{"id":360,"date":"2017-10-09T14:11:17","date_gmt":"2017-10-09T14:11:17","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=360"},"modified":"2017-10-09T14:11:17","modified_gmt":"2017-10-09T14:11:17","slug":"annette-m-glaw-the-holy-spirit-and-christian-ethics-in-the-theology-of-klaus-bockmuehl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=360","title":{"rendered":"Annette M. Glaw: The Holy Spirit and Christian Ethics in the Theology of Klaus Bockm\u00fchl"},"content":{"rendered":"<p>Annette M. Glaw: <em>The Holy Spirit and Christian Ethics in the Theology of Klaus Bockm\u00fchl<\/em>, Eugene: Pickwick, 2013, Pb., XIV+301\u00a0S., \u20ac\u00a038,52, <a href=\"https:\/\/wipfandstock.com\/the-holy-spirit-and-christian-ethics-in-the-theology-of-klaus-bockmuehl.html\">ISBN 978-1-62032-401-1<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Zimmerling_Glaw.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Das vorliegende Buch ist die erste ausf\u00fchrliche Untersuchung der Theologie des 1989 im Alter von nur 58 Jahren verstorbenen deutschen Theologen Klaus Bockm\u00fchl (1931\u20131989). Allein aufgrund dieser Tatsache verdiente die Ver\u00f6ffentlichung schon erh\u00f6hte Aufmerksamkeit. Dazu kommt, dass dem Buch auch in inhaltlicher Hinsicht Beachtung zukommt, zumal es zus\u00e4tzlich zum im Titel genannten Untersuchungsgegenstand eine vorz\u00fcgliche umfassende Einf\u00fchrung in Leben und Werk Bockm\u00fchls darstellt.<\/p>\n<p>Die Untersuchung gliedert sich in drei Hauptkapitel: Im ersten Teil geht es um Bockm\u00fchls theologisches Werk (wobei dieses Kapitel mit \u00fcber 100 Seiten das weit ausf\u00fchrlichste darstellt); im zweiten Teil wird die Bedeutung des Heiligen Geistes und der christlichen Ethik in Bockm\u00fchls Theologie untersucht; im dritten Teil geht es um eine kritische Aufnahme und Weiterf\u00fchrung von Bockm\u00fchls Konzept der Rolle des Geistes in der christlichen Ethik. Den drei Teilen ist eine Einleitung vorangestellt, in der Ziel und Vorgehensweise erl\u00e4utert, vor allem aber die verschiedenen Stationen von Bockm\u00fchls Biographie zusammengefasst werden. Eine knappe Zusammenfassung der Ergebnisse mit einem Ausblick auf zuk\u00fcnftige Forschungsdesiderate schlie\u00dft das Buch ab.<\/p>\n<p>Zu Teil 1: Klaus Bockm\u00fchl geh\u00f6rt zu den vergleichsweise wenigen pietistisch bzw. evangelikal orientierten wissenschaftlichen Theologen der 1960er und 1970er Jahre im deutschsprachigen Raum. Seine akademische Laufbahn war von gro\u00dfen Hindernissen ges\u00e4umt, so dass er 1971 zun\u00e4chst auf der \u2013 allerdings renommiertesten deutschsprachigen \u2013 Bibelschule St. Chrischona bei Basel hauptamtlicher Dozent f\u00fcr Dogmatik, Ethik und Theologiegeschichte wurde und ab 1977 bis zu seinem Tod am neu gegr\u00fcndeten Regent College Vancouver in Kanada als Professor Systematische Theologie lehrte. Zuvor hatte er versucht, durch seine Dissertation (<em>Leiblichkeit und Gesellschaft. Studien zur Religionskritik und Anthropologie im Fr\u00fchwerk von Ludwig Feuerbach und Karl Marx, <\/em>G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 1961) und eine Habilitation (<em>Wiedergeburt und Neusch\u00f6pfung<\/em> \u2013 nicht fertiggestelltes Manuskript) die Voraussetzungen f\u00fcr eine wissenschaftliche akademische Laufbahn zu schaffen. W\u00e4hrend der Zeit im Anschluss an das Studium der evangelischen Theologie (w\u00e4hrenddessen er auch soziologische Vorlesungen h\u00f6rte) und das Erste Theologische Examen arbeitete er u.\u00a0a. als Assistent bei J\u00fcrgen Moltmann an der Kirchlichen Hochschule in Wuppertal und bei dem Ethiker Hendrik van Oyen an der Universit\u00e4t Basel. Zwischendurch war er in unterschiedlichen Funktionen als Vikar und Pfarrer (etwa als Studentenpfarrer in Heidelberg) t\u00e4tig. Eine f\u00fcr ihn schlie\u00dflich eingerichtete Stiftungsprofessur an der Basler Theologischen Fakult\u00e4t musste er aufgrund einer Krebserkrankung absagen.<\/p>\n<p>Ihr besonderes Profil erhielt seine Theologie und Spiritualit\u00e4t \u2013 wobei beides bei ihm untrennbar zusammengeh\u00f6rte, ja sich sogar gegenseitig bedingte \u2013 durch die fr\u00fche Begegnung mit dem Pietismus in Wilhelm Buschs Weigle-Haus in seiner Heimatstadt Essen und der sog. Moralischen Aufr\u00fcstung in Caux am Genfer See. Hier hatte der missionarisch-evangelistische Ansatz seines Denkens und die Praxis der sog. Stillen Zeit ihren Wurzelgrund. Annette Glaw zeigt in sensibler Weise auf, dass die Aufnahme der genannten theologischen Erkenntnisse und Impulse sich bei Bockm\u00fchl nicht unkritisch vollzog, aber ihn gleichzeitig entscheidend gepr\u00e4gt hat. Sein Engagement im Rahmen des evangelikalen theologischen Spektrums der alten Bundesrepublik in zahlreichen Vortr\u00e4gen und vor allem in einer Vielzahl von z.\u00a0T. grundlegenden Ver\u00f6ffentlichungen wird nur von hier aus verst\u00e4ndlich. Sein wichtigster Verlag war der damals zu St. Chrischona geh\u00f6rende Brunnen Verlag in Gie\u00dfen (wo auch posthum eine Bockm\u00fchl-Werkausgabe z.\u00a0T. als Reprint seiner wichtigsten Ver\u00f6ffentlichungen erschienen ist). Die deutschsprachige theologische Zeitschrift, f\u00fcr die er kontinuierlich schrieb, waren die im Auftrag der Pfarrergebetsbruderschaft herausgegebenen Theologischen Beitr\u00e4ge. Bockm\u00fchl entwickelte sich in den 1970er Jahren zu einem der einflussreichsten deutschsprachigen Theologen im pietistisch-evangelikalen Raum.<\/p>\n<p>Zu Teil 2: Bockm\u00fchl hat, wie Glaw zeigt, Zeit seines Lebens die Frage nach der Bedeutung des Heiligen Geistes f\u00fcr die christliche Ethik besch\u00e4ftigt. Seine ausgereifteste Ver\u00f6ffentlichung stellte in diesem Zusammenhang das Buch <em>Gesetz und Geist. Eine kritische W\u00fcrdigung des Erbes protestantischer Ethik. Teil 1: Die Ethik der reformatorischen Bekenntnisschriften<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen, 1987 dar. (Auch sein spirituelles Verm\u00e4chtnis, das Buch: <em>H\u00f6ren auf den Gott, der redet<\/em>, viele Auflagen, geh\u00f6rt hierher). Glaw f\u00fchrt aus, dass Bockm\u00fchl die Rolle des Geistes in dreifacher Weise bestimmt: Er wirkt im Gl\u00e4ubigen Wiedergeburt und Verwandlung; er bewirkt eine Ethik der Vers\u00f6hnung; er gew\u00e4hrt in Situationen des ethischen Konflikts pers\u00f6nliche und der speziellen Situation angemessene F\u00fchrung. Vor allem den letzten Aspekt sah Bockm\u00fchl bereits in der Reformation und der ihr folgenden Zeit vernachl\u00e4ssigt, wenn nicht gar geleugnet. Er war \u00fcberzeugt, dass durch die Vernachl\u00e4ssigung der M\u00f6glichkeit der pers\u00f6nlichen F\u00fchrung durch den Geist Gottes der evangelischen Ethik die Gefahr der Gesetzlichkeit bzw. des Antinomismus droht. Als reformatorisch gepr\u00e4gter Theologe war f\u00fcr Bockm\u00fchl klar, dass sich die pers\u00f6nliche F\u00fchrung durch den Geist dabei nicht anders als im Rahmen der Schrift ereignen kann, d.h. die Bibel Inspirationsquelle und Korrekturinstanz der Geistesleitung ist.<\/p>\n<p>Zu Teil 3: Im dritten und k\u00fcrzesten Teil ihrer Untersuchung (50 S.) unterzieht Glaw Bockm\u00fchls Ansatz einer kritischen Revision. Sie schl\u00e4gt vor, die Zentralstellung der pers\u00f6nlichen F\u00fchrung durch den Geist durch sein Wirken im Rahmen der Glaubensverbindung des Christen mit dem Vater und dem Sohn zu ersetzen. Es geht ihr darum, das gemeinschaftsstiftende Wirken des Geistes anstelle seines \u201einformierenden\u201c Wirkens in den Mittelpunkt zu r\u00fccken. Damit w\u00fcrde deutlicher als bei Bockm\u00fchl zum Ausdruck kommen, dass das ethische Handeln eine Frucht des Glaubens, d.h. eine Frucht der Glaubens- und Liebesgemeinschaft des Christen mit dem dreieinigen Gott darstellt. Dem entspricht auch Glaws Vorschlag, die F\u00fchrung durch den Geist in Zukunft st\u00e4rker gemeinschaftlich als individualistisch (wie bei Bockm\u00fchls Ansatz) zu verstehen.<\/p>\n<p>Annette Glaw hat mit ihrer Kritik eine entscheidende Schw\u00e4che von Bockm\u00fchls Ansatz getroffen \u2013 eine Schw\u00e4che, die sich deutlich in der Geschichte der Moralischen Aufr\u00fcstung nach dem Tod von Frank Buchman und dessen Nachfolger Peter Howard gezeigt hat. Es gibt offensichtlich keine Garantie f\u00fcr ein Reden des Geistes im Sinne von pers\u00f6nlicher F\u00fchrung. Das gilt in doppelter Hinsicht: Gott wirkt immer nur <em>ubi et quando visum est deo<\/em> \u2013 \u201ewo und wann es Gott gef\u00e4llt\u201c, wie es in CA\u00a05 zu Recht hei\u00dft. Dazu kommt, dass es im Vorhinein keine hinreichenden Kriterien gibt, die eine besondere F\u00fchrung als vom Geist Gottes legitimiert zweifelsfrei erkennen lassen. Da ist Martin Luthers Vorstellung, dass Gott den Menschen wie einen Ackergaul f\u00fchrt, der Scheuklappen tr\u00e4gt, oder die Aussage Josefs, dass Gottes F\u00fchrung erst im Nachhinein sichtbar ist (Gen 50,20), der Wirklichkeit angemessener. Luthers Rede von der <em>tentatio<\/em>, die neben <em>oratio<\/em> und <em>meditatio<\/em> den Theologen ausmachen, ist bei Bockm\u00fchl deutlich unterbestimmt. \u00dcbrigens kennt der Reformator durchaus ein Reden des Geistes im Herzen, wie aus seinem B\u00fcchlein \u201eWie man beten soll\u201c hervorgeht: Dabei wahrt Luther allerdings die Souver\u00e4nit\u00e4t Gottes und verhindert so jede Form von Funktionalisierung bzw. Verzweckung des Geistesredens (WA\u00a038, 358\u2013373 bzw. 375. In modernisiertem Deutsch und mit einer Einleitung versehen neu aufgelegt: Martin Luther, <em>Wie man beten soll. F\u00fcr Meister Peter den Barbier<\/em>, hg. von Peter Zimmerling\u00a0\/ Ulrich K\u00f6pf, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2011, 46).<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Peter Zimmerling, apl. Prof. am Institut f\u00fcr Praktische Theologie der Universit\u00e4t Leipzig<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Annette M. 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