{"id":335,"date":"2017-10-09T11:41:30","date_gmt":"2017-10-09T11:41:30","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=335"},"modified":"2017-10-09T11:44:57","modified_gmt":"2017-10-09T11:44:57","slug":"brian-neil-peterson-johns-use-of-ezekiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=335","title":{"rendered":"Brian Neil Peterson: John\u2019s Use of Ezekiel"},"content":{"rendered":"<p>Brian Neil Peterson: <em>John\u2019s Use of Ezekiel. Understanding the Unique Perspective of the Fourth Gospel<\/em>, Minneapolis MN: Fortress Press, 2015, Pb., 241\u00a0S., $\u00a039,\u2013, <a href=\"http:\/\/fortresspress.com\/product\/johns-use-ezekiel-understanding-unique-perspective-fourth-gospel\">ISBN 978-1-4514-9031-2<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Kilchoer_Peterson.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Brian Neil Peterson begibt sich in dieser Studie \u00fcber die alttestamentlichen Fachbereichsgrenzen hinaus auf neutestamentliches Terrain. Er stellt die These auf, dass die Eigenart des Johannesevangeliums gegen\u00fcber den synoptischen Evangelien in thematischer wie struktureller Hinsicht haupts\u00e4chlich darin begr\u00fcndet ist, dass Joh bis in die Makrostruktur hinein das Leben Jesu im Lichte des Ezechielbuches deutet.<\/p>\n<p>Die Makrostruktur von Ez ist gepr\u00e4gt durch die drei Visionen der Herrlichkeit Jahwes (Ez\u00a01\u20133: Offenbarung der Herrlichkeit Jahwes; Ez\u00a08\u201311: Die Herrlichkeit Jahwes verl\u00e4sst wegen der Gr\u00e4uel den Tempel; Ez\u00a040\u201348: Der wiederhergestellte Tempel und die R\u00fcckkehr der Herrlichkeit Jahwes). Diese Makrostruktur, so die Hauptthese, ist in Joh dadurch abgebildet, dass sich in Joh\u00a01 in Jesus Christus die Herrlichkeit Gottes offenbart, dass die Tempelreinigung im Unterschied zu den Synoptikern in Joh\u00a02 am Anfang der Wirksamkeit Jesu steht (Jesus k\u00fcndigt aufgrund der Verunreinigung des Tempels dessen Zerst\u00f6rung an), und dass schliesslich in Joh\u00a020 der Tempel in Jesus Christus selbst wiederhergestellt wird und so die Herrlichkeit Gottes zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<p>Die Beziehungen zwischen Joh\u00a01 und Ez\u00a01\u20133; Joh\u00a02 und Ez\u00a08\u201311; sowie Joh\u00a020 und Ez\u00a040\u201348 behandelt Peterson in den Kapiteln 2, 4 und 7 seines Buches, wobei er verschiedene Bez\u00fcge auf Motiv- und Inhaltsebene aufzeigt. Auch wenn nicht alle Bez\u00fcge \u00fcberzeugen und teilweise andere alttestamentliche Bezugstexte zu sehr in den Hintergrund treten (so sind f\u00fcr Joh\u00a01 auch Schl\u00fcsseltexte wie Gen\u00a01; Spr\u00a08; Ex\u00a033 wichtig), sind Peterson\u2019s Beobachtungen zutreffend. Interessant w\u00e4re dar\u00fcber hinaus ein Vergleich mit der Offenbarung: In Offb\u00a01 erscheint Christus als der Verherrlichte und Johannes f\u00e4llt vor ihm nieder (vgl. Ez\u00a01), in Offb\u00a02\u20133 wird die Gemeinde als Tempel geschaut, in dem Christus die Unreinheiten anspricht und bereinigen m\u00f6chte, in Offb\u00a021\u201322 kommt das neue Jerusalem in Bezugnahmen auf Ez\u00a040\u201348 vom Himmel herab.<\/p>\n<p>Peterson weist auch auf weitere Bez\u00fcge zwischen Ez und Joh hin. In Kapitel 3 widmet er sich der Frage nach der Bedeutung der Zeichen in Joh. Dass das Wort \u03c3\u03b7\u03bc\u03b5\u1fd6\u03bf\u03bd in Joh eine besondere Bedeutung hat, ist bekannt. In Ez spielen nicht nur die Zeichenhandlungen an wichtigen Stellen eine besondere Rolle, sondern der Prophet selbst wird zum Zeichen. Peterson macht in Joh und Ez jeweils acht Zeichenhandlungen aus, und sucht nach Bez\u00fcgen zwischen ihnen. So bringt er etwa die Auferweckung des Lazarus (Joh 11), die Sondergut des Johannesevangeliums ist, als letztes Zeichen der \u00f6ffentlichen Wirksamkeit Jesu mit dem Tod der Frau Ezechiels (Ez\u00a024), dem letzten Zeichen der Wirksamkeit Ezechiels, in Verbindung: In beiden Begebenheiten wird die Liebe zur verstorbenen Person betont und der Tod dient als Zeichen auf etwas Gr\u00f6sseres hin, n\u00e4mlich auf die Zerst\u00f6rung des Tempels (Ez), bzw. auf den Tod und die Auferstehung Jesu, was schon in Joh\u00a02,19 ebenfalls als Zerst\u00f6rung und Wiederherstellung des Tempels gedeutet wird. W\u00e4hrend die Frau Ezechiels aber nicht auferweckt wird, ist in der Auferweckung des Lazarus bereits die Wiederherstellung (Ez\u00a037: Auferweckung der Totengebeine; Ez\u00a040\u201348: Wiederherstellung des Tempels) zeichenhaft vorweggenommen. Ein weiterer Kontrast ist, dass Ezechiel \u00fcber den Tod seiner Frau nicht weinen darf, w\u00e4hrend Jesus \u00fcber den Tod des Lazarus weint.<\/p>\n<p>In Kapitel 5 befasst sich Peterson mit den Ich-Bin-Worten Jesu. In Ez spielt die Erkenntnisformel \u201e\u2026erkennen, dass ich Jahwe bin\u201c (LXX: \u1f10\u03b3\u03c9 \u03b5\u1f30\u03bc\u03b9 \u03ba\u1f7b\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2) eine herausragende Rolle. Die Phrase (mit \u03ba\u1f7b\u03c1\u03b9\u03bf\u03c2) kommt in der LXX 43mal vor, davon 30mal bei Ezechiel. Die Ich-Bin-Worte Jesu zielen darauf ab, dass in Jesus Jahwe erkannt werden soll und entsprechend f\u00fchren sie auch dazu, dass die Zuh\u00f6rer Jesus Gottesl\u00e4sterung vorwerfen. Dies ist beispielsweise der Fall bei dem Ich-Bin-Wort, das am deutlichsten auf Ezechiel Bezug nimmt: Ich bin der gute Hirte (Joh 10). Ez\u00a034 ist zwar nicht der einzige alttestamentliche Text, der vom guten Hirten spricht (z.\u00a0B. Ps\u00a023; Jer\u00a023; Sach\u00a011), doch Peterson zeigt, dass die Parallelen zu Ez\u00a034 am gr\u00f6ssten sind. Auch das Weinstock-Wort aus Joh\u00a015 hat klare Bez\u00fcge zu Ez\u00a015.<\/p>\n<p>In Kapitel 6 schlie\u00dflich stellt Peterson Bez\u00fcge zwischen Joh\u00a017 und 20 und Ez\u00a037 her: Das hohepriesterliche Gebet Jesu hat die Einheit der Christen zum Gegenstand, an der die Welt Christus erkennen soll. Peterson zufolge nimmt Jesus Bezug auf Ez\u00a037,15\u201328, wo Israel unter dem einen Hirten wiedervereinigt werden soll, was dazu f\u00fchrt, dass die V\u00f6lker Jahwe erkennen. Zwischen Joh\u00a020 und Ez\u00a037,1\u201314 macht Peterson ebenfalls Bez\u00fcge aus, die \u00fcber das Motiv der Auferstehung hinausgehen: Der Auferstandene haucht die J\u00fcnger an (Joh\u00a020,22), so wie Gott den Totengebeinen den Lebensatem einhaucht (Ez\u00a037,9f). Dar\u00fcber hinaus spricht der Auferstandene den J\u00fcngern in Joh\u00a020 den Frieden zu, wie auch Ez\u00a037,26 einen \u201eBund des Friedens\u201c ank\u00fcndigt.<\/p>\n<p>Die Studie ist \u00e4usserst anregend und willkommen f\u00fcr alle, die das Anliegen einer gesamtbiblischen Theologie teilen, das die Gr\u00e4ben zwischen den Fachbereichen AT und NT \u00fcberwinden will. Im Einzelnen vermisst man manchmal eine tiefere theologische Reflektion der vorgeschlagenen Bez\u00fcge; auch sind nicht alle Bez\u00fcge gleicherma\u00dfen \u00fcberzeugend. Die Grundthese, dass Ezechiel f\u00fcr die Eigenart des Johannesevangeliums die beste Erkl\u00e4rung bietet, \u00fcberzeugt jedoch. Und so sehe ich in dieser Studie eine anregende Grundlage f\u00fcr eine vertiefte theologische Auswertung der Theologie und Christologie des Johannesevangeliums. Um nur anzudeuten: Folgt man der altkirchlichen \u00dcberlieferung, so ist das Johannesevangelium das einzige Evangelium, das nach der Zerst\u00f6rung des Tempels um 70\u00a0n.Chr. geschrieben wurde. Auch das Ezechielbuch enth\u00e4lt mehrheitlich Spr\u00fcche die vor der Tempelzerst\u00f6rung 587\u00a0v.Chr. datiert werden, reicht in seiner Perspektive aber \u00fcber die Tempelzerst\u00f6rung hinaus. Wie macht nun Johannes von Ez Gebrauch? Was sind die theologischen Schwerpunkte? Ist die Christologie des Joh als Theologie des zerst\u00f6rten und wiederhergestellten Tempels nicht st\u00e4rker auszuwerten? Wie f\u00fcgt sich das Gespr\u00e4ch Jesu mit Nikodemus \u00fcber Wiedergeburt durch Wasser und Geist (vgl.\u00a0Ez 36\u201337), wie das Gespr\u00e4ch mit der Samaritanerin \u00fcber das Lebenswasser (vgl. Ez\u00a047), das sofort zu einem Gespr\u00e4ch \u00fcber den wahren Tempel wird, ins Gesamtbild? Das Buch regt an zum Weiterdenken und ist darum trotz der bisweilen etwas flachen theologischen Auswertung sehr zu empfehlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Ass.-Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Brian Neil Peterson: John\u2019s Use of Ezekiel. 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