{"id":350,"date":"2017-10-09T13:54:31","date_gmt":"2017-10-09T13:54:31","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=350"},"modified":"2017-10-09T13:54:31","modified_gmt":"2017-10-09T13:54:31","slug":"stefan-felber-hg-erkennen-und-lieben-in-der-gegenwart-gottes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=350","title":{"rendered":"Stefan Felber (Hg.):\u00a0Erkennen und Lieben in der Gegenwart Gottes"},"content":{"rendered":"<p>Stefan Felber (Hg.):\u00a0<em>Erkennen und Lieben in der Gegenwart Gottes. Festschrift f\u00fcr Werner Neuer zum 65. Geburtstag<\/em>,\u00a0Studien zu Theologie und Bibel 18, Berlin: LIT Verlag, 2016, Br., 306 S., \u20ac 39,90, <a href=\"http:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/3-643-80227-9\">ISBN 978-3-643-80227-9<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Frei_Felber.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Beim vorliegenden Werk handelt es sich um eine Festschrift, die dem langj\u00e4hrigen Systematiker am Theologischen Seminar St. Chrischona, Werner Neuer, zum 65. Geburtstag \u00fcberreicht wurde. Die einzelnen Beitr\u00e4ge kreisen um Neuers Forschungsschwerpunkte wie \u201eErkennen und Bekennen, die Theologie der Religionen, die Ethik der Liebe und die Theologie der Geschlechter, die christliche Mission\u201c (9), der Dialog des Autors mit Christen und Nichtchristen und die christozentrisch-trinitarische Bekenntnis\u00f6kumene. Da Werner Neuer seit \u201e2004 als st\u00e4ndiger Gast zum Sch\u00fclerkreis von Joseph Ratzinger\/Benedikt XVI. geh\u00f6rt\u201c (ebd.), finden sich zahlreiche Beitr\u00e4ge r\u00f6misch-katholischer Autoren.<\/p>\n<p>Die Festschrift ist in f\u00fcnf Gruppen eingeteilt. Die Gruppen I und II enthalten Beitr\u00e4ge, die einer \u201emeditativen und verk\u00fcndigungsorientierten Besinnung auf Gottes Wort gewidmet sind\u201c. Die \u201eFachbeitr\u00e4ge im engeren Sinne\u201c (10) finden sich in den Gruppen III bis V. Die gro\u00dfe Anzahl an Beitr\u00e4gen macht eine selektive Besprechung n\u00f6tig. Ich kann nur Schwerpunkte setzen. Die Auswahl erfolgt rein subjektiv und sagt nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t der nicht besprochenen Beitr\u00e4ge aus.<\/p>\n<p>Gruppe III steht unter dem Titel \u201eExegese und Dogmatik im Gespr\u00e4ch\u201c (55). Werner Neuer wird als Verfasser der \u201eSalzburger Erkl\u00e4rung\u201c gew\u00fcrdigt. Stefan Felber (\u201eAnthropologie und Christologie: der 8. Psalm und die Salzburger Erkl\u00e4rung\u201c, 57\u201367) stellt f\u00fcr mich im Anschluss an Luthers \u201equae supra nos, nihil ad nos\u201c (64) spannende Fragen: \u201eDie Dinge \u00fcber uns gehen uns nichts an. Man sollte erw\u00e4gen, ob gemeint ist, dass uns nicht nur das unsichtbare Jenseits entzogen, sondern \u00fcberhaupt der Versuch, auch das sichtbare Weltall zu beherrschen [&#8230;], in Frage zu stellen ist\u201c (64). Nach Felber beschw\u00f6re die \u201eVerdr\u00e4ngung des trinitarischen Gotteslobs durch die s\u00e4kularen und fremdreligi\u00f6sen Kr\u00e4fte unserer Zeit\u201c sowohl anthropologische als auch neue \u00f6kologische Krisen herauf. Der erste Schritt aus der \u00f6kologischen und darin eingeschlossen aus der anthropologischen Krise heraus sei, Gott \u201eam rechten Platz \u00fcber allem zu haben\u201c (65), was sich auch am Gotteslob zeige.<\/p>\n<p>Werner Neuer selbst befasste sich \u201ein extenso\u201c (10) mit dem Leben und Werk Adolf Schlatters. Folgende Beitr\u00e4ge drehen sich schwerpunktm\u00e4\u00dfig um Schlatter: \u201eMinderheitenspiritualit\u00e4t \u2013 der erste Petrusbrief bei Adolf Schlatter und Benedikt Schwank OSB\u201c (Eckhard Hagedorn), \u201e,Durch Gott in die Gottverlassenheit\u2018: Spuren einer trinitarischen Kreuzeslehre bei Adolf Schlatter\u201c (Andreas Loos), \u201eDie Erw\u00e4hlungsgewissheit als Grundlage eines Glaubens an Jesus Christus in Demut und Dankbarkeit\u201c (Daniel R\u00fcegg). Von Schlatter k\u00f6nnen wir nach R\u00fcegg lernen, \u201edass die immer heftiger aufbrausende Kritik an einem sadistischen und gewaltt\u00e4tigen Gott kreuzestheologisch bearbeitet werden kann, ohne Gott aus dem Kreuzesereignis zu entfernen\u201c (112).<\/p>\n<p>Gruppe IV steht unter dem Titel \u201eGrundlagen und Erfordernisse christlicher Einheit, Ethik und Mission\u201c (117). In der umfangreichsten Gruppe \u201espannt sich ein weiter Bogen von der Fundamentaltheologie, ja von der Philosophie \u00fcber die Ethik bis zur Mission\u201c (11). Nach Felber geht es in allen Beitr\u00e4gen um \u201eein rechtes, geheiligtes Erkennen, um Lieben in der Wahrheit\u201c, also \u201eum die Gegenwart Gottes\u201c (ebd.). Harald Seubert (\u201eWahrheit und Liebe \u2013 Religionsphilosophische Prolegomena zur einer theologischen Grundkonstellation\u201c, 119\u2013127) widersetzt sich der Trennung von Wahrheit und Liebe. Er kl\u00e4rt zuerst den Wahrheitsbegriff. Wer sich kaum mit Philosophie befasst, wird sich mit diesen dreieinhalb Seiten (119\u2013122) schwer tun. So gilt es z. B., mit einer propositionalen und assertorischen Dimension der Wahrheit klar zu kommen, und man sollte um die Korrespondenz- und Koh\u00e4renztheorien der Wahrheit wissen. Sind die Begriffe klar, wird deutlich, dass Wahrheit und Liebe keineswegs Widerspr\u00fcche sind, sondern \u201ebeide aus Gottes Sein\u201c hervorgehen: \u201esie beleuchten und fordern einander\u201c (124). In Gott sind Wahrheit und Liebe geeint. Seubert sieht in der recht verstandenen Einheit von Wahrheit und Liebe \u201eein zentrales Bestandsst\u00fcck einer \u00d6kumene der Bekenntnisse\u201c (126). Damit schl\u00e4gt er eine Br\u00fccke zu den folgenden Beitr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Sven Grosse (\u201eBibel und \u00d6kumene: Grundlagen\u201c, 129\u2013141) erl\u00e4utert zuerst die Konstituenten kirchlicher Einheit. Dann verweist er auf zwei Arten der Kirchenspaltung, um in einem historischen Abriss die Versuche darzustellen, eine Spaltung zu \u00fcberwinden. Darauf stellt er die \u00f6kumenische Bewegung innerhalb der r\u00f6misch-katholischen Kirche dar, um dann \u201eSinn, Methode und Ergebnisse des \u00f6kumenischen Gespr\u00e4chs\u201c (136\u2013138) aus seiner Sicht zu erl\u00e4utern. Im letzten Teil \u201eAussichten der \u00d6kumene\u201c (138\u2013140) legt Grosse Anforderungen an die teilnehmenden Kirchen und Gemeinschaften dar, die er f\u00fcr das Gelingen einer \u00d6kumene als unerl\u00e4sslich erkennt.<\/p>\n<p>Andreas Sp\u00e4th (\u201eEKD-Sichtweisen von ehe\u00e4hnlich gelebter Homosexualit\u00e4t: Eine Gegenrede in Schlaglichtern\u201c, 183\u2013192) f\u00fchrt eine Rede gegen eine Entgrenzung des christlichen Ehe-Begriffs durch namhafte Vertreter der evangelischen Kirchen. Sp\u00e4th untersucht dazu verschiedene in der EKD vorgebrachte Thesen, mit denen versucht wird, ehe\u00e4hnlich gelebte, verbindliche Homosexualit\u00e4t mit der Bibel in Einklang zu bringen. Sp\u00e4th zeigt, dass der biblische Befund diese Thesen nicht st\u00fctzt. Auf den Einwand, die Kirche d\u00fcrfe sich von der gesellschaftlichen Entwicklung nicht abkoppeln, entgegnet Sp\u00e4th, dass die Kirche auf die Weisungen ihres Herrn zu h\u00f6ren habe, gegebenenfalls gegen den Trend gesellschaftlicher Entwicklungen. Nur wo sie die Weisungen ihres Herrn empfange, sei sie Kirche, <em>kyriake,<\/em> dem Herrn geh\u00f6rig (188). Die Argumente f\u00fcr eine ehe\u00e4hnlich gelebte Homosexualit\u00e4t lassen sich gem\u00e4\u00df Sp\u00e4th weder mit den expliziten Bibelstellen zum Thema noch mit dem Gesamtzeugnis der Bibel in Einklang bringen.<\/p>\n<p>Gruppe V steht unter dem Titel \u201eAns\u00e4tze aus Philosophie weitergedacht\u201c (219). Am Anfang dieser Gruppe steht der Beitrag Edith D\u00fcsings (\u201e,Das Heiligste ist unter unseren Messern verblutet\u2018! \u2013 Tod Gottes und Vernichtung der Menschenw\u00fcrde in Nietzsches Diagnose\u201c, 221\u2013231). Sie konfrontiert uns mit einer schonungslosen Diagnose Nietzsches. Die aufgekl\u00e4rte Vernunft habe mittels der historisch-kritischen Bibelexegese (D. F. Strau\u00df) das Heiligste, Jesus Christus, gemordet. Jesu Leben sei \u201e,zu Ende seciert\u2018 und damit ,vernichtet\u2018\u201c (228). Da f\u00fcr Nietzsche \u201edie Letztbegr\u00fcndung christlich-moralischer Werturteile in Jesu Christo\u201c liegen, f\u00e4llt die \u201echristliche <em>Ethik der Liebe<\/em> und <em>Pflicht<\/em>\u201c danach \u201e<em>mit<\/em> dem christlichen Gott dahin\u201c (229). Im Urteil D\u00fcsings stellt uns Nietzsche \u201evor das Entweder-oder, entweder das grausame Chaos oder Christus, den Gottmenschen als das Heil und Licht der Welt [&#8230;] <em>tertium non daretur<\/em>\u201c (230). So schlie\u00dft sie mit der Feststellung, dass es eine Alternative dazu nicht gibt.<\/p>\n<p>Eine Festschrift hat zu allererst das theologische Werk des Jubilars geb\u00fchrend zu w\u00fcrdigen. Der vorliegenden Schrift gelingt dies zweifellos. Die Vielfalt der Beitr\u00e4ge und ihre theologische Weite sind erfrischend. Die einzelnen Beitr\u00e4ge provozieren das eigene Denken besonders da, wo sie eine andere als die vertraute Position vertreten. Das leisten insbesondere die r\u00f6misch-katholischen Beitr\u00e4ge, denen viel Platz einger\u00e4umt wird. Dazu tragen auch selbstkritische Beitr\u00e4ge aus evangelischer Sicht das Ihre bei. Defizit\u00e4re dogmatische aber auch einfach \u00fcberkommene \u00dcberzeugungen m\u00fcssen hinterfragt werden. Das stellt den Glauben nicht in Frage, wie Andreas Loos feststellt. Vern\u00fcnftig zu fragen setzt vielmehr \u201eden Glauben auch frei\u201c (99). Die meisten Fachbeitr\u00e4ge befeuern den theologischen Diskurs konstruktiv und sind m. E. beispielsweise als Grundlage studentischer Kolloquien und Seminardiskussionen geeignet. Auch wenn ich als Ethiker die f\u00fcr meinen Fachbereich relevanten Beitr\u00e4ge nat\u00fcrlich mit besonderem Interesse gelesen habe, sehe ich den besonderen Wert dieser Festschrift darin, dass sie selbst einem Skeptiker in neuer Weise das Anliegen einer zugleich christozentrischen und trintarischen Bekenntnis-\u00d6kumene zu vermitteln verm\u00f6gen. Ich w\u00fcnsche dieser anregenden Festschrift viele Leser.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Christian R. Frei, Gastdozent f\u00fcr Ethik an der Staatsunabh\u00e4ngigen Theologischen Hochschule Basel<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Felber (Hg.):\u00a0Erkennen und Lieben in der Gegenwart Gottes. Festschrift f\u00fcr Werner Neuer zum 65. 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