{"id":2840,"date":"2026-11-04T12:46:26","date_gmt":"2026-11-04T12:46:26","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2840"},"modified":"2026-11-04T12:46:28","modified_gmt":"2026-11-04T12:46:28","slug":"tzvi-abusch-alan-lenzi-jeffrey-stackert-hg-ritual-and-law-in-the-hebrew-bible-and-the-ancient-near-east","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=2840","title":{"rendered":"Tzvi Abusch \/ Alan Lenzi \/ Jeffrey Stackert (Hg.): Ritual and Law in the Hebrew Bible and the Ancient Near East"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tzvi Abusch \/ Alan Lenzi \/ Jeffrey Stackert (Hg.): <em>Ritual and Law in the Hebrew Bible and the Ancient Near East<\/em>, FAT 184, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2024, geb., VIII+265\u00a0S., \u20ac\u00a0129,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.mohrsiebeck.com\/buch\/ritual-and-law-in-the-hebrew-bible-and-the-ancient-near-east-9783161638794\/\">978-3-16-163879-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Festschrift f\u00fcr David P. Wright, Emeritus der Brandeis University, Waltham MA (USA), vereinigt Beitr\u00e4ge von Bibel- und Altertumswissenschaftlern, die die Breite von Wrights eigenem Wirken abbilden. Sein bibelwissenschaftliches Interesse galt dem Bundesbuch (<em>Inventing God\u2019s Law: How the Covenant Code of the Bible Used and Revised the Laws of Hammurabi<\/em>, Oxford: University Press, 2009) und seinem Verh\u00e4ltnis zum Deuteronomium (\u201eThe common scribal school culture of Deuteronomy and the Covenant code\u201c, <em>Zeitschrift f\u00fcr Altorientalische und Biblische Rechtsgeschichte<\/em>, 25\/2019, 181\u2013186), wie auch dem Ritual in der Bibel und in den Kulturen des Alten Orients (<em>The Disposal of Impurity: Elimination Rites in the Bible and in Hittite and Mesopotamian Literature<\/em>, Atlanta: Scholars Press, 1987).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im ersten Beitrag (13\u201339) fragt Jeffrey M. Leonard nach der Datierung des Deuteronomiums. Er kommt f\u00fcr die meisten Fluchworte auf einen <em>terminus post quem<\/em> zwischen 722 und 650&nbsp;v.&nbsp;Chr. Nur wenige Verse in Kap. 28 und 29 sind seiner Meinung nach als exilisch einzustufen. Bereits Hosea und Amos k\u00fcndigen ja Belagerung und Exil an, und (mit Mark Leuchter) ist in vielem die Erinnerung an die Deportation des Nordreichs sp\u00fcrbar. Seiner Meinung nach darf das einheitliche literarische Setting von Dtn (\u201eMoses in Moab\u201c, 36) nicht \u00fcber die Breite der historischen Hintergr\u00fcnde hinwegt\u00e4uschen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tina M. Sherman (41\u201359) liest Ex 34 als eine Definition von \u201eIsrael\u201c in der persischen Zeit (nach 539&nbsp;v.&nbsp;Chr.). Dazu zieht sie Theorien \u00fcber \u201enationale Identit\u00e4t\u201c bei, die sie in einem <em>close reading<\/em> von Ex 34,10\u201327 \u00fcberpr\u00fcft: gemeinsame Vergangenheit, Territorium, Kultur, nationaler Charakter sowie Vorstellung einer Zukunft (45\u201353). \u201eGesetz\u201c wird dabei zu einer Strategie, um die Zugeh\u00f6rigkeit zur Gemeinschaft zu sichern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jason M. Gaines vergleicht in \u201eOn Moses\u2019 Foreskin\u201c (61\u201375) die Deutungen der Beschneidung von Moses in \u201enon-P\u201c (Ex 3\u20134) und P (Ex 6). W\u00e4hrend die (urspr\u00fcngliche) Darstellung von Ex 3\u20134 keine M\u00fche hat, Moses als unbeschnitten und sprachlich eingeschr\u00e4nkt (61) zu sehen, \u00fcbertrage Ex 6 die Beschneidung in eine geistliche Sph\u00e4re: \u201euncircumcised of lips\u201c (6,12.30). Damit bekommt der Begriff \u05e2\u05e8\u05dc \u201eunbeschnitten\u201c eine neue Semantik.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Joel S. Baden (77\u201390) betrachtet die Dekalogversionen Ex 20 und Dtn 5 in ihren Kontexten. Der Dekalog hat in E (Ex 20) keine direkte Funktion in einem Bundesschluss (anders Ex 24 \u2013 Bundesbuch), w\u00e4hrend er in Dtn 5,24f. deutlich Teil eines solchen ist. Interessant sind v.&nbsp;a. seine \u00dcberlegungen dazu, was auf den \u201eTafeln\u201c (Ex 24) steht (82f.).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Tamar Kamionkowski geht in \u201eThe Concept of Desecration in Leviticus\u201c (91\u2013107) der Wurzel \u05d7\u05dc\u05dc nach. Sie erscheint praktisch nur in H (Lev 17ff., au\u00dfer \u05d7\u05dc 10,10). Dass sogar der Gottesname \u201eentweiht\u201c werden k\u00f6nne, sei Teil der Dynamisierung der Heiligkeit gegen\u00fcber der statischeren Vorstellung in den Priestergesetzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mark Z. Brettler fragt danach, was \u201eGesetz\u201c (\u05ea\u05d5\u05e8\u05d4 \/ \u03bd\u03cc\u03bc\u03bf\u03c2) in den Psalmen bedeutet (109\u2013126). Unabh\u00e4ngig davon, wann man den Pentateuch datiert, ist diese Frage legitim. Es gibt Reflexe der mosaischen Gesetze in den Psalmen (115\u2013117), aber Begriffe wie \u05e8\u05e9\u05c1\u05e2 und \u05e6\u05d3\u05d9\u05e7 deuten auf konventionelle Vorstellungen der Moral (Barton).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bruce Wells untersucht, welche Art von \u201eSklave\u201c (\u05e2\u05d1\u05d3) in Ex 21,20f. (Bundesbuch) gemeint ist (127\u2013140). Er kommt zum Schluss, dass der Text insgesamt einen Kompromiss (137) aus \u00e4lteren Quellen bilde (u.&nbsp;a. Kodex Hammurapi) und dass das biblische Gebot gegen\u00fcber anderen altorientalischen Normen einen Fortschritt beinhalte (142).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Aufsatz von Madadh Rickey zu \u201eElisa und die B\u00e4ren\u201c (2K\u00f6n 2,23\u201325) ist erhellend. Er schl\u00e4gt vor, das Auftreten der B\u00e4ren als \u201ecreative narratization\u201c eines Bundesfluchs (149) aus Lev 26,22 zu betrachten: \u05d7\u05d9\u05d5\u05ea\u05be\u05d4\u05e9\u05c2\u05d3\u05d4, die \u201eTiere des Feldes\u201c, die \u201eder Nachkommen berauben\u201c (\u221a\u05e9\u05c1\u05db\u05dc).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit \u201eTypicality and Verisimilitude\u201c greift Jeffrey Stackert zwei m\u00f6gliche Deutungen von \u05e6\u05dc\u05dd \u201eAbbild\u201c (Gen 1; 5) auf. Neuassyrische K\u00f6nigsstatuen m\u00f6gen \u201etypisch\u201c (konventionell) sein. Aber aufgrund dynastischer Verwandtschaft k\u00f6nnen sich die K\u00f6nige durchaus auch geglichen haben (163). Eine exakte Abbildung der Physiognomie war im Alten Orient v.&nbsp;a. bei magischen Handlungen erforderlich (164). Er kommt zum Schluss, dass in Gen 1,26f. die <em>typische<\/em> Abbildung (Herrscherinsignien des Menschen, als Mann <em>und<\/em> Frau!), in Gen 5,3 jedoch \u201efamily resemblance\u201c im Vordergrund steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ada Taggar Cohen referiert auf hethitische Texte (und Abbildungen), wenn sie \u00fcber den \u201eStatus von Frauen im hethitischen Kult\u201c nachdenkt (175\u2013195). Priesterinnen und Priester haben im Blick auf ihre Zahl und Sichtbarkeit (182) \u2013 anders als in Israel \u2013 im Kult einen ebenb\u00fcrtigen Status. Frauen werden zwar zumeist an zweiter Stelle genannt, was ihre Position gegen\u00fcber M\u00e4nnern nicht schm\u00e4lert (185). Ihre Geschlechtlichkeit als <em>Frau<\/em> wird aber essentiell wahrgenommen (192).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Alan Lenzi analysiert ein akkadisches <em>\u0160uila<\/em>-Gebet auf seine \u201eEtikette\u201c (197\u2013215). Dabei nimmt er die zehn Schritte einer \u201eAudienz\u201c nach A. Zgoll als heuristisches Modell zu Hilfe (202f.). Wie l\u00e4sst sich N\u00e4he (im Sinne der \u201eProxemik\u201c, Ed. Hall) erzeugen, auch wenn der Respekt vor der Gottheit das Einhalten von Distanz erfordert (205)? Die Analyse lie\u00dfe sich ohne weiteres \u2013 und mit Gewinn \u2013 auch auf biblische Gebete anwenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zum Schluss ziehen Tzvi Abusch und Emily Blanchard West Parallelen zwischen mythischen Situationen von \u201eFurcht und \u00c4ngsten der G\u00f6tter in mesopotamischer und indischer Literatur\u201c (217\u2013231); das Ph\u00e4nomen zeigt sich interessanterweise, und bei allen Parallelen zu Mesopotamien, in der griechischen Literatur nicht (229)!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Aufs\u00e4tze widmen sich jeweils klar und eng eingegrenzten Themen, wenden aber vielfach anregende Methoden an. Leonards Erw\u00e4gungen zur Datierung des Deuteronomiums sind f\u00fcr Ausleger der exilischen Propheten spannend. Tamar Kamionkowski greift mit \u221a\u05d7\u05dc\u05dc \u201eentweihen\u201c eine Kategorie auf, die \u2013 neben ihrem Komplement \u201eHeiligkeit\u201c \u2013 durchaus mehr Beachtung verdient, wie auch Stackerts Gedanken zu \u05e6\u05dc\u05dd in Gen 1; 5. Die von Lenzi angewandten Methoden bei der Analyse eines <em>\u0160<\/em><em>uila<\/em>-Gebets bieten sich f\u00fcr biblische Gebetstexte genauso an.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Einf\u00fchrung von Alan Lenzi gibt einen detaillierten \u00dcberblick \u00fcber die einzelnen Artikel (1\u201312). Jedem Beitrag ist eine vollst\u00e4ndige Bibliographie beigef\u00fcgt. Dazu kommen ausf\u00fchrliche Register f\u00fcr biblische und au\u00dferbiblische Quellen, Autoren und Schlagworte am Buchende (235\u2013265).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Giancarlo Voellmy, Pfarrer in CH-Linden und Dozent am sbt-Bern<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tzvi Abusch \/ Alan Lenzi \/ Jeffrey Stackert (Hg.): Ritual and Law in the Hebrew Bible and the Ancient Near<\/p>\n","protected":false},"author":72,"featured_media":2841,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"video_url":"","footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-2840","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2840","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/72"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2840"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2840\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2842,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2840\/revisions\/2842"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/2841"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}