{"id":402,"date":"2017-10-18T07:58:32","date_gmt":"2017-10-18T07:58:32","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=402"},"modified":"2017-10-18T07:58:32","modified_gmt":"2017-10-18T07:58:32","slug":"veronika-albrecht-birkner-u-a-hg-pietismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=402","title":{"rendered":"Veronika Albrecht-Birkner, u. a. (Hg.): Pietismus"},"content":{"rendered":"<p>Veronika Albrecht-Birkner \/ Wolfgang Breul \/ Joachim Jacob \/ Markus Matthias \/ Alexander Schunka \/ Christian Soboth (Hg.):<em> Pietismus. Eine Anthologie von Quellen des 17. und 18. Jahrhunderts<\/em>, Leipzig: EVA, 2017, geb., 20 Abb., XVIII+714\u00a0S., \u20ac\u00a064,\u2013, <a href=\"http:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4018_Pietismus.html\">ISBN 978-3-374-04545-7<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Birkner_Treusch.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Die G\u00fcte einer Anthologie bemisst sich nicht nur an der Auswahl der darin ver\u00f6ffentlichten Texte, sondern auch an deren Einf\u00fchrung und Kommentierung. In der vorliegenden Pietismus-Anthologie ist beides gelungen. Daf\u00fcr ist dem Herausgebergremium aus Pietismus-Kennern zu danken, die als evangelische Theologen, Germanisten oder Historiker nicht nur unterschiedliche Fachdisziplinen vertreten, sondern auch die interdisziplin\u00e4re Perspektive zum Leitgedanken der Anthologie w\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Die rund 180 Quellenausz\u00fcge aus Texten des Pietismus des 17. und 18. Jahrhunderts sollen, so die Herausgeber einleitend, \u201edie gestalterische Einwirkung pietistischer Theologie und Fr\u00f6mmigkeit auf viele andere Bereiche des sozialen und kulturellen Lebens\u201c (XIX) zeigen, wobei der Pietismus zugleich selbst \u201eals Teil eines umfassenden kulturellen und sozialen Wandels nach dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg\u201c (XX) verstanden wird. Daher erwartet den Leser der Anthologie eine vielf\u00e4ltige Auswahl an Autoren und Autorinnen, Textgattungen und Themen, die ihre Begrenzung im Zeitraum (zwischen 1670 bis 1770 verfasste Quellen) und in der Konzentration auf deutschsprachige Texte findet. Zu den Autoren z\u00e4hlen neben Philipp Jakob Spener (mit mehreren Ausz\u00fcgen aus der pietistischen Programmschrift <em>Pia Desideria<\/em>) auch bisher fast nur Pietismus-Forschern bekannte Autoren, wie z.\u00a0B. die Magd und Kindsm\u00f6rderin Gertrude Magdalene Bremmel mit ihrem Lebenszeugnis (283\u2013286). Zu den Textausz\u00fcgen, die in 20 Kapiteln thematisch dargeboten werden, z\u00e4hlen an die gr\u00f6\u00dfere \u00d6ffentlichkeit adressierte Schriften ebenso wie bisher nicht ver\u00f6ffentlichte Sitzungsprotokolle und private Dokumente wie Briefe und autobiographische Bekenntnisse. Die rund 650 Seiten Quellentexte zeigen den Pietismus als theologische Bewegung (mit Texten zu Kirchenkritik, Kirchen- und Gemeinschaftskonzepten, Fr\u00f6mmigkeitspraxis, Bibel und Hermeneutik, Prophetie, Geschichtsdeutung und Zukunftserwartung, Gotteserkenntnis und Theologie) und ebenso als sozial- und kulturgeschichtlich pr\u00e4gende Bewegung im Blick auf P\u00e4dagogik und Erziehung, Geschlechterrollen, Armen- und Waisenf\u00fcrsorge, Politik und Obrigkeit, Wirtschaft, Kommunikation und Medien oder die K\u00fcnste.<\/p>\n<p>Geordnet wird diese anregende Vielfalt an Quellen dadurch, dass die 20 Kapitel dem gleichen Aufbau verpflichtet sind: Der f\u00fcr den Abschnitt verantwortliche Herausgeber f\u00fchrt auf einer Druckseite knapp ins Thema des Kapitels und die Quellentexte in ihrem Kontext ein und nennt einschl\u00e4gige Forschungsliteratur. Dem folgen sechs bis zehn Quellenausz\u00fcge in chronologischer Anordnung mit je einer kurzen Hinf\u00fchrung (im Kleindruck). Die Quellen werden nach der ersten Druckauflage bzw. handschriftlichen Vorlage oder, sofern vorhanden, einer wissenschaftlichen Edition wiedergegeben. In Fu\u00dfnoten werden Bibelstellen und Worterkl\u00e4rungen erg\u00e4nzt, Pfeile weisen auf Querverbindungen zu Textausz\u00fcgen in anderen Kapiteln hin, und spezifische Literaturhinweise zur Vertiefung beschlie\u00dfen den jeweiligen Quellenauszug. So stellt Wolfgang Breul in Kapitel 4 acht Quellen zu \u201eBibel und Hermeneutik\u201c (101\u2013129) vor, von einem Auszug aus dem dritten Teil von Speners <em>Pia Desideria<\/em> (1675\/76) \u00fcber die Einleitung zum <em>Spruch-Catechismus<\/em> (1685) von Johann Wilhelm Petersen, einen Auszug aus August Hermann Franckes <em>Einf\u00e4ltigem Unterricht<\/em> (1694) und aus der Einleitung zur <em>Berleburger Bibel<\/em> (1726) bis zu Texten von Nikolaus Ludwig von Zinzendorf (<em>Vier und Drey\u00dfig Homiliae<\/em>, 1747), Johann Albrecht Bengel (Vorrede zu seiner \u00dcbersetzung des Neuen Testaments, 1753) und Friedrich Christoph Oetinger (<em>Biblisches und emblematisches W\u00f6rterbuch<\/em>, 1776). Die Quellenauswahl erschlie\u00dft die Vielfalt des deutschsprachigen Pietismus, vom landeskirchlichen zum radikalen, vom Spenerschen zum w\u00fcrttembergischen Pietismus.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus gew\u00e4hrleistet auch ein umfangreicher Anhang die Orientierung: Hier werden die Quellen noch einmal, nun in chronologischer Reihenfolge, aufgef\u00fchrt (651\u2013674). Ein Verzeichnis der Quellenautoren (675\u2013686) hilft, insbesondere unbekanntere Autoren, biographisch einzuordnen. Ein Abk\u00fcrzungsverzeichnis (687f), Abbildungsverzeichnis (689\u2013691), Personen- (693\u2013700), Orts- (701\u2013703) und Bibelstellenregister (704\u2013714) tragen zur sehr guten Erschlie\u00dfung der Quellentexte bei. Dabei nennen die Register allerdings Kapitel und Quellennummer und nicht die Seitenzahl, was zun\u00e4chst irritiert, da z.\u00a0B. f\u00fcr die Bibelstelle Jer\u00a01,6 nur auf Quellenauszug 5.3 verwiesen wird, der immerhin drei Seiten umfasst (138\u2013141). Da die Bibelstellen aber in Fu\u00dfnoten zu den Quellenausz\u00fcgen vermerkt sind, findet der Leser nach kurzer Eingew\u00f6hnung schnell die gesuchte Textstelle, in diesem Fall in einer Bu\u00dfschrift von Adelheid Sybille Schwartz.<\/p>\n<p>Kritisch ist vielleicht zu fragen, warum nach den \u201eklassischen\u201c pietistischen Themen in den ersten Kapiteln, darunter Kirchenkritik (1.), Kirchenkonzepte (2.), Fr\u00f6mmigkeitspraxis (3.) und Hermeneutik (4.), dem Thema \u201eGotteserkenntnis und Theologie\u201c (511\u2013539) erst das 17.\u00a0Kapitel gewidmet ist \u2013 nach Politik und Obrigkeit (13.), Wirtschaft (14.) oder Kommunikation und Medien (15.), z\u00e4hlte doch die Reform des Theologiestudiums zu den zentralen Punkten des fr\u00fchen Pietismus. So erschlie\u00dft sich die Reihenfolge der Kapitel nicht immer, w\u00e4hrend die Auswahl der behandelten Themen und Quellen \u00fcberzeugt. Doch das ist eine marginale Anmerkung zu einer Anthologie, der man viele Leser w\u00fcnscht. In Udo Str\u00e4ters Vorwort kann die Rezensentin nur einstimmen: \u201eIch [&#8230;] gehe davon aus, dass diese Anthologie nicht nur als Quellenbuch f\u00fcr Studierende und Lekt\u00fcre f\u00fcr alle Interessierten gro\u00dfe Dienste leisten wird, sondern auch der Forschung neue Impulse gibt\u201c (VI).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Prof. Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen <\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Veronika Albrecht-Birkner \/ Wolfgang Breul \/ Joachim Jacob \/ Markus Matthias \/ Alexander Schunka \/ Christian Soboth (Hg.): Pietismus. 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