{"id":2685,"date":"2026-04-11T15:50:30","date_gmt":"2026-04-11T15:50:30","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2685"},"modified":"2026-04-11T15:59:03","modified_gmt":"2026-04-11T15:59:03","slug":"arnold-clinton-e-colossians-moo-douglas-j-the-letter-to-the-colossians-and-to-philemon","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2685","title":{"rendered":"Arnold, Clinton E.: Colossians \/ Moo, Douglas J.: The Letter to the Colossians and to Philemon"},"content":{"rendered":"\n<p>Arnold, Clinton E.: <em>Colossians<\/em>. Word Biblical Commentary 44a, 2. Aufl., Grand Rapids: Zondervan Academic, 2025, geb., 860\u00a0S., $\u00a074,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/zondervanacademic.com\/products\/colossians-volume-44a\">978-0-310-12521-1 <\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Moo, Douglas J.: <em>The Letter to the Colossians and to Philemon<\/em>. Pillar New Testament Commentary, 2. Aufl., Grand Rapids: Eerdmans, 2024, geb., xlix + 478\u00a0S., $\u00a051,\u00ad\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/9780802879370\/the-letters-to-the-colossians-and-to-philemon-2nd-ed\/\">978-0-8028-7397-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Neuerlich sind Kolosser- bzw. Philemonkommentare von zwei renommierten Paulus-Forschern in 2. Auflage erschienen. 2024 brachte Douglas Moo, Professor Emeritus am Wheaton College, eine revidierte Fassung seines erstmals 2008 ver\u00f6ffentlichten Kommentars zum Kolosser- und Philemonbrief (fortan mit \u201eKol\u201c und \u201ePhlm\u201c abgek\u00fcrzt) heraus. Moo revidiert keine seiner Ansichten, setzt sich aber mit der neuen Literatur zum Kol intensiv auseinander. 2025 ver\u00f6ffentlichte Clinton E. Arnold, Professor of New Testament am Talbot School of Theology, einen umfangreichen Kolosserkommentar. Die Word Biblical Commentary-Reihe beschreibt ihn als \u201eSecond Edition\u201c, weil er den 1982 erschienenen Band von Peter O\u2019Brien ersetzt, er ist aber in Wirklichkeit die erste Auflage des Kommentars von Arnold.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Autoren sind bekannte Repr\u00e4sentanten des Mainstreams der amerikanischen evangelikalen Forschung. Sie machen sich stark f\u00fcr die paulinische Verfasserschaft des Kol \u2013 inzwischen wohl die Mehrheitsposition in der angels\u00e4chsischen Forschung. Moo fasst die g\u00e4ngigen Argumente daf\u00fcr ad\u00e4quat zusammen. Arnold leistet einen neuen Beitrag, indem er sich in einem langen Exkurs mit der 1973 ver\u00f6ffentlichten Heidelberger Dissertation Walter Bujards, <em>Stilanalytische Untersuchungen zum Kolosserbrief,<\/em> auseinandersetzt. Diese Monographie f\u00fchrte nahezu eigenst\u00e4ndig den Umschwung in der kritischen deutschen Forschung hin zur Konsensposition, dass der Kol nicht von Paulus geschrieben wurde, herbei. Bis heute gelten Bujards Schl\u00fcsse hierzulande als unumst\u00f6\u00dflich. Arnold gelingt es zu zeigen, dass Bujards Werk selbst nach den damaligen wissenschaftlichen Standards methodische Ungereimtheiten aufwies und dass seine Resultate anhand von moderner computerunterst\u00fctzter stilographischer Analyse keinesfalls als gesichert gelten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Autoren spiegeln die Mehrheitsposition der angels\u00e4chsischen Forschung wider, dass Phlm und Kol w\u00e4hrend der r\u00f6mischen Gefangenschaft (60\u201362 n.&nbsp;Chr.) geschrieben wurden. So widersprechen sie der deutschen Forschung, die den Kol mit wenigen Ausnahmen f\u00fcr pseudepigraphisch h\u00e4lt und mehrheitlich von der Verfassung des Phlm in Ephesus (50\u201353 n. Chr.) ausgeht. Ein Grund f\u00fcr ihr Festhalten an der sp\u00e4teren Datierung besteht darin, dass sie (insbes. Moo) die These vorschnell akzeptieren, dass der Kol eine sp\u00e4tere Entwicklung in der Theologie des Paulus darstellt. Ich habe in meinem Kolosser-Kommentar (Der Brief des Paulus an die Kolosser, HTA, 2018) daf\u00fcr pl\u00e4diert, dass es an der Zeit ist, diesen Gemeinplatz der Forschung neu zu \u00fcberdenken, u.&nbsp;a. wegen auff\u00e4lliger \u00dcbereinstimmungen des Kol mit den Korintherbriefen. Trotzdem bescheinigen beide Autoren, dass die Theologie des Kol mit der Theologie des Paulus v\u00f6llig kompatibel ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Bez\u00fcglich der sogenannten \u201ekolossischen Irrlehre\u201c sind beide Autoren der Meinung, dass es sich um eine synkretistische Mischung aus j\u00fcdischen und paganen Elementen (Letztere insbes. aus dem phrygischen Volksglauben und den Mysterienreligionen) handelt, die das von Epaphras verk\u00fcndete Evangelium verw\u00e4sserte. Arnold ist ein bekannter Vertreter dieser Deutung (vgl. Colossian Syncretism, WUNT 2\/77, 1995), und Moo folgt ihm explizit, aber etwas vorsichtiger darin. Arnold liefert nun eine umfangreiche Verteidigung dieser Position, die jeden Kolosser-Forscher (auch mich) herausfordert. Ihm gelingt es n\u00e4mlich noch st\u00e4rker als bisher, den Einfluss magischer apotrop\u00e4ischer Praktiken auf die kolossische Irrlehre aufzuzeigen. Das ist kein Ph\u00e4nomen, das nur au\u00dferhalb j\u00fcdischer und christlicher Kreise in der Antike vorkommt. Ich bleibe bei meiner These, dass diese Praktiken \u00fcber heterodoxe j\u00fcdische Gruppierungen in die Gemeinde in Koloss\u00e4 hineinwirkten, halte sie aber nun nach der Lekt\u00fcre f\u00fcr gewichtiger als bisher.<\/p>\n\n\n\n<p>Arnold bleibt in seinem Kommentar bei seiner Meinung (vgl. Syncretism), dass der Begriff <em>embateuein<\/em> in Kol 2,18 ein <em>terminus technicus<\/em> der Mysterienreligionen ist, wie Dibelius bereits vermutete. Er verweist auf das mehrfache Vorkommen des Wortes in Inschriften des Apollo-Heiligtums im nahegelegenen Claros. Das h\u00e4ngt aber, wie Francis 1973 zeigen konnte, eng mit dem dort erforderlichen physischen \u201eEingehen\u201c in den Tempel zusammen und bedeutet an sich nicht Initiation in die Mysterien. Moo ist in seiner Deutung vorzuziehen, dass <em>embateuein<\/em> metaphorisch im Sinne von \u201ego into great detail about\u201c aufzufassen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Was das sogenannte \u201eChristuslied\u201c (Kol 1,15\u201320) angeht, schlie\u00dfen beide Autoren nicht aus, dass es von Paulus stammen k\u00f6nnte, neigen aber mit der Mehrheit dazu, ihm der Feder eines Dichters aus dem Kreis des Apostels zuzuschreiben. Arnold betont st\u00e4rker die vermeintlich weisheitlichen Traditionen hinter dem Lied; Moo bleibt demgegen\u00fcber etwas skeptischer. Arnold verweist m.&nbsp;E. zurecht auf den Sitz im Leben des Liedes in den Gemeinden im Lykostal; dort wurde es in ihren Gottesdiensten gesungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sowohl Moo als auch Arnold liefern gute Argumente daf\u00fcr, dass die Wendung \u201eAnbetung der Engel\u201c in Kol 2,18 als ein objektiver Genitiv (und nicht, wie viele Ausleger inzwischen meinen, ein subjektiver Genitiv) aufzufassen ist. Die Ausrichtung der Irrlehre war also, dass man durch asketische Praktiken und das Halten j\u00fcdischer Speiseregeln (Letzteres wird st\u00e4rker von Moo betont) in die Lage versetzt wird, Engelwesen in Visionen zu sehen und zu huldigen, damit man sie als Schutz vor b\u00f6sen M\u00e4chten herbeiholen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Meinungen von Arnold und Moo zu weiteren vieldiskutierten Stellen werden hier nur kurz erw\u00e4hnt. 1. Die <em>crux interpretum<\/em> \u201eich erg\u00e4nze in meinem Leib die ausstehenden Leiden Christi\u201c (Kol 1,24) deuten beide Autoren vor dem Hintergrund des jesajanischen Knechts, dessen Auftrag Paulus weiterf\u00fchrt. 2. Die \u201eElemente der Welt\u201c (Kol 2,8.20) fasst Arnold als \u201edemonic spirits\u201c und Moo als \u201ecosmic powers\u201c auf. 3. Beide verorten die Haustafel (Kol 3,18\u20134,1) in der griechischen Oikonomik, betonen aber die grunds\u00e4tzliche Neuorientierung des christlichen Haushaltes auf Jesus.<\/p>\n\n\n\n<p>Moo kommentiert nicht nur den Kol, sondern auch den Phlm. Er bleibt in den Spuren der angels\u00e4chsischen Mainstreamforschung, lieb\u00e4ugelt aber mit neueren Deutungsversuchen: 1. Onesimus ist wahrscheinlich ein entlaufener Sklave, aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Onesimus Paulus bewusst aufsucht, damit der Apostel f\u00fcr ihn bei seinem Herrn vermittelt. 2. Paulus dr\u00e4ngt nicht auf die Freilassung des Onesimus, aber seine Aufforderung, Philemon m\u00f6ge Onesimus als \u201egeliebten Bruder\u201c aufnehmen, impliziert eine radikale Ver\u00e4nderung in der Beziehung, die doch erst durch Emanzipation m\u00f6glich wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Fazit: Grunds\u00e4tzlich sind die exegetischen Leistungen beider Autoren zu w\u00fcrdigen. Wer Moos Kommentar von 2008 hat, wird in der 2. Auflage keinen neuen Ansichten begegnen. Arnolds Werk fasst hingegen seine wichtigen Ergebnisse aus mehr als drei Jahrzehnten intensiver Kolosser-Forschung erstmals in einem Kommentar zusammen. Hier werden nicht nur viele neuere Studien ber\u00fccksichtigt, sondern auch viele Prim\u00e4rquellen gr\u00fcndlich untersucht. Er setzt damit neue Ma\u00dfst\u00e4be, die Beachtung verdienen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Joel White, Professor f\u00fcr Neues Testament, Freie Theologische Hochschule Gie\u00dfen, und Honorary Research Fellow, Morling College, Sydney, Australien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Arnold, Clinton E.: Colossians. Word Biblical Commentary 44a, 2. 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