{"id":326,"date":"2017-10-09T11:28:57","date_gmt":"2017-10-09T11:28:57","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=326"},"modified":"2017-10-09T11:28:57","modified_gmt":"2017-10-09T11:28:57","slug":"louis-c-jonker-defining-all-israel-in-chronicles","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=326","title":{"rendered":"Louis C. Jonker: Defining All-Israel in Chronicles"},"content":{"rendered":"<p>Louis C. Jonker: <em>Defining All-Israel in Chronicles. Multi-levelled Identity Negotiation in Late Persian-Period Yehud<\/em>, FAT 106, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2016, XVII+358 S., \u20ac 124,\u2013, <a href=\"https:\/\/www.mohr.de\/en\/book\/defining-all-israel-in-chronicles-9783161545955\">ISBN 978-3-16-154595-5<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Wenzel_Jonker.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Louis Jonker r\u00fcckt mit diesem Buch die Frage von \u201esocial identity\u201c in den Blickpunkt einer Lekt\u00fcre der Chronikb\u00fccher. In seiner Einf\u00fchrung rekapituliert er wichtige Aspekte der bisherigen Erforschung der B\u00fccher (1\u201324), in der textbezogene und historische Fragen von besonderem Interesse waren. Der Aspekt der Identit\u00e4t kam dabei immer wieder zu kurz.<\/p>\n<p>Jonkers Methode f\u00fcr die Besch\u00e4ftigung mit den Chronikb\u00fcchern wird aus verschiedenen Quellen gespeist (25\u201364). Mit \u201eUtopian Studies\u201c verweist er auf Aspekte, die mit diesen Texten die Zukunft(sperspektive) einer Gruppe gestalten wollen. \u201eSocial Memory Studies\u201c unterstreichen, dass die Chronikb\u00fccher von vorhandenen Perspektiven und \u00dcberzeugungen ausgehen und diese dann anpassen und ver\u00e4ndern. In seiner Anwendung von \u201eSocial-psychological Studies\u201c legt Jonker gro\u00dfen Wert darauf, dass Identit\u00e4t konstruiert wird und dies im Austausch mit und in Abgrenzung von anderen geschieht. Literatur spielt dabei eine wichtige Rolle. Angesichts von \u201ePostcolonial Studies\u201c h\u00e4lt er fest, dass all diese Prozesse von verschiedenen Seiten her umk\u00e4mpft waren. Ein Leben in S\u00fcdafrika mag f\u00fcr viele Aspekte dieser Untersuchung auf besondere Art und Weise sensibilisieren. Angesichts dieser Quellen f\u00fcr seine Lekt\u00fcre wird deutlich, dass die besondere Herausforderung f\u00fcr Jonker und gleichzeitig der bemerkenswerte Beitrag seines Buches darin besteht, diese Vielfalt an methodischen Perspektiven in Anschlag zu bringen. Das ist aus meiner Sicht gelungen, auch wenn ich nicht mit allen Ergebnissen \u00fcbereinstimme. Die Fruchtbarkeit dieser Vielfalt wird auf jeden Fall immer wieder deutlich. Ich w\u00fcrde sogar behaupten, dass mit Jonkers Buch eindr\u00fccklich klar wird, dass man bei der Besch\u00e4ftigung mit den Chronikb\u00fcchern eine Vielfalt an methodischen Perspektiven ben\u00f6tigt, um diesem komplexen literarischen Korpus gerecht zu werden. Es ist ein angemessenes und inspirierendes Eingest\u00e4ndnis, dass man diese biblischen Texte nicht einfach nur von einer oder zwei exegetischen Perspektiven her betrachten kann (vgl. 63).<\/p>\n<p>Jonker gelingt es auf diese Weise viele Aspekte eines Prozesses von \u201enegotiating social identity\u201c zu beschreiben. Die Methode besch\u00e4ftigt sich mit einer sehr wichtigen Fragestellung. Jonker ist daf\u00fcr offensichtlich sensibilisiert und sp\u00fcrt einer Dynamik nach, die \u2013 von allem was wir wissen (k\u00f6nnen) \u2013 eine gro\u00dfe Rolle im nachexilischen Juda gespielt hat. Hier muss soziale Identit\u00e4t (wieder) gefunden oder neu bestimmt werden. Ver\u00e4nderte Umst\u00e4nde fordern zu einer Kl\u00e4rung der Verankerung und Beschreibung von Identit\u00e4t heraus. Die Chronikb\u00fccher sind hier sicherlich ein bedeutender Zeuge f\u00fcr wichtige Aspekte dieser Dynamiken und Prozesse. Man muss nicht von allen Aspekte und Schlussfolgerungen \u00fcberzeugt sein, um sowohl den Wert der Methodik (oder vielleicht besser der methodischen Perspektiven) und ihre Ergebnisse wert zu sch\u00e4tzen. Man kann sicher \u00fcber vieles Grundlegende diskutieren wie beispielsweise die (nahezu ausschlie\u00dflich) konstruktivistische Perspektive auf Identit\u00e4t oder das Ausma\u00df und Gewicht von utopischen Aspekten in den Chronikb\u00fcchern. Jonkers Buch \u00f6ffnet auf jeden Fall T\u00fcren f\u00fcr weiteres Lesen und inspiriert, viele Aspekte anders oder weiter zu denken. Somit ist dieses Buch m.\u00a0E. ein wertvoller Beitrag f\u00fcr die Erforschung der Chronikb\u00fccher.<\/p>\n<p>Jonker zeichnet die Chronikb\u00fccher in vier Ebenen einer sozio-historischen Realit\u00e4t ein: das persische Reich (\u201eThe Persian Period in Yehud\u201c, 65\u2013114; \u201eSpeaking in the Imperium\u201c, 115\u2013150), das Leben in einer Provinz inmitten von anderen Provinzen (\u201eNot Alone in this Provincial World\u201c, 151\u2013192), die Stammesbeziehungen zwischen Juda und Benjamin (\u201eTribal Rivalries of Old\u201c, 193\u2013225) und schlie\u00dflich die verschiedenen kultischen Dynamiken am Tempel in Jerusalem (\u201eDefining the Jerusalem Cult\u201c, 227\u2013276). Die Zusammenfassung der Ergebnisse wird um einen Ausblick erg\u00e4nzt, wie sein methodisches Vorgehen auch f\u00fcr andere Texte \/ Textkorpora der Hebr\u00e4ischen Bibel fruchtbar werden kann (277\u2013296).<\/p>\n<p>Der Blick auf das persische Reich betont die Beziehungen zwischen den verschiedenen Ebenen und den Einfluss dieser Perspektive auf die anderen. Das Ringen um Identit\u00e4t innerhalb des persischen Imperiums schlie\u00dft mit der Geschichtsschreibung an die Vergangenheit des jud\u00e4ischen K\u00f6nigtums an, stellt aber die Gedanken \u201eJahwe zu suchen\u201c und \u201esich auf ihn zu st\u00fctzen\u201c heraus. Somit wird die Identit\u00e4t als Gemeinschaft, die Jahwe verehrt, bestimmt. \u201eAll-Israel\u201c verk\u00f6rpert dabei in den Chronikb\u00fcchern f\u00fcr Jonker etwas Utopisches, ein vereinigtes davidisches K\u00f6nigreich: zentriert auf Jerusalem und den Kult, mit einer exklusiven Jahwe-Verehrung, mit kritischen Spitzen gegen die persischen Herrscher, ohne revolution\u00e4re Impulse und doch mit einer weiten Perspektive der Bedeutung Judas und der Bedeutung und Stellung seines Gottes.<\/p>\n<p>Spannungen werden herausgearbeitet wie beispielsweise die jud\u00e4ische Perspektive (da das Nordreich praktisch keine Rolle spielt) im Verh\u00e4ltnis zu dem Gedanken von Einheit zwischen den verschiedenen St\u00e4mmen Israels (vgl. 280). Die Komplexit\u00e4t vieler Aspekte und ihre Dynamik werden beleuchtet. Damit ist dieses Buch eine best\u00e4ndige Erinnerung, die Chronikb\u00fccher nicht allzu schnell oder allzu einfach auf wenige Gedanken oder Perspektiven zu reduzieren. Dies gelingt Jonker vor allem durch eine aufmerksame Lekt\u00fcre der Texte und einem angemessenen Abw\u00e4gen verschiedener Beobachtungen und Aspekte. Er bringt dabei seine Beobachtungen und Schlussfolgerungen immer wieder ins Gespr\u00e4ch mit anderen Forschungsergebnissen zu den Chronikb\u00fcchern. Die entsprechenden Zitate veranschaulichen wiederholt, dass Jonkers Herangehensweise an bisherige Forschung fruchtbringend anschlie\u00dft und gleichzeitig in ihrer Kombination und der besonderen Fragestellung der Identit\u00e4t Neues formuliert bzw. Bekanntes neu formuliert. Hierdurch kommen auch verschiedene Perspektiven in den Blick. Deswegen kann ich seinem Fazit nur zustimmen: \u201eIt has assisted us to acquire a greater appreciation of the complex, and even ambiguous, literary materials of Chronicles\u201c (284). Seine methodische Reflexion und der damit verbundene Ausblick auf andere Texte \/ Textkorpora der Hebr\u00e4ischen Bibel regt zu weiterem Nachdenken an: Pentateuchforschung (284\u2013287), Prophetenforschung (287\u2013292) sowie Psalmen- und Weisheitsforschung (292\u2013296). In diesem Nachdenken \u00e4u\u00dfert Jonker die Hoffnung, dass vielleicht dadurch auch eine fruchtbarere Zusammenarbeit zwischen den Spezialisten der verschiedenen Korpora m\u00f6glich wird. Das w\u00fcrde sicherlich weitere interessante und bedenkenswerte Perspektiven zutage f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Heiko Wenzel, Professor f\u00fcr Altes Testament an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Louis C. Jonker: Defining All-Israel in Chronicles. 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