{"id":2710,"date":"2026-04-11T16:18:19","date_gmt":"2026-04-11T16:18:19","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2710"},"modified":"2026-04-11T16:18:20","modified_gmt":"2026-04-11T16:18:20","slug":"lisa-stiller-spiritual-care-am-lebensende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2710","title":{"rendered":"Lisa Stiller: Spiritual Care am Lebensende"},"content":{"rendered":"\n<p>Lisa Stiller: <em>Spiritual Care am Lebensende. Das Hospiz und die Palliativstation als Communities of Care<\/em>, Religion und Gesundheit 5, Stuttgart: Kohlhammer, 2025, Pb., 319\u00a0S., \u20ac\u00a059,\u2013, ISBN \u200f<a href=\"https:\/\/shop.kohlhammer.de\/spiritual-care-am-lebensende-46270.html\">978-3-17-046271-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Wie k\u00f6nnen Menschen am Lebensende so begleitet werden, dass all ihre Bed\u00fcrfnisse ber\u00fccksichtigt werden, auch die Fragen nach Sinn und Bedeutung ihres Lebens? Wer ist zust\u00e4ndig f\u00fcr Themen, die \u00fcber die medizinisch-pflegerische Dimension hinausgehen? Wer hilft Angeh\u00f6rigen bei einem Abschied, der Leben erm\u00f6glicht? Traditionell sind die unterschiedlichen Aufgaben in der Sterbe- und Trauerbegleitung auf die verschiedenen Fachpersonen in ihrer je eigenen Profession aufgeteilt. Lisa Stiller vertritt dagegen den Ansatz, dass die spirituell-geistliche Begleitung eines Menschen von allen Begleitenden gemeinsam wahrgenommen werden muss. Dabei m\u00f6gen die verschiedenen Professionen diese Aufgabe mit unterschiedlichen Schwerpunkten \u00fcbernehmen, jedoch sind alle im Team gefragt, spirituelles Sorgehandeln f\u00fcr die Patienten wahrzunehmen. Wie dieses gelingen kann, hat sie im Rahmen einer empirischen Forschungsarbeit f\u00fcr ihre Dissertation herausgearbeitet. Nach einem Grundlagenkapitel zu Sterben und Tod im AT und NT sowie einer Darstellung der empirischen Vorgehensweise der Studie werden die Begriffe Spiritualit\u00e4t und \u201eSpiritual Care\u201c mit ihren unterschiedlichen Definitionen vorgestellt. Sie werden gemeinhin weiter gefasst als die vertrauten Begriffe \u201eGlaube\u201c und \u201eSeelsorge\u201c. Das kann auf der einen Seite dazu f\u00fchren, dass die Inhalte als sehr weit und darum nicht mehr klar fassbar definiert werden k\u00f6nnen, auf der anderen Seite kann diese Weite auch eine Chance darstellen, um f\u00fcr Menschen, die f\u00fcr Glauben keine Sprache mehr haben, sprachf\u00e4hig zu werden. In der Studie wird herausgearbeitet, wie die Mitarbeitenden aus den verschiedenen Berufsgruppen sich ihrer eigenen Spiritualit\u00e4t bewusst werden k\u00f6nnen, damit sie als Team des Hospiz- oder Palliativdienstes gemeinsam agieren k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei aller sehr gr\u00fcndlich herausgearbeiteten Theorie zu spiritueller Begleitung am Lebensende ist das vorliegende Buch keine theoretische Abhandlung \u00fcber Spiritual Care oder \u00fcber das begleitende Team, sondern es beschreibt und reflektiert viele praktische M\u00f6glichkeiten der Sorge. Somit ist das Buch auch ein Gewinn f\u00fcr Praktiker, insbesondere f\u00fcr Teamleitende oder seelsorgerisch T\u00e4tige in Hospiz oder Palliativversorgung. Beschrieben wird eine gro\u00dfe Bandbreite von Formen und M\u00f6glichkeiten, die es den Mitarbeitenden unterschiedlicher Professionen erlauben, auf ihre je eigene Weise an Prozessen spiritueller Sorge zu partizipieren. Betont wird dabei das Zusammenwirken im Team. Hier bietet das Buch eine Fundgrube an M\u00f6glichkeiten und Gespr\u00e4chsformen bis hin zu praktisch-kreativen Zug\u00e4ngen, um mit Menschen \u00fcber Fragen ihrer je eigenen Spiritualit\u00e4t ins Gespr\u00e4ch zu kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Verh\u00e4ltnisbestimmung der Begriffe Spiritualit\u00e4t und Religion sieht die Autorin als spannungsreich: In gro\u00dfen Teilen der Literatur wird Spiritualit\u00e4t als etwas betrachtet, das mit Religion nur am Rande etwas gemein hat, in anderen l\u00f6st sich Spiritualit\u00e4t in Religion auf. Beides wird ihr, so die Autorin, nicht gerecht. Die vorliegende Studie zeigt auf, dass Spiritualit\u00e4t immer eine existenzielle Dimension beinhaltet und damit auch das Religi\u00f6se ber\u00fchrt, ohne direkt religi\u00f6s zu sein oder sich gar mit einer bestimmten Religion zu verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ergebnisse der empirischen Studie erm\u00f6glichen, vor diesem Hintergrund eine differenzierte Verh\u00e4ltnisbestimmung von Seelsorge und Spiritual Care herauszuarbeiten. Dabei wird die Rolle der Seelsorger*innen im Team der Palliativ- und Hospizarbeit zum einen als Teil des Gesamt-Teams, zum anderen aber auch in ihrer besonderen Aufgabe betont. Diesen kommt laut Stiller die Funktion von \u201eAnkerpersonen\u201c f\u00fcr spirituelle Bed\u00fcrfnisse zu. Das bezieht sich sowohl auf Patienten, G\u00e4ste und deren Angeh\u00f6rige als auch auf die Mitarbeitenden und das gesamte Team. Es ist die Aufgabe der professionellen Seelsorge, die anderen Berufsgruppen in ihrem spirituellen Sorgehandeln zu ermutigen und sie daf\u00fcr zu schulen.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei aller Weite in der Darstellung dessen, was der Spiritualit\u00e4t zuzurechnen sei, fokussiert sich die Autorin immer wieder auf deren christlich-geistliche Auspr\u00e4gung. Somit bleibt das Buch nicht bei der manchmal ungreifbar-allgemeinen Form von Spiritualit\u00e4t, sondern verankert sich im christlichen Glauben. Die Autorin macht deutlich, dass professionelle christliche Seelsorge nicht zugunsten eines neutralen Angebots spiritueller Seelsorge aufgegeben werden d\u00fcrfe.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Andrea Kallweit-Bensel, Pastorin i.R. (Dozentin f\u00fcr Praktische Theologie an der BTA Wiedenest, vorher Krankenhausseelsorgerin im Albertinen-Diakoniewerk Hamburg)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lisa Stiller: Spiritual Care am Lebensende. 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