00e4ter den Genesiskommentar wieder herausgegeben hat (Erstver\u00f6ffentlichung 1934).<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung von Jacobs Werk sieht Aurin vor allem an zwei Stellen: \u201eSie liegt zum Einen in seiner philologisch genauen Einzelexegese, die eine gro\u00dfe Zahl wertvoller Beobachtungen am biblischen Text vereint.\u201c (4) Norbert Lohfink begr\u00fcndete bereits 1971 in einem Gutachten nicht zuletzt damit seine Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ver\u00f6ffentlichung von Jacobs Exoduskommentar: \u201eBei B. Jacob ist eine bestimmte Konstellation von Bildungsvoraussetzungen und Interessenrichtungen gegeben, die nicht wiederholbar ist, selbst nicht bei heute lebenden j\u00fcdischen Gelehrten. Es w\u00e4re gut, wenn jeder Bibelwissenschaftler, der \u00fcber das Buch Exodus arbeitet, durch die Existenz des Jacobschen Kommentars gezwungen w\u00e4re, sich dieser kritischen Instanz zu stellen.\u201c (ebd.). Dies kann in gleichem Ma\u00dfe nicht f\u00fcr das vorliegende Levitikus-Manuskript gelten, weil dieses unvollst\u00e4ndig ist und das Zusammenspiel von vielen Einzelbeobachtungen und einer Lekt\u00fcre gr\u00f6\u00dferer Abschnitte und des gesamten Buches nur eingeschr\u00e4nkt sichtbar wird. Dem Wert einer aufmerksamen und reflektierten Lekt\u00fcre des masoretischen Texten kann man sich aber auch bei dem unvollst\u00e4ndigen Manuskript kaum entziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bedeutung von Jacobs Schriften liegt sicherlich auch darin begr\u00fcndet, dass er verschiedene Fronten mehr oder minder gleichzeitig bearbeitet. Seine Auslegung erfolgt im Gegen\u00fcber und immer wieder auch in Abgrenzung zu einer historischen Kritik, zu antisemitischen Tendenzen und zu einer gewissen Form der Orthodoxie: \u201eEbenso unm\u00f6glich ist eine <em>orthodoxe Wissenschaft<\/em> des Judentums, die man neuerdings etablieren m\u00f6chte. Es kann wohl eine orthodoxe <em>Gelehrsamkeit <\/em>geben, aber eine freie Forschung, der schon am Anfang das Resultat feststeht, ist ein innerer Widerspruch.\u201c (so Jacob in <em>Das Judentum und die Ergebnisse der Assyriologie I <\/em>im Jahre 1902, zitiert von Aurin, 44). Diese Distanz ist wohl auch im Offenbarungsbegriff begr\u00fcndet, \u201eder menschliche Einsicht mit g\u00f6ttlicher Offenbarung verbindet\u201c (44). Jacob selbst sagt: \u201eOb eine Satzung g\u00f6ttlich ist, dar\u00fcber entscheidet nach meiner Ansicht niemals eine \u00e4u\u00dfere Beglaubigung, sie sei noch ehrw\u00fcrdig durch ihr alter, klangvoll durch ihren Namen, kein \u00e4u\u00dferes Zeugnis, sondern nur das innere Zeugnis, ihre innere Wahrheit, ihr inneres sittliches Verm\u00f6gen, es entscheidet dar\u00fcber, ob sie bestanden hat und bestehen kann vor dem Richterstuhl der Vernunft, der Stimmes des Gewissens, an dem Pr\u00fcfstein der thats\u00e4chlichen Bew\u00e4hrung und einer weisen Piet\u00e4t.\u201c (zitiert bei Aurin, 45, Fn. 39).<\/p>\n\n\n\n<p>Christoph Dohmens Exoduskommentar hatte mich vor Jahren auf Jacobs F\u00e4hrte gebracht und es ist immer wieder eine gro\u00dfe Bereicherung einer Kommentierung von Benno Jacob zu lauschen, noch einmal zum biblischen Text zur\u00fcckzukommen und seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen hin- und her zu bewegen. Es ist eine Freude zu sehen, dass Benno Jacobs Beitr\u00e4ge inzwischen einem gr\u00f6\u00dferen Kreis von Interessierten zug\u00e4nglich ist. Leider war es Benno Jacob und uns sp\u00e4ter Geborenen nicht verg\u00f6nnt, vergleichbare Ausgaben zu Numeri oder Deuteronomium in den H\u00e4nden zu halten. Man kann mit Spannung erwarten, welche Sch\u00e4tze das Editionsprojekt zutage f\u00f6rdern wird. Hans-Christoph Aurin hat die M\u00fche auf sich genommen, nicht nur Manuskripte, sondern auch Fragmente und Notizen zu sammeln, zu sichten und in seiner Dissertation auszuwerten. Ihm gilt das Verdienst, damit einen weiteren Teil von Jacobs eindr\u00fccklichem und wertvollem Schaffen sp\u00e4teren Generationen zug\u00e4nglich zu machen und viele Beobachtungen, \u00dcberlegungen und Einsichten zu Levitikus. Wer diese Zusammenstellung, Erschlie\u00dfung und Kommentierungen von Benno Jacobs Ausf\u00fchrungen und \u00dcberlegungen zu Levitikus in die Hand nimmt, wird nicht nur in seiner Lekt\u00fcre von Levitikus bereichert werden, sondern ist einem Gelehrten auf der Spur, der um akademische und gesellschaftliche Herausforderungen seiner Zeit wei\u00df und sich engagiert sowohl mit diesen wie auch mit biblischen Texten auseinandersetzt, um seinen Weg ringt und nicht von dem Applaus anderer gelebt hat.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Heiko Wenzel, Research Fellow University of Pretoria<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans-Christoph Aurin, Benno Jacob zu Levitikus. 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