{"id":2720,"date":"2026-04-11T16:22:42","date_gmt":"2026-04-11T16:22:42","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2720"},"modified":"2026-04-11T16:22:43","modified_gmt":"2026-04-11T16:22:43","slug":"fritz-lienhard-die-zukunft-der-evangelischen-kirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2720","title":{"rendered":"Fritz Lienhard: Die Zukunft der evangelischen Kirchen"},"content":{"rendered":"\n<p>Fritz Lienhard:<em> Die Zukunft der evangelischen Kirchen. Religi\u00f6se Entwicklungen und kirchliche Reformen, <\/em>Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2025, Pb.,\u00a0360 S., \u20ac\u00a035,<em>\u2013<\/em>, ISBN\u00a0<a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/de\/lienhard-die-zukunft-der-evangelischen-kirchen\">978-3-374-07933-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Nichts Geringeres als die \u201eZukunft der evangelischen Kirchen\u201c ist Gegenstand des vom Ordinarius f\u00fcr Praktische Theologie in Heidelberg, Fritz Lienhard, als \u201eEssay\u201c (10) bezeichneten Buches, dessen Sicht stark systematisch-theologisch gepr\u00e4gt ist. Aufgrund seiner Pfarr- und Lehrt\u00e4tigkeit in Frankreich kann der Vf. f\u00fcr seine \u00dcberlegungen auf zwei L\u00e4nder und zwei voneinander sehr verschiedene religi\u00f6se Kontexte zur\u00fcckblicken und diese Perspektiven integrieren. Ausf\u00fchrlich setzt sich Lienhard dabei mit den Untersuchungen der sechsten Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung (KMU VI) auseinander.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Lienhard gliedert sein Buch in zwei Hauptteile und analysiert zun\u00e4chst die \u201eMarginalisierung der Kirchen\u201c (25) bevor er \u00fcber die \u201eR\u00fcckkehr des Religi\u00f6sen?\u201c (91) in ver\u00e4nderter Form spricht. Im zweiten Teil des Buches wendet er sich der Spiritualit\u00e4t und der ihr naheliegenden Pneumatologie zu. Ausf\u00fchrungen zur Kommunikation des Evangeliums und zur Identit\u00e4t als Kirche beschlie\u00dfen den zweiten Teil. Final folgt ein Ausblick und auf weniger als zwei Seiten eine Darstellung \u201eWas ist also zu tun?\u201c (331f).<\/p>\n\n\n\n<p>Lienhard bezeichnet Pluralisierung, funktionelle Differenzierung und Aufkommen des Atheismus als \u201edie drei Ursachen der modernen und postmodernen Marginalisierung der Kirchen\u201c (320). Dass diese Ph\u00e4nomene trotz der je unterschiedlichen Gegebenheiten in Frankreich und Deutschland als \u201eGrundtendenzen der religi\u00f6sen Situation\u201c (83) verbreitet sind, zeigt Lienhard stringent auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Lienhard ist \u00fcberzeugt, dass Glauben und Religion in Europa nicht v\u00f6llig verschwinden und lehnt deshalb die S\u00e4kularisierungsthese in ihrer Reinform ab. Vielmehr nimmt er wahr, dass Raum f\u00fcr \u201eneue Formen von \u201aso etwas wie Religion\u2018 [\u2026] entweder als fluide Religiosit\u00e4ten oder als individuelle Formen des Christentums innerhalb und au\u00dferhalb der traditionellen Kirchen\u201c (91) entstehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Als Reaktion auf die ge\u00e4nderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen pl\u00e4diert Lienhard f\u00fcr eine \u201ehermeneutische Theologie\u201c (161), welche sowohl den Kontext wie auch das \u201eZiel der Kommunikation des Evangeliums\u201c (162) im Blick beh\u00e4lt.<\/p>\n\n\n\n<p>Lienhard entwirft eine Spiritualit\u00e4t, die Innerlichkeit und \u00c4u\u00dferlichkeit verbindet, die zwischen Heiligem Geist und Jesus Christus in einem \u201ereziproke[n]\u201c (166) Verh\u00e4ltnis steht. Der Vf. pl\u00e4diert also f\u00fcr eine weiterhin starke Akzentuierung der Theologie, praktisch empfiehlt er dabei rezeptions\u00e4sthetische Ans\u00e4tze, eine Verbindung von Glaube und Kunst in ihren vielf\u00e4ltigen Formen und einen Fokus auf \u201ehybride kirchliche Aktivit\u00e4ten\u201c (300), die neben dezidiert christlichen Anteilen auch \u201eDimensionen des individuellen und gesellschaftlichen Lebens\u201c (306) ber\u00fccksichtigt. Dabei votiert er f\u00fcr ein von Begegnung gepr\u00e4gtes Verst\u00e4ndnis von Mission sowie einen bewussten Verzicht auf \u201eUnterscheidung zwischen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern\u201c (303).<\/p>\n\n\n\n<p>Die gew\u00e4hlte thematische Eingrenzung in diesem selbst so bezeichneten \u201eEssay\u201c mag pragmatischen Gr\u00fcnden folgen. Eine Nichtber\u00fccksichtigung der weiteren Kirchenlandschaft, zu der gerade auch evangelische Freikirchen geh\u00f6ren \u2013 man denke an ICF sowie die etablierten freikirchlichen Verb\u00fcnde in Deutschland \u2013 offenbart eine einseitige Betrachtung.<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso f\u00e4llt als Leerstelle auf, dass die Ausf\u00fchrung zu Evangelisation bzw. \u201eEvangelisierung\u201c (239) den neuen Forschungsdiskurs sowie die Erkenntnisse des Zentrums f\u00fcr Mission in der Region und des IEEG in Greifswald nicht ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Analyse der gegenw\u00e4rtigen kirchlichen Situation und Lienhards ekklesiologische Reflexionen \u00fcberzeugen weitgehend. Unbestritten ist dem Vf. recht zu geben, wenn er sagt, dass die Kirche Jesu Christi \u201eihrerseits in guten H\u00e4nden\u201c (332) und lediglich menschengemachte Strukturen und Formen \u201ebedroht\u201c (ebd.) seien. Dennoch vermisst man als Leser konkrete, innovative, \u00fcberzeugende Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr eine sich erneuernde kirchliche Praxis. <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Andreas Schmierer, Pfarrer der W\u00fcrtt. Landeskirche, Studienassistent im Albrecht-Bengel-Haus in T\u00fcbingen und Doktorand an der STH Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fritz Lienhard: Die Zukunft der evangelischen Kirchen. 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