{"id":421,"date":"2017-10-18T08:25:53","date_gmt":"2017-10-18T08:25:53","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=421"},"modified":"2017-10-18T08:25:53","modified_gmt":"2017-10-18T08:25:53","slug":"gerhard-gronauer-der-staat-israel-im-westdeutschen-protestantismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=421","title":{"rendered":"Gerhard Gronauer: Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus"},"content":{"rendered":"<p>Gerhard Gronauer: <em>Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus. Wahrnehmungen in Kirche und Publizistik von 1948 bis 1972<\/em>, AKZG.B 57, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2013, geb., 518 S., \u20ac 120,\u2013, <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/der_staat_israel_im_westdeutschen_protestantismus\/t-0\/1010859\/\">ISBN 978-3-525-55772-3<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Gronauer_Roesch.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Gerhard Gronauer, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, beleuchtet in der \u00fcberarbeiteten Version seiner Erlanger Dissertation von 2008 das Verh\u00e4ltnis des westdeutschen Protestantismus zum Staat Israel von seiner Gr\u00fcndung bis zur Zeit vor dem sog. Yom-Kippur-Krieg 1973.<\/p>\n<p>Wenige Jahre nach dem Ende der Verfolgung und Vernichtung von Millionen j\u00fcdischer Menschen war 1948 der zionistische Traum von einem unabh\u00e4ngigen j\u00fcdischen Staatswesen im Land der V\u00e4ter in Erf\u00fcllung gegangen. Dieses Ereignis l\u00f6ste unter Protestanten in Deutschland h\u00f6chst unterschiedliche Reaktionen aus. F\u00fcr viele Protestanten war die Entstehung eines solchen Staatswesens gem\u00e4\u00df ihren theologischen \u00dcberzeugungen nicht vorgesehen. 1952, kurz vor seinem Tod, erkl\u00e4rte der ehemalige Direktor der Basler Mission Karl Hartenstein (*\u00a01894): \u201eGott wird dieses Volk heimbringen, nicht in das irdische Pal\u00e4stina, sondern in das himmlische Jerusalem und zu dem lebendigen Christus und in das kommende Reich.\u201c (81). Ganz anders Kurt Scharf (1902\u20131990), der sp\u00e4tere Ratsvorsitzende der EKD: \u201eIm Sommer 1948 nannte er die soeben erfolgte \u201aWiedergeburt der Nation Gottes\u2018 das \u201aaugenf\u00e4lligste \u201aZeichen der Zeit\u2018\u2018, das er nur \u201aprophetisch-apokalyptisch\u2018 zu deuten wusste.\u201c (372).<\/p>\n<p>Gronauer l\u00e4sst aus der Fr\u00fchzeit des Staates Israel einerseits einen Vertreter eines judenmissionarischen Werkes zu Wort kommen, andererseits einen Vertreter einer auf Dialog angelegten Neubestimmung des Verh\u00e4ltnisses von Juden und Christen:<\/p>\n<p>In der Zeitschrift \u201eFriede \u00fcber Israel\u201c antwortete 1953 Wilhelm Grillenberger (1911\u20131998) auf die Frage: \u201eWas bedeutet f\u00fcr uns Christen die Gr\u00fcndung des Staates Israel?\u201c Darin stellte er eine auf Hesekiel 34 bezogene rhetorische Frage zur Wiederbesiedlung des Landes Israel durch das j\u00fcdische Volk: \u201eHat der gute Hirte Jesus sie hinaufgef\u00fchrt? Nein, sie sind ohne ihn gegangen. Sie wollen auch ihr Land ohne ihn wieder aufbauen.\u201c Grillenberger verwies auf den Artikel 17 der Augsburgischen Konfession, wonach dem j\u00fcdischen Volk kein irdisches, sondern nur ein zuk\u00fcnftiges himmlisches Reich verhei\u00dfen sei. An anderer Stelle findet sich bei Grillenberger die folgende zugespitzte Formulierung: \u201eEs ist irref\u00fchrend, wenn dem Volke Israel in Aussicht gestellt wird, es werde das Heil in der Form erleben, da\u00df Jesus sie wieder ins heilige Land zusammenf\u00fchrt. [\u2026] Als Jesus gekreuzigt wurde, starb mit ihm das nationalj\u00fcdische Messiasbild.\u201c (87). Einen positiven Aspekt sah Grillenberger in der Entstehung des Staates Israel, insofern sich damit neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Judenmission er\u00f6ffnen k\u00f6nnten: \u201eVielleicht wird jetzt erst die Grundlage daf\u00fcr entstehen, dass eine j\u00fcdische Volkskirche in hebr\u00e4ischer Sprache gegr\u00fcndet werden kann.\u201c (88). Vertreter der judenmissionarischen Werke verfolgten mit Wohlwollen beispielsweise das Werden der evangelisch-lutherischen Elias-Kirchengemeinde in Haifa, wo sich j\u00fcdische Menschen versammelten, welche in Jesus von Nazareth den Messias Israels erkannt hatten. Der dortige Gemeindeaufbau geschah vor allem mit Unterst\u00fctzung durch die norwegische Israel-Mission. Dieser war schon in den Jahren nach 1948 der Zugang nach Israel m\u00f6glich \u2013 anders als Missionswerken aus Deutschland. Inzwischen hat jene Gemeinde l\u00e4ngst ihren Namen ge\u00e4ndert in \u201eBeit Eliyahu\u201c; sie versteht sich als j\u00fcdisch-messianische Gemeinde ohne Konfessionsbindung, offen auch f\u00fcr nicht-j\u00fcdische Glieder.<\/p>\n<p>1950 konnte der Heidelberger Kreisdekan Hermann Maas (1877\u20131970), der auf Grund seines Widerstands gegen die nationalsozialistische Judenverfolgung das Vertrauen von Regierungsvertretern besa\u00df, den jungen Staat Israel besuchen. Gronauer stellt dazu zusammenfassend fest: \u201eDer Israeli wurde in den Reiseberichten als der flei\u00dfige Arbeiter und Bauer geschildert, der S\u00fcmpfe trocken lege und die W\u00fcste zum Leben erwecke sowie in den Kibbuzim die ideale Gesellschafts- und Wirtschaftsform entwickelt habe. Damit sollte bewusst den tradierten antisemitischen Klischees entgegengearbeitet werden. Bei Maas kam auch noch die heilsgeschichtliche Komponente hinzu. Sowohl in der israelischen Staatsgr\u00fcndung als auch in den boomenden St\u00e4dten und den ertragreichen Feldern erkannte er die Erf\u00fcllung biblischer Verhei\u00dfungen.\u201c (372).<\/p>\n<p>Gronauer berichtet auch vom Einsatz engagierter Protestanten zugunsten einer finanziellen Entsch\u00e4digung Israels f\u00fcr die nur wenige Jahre zur\u00fcckliegenden Verbrechen an j\u00fcdischen Menschen. Der schon erw\u00e4hnte Hermann Maas wandte sich in der Allgemeinen J\u00fcdischen Wochenzeitung an die Abgeordneten des Deutschen Bundestages und setzte sich ein f\u00fcr das 1952 ausgehandelte Luxemburger Abkommen, das einer faktischen Anerkennung Israels durch die (west-)deutsche Bundesregierung gleichkam. Maas wusste um die verbreiteten Vorbehalte in der Bev\u00f6lkerung gegen\u00fcber Zahlungen an Israel und war in seiner Wortwahl deutlich: \u201eReden Sie nicht von unseren N\u00f6ten. Wir haben sie verdient.\u201c (124). Otto von Harling von der EKD-Kirchenkanzlei dagegen begr\u00fcndete die Zur\u00fcckhaltung der Evangelischen Kirche in Deutschland in dieser Angelegenheit so: Diese \u201emu\u00dfte ja auch die seelische und wirtschaftliche Lage des Volkes, zu dem sie sprach, im Auge haben, wenn sie nicht v\u00f6llig in den Wind reden wollte.\u201c Gronauer kommentiert: \u201eIn von Harlings Ausf\u00fchrungen manifestierte sich ein Selbstbild von einer Kirche, die sich prim\u00e4r als Seelsorgerin an der Bev\u00f6lkerung und weniger als eine moralische Kraft betrachtet, welche mit Verve neue Themen vorantreibt.\u201c (125).<\/p>\n<p>Ende der f\u00fcnfziger Jahre beginnend, nahmen mehr und mehr Kirchenmitglieder \u2013 insbesondere Theologen \u2013 die M\u00f6glichkeit wahr, den Staat Israel zu besuchen. Der Berliner Professor f\u00fcr systematische Theologie Helmut Gollwitzer (1908\u20131993) bekannte r\u00fcckblickend \u2013 so Gronauer \u2013, \u201edass Jerusalem weder eine rein \u201ahimmlische\u2018 Gr\u00f6\u00dfe war wie in der traditionellen christlichen Theologie noch eine blo\u00dfe St\u00e4tte biblischer Altert\u00fcmer darstellte wie in der klassischen Exegese: \u201aDamals erfa\u00dfte ich sinnlich, da\u00df Jerusalem eine Stadt auf Erden ist\u2018, ein heutiger Ort lebendigen Judentums.\u201c (129). Noch war Jerusalem geteilt in die israelische Neustadt und die zu Jordanien geh\u00f6rende Altstadt. Dennoch war es einer Studentengruppe aus Berlin mit ihrem Pfarrer Rudolf Weckerling (1911\u20132014) m\u00f6glich, \u00fcber Libanon, Syrien, Jordanien nach Jerusalem zu reisen. Auffallend erscheint Weckerlings Pl\u00e4doyer gegen\u00fcber einem einseitigen Schuldgef\u00fchl gegen\u00fcber dem j\u00fcdischen Volk, weil Deutsche \u201eSchuldner der Araber wie der Juden sind, denn ohne den Versuch der \u201aEndl\u00f6sung\u2018, d. h. der v\u00f6lligen Ausrottung der Juden in Europa, w\u00e4re der Staat Israel nicht unter denselben Umst\u00e4nden entstanden und h\u00e4tte das arabische Fl\u00fcchtlingsproblem nicht diese Ausma\u00dfe angenommen.\u201c (131).<\/p>\n<p>Wie schon beim Einsatz zugunsten einer Entsch\u00e4digungs-Regelung in den f\u00fcnfziger Jahren waren es zun\u00e4chst einzelne engagierte Protestanten, welche sich in den fr\u00fchen sechziger Jahren f\u00fcr die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und Israel einsetzten. Die Bundesregierung z\u00f6gerte lange, diesen Schritt zu tun, da man bef\u00fcrchtete, die arabischen Staaten k\u00f6nnten im Gegenzug zur Anerkennung Israels durch die Bundesrepublik ihrerseits die DDR anerkennen. F\u00fcr eine F\u00fcrsprache bei der Bundesregierung zugunsten eines Botschafter-Austauschs sollte der hessen-nassauische Kirchenpr\u00e4sident Martin Niem\u00f6ller (1892\u20131984) gewonnen werden \u2013 renommierter Vertreter der Bekennenden Kirche w\u00e4hrend der Herrschaft der Nationalsozialisten. Dieser lehnte ab: \u201eDass sich die Araber durch die Schaffung eines j\u00fcdischen Staates in der Mitte der arabischen Welt\u2026 gef\u00e4hrdet und attackiert sehen, das kann ich ihnen nicht \u00fcbel nehmen. Und ich glaube nicht, dass unsere deutsche Schuld gegen\u00fcber den Juden durch die Unterst\u00fctzung des Staates Israel in irgendeiner Weise geringer wird\u2026 Inwiefern aber die Evangelische Kirche eine positive Aufgabe\u2026 am Staat Israel haben soll oder darf, das ist mir bis zur Stunde schleierhaft.\u201c (182). Eine gegens\u00e4tzliche Haltung vertrat Helmut Gollwitzer, welcher der Bundesregierung eine einseitige pro-arabische Ausrichtung vorwarf und auf das zahlenm\u00e4\u00dfige Missverh\u00e4ltnis zwischen der arabischen Welt einerseits und damals zweieinhalb Millionen Israelis andererseits verwies. Gronauer fasst Gollwitzers Haltung so zusammen: \u201eIndem Gollwitzer Sacharja 2,12 zitierte \u2013 Israel als Gottes Augapfel \u2013, drohte er der Bundesregierung indirekt mit dem Gericht Gottes.\u201c (183).<\/p>\n<p>Einen Einschnitt in den Beziehungen der EKD zum Staat Israel brachte der sogenannte Sechstagekrieg 1967 mit sich, als der junge Staat von den Armeen seiner Nachbarstaaten eingekreist war und als Ergebnis der kriegerischen Handlungen gro\u00dfe Gebietsgewinne erzielte. W\u00e4hrend jener Tage fanden ungez\u00e4hlte F\u00fcrbitte-Gottesdienste in westdeutschen evangelischen Kirchen statt. Kirchenleiter \u00e4u\u00dferten sich durchaus gegens\u00e4tzlich. Der EKD-Ratsvorsitzende Hermann Dietzfelbinger (1908\u20131984) rief zur F\u00fcrbitte f\u00fcr alle damals vom Krieg betroffenen V\u00f6lker auf. Seine Sorge galt nicht speziell dem bedrohten Staat Israel, sondern der Tatsache, \u201eda\u00df die St\u00e4tten der biblischen Geschichte, an denen Jesus Christus den Menschen den Frieden Gottes offenbar gemacht hat, erneut in Kriegsgeschehen hineingezogen werden.\u201c (203). In einem evangelisch-katholisch-j\u00fcdischen Gottesdienst ergriff Kurt Scharf, inzwischen Bischof der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg, in seiner F\u00fcrbitte Partei zugunsten Israels: \u201eDie arabischen Nachbarn Israels\u2026 bestreiten das Lebensrecht der Juden in Pal\u00e4stina. Das j\u00fcdische Volk, kaum da\u00df es sich wieder in Pal\u00e4stina gesammelt hat, soll erneut dem Untergang \u00fcberantwortet werden. Wir flehen dich an f\u00fcr Israel: Stelle den Frieden her an seinen Grenzen.\u201c (204). Unter dem Eindruck des Kibbuz-Aufenthalts einer Gruppe der evangelischen Landjugend in Bayern bot deren Landespfarrer an, Kinder aus jenem Kibbuz im Fall einer Eskalation des Konflikts in Bayern aufzunehmen.<\/p>\n<p>Dass Israel im Gefolge der Eroberung von Gebieten jenseits der Waffenstillstandslinien von 1949 zunehmend als Besatzungsmacht wahrgenommen und kritisiert wurde, machte auch vor politisch engagierten Protestanten nicht Halt, beispielsweise bei den Evangelischen Studentengemeinden . \u00dcber deren Haltung urteilt Gronauer: \u201eW\u00e4hrend diese einst begeisterte Israelfahrer waren und f\u00fcr den deutsch-israelischen Botschafteraustausch eintraten, wurden nun auch hier vermehrt israelkritische Stimmen laut.\u201c (223). Der Vorwurf an Israel, imperialistisch zu handeln, wurde vielfach erhoben. Gronauer untersucht zahlreiche kirchliche Publikationen aus dem evangelischen Bereich und kam zu dem Schluss: \u201eDie Texte, die in Israels Kriegen expansionistische Aggressionen zu erkennen meinten, nahmen zu. Das Argument, der j\u00fcdische Staat w\u00fcrde sich nur verteidigen, war im Zuge des Sechstagekrieges weniger glaubhaft geworden.\u201c (397). Hierzu ein weiteres Zitat: \u201eDas s\u00fcffisante Wortspiel, dass die nationale Orientierung der sozialistischen israelischen Arbeiterpartei zu einem \u201aNationalsozialismus\u2018 f\u00fchre, diskreditierte die Israelis als Nazis der Neuzeit.\u201c (ebd.).<\/p>\n<p>Seit 1961 bem\u00fchte sich die Arbeitsgemeinschaft \u201eChristen und Juden\u201c bei den evangelischen Kirchentagen darum, den Jahrhunderte alten kirchlichen Anti-Judaismus zu \u00fcberwinden. Zu den dort behandelten Themen geh\u00f6rte auch die Haltung der Christenheit zum Staat Israel und zum Nahost-Konflikt. Beim Stuttgarter Kirchentag 1969 brach Friedrich-Wilhelm Marquardt (1928\u20132002), Helmut Gollwitzers Nachfolger als systematischer Theologe in Berlin, eine Lanze f\u00fcr den Zionismus. Gronauer zufolge betonte Marquardt, \u201edass der Zionismus nicht nationalistisch, geschweige denn rassistisch, sondern durch und durch j\u00fcdisch sei\u2026\u201c. Weiter: \u201eEine Spiritualisierung der biblischen Landverhei\u00dfung wies er deshalb zur\u00fcck: \u201aJesus Christus ist nicht Nein, sondern Ja und Amen auf alle Verhei\u00dfungen. Auch auf diese.\u2018\u201c (225).<\/p>\n<p>In die Schlussphase des betrachteten Zeitraums fiel der \u00dcberfall pal\u00e4stinensischer Terroristen auf die israelische Olympia-Mannschaft in M\u00fcnchen im September 1972. \u00dcber die Reaktion von Eugene Carson Blake (1906\u20131985), Generalsekret\u00e4r des Weltkirchenrates, berichtet Gronauer: \u201eEr sah bereits einen Tag nach dem M\u00fcnchner Verbrechen dieses als eine Tat einzelner Extremisten an, die f\u00fcr den pal\u00e4stinensischen Befreiungskampf nicht repr\u00e4sentativ seien. Zudem verurteilte er die deutschen Sicherheitskr\u00e4fte zumindest indirekt daf\u00fcr, den Forderungen der Geiselnehmer nicht nachgekommen zu sein.\u201c Diese \u00c4u\u00dferung sorgte bei der Spitze der EKD f\u00fcr Emp\u00f6rung (367).<\/p>\n<p>Auf dem R\u00fccken von Gerhard Gronauers umfangreichem Werk findet sich eine Zusammenfassung des Forschungsertrags: \u201eDie Staat-Israel-Rezeption war Ver\u00e4nderungen unterworfen, wenn auch nicht eindimensional, als ob der Protestantismus anfangs israelkritisch, dann israelfreundlich geworden sei \u2013 oder umgekehrt. Vielmehr war das Verh\u00e4ltnis zum Staat Israel vielschichtig und ambivalent. Der R\u00fcckblick auf diesen Diskurs l\u00e4sst den Wert einer Diskussionskultur deutlich werden. Das Ma\u00dfvolle und Bescheidene kann sich gegen\u00fcber radikalen Positionen als st\u00e4rker erweisen.\u201c<\/p>\n<p>Dieser Einsch\u00e4tzung schlie\u00dft sich der Rezensent an und wendet sie auf eine aktuelle Kontroverse im deutschen Protestantismus an, die Kontroverse um das Reizwort \u201eJudenmission\u201c. Gerhard Gronauer zeigt sich im Vorwort seines Werkes dankbar f\u00fcr die Vermittlung von hilfreichen Erkenntnissen aus der Theologischen Arbeitsgemeinschaft des Vereins \u201eBegegnung von Christen und Juden in Bayern\u201c. Dieser geh\u00f6rt zu einem Dachverband, der einmal den Namen \u201eEvangelisch-Lutherischer Centralverein f\u00fcr Mission unter Israel\u201c trug, gegr\u00fcndet 1871. Dieser Verein hat sich vor wenigen Jahrzehnten neu ausgerichtet, vereinfacht ausgedr\u00fcckt: weg von der Mission, hin zum Dialog. Diese Neuausrichtung hat sich augenscheinlich auch auf die Forschungsarbeit von Gerhard Gronauer ausgewirkt. Er verwendet sehr sparsam die Bezeichnung \u201emessianische Juden\u201c f\u00fcr Menschen aus dem j\u00fcdischen Volk, die sich zu Jesus von Nazareth als dem j\u00fcdischen Messias bekennen. Gronauer bevorzugt die Bezeichnung \u201eChristen j\u00fcdischer Herkunft\u201c. Messianische Juden, deren Zahl innerhalb und au\u00dferhalb Israels seit Jahrzehnten im Wachsen begriffen ist, verstehen sich jedoch nicht als Menschen, die zwar vom Jude-Sein herkommen, sich davon aber abgewandt haben. Sie wollen ihren Weg des Glaubens an den Gott Israels als j\u00fcdischen Weg gehen. Der Rezensent pl\u00e4diert f\u00fcr den Abschied von einer \u201eradikalen Position\u201c: \u201eDer Glaube an den j\u00fcdischen Messias Jesus entfremdet Juden ihrer Nation.\u201c Wohin? Zur Bereitschaft im gesamtdeutschen Protestantismus, messianische Juden als Geschwister im Glauben wahrzunehmen und auch mit ihnen den Dialog zu pflegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Pfarrer Martin R\u00f6sch, Theologischer Leiter AmZI, CH-4153 Reinach, BL<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gerhard Gronauer: Der Staat Israel im westdeutschen Protestantismus. 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