{"id":281,"date":"2017-05-01T20:22:55","date_gmt":"2017-05-01T20:22:55","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=281"},"modified":"2017-05-01T20:30:10","modified_gmt":"2017-05-01T20:30:10","slug":"dominik-klenk-u-a-yoube","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=281","title":{"rendered":"Dominik Klenk, u.a. : YOUBE"},"content":{"rendered":"<p>Dominik Klenk \/ Roland Werner \/ Bernd Wannenwetsch: <em>YOUBE \u2013 Evangelischer Jugendkatechismus<\/em>, Basel: Fontis, 2015, 176 S., \u20ac 18,99, <a href=\"https:\/\/www.fontis-verlag.com\/buch\/roland-werner-dominik-klenk-bernd-wannenwetsch-yoube-textausgabe-evangelischer-jugendkatechismus\/\">ISBN 978-3-03848-050-1<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/Klenk_Yoube.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>\u201eWer, wie, was, wieso, weshalb, warum: wer nicht fragt, bleibt dumm\u201c \u2013 mit diesem Intro beginnt nicht nur seit Jahrzehnten eine Kindersendung. Was da helle Kinderstimmen singen, bleibt auch f\u00fcr Jugendliche und Erwachsene g\u00fcltig. Die wichtigen Fragen des Lebens zu stellen und zu wissen, wem ich diese Fragen sinnvollerweise stelle, ist eine Lebensaufgabe \u2013 und zugleich ein Privileg der Gattung Mensch.<\/p>\n<p>Das Frage-Antwort-Schema ist von jeher die Grundform des Katechismus. \u00dcber Jahrhunderte hinweg hat so Martin Luthers \u201eKleiner Katechismus\u201c Glaubensgeschichte geschrieben. Was lehrt uns das erste Gebot? Gott \u201ef\u00fcrchten, lieben und vertrauen\u201c \u2013 das ist nach Luther die Kurzformel evangelischen Glaubens. Und wer mit dem \u201eHeidelberger Katechismus\u201c in den Glauben eingef\u00fchrt wurde, dem wird kaum Frage 1 wieder aus dem Kopf gehen, in der es hei\u00dft: Zu Jesus Christus zu geh\u00f6ren, das ist mein \u201eeinziger Trost im Leben und im Sterben\u201c. Die Form des Katechismus steht f\u00fcr die Ein\u00fcbung im Glauben in der Gemeinschaft der Glaubenden: kompakt, konkret und \u2013 zumeist \u2013 konfessionell (also z.B. lutherisch, reformiert etc.). In der Religionsp\u00e4dagogik des 20. Jahrhunderts ist das Lernen am Katechismus in Verruf geraten. Die Einw\u00e4nde: zu frontal, zu traditionell-dogmatisch, zu wenig partizipativ, was den Sch\u00fcler oder Konfirmand angeht. Ist es von daher nicht ein Wagnis, im Vorfeld des Reformationsjubil\u00e4um 2017 einen neuen Jugendkatechismus auf den Markt zu bringen? Ich meine, ein Wagnis wohl, aber ein gut begr\u00fcndetes. Nach der Lekt\u00fcre von YOUBE sehe ich drei Gr\u00fcnde, warum dieser Katechismus wichtig ist:<\/p>\n<ol>\n<li>Die evangelischen Glaubenswelten sind (wie das Leben \u00fcberhaupt) un\u00fcbersichtlicher und komplizierter geworden. Wo Traditionen wegbrechen, haben Meinungs- und Stimmungsmacher leichtes Spiel. Wer nicht wei\u00df, wo er mit seinem Glauben vor Anker gehen kann, wird Schiffbruch erleiden. YOUBE legt den sicheren Grund des Christseins frei. Hier wird erkl\u00e4rt, zu wem Christen geh\u00f6ren, was sie glauben und wie der Glaube im Leben Gestalt gewinnt. Das \u2013 im deutschen Buchtitel f\u00fcr Erwachsene vielleicht gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftige \u2013 Kunstwort \u201eYOUBE\u201c fasst die Grundbotschaften dieses Jugendkatechismus zusammen, die in einem Dreiklang daherkommen: \u201eYou belong \u2013 you believe \u2013 you behave\u201c. Dabei wird deutlich: Glauben hei\u00dft, aus der Beziehung heraus leben, zu der ich als Mensch bestimmt bin. Zu wem geh\u00f6ren wir? Zu Gott. Wer steht f\u00fcr mein Leben ein? Jesus Christus. Wer weist uns den Weg? Der Heilige Geist. Und so geht es weiter. In einer Sprache, die auch Jugendliche verstehen, die in der Welt der Kurznachrichten unterwegs sind, wird hier Glaube greifbar, anschaulich, eing\u00e4ngig, aber nicht simplifiziert.<\/li>\n<li>Der Katechismus steht mit seiner Frage-Antwort-Form f\u00fcr eine elementare Form menschlicher Kommunikation: f\u00fcr das Gespr\u00e4ch. Glaube entsteht und w\u00e4chst nicht ohne das Gespr\u00e4ch, in dem die Gespr\u00e4chspartner einander ernst nehmen. Junge Menschen heute sind es gew\u00f6hnt, als \u201eSubjekte ihrer eigenen Entwicklung\u201c anerkannt zu werden. Einfacher gesagt hei\u00dft das: Ihre Fragen m\u00fcssen vorkommen, sonst wird dies nicht ihr Katechismus sein. Und deshalb nehmen die Autoren von YOUBE das klassische Frage-Antwort-Schema auf, f\u00fchren es aber einen \u2013 ich denke, unverzichtbaren \u2013 Schritt weiter. Auf jede Frage folgt zun\u00e4chst eine biblisch gegr\u00fcndete Antwort, die dann n\u00e4her erl\u00e4utert wird (\u201eWas bedeutet das f\u00fcr uns?\u201c). Dann aber folgt stets ein Einwand, der mit \u201eJa, aber\u201c beginnt und Fragen stellt, wie sie von Jugendlichen in der einen oder anderen Form immer wieder zu h\u00f6ren sind: \u201eKann ich Gott als Vater vertrauen, wenn ich selbst ohne Vater aufgewachsen bin oder von meinem Vater entt\u00e4uscht wurde?\u201c Oder: \u201eKann ich ein richtiger Fan von etwas sein, ohne dass es f\u00fcr mich ein Gott wird?\u201c Oder: \u201eMeinen Glauben vor anderen zu bekennen ist mir peinlich. Kann ich die Angst davor \u00fcberwinden, ausgelacht zu werden?\u201c Auch auf diese Fragen werden Antworten gegeben &#8211; und doch bleibt der Einwand, dass das Gespr\u00e4ch sich zwar am Katechismus entwickeln, aber nicht mit ihm ans Ende kommen soll. Deshalb braucht dieser (wie jeder andere) Katechismus glaubw\u00fcrdige geistliche Leiter (\u201eKatecheten\u201c), die den Einw\u00e4nden Jugendlicher Raum geben und zugleich f\u00fcr ihren Glauben einstehen \u2013 nicht als Alleswisser, sondern als Christen, die mit allen Fragen zur Quelle des Glaubens f\u00fchren, also zur Bibel.<\/li>\n<li>Es ist ein sichtbares Zeichen christlicher Einheit, wenn ein Katechismus heute konfessorisch, also bekennend, aber nicht im engen Sinne konfessionell ist. YOUBE geht in dieser Hinsicht einen Weg, der zeitgem\u00e4\u00df und zugleich dem Evangelium verpflichtet ist. Gesucht wird also nicht der kleinste gemeinsame Nenner unterschiedlicher kirchlich-konfessioneller Standpunkte. Vielmehr wird bei strittigen Fragen wie z.B. der Taufe, die gemeinsame evangelische Wurzel der unterschiedlichen Auffassungen gesucht, es wird also tiefer gegraben statt die Differenzen einzuebnen. F\u00fcr die Taufe bedeutet dies, sowohl das \u201eunverdiente Ja Gottes zu uns\u201c als auch \u201edas notwendige Ja des Menschen zu einem Leben mit Gott\u201c im Blick zu behalten.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Weil Christen auch mit ihrem Leben Zeugnis geben, muss der Glaube konkret werden. Mit der Ethik betritt YOUBE vermintes Gel\u00e4nde, stellt sich dieser Herausforderung aber souver\u00e4n: Anhand der 10 Gebote werden Leitlinien f\u00fcr das Leben entfaltet, die sich bew\u00e4hrt haben. Die Einw\u00e4nde bleiben Einw\u00e4nde, die ernstgenommen werden und Beachtung erfahren, sie werden aber nicht zur Norm moralischer Experimente, die dann im Nachhinein religi\u00f6s eingekleidet oder unter Verweis auf das eigene Gewissen gegen Anfragen der biblischen Texte immunisiert werden.<\/p>\n<p>Warum w\u00fcnsche ich mir, dass meine Kinder mit diesem Katechismus vertraut werden? Zun\u00e4chst: Er ist attraktiv aufgemacht und das gilt sowohl f\u00fcr die Designausgabe als auch f\u00fcr die \u201eNur-Text-Ausgabe\u201c (beide in den Texten seitenidentisch und daher in der Arbeit mit Gruppen kombinierbar). Der Titel ist \u201ecool\u201c, das Cover abwischbar und die Innentexte sind locker gesetzt, so dass kein Jugendlicher in einer \u201eBleiw\u00fcste\u201c verloren geht. Dieser Katechismus ist ferner didaktisch durchdacht. Die 27 Kapitel (in den genannten drei Teilen) lassen sich gut auf ein Jahr Biblischen oder Konfirmandenunterrichts aufteilen. Die Kerntexte, die den Gespr\u00e4chsfaden (Frage \u2013 Antwort \u2013 Einwand \u2013 Antwort) abbilden, sind in einem augenfreundlichen Gr\u00fcnton unterlegt. Am Au\u00dfenrand der Seiten laden klug ausgew\u00e4hlte Bibelzitate, Sinnspr\u00fcche und Liedtexte zum Weiterdenken ein. Es gibt Fragen, die dazu einladen, eigene \u00dcberlegungen aufzuschreiben. Aber nicht nur dort, sondern praktisch im gesamten Buch ist viel Platz f\u00fcr eigene Notizen. Dieses Buch will angeeignet sein. Personen- und Stichwortregister f\u00fchren zu den einschl\u00e4gigen Fundorten. Man sp\u00fcrt dem Buch ab, dass die Autoren Signale setzen m\u00f6chten, die den Leser nicht \u00fcberrumpeln, aber auch nicht \u00fcbersehen werden sollen. So werden die drei Teile des YOUBE von einer Klammer zusammengehalten: Am Anfang steht das Apostolische Glaubensbekenntnis, am Schluss steht das Doppelgebot der Liebe. Allein diese \u201eKlammer\u201c ist Einladung zum Nachsinnen. Und schlie\u00dflich: YOUBE ist evangelisch klar. Und das hei\u00dft: konsequent am Evangelium von Jesus Christus orientiert, in dem Gott sich offenbart hat und den die Bibel verl\u00e4sslich bezeugt.<\/p>\n<p>Ich w\u00fcnsche dem Jugendkatechismus YOUBE, dass durch seinen Gebrauch viele (junge) Menschen Jesus Christus kennenlernen und ihm nachfolgen. Denn er allein ist, mit den Worten des Katechismus gesagt, \u201eZentrum der Geschichte. Wendepunkt der Zeit und Ziel in Ewigkeit\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Christoph Raedel, Professor f\u00fcr Systematische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dominik Klenk \/ Roland Werner \/ Bernd Wannenwetsch: YOUBE \u2013 Evangelischer Jugendkatechismus, Basel: Fontis, 2015, 176 S., \u20ac 18,99, ISBN<\/p>\n","protected":false},"author":5,"featured_media":282,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-281","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-praktische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/281","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/5"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=281"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/281\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":283,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/281\/revisions\/283"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/282"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=281"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=281"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=281"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}