{"id":2701,"date":"2026-04-11T16:10:47","date_gmt":"2026-04-11T16:10:47","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2701"},"modified":"2026-04-11T16:10:48","modified_gmt":"2026-04-11T16:10:48","slug":"mark-scanlan-an-interweaving-ecclesiology","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2701","title":{"rendered":"Mark Scanlan: An Interweaving Ecclesiology"},"content":{"rendered":"\n<p>Mark Scanlan: <em>An Interweaving Ecclesiology. The Church, Mission and Young People<\/em>,\u00a0 London: SCM Press, 2021, Pb., 254 S., \u20ac 34,30, ISBN <a href=\"https:\/\/scmpress.hymnsam.co.uk\/books\/9780334060765\/an-interweaving-ecclesiology\">9780334060765<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Mit <em>An Interweaving Ecclesiology. The Church, Mission and Young People<\/em> legt Mark Scanlan eine theologisch reflektierte und empirisch fundierte Studie vor, welche im Ergebnis auf eine neue ekklesiologische Verh\u00e4ltnisbestimmung zwischen Kirchen und christlichen Jugendgruppen hinausl\u00e4uft. Seine Studie basiert auf einer ethnografischen Feldforschung in zwei christlichen Jugendgruppen in England und wurde bereits 2017 im Rahmen seiner Doktorarbeit unter dem Titel <em>Urban Saints: An Interweaving Ecclesiology as a Contribution to the Fresh Expressions Debate<\/em> unter der Betreuung von Pete Ward an der Durham University ver\u00f6ffentlicht. Methodisch w\u00e4hlt Scanlan bewusst einen qualitativen, teilnehmend-beobachtenden Zugang, um die Perspektiven sowie religi\u00f6sen Praktiken der Jugendlichen ernst zu nehmen. Sein zentrales Anliegen ist es, ekklesiologische Grundfragen \u2013 <em>Was<\/em> ist Kirche? Resp. <em>Wo<\/em> geschieht Kirche? \u2013 nicht abstrakt-systematisch, sondern kontextuell und praxisnah zu verhandeln. Dabei bezieht sich der Autor u. a. auf Camerons Reflexionsebenen der praktizierten (<em>operant<\/em>) und bekennenden (\u201aespoused\u2018) Theologie. Besonders hervorzuheben ist dabei ein dezidierter Perspektivwechsel: Jugendliche erscheinen nicht prim\u00e4r als Adressaten kirchlicher Praxis, sondern als theologische Subjekte, deren Erfahrungen f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis von Kirche konstitutiv sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zentrales Ergebnis der Studie ist Scanlans Kritik an der g\u00e4ngigen Bezeichnung vieler Jugendwerke als \u201aparagemeindlich\u2018. Am Beispiel der untersuchten Gruppen der <em>Urban Saints<\/em> \u2013 vergleichbar etwa mit CVJM-Strukturen im deutschsprachigen Raum \u2013 will der Autor deutlich machen, dass diese Kategorisierung analytisch wenig hilfreich ist. Zwar verstehen sich diese Gruppen bewusst nicht als Kirche im institutionellen Sinne, dennoch weist ihre Praxis deutliche ekklesiale Z\u00fcge auf. Dazu z\u00e4hlen insbesondere die gemeinsame Bibellekt\u00fcre, regelm\u00e4\u00dfiges Gebet, pastorale Begleitung durch Leitende sowie eine stark gemeinschaftsorientierte Spiritualit\u00e4t.<\/p>\n\n\n\n<p>Scanlan spricht daher von \u201epotential ecclesial spaces\u201c (173): R\u00e4ume, in denen Teilnehmende an christlichen Praktiken partizipieren, f\u00fcr Transzendenz sensibilisiert werden und Christus in Gemeinschaft begegnen. An dieser Stelle kn\u00fcpft Scanlan theologisch an Roots Christopraxismodell an. Kirche wird hier nicht ausschlie\u00dflich an institutionelle Grenzen oder formale Zugeh\u00f6rigkeit gebunden, sondern als gelebte Praxis verstanden, die sich in unterschiedlichen Kontexten ereignet.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Herzst\u00fcck des Buches bildet Scanlans Konzept einer <em>interweaving ecclesiology<\/em>. Dieses Modell erlaubt es, unterschiedliche Ausdrucksformen kirchlichen Lebens \u2013 Gemeinde, Jugendgruppe, geistliche Gemeinschaften, missionarische Initiativen \u2013 als miteinander verflochtene ekklesiale Str\u00e4nge zu verstehen. Keine dieser Formen ist f\u00fcr sich genommen die Kirche, wohl aber Teil eines kirchlichen Gesamtgewebes.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig wahrt Scanlan eine wichtige theologische Differenzierung: Jugendgruppen allein sind nicht hinreichend, um im umfassenden Sinne \u201aKirche\u2018 zu sein. Insbesondere das Fehlen sakramentaler Praxis (Taufe und Abendmahl) markiert eine Grenze. Dennoch bereichern Jugendgruppen das kirchliche Leben der Teilnehmenden erheblich und lassen sich als ein unverzichtbarer Strang innerhalb ihrer pers\u00f6nlichen Ekklesiologie begreifen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei aller Zustimmung im Blick auf die angemessene W\u00fcrdigung der Perspektiven von Jugendlichen hinsichtlich ekklesiologischer Fragen, gibt sein Ansatz Anlass zu grundlegender Kritik. Scanlans ekklesiologischer Entwurf tendiert stellenweise zu einer starken Individualisierung: Kirche erscheint bisweilen als das, was das einzelne Subjekt f\u00fcr sich als Kirche erf\u00e4hrt und ben\u00f6tigt. Die Dimensionen der Kirche, als dem lokal konstituierten Leib Christi, bzw. das Verst\u00e4ndnis der \u1f10\u03ba\u03ba\u03bb\u03b7\u03c3\u03af\u03b1 \u03c4\u03bf\u1fe6 \u03b8\u03b5\u03bf\u1fe6 als Vergegenw\u00e4rtigung des eschatologischen Gottesvolkes treten demgegen\u00fcber etwas zur\u00fcck. Eine klarere Differenzierung von lokaler und universaler Kirche \u2013 wie sie neutestamentlich vorliegt \u2013 w\u00e4re an dieser Stelle w\u00fcnschenswert. Dar\u00fcber hinaus erscheint es \u00e4u\u00dferst problematisch, die Grenzen der Kirche derart unbestimmt (<em>ambigious<\/em>) zu belassen. Scanlan vernachl\u00e4ssigt dabei weitgehend konstitutive Parameter wie die kirchengeschichtliche Tradition oder ein gemeinsames Bekenntnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Einschr\u00e4nkung bietet&nbsp;<em>An Interweaving Ecclesiology<\/em>&nbsp;wertvolle Impulse f\u00fcr Kirche und Jugendarbeit. Scanlans Arbeit fordert Gemeinden heraus, Jugendgruppen nicht als Randph\u00e4nomen oder Vorstufe kirchlicher Sozialisation zu betrachten (hier unterscheidet sich Scanlans Ansatz von Moynaghs FreshX Modell), sondern als genuin ekklesiologische (Lern-)Orte.<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt legt Scanlan ein theologisch reflektiertes, empirisch fundiertes und praxisrelevantes Werk vor, das die Stimme junger Menschen in ihrem kulturhermeneutischen Wert ernst nimmt und zu einem dialogischen Verst\u00e4ndnis von Kirche einl\u00e4dt. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Matti Groth, M.A. Student an der FTH Gie\u00dfen, Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mark Scanlan: An Interweaving Ecclesiology. 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