{"id":332,"date":"2017-10-09T11:37:56","date_gmt":"2017-10-09T11:37:56","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=332"},"modified":"2017-10-12T08:31:31","modified_gmt":"2017-10-12T08:31:31","slug":"stanley-e-porterandrew-w-pitts-fundamentals-of-new-testament-textual-criticism","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=332","title":{"rendered":"Stanley E. Porter\/Andrew W. Pitts: Fundamentals of New Testament Textual Criticism"},"content":{"rendered":"<p>Stanley E. Porter\/Andrew W. Pitts: <em>Fundamentals of New Testament Textual Criticism<\/em>, Grand Rapids: Eerdmans, 2015, Pb., XVI+202\u00a0S., $\u00a022,\u2013, <a href=\"https:\/\/www.eerdmans.com\/Products\/7224\/fundamentals-of-new-testament-textual-criticism.aspx\">ISBN 978-0-8028-7224-1<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Ziegert_Porter.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Das zu rezensierende Lehrbuch hat den Anspruch, neutestamentliche Textkritik auf einem mittleren Niveau zu vermitteln. Dazu sollen bewusst weniger Details geboten werden als in den Standardwerken von Aland\/Aland und Metzger. Gleichzeitig besteht der Anspruch, mehr Informationen zu pr\u00e4sentieren als andere vergleichsweise niedrigschwellige Lehrb\u00fccher (xiii).<\/p>\n<p>Das kurze erste Kapitel (1\u20138) beschreibt zwei verschiedene Zielsetzungen der Textkritik. W\u00e4hrend der traditionelle Ansatz idealerweise die Rekonstruktion der Auto\u00adgra\u00adphen zum Ziel hat, m\u00f6chte der vor allem mit dem Namen Bart Ehrmann verbundene sozio-historische Ansatz die handschriftliche \u00dcberlieferung und die damit verbundenen theologischen Tendenzen historisch nachverfolgen, wobei die Suche nach einem \u201eUrtext\u201c zweitrangig ist. Porter und Pitts bekennen sich zum traditionellen Ansatz, da die Exegese neutestamentlicher Texte auf einem rekonstruierten Urtext basieren sollte (6).<\/p>\n<p>Das zweite Kapitel (9\u201332) \u00fcber den neutestamentlichen Kanon bietet eine \u00dcberraschung im Vergleich mit anderen Werken \u00fcber Textkritik. Die Autoren wollen n\u00e4mlich plausibel machen, dass die Textkritik einen Beitrag zur Erforschung des Kanons liefern kann. Dies tun sie vor allem durch den Hinweis auf Manuskripte aus dem 2.\u00a0Jh. wie <span style=\"font-family: Times New Roman;\">?<\/span><sup>46<\/sup> und <span style=\"font-family: Times New Roman;\">?<\/span><sup>75<\/sup>, die eine gro\u00dfe Anzahl der neutestamentlichen Schriften bereits enthalten (14\u201317). Allerdings ist die knapp pr\u00e4sentierte Vermutung, dass bereits Paulus und seine Mitarbeiter die paulinischen Schriften sammelten (14\u201315), nicht \u00fcberzeugend. Zudem tragen die Ausf\u00fchrungen \u00fcber Kanonlisten und sp\u00e4tere Konzilien (21\u201328) nichts zur eigentlichen Thematik des Buches bei.<\/p>\n<p>Im dritten Kapitel (33\u201353) pr\u00e4sentieren die Autoren grundlegende Informationen \u00fcber B\u00fccher, Schreibmaterialien und -techniken sowie \u00fcber die erstaunlich hohe Anzahl neutestamentlicher Textzeugen. Das vierte Kapitel (54\u201372) thematisiert griechische Manuskripte, Versionen und Kirchenv\u00e4terzitate, allerdings ohne die \u00dcberlieferungsproblematik der Versionen zu thematisieren (was bei den Kirchenv\u00e4tern aber geschieht). Im (zu kurzen) f\u00fcnften Kapitel (73\u201379) werden die neutestamentlichen Texttypen eingef\u00fchrt, und die Frage nach der Priorit\u00e4t des Mehrheitstextes wird problematisiert, wobei sich die Autoren auf die Seite derer stellen, die den Mehrheits- bzw. byzantinischen Text f\u00fcr einen sp\u00e4ten Text (nicht vor dem 4.\u00a0Jh.) halten, der nicht unkritisch \u00fcbernommen werden sollte (77\u201378). In Kapitel\u00a06 (80\u201387) klassifizieren die Autoren verschiedene Arten textlicher Varianten entsprechend der morphologisch-syntaktischen Ebene, auf der sie angesiedelt sind. Die Unterscheidung, ob es sich um eine Variante auf Wortebene, auf Ebene der Wortgruppe oder auf Satzebene handelt, erscheint dem Rezensenten an dieser Stelle des Buches nicht relevant, da aussagekr\u00e4ftige Beispiele erst ab Kapitel\u00a09 pr\u00e4sentiert werden.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten vier Kapitel f\u00fchren konkret in die textkritische Methodik ein. In Kapitel\u00a07 (88\u201399) werden zun\u00e4chst die verschiedenen methodischen Ans\u00e4tze einander gegen\u00fcbergestellt. Die Autoren kritisieren eine methodische Prio\u00adri\u00adsie\u00adrung des Mehrheitstextes als nicht \u00fcberzeugend (90\u201391) und den \u201eThoroughgoing Eclecticism\u201c als zu einseitig (93\u201394). Mit der Mehrheit der Forscher bewegen sie sich im Rahmen eines \u201eReasoned Eclecticism\u201c, wie im n\u00e4chsten Kapitel deutlich wird (101), sind aber auch grunds\u00e4tzlich offen f\u00fcr eine Methodik, die auf einer diplomatischen Textausgabe unter Verwendung des Codex Sinaiticus beruht (95\u201396). Positiv ist zu w\u00fcrdigen, dass auch die erst in den letzten Jahren in M\u00fcnster vorangetriebene \u201eKoh\u00e4renz-basierte genealogische Methode\u201c vorgestellt wird. Diese wurde auf der Grundlage des stemmatischen Ansatzes der klassischen Philologie, wo oft nur wenige Manuskripte eines Werkes existieren, entwickelt und l\u00e4sst sich nur durch computer-basierte statistische Methoden auf die gro\u00dfen Mengen neutestamentlicher Manuskripte \u00fcbertragen. Zu bedauern ist an diesem Kapitel, dass die meisten Kritikpunkte an den dargestellten Ans\u00e4tzen in Fu\u00dfnoten versteckt sind.<\/p>\n<p>Kapitel 8 (100\u2013109) beschreibt die externe Evidenz f\u00fcr die Bevorzugung von Lesarten (Datierung und geographische Verteilung der Handschriften, Zugeh\u00f6rigkeit zu Familien). Vor allem die Problematik der Definition von Handschriftenfamilien wird hier gut erkl\u00e4rt. In Kapitel 9 und 10 (110\u2013136) geht es dann um die interne Evidenz, aufgeteilt in die Bereiche \u201etranscriptional probabilities\u201c (m\u00f6gliche \u00c4nderungen der Schreiber) und \u201eintrinsic probabilities\u201c (zu erwartender Wortlaut der neutestamentlichen Autoren). Die Ausf\u00fchrungen zur erstgenannten Thematik sind insgesamt gut verst\u00e4ndlich, allerdings h\u00e4tte das Beispiel zu einer l\u00e4ngeren Auslassung durch Homoioteleuton nicht konstruiert werden m\u00fcssen (114), da Mt\u00a05,19\u201320 ein sch\u00f6nes Beispiel liefert. Hier ist auch eine l\u00e4ngere Auseinandersetzung mit den Thesen von Bart Ehrman (<em>Misquoting Jesus: The Story Behind Who Changed the Bible and Why<\/em>, San Francisco 2005) enthalten (119\u2013126), die apologetisch wertvoll ist, aber nur wenig zur textkritischen Methodik im engeren Sinne beitr\u00e4gt. Die Ausf\u00fchrungen zu \u201eintrinsic probabilities\u201c \u00fcberzeugen nicht wirklich, da, wie die Autoren selbst einr\u00e4umen, Stil, Theologie und Quellenbenutzung neutestamentlicher Autoren schwer fassbare Gr\u00f6\u00dfen sind (130, 132, 135).<\/p>\n<p>Kapitel\u00a011 (137\u2013145) beschreibt knapp und pr\u00e4zise die kritischen Editionen des NT von der Complutensischen Polyglotte bis zu Nestle-Aland und Greek New Testament (27.\/28. bzw. 4.\/5.\u00a0Aufl.), bevor in Kapitel\u00a012 (146\u2013176) in die Benutzung dieser beiden Ausgaben eingef\u00fchrt wird. Dieses sehr ausf\u00fchrliche Kapitel referiert haupts\u00e4chlich, was auch im Vorwort der beiden Ausgaben zu lesen ist. Hilfreich ist die Kritik am \u201eRating System\u201c textkritischer Entscheidungen (\u201eA, B, C, D\u201c) im Greek New Testament, das auch in Metzgers <em>Textual Commentary<\/em> verwendet wird und das bei Erscheinen neuer Auflagen immer \u201eoptimistischer\u201c wurde (172\u2013173).<\/p>\n<p>Kapitel\u00a013 (177\u2013189) \u00fcber das Thema \u201eBibel\u00fcbersetzung\u201c wirkt etwas \u00fcberraschend in einem Lehrbuch \u00fcber Textkritik. Die wichtigen Fragen nach der Textgrundlage einer \u00dcbersetzung und nach der Darstellung textkritisch fraglicher Stellen (wie des Markusschlusses) in einer \u00dcbersetzung sind recht schnell abgehandelt (181\u2013184). Die Relevanz der Abschnitte \u00fcber die Geschichte der englischen Bibel und \u00fcber \u00dcbersetzungsprinzipien hat sich dem Rezensenten allerdings nicht erschlossen. Der Anhang (190\u2013196) nennt Ressourcen f\u00fcr weiterf\u00fchrendes Arbeiten, unter anderem Webseiten mit Fotos von Manuskripten.<\/p>\n<p>Jedes Kapitel endet mit einem \u201eSummary\u201c, einer als \u201eKey Termi\u00adno\u00adlogy\u201c bezeichneten Liste sowie mit biblio\u00adgraphischen Angaben. Das Lehrbuch ist ausf\u00fchrlich genug (teilweise etwas zu ausf\u00fchrlich) und didaktisch gut aufbereitet. Biblische Beispiele werden leider erst sehr sp\u00e4t (Kapitel 9) pr\u00e4sentiert. Dennoch kann das Buch als Begleitlekt\u00fcre zu Vorlesung oder Seminar empfohlen werden, denn die meisten der 13\u00a0Kapitel bieten hilfreiche Informationen f\u00fcr Studierende, die sich erstmalig mit der Thematik auseinandersetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Carsten Ziegert, Hochschuldozent f\u00fcr Biblische Sprachen und \u00dcbersetzungstheorie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stanley E. Porter\/Andrew W. 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