{"id":2714,"date":"2026-04-11T16:19:53","date_gmt":"2026-04-11T16:19:53","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2714"},"modified":"2026-04-11T16:19:55","modified_gmt":"2026-04-11T16:19:55","slug":"hans-schaeffer-jan-martijn-abrahamse-karen-zwijze-koning-stefan-paas-hg-visions-of-the-good-life","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2714","title":{"rendered":"Hans Schaeffer\/Jan Martijn Abrahamse\/Karen Zwijze-Koning\/Stefan Paas (Hg.): Visions of the Good Life"},"content":{"rendered":"\n<p>Hans Schaeffer\/Jan Martijn Abrahamse\/Karen Zwijze-Koning\/Stefan Paas (Hg.): <em>Visions of the Good Life. Salvation, Church, and Mission in the Secular West<\/em>, Brill: Leiden, 2026, Pb., 341 S., \u20ac 82,50, ISBN \u200f<a href=\"https:\/\/brill.com\/display\/title\/71912\">978-90-04-72495-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Der vorliegende Sammelband resultiert aus dem Forschungsprogramm \u201eSalvation in the 21st Century\u201c des \u201eCentre for Church and Mission in the West\u201c der Theologischen Universiteit Utrecht. Verschiedene (evangelikal-) protestantische Praktische Theologen und Missiologen besch\u00e4ftigen sich darin mit der Frage: \u201ewhat is the \u201agood\u2018 that Christian faith envisions and how is this to be lived and formulated within the context of the secularized West?\u201d (2).<\/p>\n\n\n\n<p>Im Fokus stehen \u201epractices of salvation\u201c, also die Frage, wie Heil (in den Aufs\u00e4tzen bewusst unterschiedlich interpretiert) konkret erlebt wird (3-4). Dies sei wesentlich, da auch sp\u00e4tmoderne, westliche Menschen auf der Suche nach Heil(ung), Hoffnung, Frieden, Identit\u00e4t und Sinn sind, viele Christen aber gleichzeitig unter einer Sprachlosigkeit leiden, die christliche Antwort des Evangeliums im ver\u00e4nderten Kontext angemessen und lebensnah zu kommunizieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Teile des Buches besch\u00e4ftigen sich mit dem post-christlichen Westen als Kontext missionaler Praxis (19-126), der Erneuerung kirchlicher Praxis (127-195) und den soteriologischen \u00dcberzeugungen und der gelebten Soteriologie missionaler Praktiker (197-318).<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Abschnitt pl\u00e4diert <em>Marsh<\/em> (21-35) daf\u00fcr, das Evangelium angesichts des menschlichen Bed\u00fcrfnisses nach <em>salvation narratives<\/em> als bessere Erz\u00e4hlung f\u00fcr das \u201egute Leben\u201c zu kommunizieren. Nach <em>Abrahamse <\/em>(36-52) sind die Suche nach dem \u201e<em>authentic self<\/em>\u201c und das Scheitern, sich selbst zu realisieren, aktuelle Ank\u00fcpfpunkte f\u00fcr das Evangelium. <em>A\u017edaji\u0107<\/em> (53-68) betont die Notwendigkeit einer <em>embodied spiritual formation<\/em> im Gegensatz zu einer rein verbalen Evangeliumskommunikation, die der gegenw\u00e4rtigen Erwartung, dass Heil im Hier und Jetzt relevant und erlebbar sein muss, nicht gerecht w\u00fcrde. \u00c4hnlich pr\u00e4sentiert <em>Adebayo<\/em> (69-88) das afrikanisch-pfingstliche ganzheitliche Heilsverst\u00e4ndnis als Lernm\u00f6glichkeit f\u00fcr westliche Kirchen. <em>Bartholom\u00e4 <\/em>(89\u2013107) sieht in Rosas Resonanztheorie Chancen f\u00fcr die Evangeliumskommunikation. Der Wunsch nach Resonanz verweist theologisch auf die Sehnsucht des Menschen nach einem Leben mit Gott. Resonanz sollte als antizipatorisch erfahrbare Dimension des Heils in der kirchlichen Praxis st\u00e4rker ber\u00fccksichtigt werden. <em>Bakker<\/em> (108-126) beleuchtet dann kritisch das Ph\u00e4nomen des <em>White Christian Nationalism<\/em> ausgehend vom neutestamentlichen Konzept des K\u00f6nigreich Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil beschreibt <em>Rooms<\/em> (129-144) vier Dimensionen des aktuellen westlichen Kontextes und ihre Folgen f\u00fcr missionale Praxis. <em>Zwijze-Koning und Schaeffer<\/em> (145-162) sowie <em>Van den Toren-Lekkerkerker<\/em> (163-176) untersuchen Heilserfahrungen im Rahmen des Erneuerungsprozesses \u201eKerk2030\u201c bzw. in zwei christlichen Gemeinschaften in Groningen (NL) und in Bunia (DRK). Zuletzt reflektiert <em>Barentsen <\/em>(177-195) anhand der biblischen Motive des Hirten, Priesters und Dieners den Zusammenhang unterschiedlicher christlicher Leitungsstile mit Heilskonzeptionen.<\/p>\n\n\n\n<p>Den dritten Teil beginnt <em>James <\/em>(199-220) mit einer Diskussion des Heilsverst\u00e4ndnisses des Kirchenmodells der <em>neighborhood churches<\/em>, welches seinen empirischen Studien in Seattle, Vancouver und Wisconsin entspringt. <em>Stoppels <\/em>(221-233) beobachtet, dass Heil und Erl\u00f6sung bei vielen niederl\u00e4ndischen Pastoren und Pionieren vor allem auf die Gegenwart bezogen bleiben und ein Leben nach dem Tod oft keine gro\u00dfe Rolle spielt. \u00c4hnliches beobachten auch <em>De Jonge <\/em>(234-266) \u2013 derzufolge missionale Praxis ein theologisches Umdenken von \u201e<em>classic-evangelical beliefs<\/em>\u201c (bspw. des Lausanne Covenant) zu \u201e<em>a more broader perspective<\/em>\u201c (245-256) bedingt \u2013 sowie <em>Butler und Ross <\/em>(285-300) in ihrer Untersuchung von Fresh Expressions in England. In den verbleibenden Beitr\u00e4gen stellen <em>Roor und van Duffelen <\/em>(248-266) unterschiedliche soteriologische Schwerpunkte und Erfahrungen in niederl\u00e4ndischen \u201epioneering communities\u201c fest, <em>Kwiyani<\/em> skizziert Spezifika der afrikanisch-pfingstlichen Soteriologie (267-284) und <em>Lockhart<\/em> reflektiert Evangeliumskommunikation in Vancouver im Kontext der Klimakrise (301-318).<\/p>\n\n\n\n<p><em>Paas <\/em>(321-338) entwirft abschlie\u00dfend eine Soteriologie f\u00fcr den post-christlichen Westen rund um das biblische Motiv des Friedens. Dieses integriert unterschiedliche Heilsdimensionen wie S\u00fcndenvergebung, Heilung und Befreiung, sodass Gemeinden an der Mission Gottes teilhaben, wenn sie in ihrem Kontext zu \u201eFriedensstiftern\u201c werden.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Visions of the Good Life<\/em> enth\u00e4lt zahlreiche wesentliche Impulse f\u00fcr missionarische Praxis im gegenw\u00e4rtigen westlichen Kontext. Gleichzeitig ruft der Band aus (m)einer evangelikal-freikirchlichen Perspektive auch kritische Anfragen hervor.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ein roter Faden zieht sich die wichtige Erkenntnis durch den gesamten Band, dass Gottes Heil schon jetzt in allen Dimensionen des Lebens erlebbar ist. Dementsprechend muss die Kommunikation des Evangeliums das ganze Leben im Blick haben und vom Evangelium her eine Vision f\u00fcr gutes, gelingendes Leben entwerfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Vorstellung von Heil als \u201e<em>flourishing<\/em>\u201c oder \u201e<em>good life<\/em>\u201c zieht allerdings die Fragen nach sich, ob alles, was zu gelingendem menschlichen Leben f\u00fchrt, als Heil zu verstehen ist und wie dabei die Zentralit\u00e4t von Christus, an den nach dem Neuen Testament alle Dimensionen des Heils gebunden sind, gew\u00e4hrleistet bleibt. Dies gilt insbesondere, da Heil in einigen Beitr\u00e4gen fast ausschlie\u00dflich immanent konzipiert wird und sich ohne den Bezug zu traditionellen Konzepten wie Umkehr, Gnade, Errettung etc. beispielsweise in harmonischem Zusammenleben und heilsamer Gemeinschaft realisiert. K\u00f6nnen diese Aspekte in der Abwesenheit einer pers\u00f6nlichen Hinwendung zu Christus \u00fcberhaupt als Heil verstanden werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Weiter frage ich mich, inwiefern der berechtigte Fokus auf \u201e<em>practices of salvation<\/em>\u201c dazu f\u00fchren k\u00f6nnte, dass die reformatorische Einsicht, wonach Heil durch Glauben unverdient geschenkt wird, unterbetont wird? Wenn Heil sich durch menschliches Streben nach dem guten Leben ergibt und beispielsweise in Aussagen wie \u201etry to be the best person you can be. None of us are perfect\u201c (294) seinen Ausdruck findet, scheint mir das gef\u00e4hrlich nahe zu einer immanenten Werkgerechtigkeit. Gemeinsam mit Stoppels dr\u00e4ngt sich dann die Frage auf, was eigentlich der \u201e<em>unique selling point<\/em>\u201c des christlichen Glaubens ist (232).<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Verdienst der Artikel ist die Betonung und Veranschaulichung der Kontextualit\u00e4t von Evangeliumskommunikation. Soll Gottes Heil verstanden und erfahren werden, so muss christliche Praxis in kritischen Dialog mit anderen Lebensentw\u00fcrfen treten, verstehen, welche Bedingungen menschliches (Zusammen-)Leben im 21. Jahrhundert im Westen pr\u00e4gen und das Evangelium entsprechend kontextualisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Gemeinsam mit dem methodischen Fokus auf \u201e<em>practices of salvation<\/em>\u201c kann so allerdings die normative Ebene biblischer Offenbarung unterreflektiert bleiben. So besteht die Gefahr, dass Evangeliumskommunikation zwar ernstnimmt, was Menschen als heilgebend und heilsam erfahren, aber Gottes Vorstellung von Heil seine kulturkritische Dimension verliert. Folglich wird die Akzeptanz von LGBTQ-Lebensformen als Auswirkung von Gottes Heil verstanden (202, 257), w\u00e4hrend \u201eclassic evangelical beliefs\u201c wie der Glaube, \u201ethat salvation comes only through the cross of Christ and that all must come, through repentance, to Him for salvation of their souls\u201d angeblich f\u00fcr erfolgreiche Kontextualisierung aufgegeben werden m\u00fcssen (238, 246). Denkt man \u00fcber Heil im Rahmen von \u201evisions of the good life\u201c nach, so muss auch reflektiert werden, wie biblisch-normierte kontextuelle Evangeliumskommunikation aussieht, wenn Gottes Vorstellung des guten Lebens westlich-s\u00e4kularen Vorstellungen widerspricht.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Thomas Kr\u00e4uter, MA, PhD-Student an der ETF Leuven und freikirchlicher Pastor in Wien<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Schaeffer\/Jan Martijn Abrahamse\/Karen Zwijze-Koning\/Stefan Paas (Hg.): Visions of the Good Life. 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