{"id":398,"date":"2017-10-18T05:50:13","date_gmt":"2017-10-18T05:50:13","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=398"},"modified":"2017-10-18T05:56:43","modified_gmt":"2017-10-18T05:56:43","slug":"antoon-schoors-ecclesiastes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=398","title":{"rendered":"Antoon Schoors: Ecclesiastes"},"content":{"rendered":"<p>Antoon Schoors: <em>Ecclesiastes<\/em>, Historical Commentary on the Old Testament, Leuven: Peeters, 2013, kt., LXVI+856 S. \u20ac 79,\u2013, <a href=\"http:\/\/www.peeters-leuven.be\/boekoverz_print.asp?nr=9299\">ISBN 978-90-429-2940-1<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Schoors_Hilbrands.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Einen Kommentar \u00fcber Kohelet zu schreiben, erfordert angesichts der F\u00fclle an Literatur eine geh\u00f6rige Portion Mut. Zudem wird kaum ein anderes alttestamentliches Buch theologisch so unterschiedlich bewertet wie Kohelet. Antoon Schoors geht dieses Wagnis ein und legt als sein <em>opus magnum<\/em> einen im doppelten Sinne gewichtigen Kommentar vor. Allein die Bibliografie umfasst 46 Seiten, hinzu kommt Spezialliteratur zu jeder Perikope. Mit Schoors, Professor an der\u00a0 Katholieke Universiteit Leuven, konnte ein ausgewiesener Kohelet-Spezialist f\u00fcr die Kommentierung gewonnen werden. 1992 und 2004 erschien sein Doppelband <em>The Preacher Sought to Find Pleasing Words<\/em> mit grammatischen und semantischen Untersuchungen zu Koh. 1998 gab er den Sammelband <em>Qohelet in the Context of Wisdom<\/em> heraus und nicht von ungef\u00e4hr ist seine Festschrift dem Thema <em>The Language of Qohelet in its Context<\/em> gewidmet. 20 Artikel zu Koh weisen auf eine intensive Besch\u00e4ftigung des Verfassers mit diesem faszinierenden Bibelbuch.<\/p>\n<p>Entsprechend den Vorgaben der Reihe fehlen jegliche Register. Jede Perikope wird in gleicher Weise behandelt: Auf die eigene \u00dcbersetzung folgt die Angabe von Spezialliteratur. In den \u201eEssentials and perspectives\u201c wird das Wesentliche geb\u00fcndelt. Die \u201eScholary Exposition\u201c ist zweigeteilt: Auf ein Einf\u00fchrung, die meist Fragen von Struktur und Einbindung in den Kontext behandelt, folgt die eigentliche Exegese. Versweise erscheint nochmals die \u00dcbersetzung, danach die einzelnen hebr\u00e4ischen Phrasen. Hier liegt die gro\u00dfe St\u00e4rke des Exegeten, der in beeindruckender Gr\u00fcndlichkeit und philologischer Expertise Wort f\u00fcr Wort auslegt. Allein die ersten beiden Verse nehmen fast 20 Seiten Kommentierung ein (was aber die Ausnahme darstellt). Bei der \u00dcbersetzung von \u05d4\u05b6\u05d1\u05b6\u05dc <em>hebel<\/em>, dem Lieblingswort Kohelets (38\u00d7), geht Schoors von einer Ambiguit\u00e4t aus und gibt mal mit Worten f\u00fcr \u201everg\u00e4nglich\u201c, mal mit \u201eabsurd\u201c wieder. Zum anderen werden Intratextualit\u00e4t (Bez\u00fcge innerhalb des Buches) und Intertextualit\u00e4t (Bez\u00fcge innerhalb der hebr\u00e4ischen Bibel) einer akribischen Detailanalyse unterzogen. Beeindruckend ist, wie die F\u00fclle an Literatur in der Einzelkommentierung verarbeitet wird. Standardm\u00e4\u00dfig wird zun\u00e4chst die Septuaginta einbezogen, vor allem um auf Unterschiede aufmerksam zu machen. Aber auch andere alte \u00dcbersetzungen kommen regelm\u00e4\u00dfig zu Wort, zudem Kirchenv\u00e4ter und j\u00fcdische Exegeten.<\/p>\n<p>Schoors lehnt die Minderheitenmeinung von Fredericks ab, der das Buch f\u00fcr vorexilisch\u00a0 h\u00e4lt und eine Entstehung in der K\u00f6nigszeit\u00a0 annimmt. Er datiert es, wie heute \u00fcblich, in die hellenistische Zeit (3.\/2. Jhd. v.\u00a0Chr.), zieht in der Kommentierung aber kaum zeitgeschichtliche Bez\u00fcge heran (zu 3,1 werden einige griechische Parallelen genannt, zu 9,7-9 auch die bekannten altorientalischen Parallelen). Trotz zahlreicher Vorschl\u00e4ge sieht er keine \u00fcbergreifende literarische Struktur, sondern lediglich thematische Einheiten. Auf zehn Seiten diskutiert Schoors verschiedene Gliederungsvorschl\u00e4ge, u.\u00a0a. den f\u00fcnfteiligen Aufbau von J. J. Rambach in seiner Dissertation (11f). Alle vorgestellten Ans\u00e4tze, die auf inhaltlichen oder formalen Kriterien beruhen, wiesen aber Schw\u00e4chen auf. Schoors selbst orientiert sich deshalb an Zimmerli (KAT) und sieht neben der \u00dcberschrift und dem rahmenden Mottovers (1,2; 12,8) insgesamt 22 Abschnitte: 1,3-11; 1,12-2,26; 3,1-15; 3,16-22; 4,1-16; 4,17-5,8; 5,9-6,9; 6,10-12; 7,1-14; 7,15-24; 7,25-29; 8,1-9; 8,10-17; 9,1-12; 9,13-10,3; 10,4-7; 10,8-11; 10,12-15; 10,16-20; 11,1-6; 11,7-12,7; 12,9-14. Durch die Ablehnung einer umfassenden Struktur wird die M\u00f6glichkeit ausgeschlossen oder zumindest eingeschr\u00e4nkt, dass eine Entwicklung innerhalb des Buches stattfindet. Nach Ansicht des Rezensenten werden viele Themen in den ersten Kapiteln angeschnitten, im weiteren Verlauf des Buches dann aber unter neuer Perspektive weiterentwickelt. Die ersten, teils recht negativ erscheinenden Kapitel behalten auf diese Weise nicht das letzte Wort und werden durch sp\u00e4tere Aussagen relativiert. Ein Hinweis darauf ist, dass die Phrase \u05e8\u05b0\u05e2\u05d5\u05bc\u05ea \u05e8\u05d5\u05bc\u05d7\u05b7 \u201eHaschen nach Wind\u201c ein neuntes und letztes Mal in 6,9 erscheint, also nur in der ersten Buchh\u00e4lfte.<\/p>\n<p>Schoors h\u00e4lt Kohelet noch am ehesten f\u00fcr einen Skeptiker und Agnostiker, der als Nonkonformist sichere Aussagen ablehnt, stattdessen aber viele Fragen stellt. Das Gottesbild Kohelets sei stark deterministisch gepr\u00e4gt (21). In \u00dcbereinstimmung mit dem Umschwung in der Forschung der letzten Jahre kann der Autor aber auch verschiedene positive Dinge im Buch erkennen: \u201eWe can profit much from some sayings of the book \u2026 Qoh. also teaches us to live with unsolved or insolvable problems \u2026 On the contrary, he gives practical advice\u201c (25). Kohelet stelle ein Korrektiv zum christlichen Gottesbild dar, wenn Gott als Vater vereinnahmt zu werden droht. Auf der anderen Seite bed\u00fcrfe Kohelets fehlende Perspektive eines Lebens nach dem Tod in gesamtbiblischer Hinsicht ein Korrektiv (25).<\/p>\n<p>\u201eDes B\u00fcchermachens ist keine Ende.\u201c Pr\u00e4sentiert Schoors einen weiteren von vielen neuen Kohelet-Kommentaren? \u201eNichts Neues unter Sonne\u201c? Der Rezensent nimmt gerne die Kommentare von Kr\u00fcger (BKAT) und Schwienhorst-Sch\u00f6nberger (HThKAT) in die Hand, die durch ihre Geschlossenheit und theologische Synthese \u00fcberzeugen und sich von einer pessimistischen Deutung absetzen. Bei detaillierten philologischen Fragen wird Schoors zuk\u00fcnftig seine erste Wahl sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Walter Hilbrands, Dozent f\u00fcr Altes Testament und Dekan an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Antoon Schoors: Ecclesiastes, Historical Commentary on the Old Testament, Leuven: Peeters, 2013, kt., LXVI+856 S. \u20ac 79,\u2013, ISBN 978-90-429-2940-1 Download<\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":401,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-398","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/398","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=398"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/398\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":400,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/398\/revisions\/400"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/401"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=398"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=398"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=398"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}