{"id":443,"date":"2017-10-18T09:57:05","date_gmt":"2017-10-18T09:57:05","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=443"},"modified":"2017-10-18T09:57:05","modified_gmt":"2017-10-18T09:57:05","slug":"gisela-kittel-eberhard-mechels-hg-kirche-der-reformation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=443","title":{"rendered":"Gisela Kittel \/ Eberhard Mechels (Hg.): Kirche der Reformation?"},"content":{"rendered":"<p>Gisela Kittel \/ Eberhard Mechels (Hg.): <em>Kirche der Reformation? Erfahrungen mit dem Reformprozess und die Notwendigkeit der Umkehr<\/em>, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2016, kt., 376 S., \u20ac 25,\u2013, <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/kirche_der_reformation\/t-0\/1088417\/\">ISBN 978-3-7887-3066-6<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Kittel_Schwark.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Der vorliegende Band, der von Gisela Kittel und Eberhard Mechels herausgegeben wurde, besch\u00e4ftigt sich mit dem \u201eUmbauprozess\u201c, der \u201esich gegenw\u00e4rtig in der Evangelischen Kirche in Deutschland vollzieht\u201c (11). Das Buch besteht aus 30 verschiedenen Beitr\u00e4gen unterschiedlicher Autoren, die an dieser Stelle nicht alle genannt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In einem ersten Abschnitt (13\u201357), der unter der \u00dcberschrift \u201eDer Aufbruch der Reformation\u201c steht, wird auf die Reformation Bezug genommen. Dabei wird u.a. die zentrale Bedeutung des Wortes Gottes hervorgehoben (vgl. 43f; 56). Der zweite Abschnitt (59\u201368)\u00a0 besteht in einem kritischen \u201eZwischenruf\u201c aus dem Jahr 2010, der sich mit dem Impulspapier \u201eKirche der Freiheit\u201c auseinandersetzt und einen \u201eProzess der Selbst-S\u00e4kularisierung der Kirche\u201c (67) beobachtet.<\/p>\n<p>Den Hauptteil des Buches stellt der dritte Abschnitt (69\u2013346) dar. Er steht unter der \u00dcberschrift \u201eGegenw\u00e4rtige Entwicklungen\u201c und beinhaltet konkrete Erfahrungsberichte aus verschiedenen Landeskirchen. Dabei finden sich folgende inhaltliche Schwerpunkte: Es wird eine \u00d6konomisierung der Kirche beklagt, die darin besteht, dass die theologische Fundamentierung \u201eeiner Dogmatik der Finanzwirtschaft und des Shareholder-Value\u201c weicht (85). Mehrfach wird kritisiert, dass Druck aufgebaut wird durch angeblich sinkende Einnahmen, obwohl faktisch das Kirchensteueraufkommen in den letzten Jahren gewachsen ist (vgl. z.\u00a0B. 77f; 268). Au\u00dferdem werden negative Auswirkungen von (erzwungenen) Fusionen von Kirchengemeinden dargestellt (so z.\u00a0B. 181\u2013215; 293\u2013301). Beklagt wird auch, dass zunehmend Stellen in Ortsgemeinden abgebaut und daf\u00fcr neue Stellen in der Verwaltung geschaffen werden (155; 229). Nur ein geringer Anteil des Kirchensteueraufkommens kommt den Gemeinden zugute (227). Demgegen\u00fcber wird betont, dass in der neuen Kirchenmitgliederbefragung die zentrale Bedeutung der Pastorenschaft und der Ortsgemeinde bei Kirchenmitgliedern sichtbar wird und demzufolge bei durchgef\u00fchrten Reformen, die diese Aspekte vernachl\u00e4ssigen, der Mitgliederverlust anw\u00e4chst (268\u2013288). Erkl\u00e4rt wird die Marginalisierung der Gemeinde durch eine \u201eChristentumstheorie\u201c, deren zentrales Anliegen \u201edie Integration von christlicher Religion und Gesellschaft\u201c ist, \u201ed.h.\u00a0 der Aufweis der gesellschaftlichen Verfasstheit des Christentums bzw. der christlichen Verfasstheit der Gesellschaft\u201c (337). Die Bekennende Kirche zielte demgegen\u00fcber auf eine \u201eGemeindekirche\u201c im Gegensatz zu einer \u201eBeh\u00f6rdenkirche\u201c (342). In mehreren Beitr\u00e4gen wird auf die Rolle der Pastoren eingegangen: F\u00fcr Pastoren wird der eigene Gestaltungsspielraum geringer, weil der Anteil an Pflichtaufgeben umso gr\u00f6\u00dfer wird, je weniger Pastoren vor Ort sind (236). Der massive Pfarrstellenabbau hat zu einer tiefgreifenden Verunsicherung bei Pfarrern gef\u00fchrt (138f). Es wird au\u00dferdem beschrieben, wie Pfarrer auf unrechte Weise aus ihren Gemeinden entfernt wurden (302\u2013328).<\/p>\n<p>Das Buch schlie\u00dft mit einem vierten Abschnitt (347\u2013370), in dem unter der \u00dcberschrift \u201eUmkehr ist n\u00f6tig\u201c die wesentlichen Aussagen des Buches zusammengefasst werden und zu einer Neuorientierung aufgerufen wird. Dabei wird u.\u00a0a. gefordert, dass das Wort Gottes das Fundament (359) und die Theologie die \u201eLeit-Wissenschaft in allen Fragen der Kirchenpolitik\u201c sein muss (360). Eine besondere Bedeutung haben die Ortsgemeinde und die N\u00e4he zu Predigerinnen und Predigern (363). Daher muss jede Gemeinde f\u00fcr sich selbst verantwortlich sein und finanziell besser ausgestattet werden (364).<\/p>\n<p>Die Ausf\u00fchrungen in den verschiedenen Beitr\u00e4gen des Buches zeigen, dass die in den Landeskirchen geplanten und durchgef\u00fchrten Reformen die Kirche in vielfacher Weise schw\u00e4chen und insgesamt nicht zum Gemeindeaufbau beitragen. Die Gr\u00fcnde f\u00fcr diese Fehlentwicklungen werden zutreffend benannt: die Vernachl\u00e4ssigung des Wortes Gottes und ein falsches Kirchenbild. Den zentralen Aussagen des Buches ist also zuzustimmen. Nur an einigen Stellen ist Kritik anzumelden: Es h\u00e4tte noch grundlegender er\u00f6rtert werden k\u00f6nnen, worin die Vernachl\u00e4ssigung des Wortes Gottes besteht: in einer sachkritischen Bibelauslegung, die die Bibel nicht mehr als Wort Gottes betrachtet. Dies ist eine wesentliche Ursache daf\u00fcr, dass falsche Gemeinde- und Kirchenbilder sich ausbreiten konnten. An manchen Stellen hat der Leser auch den Eindruck, dass ein gewisser Strukturkonservativismus vorherrscht. So wird z.\u00a0B. die (Teil-) Finanzierung von Pastorenstellen durch Spenden grunds\u00e4tzlich abgelehnt (231). Obwohl es stimmt, dass sich die Kirchensteuereinnahmen bisher nicht verringert haben, ist es absehbar, dass eine geringere Kirchenmitgliederzahl sich irgendwann auch an dieser Stelle auswirken wird. Daher m\u00fcssen auch neue Strukturen entwickelt werden. Die Beitr\u00e4ge des Buches zeigen aber deutlich, dass hierbei immer von den einzelnen Gemeinden aus gedacht und geplant werden muss. Insofern stellt das Buch einen wichtigen Beitrag zu der kirchlichen Diskussion \u00fcber neue Strukturen dar und kann jedem, der in der Landeskirche Verantwortung hat, zur Lekt\u00fcre empfohlen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Pfr. Dr. Christian Schwark, Siegen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gisela Kittel \/ Eberhard Mechels (Hg.): Kirche der Reformation? 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