{"id":2750,"date":"2026-04-11T16:43:43","date_gmt":"2026-04-11T16:43:43","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2750"},"modified":"2026-04-11T16:43:45","modified_gmt":"2026-04-11T16:43:45","slug":"thomas-schaertl-gott-denken-gott-glauben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2750","title":{"rendered":"Thomas Sch\u00e4rtl: Gott denken \u2013 Gott glauben"},"content":{"rendered":"\n<p>Thomas Sch\u00e4rtl: <em>Gott denken \u2013 Gott glauben. Fundamentaltheologische Grund- und Grenzfragen,<\/em> Regensburg: Pustet, 2024, geb., XIV + 841 S., \u20ac 39,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.verlag-pustet.de\/shop\/item\/9783791730554\/gott-denken-gott-glauben-von-thomas-schartl-gebundenes-buch\">978-3-791-73055-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p>Erstens ein kurzer Blick auf den Autor: seit dem WS 2020\/21 ist Sch\u00e4rtl nach einem bewegten akademischen Werdegang Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr Fundamentaltheologie an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen. Er gilt als einer der bekanntesten Vertreter einer deutschsprachigen analytischen Theologie und als Br\u00fcckenbauer, der zwischen verschiedenen theologischen und philosophischen Diskurswelten best\u00e4ndig zu vermitteln sucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens erste Eindr\u00fccke von seinem hier anzuzeigenden in doppeltem Sinne schwergewichtigen Gottes-Buch: denn rein \u00e4u\u00dferlich betrachtet bringt das Buch fast 1,5 kg auf die Waage. Inhaltlich betrachtet ist sein Thema <em>das <\/em>Themader \u201eTheo-Logie\u201c. Sch\u00e4rtls Werk umfasst 782 Textseiten. Diese sind \u2013 so berichtet Sch\u00e4rtl erst am Ende, (783f) \u2013 im Laufe mehrerer Jahre entstanden; ebd. pr\u00e4sentiert er 14 \u201eSkizzen, die in Aufs\u00e4tzen publiziert wurden und in das vorliegende Buch eingeflossen sind\u201c (vgl. XIV). Wohl deshalb zitiert Sch\u00e4rtl Miranda Frickers <em>Epistemische Ungerechtigkeit<\/em>. <em>Macht und die Ethik des Wissens<\/em> im englischen Original (236f); seit 2023 ist es in M\u00fcnchen bei C.H. Beck auf Deutsch verf\u00fcgbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Sodann zur inhaltlichen Vorstellung und Einsch\u00e4tzung bzw. Bewertung von Sch\u00e4rtls imposantem Buch die folgenden f\u00fcnf Punkte: (a) Sch\u00e4rtl hat sein Buch \u201evor allem f\u00fcr meine Studierenden geschrieben und f\u00fcr die Religionslehrerinnen und Religionslehrer [\u2026], denen kritische und wache Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf Ausk\u00fcnften und Argumenten beharren\u201c (1). Sch\u00e4rtls Denk- und Schreibniveau erfordert allerdings alle Anstrengungen. (b) Er traktiert die Gottesfrage unter den folgenden sechs Kapitel\u00fcberschriften: \u201e1 Glaube und Vernunft, 2 \u201aGott\u2018 als Fremdwort, 3 Die Rede von Gott und das Realismus-Antirealismus-Problem, 4 Die Wissenschaft von Gott, 5 Gottes Existenz, 6 Gottesglaube und Atheismus\u201c. Als Lesehinweis empfiehlt er, \u201edie Kapitel in umgekehrter Reihenfolge zu lesen: vom sechsten Kapitel her erschlie\u00dft sich das Anliegen, vom f\u00fcnften und vierten her der Ansatz des Buches, w\u00e4hrend die ersten drei Kapitel die daf\u00fcr notwendigen Voraussetzungen zu kl\u00e4ren versuchen\u201c (XIII). F\u00fcr diesen Hinweis ist man dankbar. Denn zu leicht \u201everheddert\u201c man sich in den Voraussetzungen. (c) Der Ausdruck und die Sache der Fundamentaltheologie ist traditionellerweise die Dom\u00e4ne katholischer Theologie; evangelische und freikirchliche Theologen m\u00f6gen hier lernen, von Sch\u00e4rtl <em>in concreto<\/em> seinen hermeneutisch begr\u00fcndeten Ansatz. (d) Mit der Evaluation der Argumente f\u00fcr und gegen Gottes Existenz (die klassischen Gottesbeweise) stehen im Zentrum des Buches au\u00dferdem Themen wie Gottesglaube und Evolution, religi\u00f6ser Glaube und Gewalt, Gott und Gehirn, a-religi\u00f6se Spiritualit\u00e4t und Religion, sowie ganz grunds\u00e4tzlich das Verst\u00e4ndnis von systematischer Theologie als Wissenschaft. (e) In Sachen <em>Hermeneutik<\/em> l\u00e4sst sich Folgendes beobachten: Blickt man ins Register, taucht \u201eBibel\u201c<em> <\/em>\u00fcberhaupt nicht auf, und das Stichwort \u201eGlaube\u201c (immerhin das zweite Titelwort!) wird mit sechs knappen Eintr\u00e4gen s.&nbsp;v. \u201eGlaubensakt\u201c abgespeist. Hier lie\u00dfe sich mehr Ausgewogenheit w\u00fcnschen, wie etwa Wilfried H\u00e4rle im Vorwort zu <em>Warum Gott? F\u00fcr Menschen, die mehr wissen wollen<\/em>, Leipzig: EVA, 2013, fordert: Es \u201ebraucht beides dringend: Das <em>Vertrauen <\/em>auf Gott und das <em>Verstehen <\/em>des Glaubens, und eines kommt ohne das andere nicht aus\u201c (11). Es kann die Frage gestellt werden, wie viel Wissen Vertrauen braucht? Und ob nicht andererseits der Glaube Wissen zur Folge hat? Das Denken bzw. Wissen und Bekenntnis betrifft nur einen Teil des Ph\u00e4nomens Religion&nbsp;\/ Glaube. Sch\u00e4rtl ist nur auf das (philosophische) Denken fokussiert. Dies hat m.&nbsp;E. sein Recht; es fehlt jedoch das Wissen um die Begrenztheit, in der Sprache der Tugendlehre gesagt: die Demut, in der Sprache Luthers gesagt: die Verborgenheit Gottes.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Verlag empfiehlt das Buch allen \u201edie daran interessiert sind, wie sich der Gottesglaube unter philosophischen Vorzeichen verteidigen l\u00e4sst und wie sich Kernanliegen des christlichen Glaubens mit der Hilfestellung metaphysischer Modelle vertreten lassen\u201c \u2014 diesen \u201ewird dieses Buch eine Fundgrube und eine Anregung zum Weiterdenken sein.\u201c Dem kann zugestimmt werden \u2013 mit diesen zwei kleinen Hinweisen: zum Weiterdenken verhelfen Sch\u00e4rtls langes \u201eVerzeichnis der verwendeten Literatur\u201c, sowie die Register der Namen und Sachen (785\u2013841). Und: er zitiert und diskutiert sehr viel.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer i. R. Dr. Gerhard Maier, Neuffen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Sch\u00e4rtl: Gott denken \u2013 Gott glauben. 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