{"id":2777,"date":"2026-10-05T16:38:20","date_gmt":"2026-10-05T16:38:20","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2777"},"modified":"2026-10-05T16:44:20","modified_gmt":"2026-10-05T16:44:20","slug":"christoph-w-stenschke-uebergemeindliche-verbindungen-in-den-briefen-der-paulinischen-mission","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2777","title":{"rendered":"Christoph W. Stenschke: \u00dcbergemeindliche Verbindungen in den Briefen der paulini\u00adschen Mission"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christoph W. Stenschke: <em>\u00dcbergemeindliche Verbindungen in den Briefen der paulinischen Mission. Vorkommen, Bedeutung, Funktion und Plausibilit\u00e4t<\/em>, WUNT 556, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2026, geb., XX+650 S., \u20ac 179,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/uebergemeindliche-verbindungen-in-den-briefen-der-paulinischen-mission-9783162000330\/\">978-3-16-200033-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Christoph Stenschke ist Dozent an der Biblisch-Theologischen Akademie Forum Wiedenest in Bergneustadt, Privatdozent f\u00fcr Neues Testament an der Universit\u00e4t Bonn sowie Professor extraordinarius an der University of South Africa und der University of Pretoria. Seine Habilitationsschrift, die 2025 von der Evangelisch-Theologischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bonn angenommen wurde, liegt nun als Monografie vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Fokus der Studie \u201eliegt auf dem Vorkommen, der Funktion und der historischen Plausibilit\u00e4t der \u00fcbergemeindlichen Verbindungen in der Argumentation der Briefe der paulinischen Mission\u201c (1). Sie basiert auf mehreren Aufs\u00e4tzen des Verfassers zu \u00fcbergemeindlichen Verbindungen in der Apg, in den Paulusbriefen und in der ntl. Wissenschaft, die nun in \u00fcberarbeiteter Form zusammengef\u00fcgt und mit der Einleitung und dem Schlusskapitel zu einem umfassenden Gesamtwerk erweitert sind. Nach der Einleitung folgen sieben Kapitel zu den allgemein anerkannten Paulusbriefen (Kap. 2\u20138), danach ein Kap. zur Apostelgeschichte sowie ein Schlusskapitel mit einer thematischen Zusammenfassung und weiterf\u00fchrenden \u00dcberlegungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Stenschke bietet in der Einleitung einen instruktiven skizzenartigen \u00dcberblick der Themenfelder der aktuellen neutestamentlichen Wissenschaft, bei denen \u00fcbergemeindliche Verbindungen relevant sind. Im Einzelnen sind dies die \u00fcbergemeindlichen Verbindungen als Differenzkriterium zu antiken Vereinen, ihre Rolle f\u00fcr die Geschichte des Urchristentums, ihre Bedeutung f\u00fcr die Einleitungswissenschaft sowie ihre Relevanz f\u00fcr die neutestamentliche Theologie und Ekklesiologie. Weiter wird gefragt nach der rhetorischen Funktion der \u00fcbergemeindlichen Verbindungen, nach diesen als Ausdruck von gemeindlichen Netzwerken bis hin zu \u00fcbergemeindlichen Verbindungen im Zusammenhang der Begr\u00fcndung heutiger Gemeindepraxis. Hinsichtlich der Methoden folgt Stenschke der historisch-philologischen Exegese. Auch literaturwissenschaftliche Aspekte (insbesondere rhetorical criticism und Argumentationsanalyse) werden aufgegriffen. Ein wichtiger Abschnitt besch\u00e4ftigt sich mit der Rolle von Paulus und seinen Mitarbeitenden. Als Ausdruck der \u00fcbergemeindlichen Verbindungen werden auch die Briefe und deren \u00dcberbringer wahrgenommen. Schlie\u00dflich wird nach dem Wesen der Briefe gefragt, f\u00fcr deren Abfassung ein Einfluss der Gemeinden vor Ort gesehen wird und die mehrheitlich als Gemeinschaftsproduktion erkannt werden. Stenschke spricht folgerichtig von den \u201eBriefen der paulinischen Mission\u201c, da die Gemeinden eingebunden waren und insofern \u201evon der Mission verschiedener Gemeinden durch und mit Paulus, seinen Mitarbeitenden und den Gemeinden selbst\u201c (81) auszugehen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Kapitel zu den einzelnen biblischen B\u00fcchern sind jeweils \u00e4hnlich aufgebaut. Nach einer Einf\u00fchrung werden die \u00fcbergemeindlichen Verbindungen vor der Abfassung des Buches in den Blick genommen. Es folgt eine Analyse der relevanten Textstellen bzw. Themen. Nach einer Zusammenfassung der Ergebnisse wird nach der Funktion sowie der historischen Plausibilit\u00e4t der \u00fcbergemeindlichen Verbindungen gefragt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aufgrund des Materialreichtums werden hier nur exemplarisch einige wichtige und interessante Aspekte ausgef\u00fchrt. Im R\u00f6merbrief werden \u00fcbergemeindliche Verbindungen in der Beteiligung und Unterst\u00fctzung seitens der Gemeinde bei der paulinischen Mission erkennbar. Durch diese entstehen zugleich Verbindungen der Gemeinde in Rom mit den Gemeinden im Osten sowie den neu zu gr\u00fcndenden Gemeinden im Westen. Es wird gezeigt, dass die Mehrzahl der \u00fcbergemeindlichen Verbindungen Paulus betrifft bzw. durch ihn hergestellt wird, dass daneben aber solche auch mit anderen Personen verkn\u00fcpft sind. \u00dcberzeugend ist die Darstellung zur inhaltlichen Bestimmung der \u00fcbergemeindlichen Verbindungen (Anteilnahme, F\u00fcrsorge, St\u00e4rkung, gemeinsam getragene Missionsarbeit etc.) und die Bestimmung des R\u00f6merbriefs auch als Werk zur Eingliederung der Empf\u00e4nger in die Partnerschaft von Paulus und den Gemeinden seiner Mission sowie einer Fortsetzung, Erweiterung und Vertiefung derselben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Beim 1. Korintherbrief wird aus Kap. 16 mit Recht abgeleitet, dass es f\u00fcr die Korinther um die \u201e\u00dcbernahme von Verantwortung und finanziellen Einsatz f\u00fcr andere Gemeinden\u201c (167) ging. Dass es kein Mitglied aus Korinth innerhalb der in Apg 20,4f erw\u00e4hnten Reisegruppe gegeben hat, ist zu diskutieren (Lukas und Gaius kommen zumindest in Betracht). Stenschke zeigt \u00fcberzeugend, dass Paulus mit dem gr\u00f6\u00dferen Ganzen der christlichen Gemeinden und der Normativit\u00e4t ihrer Lehre und Praxis argumentiert. Paulus setze den Positionen der selbstgen\u00fcgsamen Korinther betont den Konsens der Gemeinden entgegen. Stenschke sieht in 1Kor \u201edas Bem\u00fchen um Herstellung bzw. Wiederherstellung von Einheit und Harmonie <em>innerhalb<\/em> der Gemeinde und <em>mit anderen Gemeinden<\/em>.\u201c (180)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vielf\u00e4ltige \u00fcbergemeindliche Verbindungen arbeitet Stenschke anhand 2Kor 8\u20139 heraus. Beispielhaft genannt seien hier der Verweis auf das Engagement der makedonischen Gemeinden, die Erw\u00e4hnung des nicht namentlich genannten, bei allen Gemeinden anerkannten Bruders (2Kor 8,18) und die aus Vertretern verschiedener Gemeinden gebildete Delegation. Bei einzelnen Fragen kommen auch andere Antwortm\u00f6glichkeiten in Betracht. Wie sicher ist es z.&nbsp;B., dass Paulus Titus gesendet hat (2Kor 8,6), weil er das Ziel selbst nicht so gut erreichen h\u00e4tte k\u00f6nnen? Immerhin ist zu diesem Zeitpunkt schon eine Vers\u00f6hnung von Paulus mit der Gemeinde vollzogen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Galaterbrief als Rundbrief an mehrere Gemeinden setzt \u00fcber\u00f6rtliche Verbindungen voraus. Mehrere Themen, u.&nbsp;a. eine Kollekte, betreffen solche. Stenschke macht stark, dass sich das \u201eder Armen Gedenken\u201c (Gal 2,10) auf die Armen Jerusalems bezieht und dass \u201e\u00fcbergemeindliche materielle Hilfe als einzige Forderung der Jerusalemer von Anfang an einen hohen Stellenwert\u201c (279) hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Abschnitte zum Philipperbrief, 1. Thessalonicherbrief und Philemonbrief folgen einem leicht ge\u00e4nderten Aufriss und sind st\u00e4rker thematisch gegliedert. (M\u00f6glicherweise h\u00e4tte dieses Vorgehen bei den zuvor untersuchten Briefen um der besseren \u00dcbersichtlichkeit willen ebenfalls verwendet werden k\u00f6nnen.) Zum Philipperbrief werden elf Themenfelder herausgearbeitet, die \u00fcbergemeindliche Verbindungen erkennen lassen, u.&nbsp;a. \u201eGemeinschaft am Evangelium\u201c, Gebet, Besuche, Gegner, Gaben f\u00fcr das Missionswerk und Gr\u00fc\u00dfe. \u00c4hnlich gilt dies f\u00fcr 1Thess und Philemon, wobei f\u00fcr diese tw. andere Aspekte hervorgehoben werden, tw. gibt es auch \u00dcberschneidungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Kap. zur Apostelgeschichte ist nach der Abfolge der Textabschnitte im Buch strukturiert, was dessen narrativem Charakter geschuldet ist. Stenschke stellt heraus: \u201eDas lukanische Doppelwerk ist sowohl von seiner Intention und Entstehung als auch seinem Anspruch und Inhalt her Ausdruck eines regen Informationsaustauschs unter den fr\u00fchen Christusgl\u00e4ubigen.\u201c (446) Gezeichnet werde \u201edas Bild einer Bewegung, die von Jerusalem ausgehend ein Netzwerk von miteinander verbundenen Gemeinden bildet\u201c (501) und die nach einer gemeinsamen Theologie und Praxis strebte, wobei die R\u00fcckbindung an Jerusalem f\u00fcr die Einheit der Kirche bedeutend war. So zeige sich in der Apg, dass \u00fcbergemeindliche Verbindungen entscheidende Wegmarken bei der Ausbreitung des Evangeliums flankieren. Den Abschluss bildet ein Vergleich der \u00fcbergemeindlichen Verbindungen in der Apg und in den Briefen, bei dem sich ein \u00dcberwiegen der Gemeinsamkeiten (Informationsaustausch, materielle Implikationen, Gebet, gemeinsame Mission u.&nbsp;a.) ergibt, auch wenn Unterschiede, z.&nbsp;B. hinsichtlich der Funktion der Gr\u00fc\u00dfe (Respektbekundung in der Apg, Ausdruck der Verbundenheit in den Briefen), festzuhalten sind.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Schlusskapitel b\u00fcndelt die Ergebnisse. Wegweisend ist die vorsichtige Einordnung derselben, weil im NT sicherlich nicht alle \u00fcbergemeindlichen Verbindungen zur Sprache kommen und weil manche nur beil\u00e4ufig und deshalb knapp erw\u00e4hnt werden, w\u00e4hrend andere f\u00fcr die Argumentation bedeutsam sind, weshalb umfassend \u00fcber sie informiert wird. Sehr hilfreich ist die thematische Zusammenfassung der konkreten Aspekte und Vorkommen von \u00fcbergemeindlichen Verbindungen (537\u2013563). Der Informationsaustausch zeigt das gegenseitige Interesse und die Einbindung in das gr\u00f6\u00dfere Ganze. Die Verbindungen der Gemeinden haben auch materielle Aspekte (Unterst\u00fctzung der Mission, Kollekte). In den Blick genommen werden weiter der Austausch von Gr\u00fc\u00dfen, das Gebet und das gemeinsam betriebene Missionswerk. Als Motive f\u00fcr \u00fcbergemeindliche Verbindungen wurden u.&nbsp;a. herausgearbeitet: St\u00e4rkung und Belehrung, Sicherung des Missionserfolgs, Entstehung und Erhalt eines Lehrkonsens, Beteiligung an der Kollekte und die doxologische Dimension. Weitere Teilkapitel sind den \u201eGegnern\u201c des paulinischen Missionswerks, der rhetorischen Funktion, der historischen Plausibilit\u00e4t, der Entwicklung in den Vorkommen der \u00fcbergemeindlichen Verbindungen und deren Eigenschaft als Katalysatoren f\u00fcr geschichtliche und theologische Entwicklungen gewidmet. Schlie\u00dflich werden Implikationen f\u00fcr die heutige kirchliche Praxis und \u00d6kumene in den Blick genommen. Gerade auch in pers\u00f6nlichen Begegnungen werde \u201edas gr\u00f6\u00dfere Ganze der Kirche Jesu Christi konkret erfahrbar\u201c (599). Impulse aus einer Kirche k\u00f6nnen Gemeinden in anderen L\u00e4ndern neue Wege aufzeigen (z.&nbsp;B. Fresh Expressions of Church).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Studie ist ein Epilog angeh\u00e4ngt, in dem der Wert \u00fcbergemeindlicher Verbindungen angesichts wieder erstarkender Nationalismen und abgebrochener Kommunikation herausgestellt wird: \u201eIn Zeiten zunehmender Individualisierung, Vereinsamung, aber auch Orientierungslosigkeit ist das Bewusstsein und die fr\u00f6hliche Erfahrung zu etwas Gr\u00f6\u00dferem zu geh\u00f6ren und so mit vielen Menschen verbunden zu sein, ein hohes Gut.\u201c (605)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit dem Stellen-, Namens- und Sachregister lassen sich sehr gut relevante Informationen erschlie\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Studie ist au\u00dferordentlich materialreich. Dabei werden immer wieder auch Fragen gestellt, auf die keine klaren Antworten gegeben werden. So unbefriedigend dies auf den ersten Blick erscheinen mag, es spiegelt die Vorsicht des Verfassers, nicht spekulierend \u00fcber das hinauszugehen, was die Texte sagen. Trotz des maximalistischen Ansatzes, der alle <em>m\u00f6glichen<\/em> \u00fcbergemeindlichen Verbindungen aufgreift, geschieht eine fundierte Einordnung der Ergebnisse durch die n\u00f6tige Vorsicht bei der Unterscheidung von sicheren und unsicheren Ergebnissen. Entstanden ist so ein \u00e4u\u00dferst wertvoller Gesamt\u00fcberblick, der nicht nur eine Forschungsl\u00fccke schlie\u00dft, sondern auch die grundlegende Relevanz \u00fcbergemeindlicher Verbindungen bis heute aufzeigt und viele Anregungen f\u00fcr die Praxis gibt. So ist diese Habilitationsschrift eine inspirierende Lekt\u00fcre f\u00fcr alle, die ihren Horizont weiten und \u00fcber den eigenen Tellerrand hinausblicken wollen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Detlef H\u00e4u\u00dfer, Professor f\u00fcr Neues Testament an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christoph W. Stenschke: \u00dcbergemeindliche Verbindungen in den Briefen der paulinischen Mission. 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