{"id":341,"date":"2017-10-09T13:42:57","date_gmt":"2017-10-09T13:42:57","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=341"},"modified":"2017-10-09T13:42:57","modified_gmt":"2017-10-09T13:42:57","slug":"christiane-boehm-die-rezeption-der-psalmen-in-den-qumranschriften-bei-philo-von-alexandrien-und-im-corpus-paulinum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=341","title":{"rendered":"Christiane B\u00f6hm: Die Rezeption der Psalmen in den Qumranschriften, bei Philo von Alexandrien und im Corpus Paulinum"},"content":{"rendered":"<p>Christiane B\u00f6hm: <em>Die Rezeption der Psalmen in den Qumranschriften, bei Philo von Alexandrien und im Corpus Paulinum<\/em>, WUNT II\/437, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2017, Pb., 284\u00a0S., \u20ac\u00a084,\u2013, <a href=\"https:\/\/www.mohr.de\/buch\/die-rezeption-der-psalmen-in-den-qumranschriften-bei-philo-von-alexandrien-und-im-corpus-paulinum-9783161546648\">ISBN 978-3-16-154664-8<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Weber_Boehm.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Bei der Untersuchung handelt es sich um die \u00fcberarbeitete Fassung einer Dissertation, mit der Ch. B\u00f6hm (B.) an der Uni Kiel (Doktorvater: D. S\u00e4nger) im Fachbereich Neues Testament promoviert wurde. Die Studie erarbeitet die Aufnahme biblischer Psalmen in drei antik-j\u00fcdischen Textkorpora. Die Bedeutung der Psalmen und damit die Relevanz der Untersuchung ergibt sich schon aufgrund der gro\u00dfen Zahl von Schriftrollen in den H\u00f6hlen am Toten Meer (Qumran) und durch den Umstand, dass bei Paulus und im NT insgesamt die Psalmen zu den am h\u00e4ufigsten rezipierten Schriften geh\u00f6ren. Die drei im Titel genannten Bereiche geben die Hauptteile der Studie ab. Sie werden gerahmt durch eine knappe Einleitung (Thema, Forschung, Vorgehen) und eine Auswertung. Beigegeben sind als Anhang eine vergleichende Zusammenstellung des griech. Psalmentextes (LXX) und der von Paulus vorgenommenen Abweichungen, ein Literaturverzeichnis und drei Register, welche die Arbeit hilfreich erschlie\u00dfen.<\/p>\n<p>Als Untersuchungsgegenstand der \u201eQumranschriften\u201c entpuppt sich (lediglich) die Psalmenhandschrift 11Q5 (= 11QPs<sup>a<\/sup>): eine gr\u00f6\u00dfere Psalmenrolle, die Psalmen aus den Teilb\u00fcchern IV und V (Ps 90\u2013106\/107\u2013150) enth\u00e4lt. Die Psalmen sind teils anders angeordnet, und die Rolle enth\u00e4lt zudem au\u00dferbiblische St\u00fccke (s. Tabelle, S.\u00a011). Die Untersuchung geht davon aus, dass 11Q5 eine protomasoretische Psalterfassung (PMT) zugrunde liegt und die Ab\u00e4nderungen gegen\u00fcber dem PMT Anliegen der Qumran-Gemeinschaft aufzeigen. B. geht von einer rahmenden Struktur der sich entsprechenden Ps 101 und 2Sam 23,[1\u2013]7 + Davids Komposition aus, auf die ein thematisch-zusammenfassender Schluss (Ps 140\u2013134\u2013151 A+B) folgt. 11Q5 erweist sich als planvolle, abgerundete Komposition mit einer spezifischen Art der Armenfr\u00f6mmigkeit, einer gegen\u00fcber dem PMT verst\u00e4rkte Davidisierung und der Hervorhebung der Tora im Vergleich zum Kult. Es handelt sich um ein Lehr- und Gebetbuch der Qumran-Gemeinschaft, welches der Rechtfertigung und Reflexion der neuen Kultpraxis abseits des Jerusalemer Tempels dient.<\/p>\n<p>Philo von Alexandria ist der k\u00fcrzeste der drei Hauptteile gewidmet. Dies f\u00fcgt sich zum Umstand, dass der Auslegung der Tora (Pentateuch) das Hauptaugenmerk gilt, wogegen den Psalmen (nach der LXX) abgeleitete Autorit\u00e4t und ihren Aussagen st\u00fctzende Funktionen zukommen. B. konzentriert sich auf die Untersuchung der 18 expliziten Psalmzitate, die \u2013\u00a0mit einer Ausnahme \u2013 in Philos gro\u00dfem Allegorischen Kommentar zur Genesis figurieren. Der Inhalt der meist recht kurzen Psalmzitate ist von Mose her autorisiert, und diese Tatsache ist f\u00fcr den Alexandriner ma\u00dfgeblich.<\/p>\n<p>Bei Paulus haben die Psalmen einen gr\u00f6\u00dferen Stellenwert als bei Philo, zumal dieser \u2013\u00a0B. nimmt die \u201esieben authentischen Paulusbriefe\u201c zur Grundlage \u2013 von den biblischen Schriften aus Ps (und Jes) gerne und h\u00e4ufig zitiert, sie in seine Argumentation einbezieht und die Relevanz herausstellt. Psalmzitate (aus der LXX) finden sich in R\u00f6m (2,6; 3,4.10\u201312.13.14.18.20; 4,7f; 8,36; 10,18; 11,9f; 15,3.9.11); 1Kor (3,20; 10,26.15.25.27); 2Kor (4,13; 9,9); Gal (2,16). Die Belege aus den Psalmen werden analysiert und ihre Aussagefunktion erhoben. Die thematische Verteilung ergibt: 1. Im 1Kor stehen sie im Dienst der Christusbotschaft; 2. Im 2Kor ist ihr Ort im Umgang miteinander und in der Apologie des Aposteldienstes; 3. Bis auf ein Zitat (15,3) stehen alle Belege in R\u00f6m sowie Gal 2,16 im Kontext von Aussagen zu Gott, der Stellung des Menschen (dicht in R\u00f6m 3,1\u201320) und des Heilshandelns an Juden und Heiden.<\/p>\n<p>B. hat unterschiedliche Weisen antik-j\u00fcdischer Rezeption und Interpretation der biblischen Psalmen untersucht, um die Vielfalt des Psalmenumgangs darzustellen. W\u00e4hrend die Rezeption durch Philo solide ausgearbeitet ist, aber inhaltlich f\u00fcr den (\u00fcber die Spezialisten hinausgehenden) Leserkreis wenig Signifikantes bietet (was nicht B. anzulasten ist, sondern an Philos Umgang mit den Psalmen liegt), ist dies beim Apostel Paulus deutlich anders. Im NT insgesamt und bei ihm sind die Psalmen innerhalb des biblischen Schrifttums sehr bedeutsam. Sie dienen der Autorisierung und Deutung theologischer wie anthropologischer Aussagen, insbesondere dem Verstehen von Person und Werk Jesu Christi. Die mit der Rezeption verbundenen Argumentationslinien hat B. gut herausgearbeitet. Der Paulus-Abschnitt ist denn auch der am besten gelungene. Dass Paulus mit \u201eSchrift(en)\u201c (noch) nicht das AT meine (B. spricht fluide von \u201eTraditions- und Wahrnehmungshorizont\u201c), ist zu problematisieren und die hohe Autorit\u00e4t der Psalmen und ihr \u201eSchrift\u201c-Charakter herauszustellen. Der Abschnitt der Psalmen in Qumran hat \u00fcber die im Titel (\u201eQumranschrift<em>en<\/em>\u201c) nicht angezeigte Engf\u00fchrung auf <em>eine<\/em> (gewichtige) Handschrift hinaus methodologisch problematische Pr\u00e4missen: So ist die Zuordnung von Spender- (protomasoretischer Psalter) und Empf\u00e4ngertext (11Q5) weniger sicher als B. annimmt. Die angenommene Rezeptionsrichtung ist m\u00f6glich, aber ebenso auch, dass die Fassungen zeit\u00e4hnlich (konkurrierend?) entstanden sind (oder 11Q5 sogar \u00e4lter ist). Zudem ist der Rollenanfang mit Ps 101 fraglich. Die sich an die Monographie von U. Dahmen anlehnende Kompositions- und Strukturanalyse, die mit der theologischen Profilierung der Qumran-Gemeinschaft gegen\u00fcber dem PMT einhergeht, ist daher bedenkenswert, aber keineswegs sicher. Die neueste Forschung zeigt (vgl. A. Lange, E. Jain), dass die (derzeitige) Faktenlage offener bzw. vieldeutiger ist als w\u00fcnschbar und angenommen. F\u00fcr eine dritte Rezeptionsweise neben Philo und Paulus w\u00e4re B. besser beraten gewesen, Zitate und Anspielungen aus anderen, in Qumran \u00fcberlieferten Schriften (wie die Hodajot) auszuwerten.<\/p>\n<p>Trotz Eintr\u00fcbung durch diese teils kritische Bewertung ist die Arbeit lesenswert und v.\u00a0a. die Paulus-Rezeption der Psalmen gut erarbeitet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Pfr. Dr. theol. Beat Weber, Basel, Research Associate am Department of Ancient Languages and Cultures, Universit\u00e4t Pretoria, S\u00fcdafrika<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christiane B\u00f6hm: Die Rezeption der Psalmen in den Qumranschriften, bei Philo von Alexandrien und im Corpus Paulinum, WUNT II\/437, T\u00fcbingen:<\/p>\n","protected":false},"author":12,"featured_media":342,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[3],"tags":[],"class_list":["post-341","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-neues-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/341","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/12"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=341"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":343,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/341\/revisions\/343"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/342"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=341"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=341"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=341"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}