{"id":502,"date":"2018-04-11T10:48:44","date_gmt":"2018-04-11T10:48:44","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=502"},"modified":"2018-04-11T10:48:44","modified_gmt":"2018-04-11T10:48:44","slug":"markus-lau-nils-neumann-hg-das-biblische-methodenseminar","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=502","title":{"rendered":"Markus Lau \/ Nils Neumann (Hg.): Das biblische Methodenseminar"},"content":{"rendered":"<p>Markus Lau \/ Nils Neumann (Hg.): <em>Das biblische Methodenseminar. Kreative Impulse f\u00fcr Lehrende<\/em>, UTB 4612, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, Pb., 364\u00a0S., \u20ac\u00a034,99, <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/das_biblische_methodenseminar\/t-0\/1011859\/\">ISBN 9783825246129<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Kuerle_Lau.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Exegetische Methodenb\u00fccher gibt es einige. Viele davon sind offensichtlich den eigenen Lehrveranstaltungen der Autoren entsprungen. Andere versuchen einen bestimmten herme\u00adneutischen Ansatz methodisch umzusetzen. Jeweils bilden diejenigen, die Exegese lernen sollen, die Zielgruppe. Wenige jedoch richten sich direkt an den unterrichtenden Dozenten. Genau hier findet das rezensierte Buch seine Legitimation. Geboren aus einer hochschuldi\u00addaktischen Arbeitsgruppe haben die Autoren ein (mindestens an deutschen Universit\u00e4ten ty\u00adpisches) Methodenseminar insgesamt und in seinen Teilen p\u00e4dagogisch reflektiert. Die im Bolognaprozess immer wieder eingeforderte Kompetenzorientierung universit\u00e4rer Lehre bil\u00addet die p\u00e4dagogische Grundlage.<\/p>\n<p>Die Autoren sind allesamt keine Bildungswissenschaftler, sondern Theologen, die in ihrer Mehrzahl selbst einige Erfahrung im Unterrichten exegetischer Proseminare haben. Sowohl die katholische als auch die evangelische Konfession sind vertreten.<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge zu der Einf\u00fchrung- und Abschlussveranstaltung des anvisierten Proseminars setzen den Rahmen, durch den auch die Anlage des Buches begr\u00fcndet ist: Ganz im Zeichen der Zeit werden durch die einzelnen Beitr\u00e4ge verschiedene hermeneutische Zug\u00e4nge zum Bibeltext repr\u00e4sentiert. Bewusst wird nicht von exegetischen \u201eMethodenschritten\u201c gespro\u00adchen, sondern von exegetischen Perspektiven, die in vier Gruppen eingeteilt werden: Text\u00adkonstituierung, synchrone, diachrone und rezeptionsorientierte Zug\u00e4nge.<\/p>\n<p>Die Kapitel selbst sind einheitlich strukturiert. Einer Hinf\u00fchrung zur jeweiligen exegeti\u00adschen Perspektive, in der diese kurz rekapituliert wird, schlie\u00dft sich, dem Kompetenzgedan\u00adken entsprechend, eine Formulierung der Lernziele an. Aktuelle Basisliteratur wird genannt. Den Kernteil der je\u00adweiligen Kapitel machen didaktisch-methodische Anmerkungen aus, die sich jeweils auf das Alte bzw. Neue Testament beziehen (an konkreten Textbeispielen). Ab\u00adschlie\u00dfend wird die Methode nochmals allgemein verortet und es werden weitere Ideen zur p\u00e4dagogischen Aus\u00adgestaltung gegeben.<\/p>\n<p>Neben den klassischen exegetischen Perspektiven wie z.\u00a0B. Textkritik, linguistische Ana\u00adlyse, synoptischer Vergleich oder Literarkritik werden auch nicht so gel\u00e4ufige Ans\u00e4tze be\u00adschrieben und didaktisch eingef\u00fchrt, wie z.\u00a0B. die Analyse der Raumkonstruktionen oder im Kapitel zur Intermedialit\u00e4t. Diese Kapitel regen zum Nachdenken an, auch wenn sich der er\u00adwartbare Nutzen auf eher wenige Bibeltexte erstreckt. Besondere Highlights sind die Beitr\u00e4\u00adge zur Charakterisierung, zur pragmatischen Analyse und der Motivkritik.<\/p>\n<p>Erfreulich ist die Absicht der Autoren immer auch den Erkenntnisgewinn der einzelnen Schritte zu beschreiben, durchaus auch kritisch. Besonders relevant wird dies aus evangeli\u00adkaler Sicht nat\u00fcrlich bei den diachronen Methoden. Bei den rezeptionsorientierten Zug\u00e4ngen wird nicht immer ganz deutlich, warum sie in einem Band zur Exegese zu finden sind, denn in ihnen geht es nicht vorrangig um das Verst\u00e4ndnis des Textes, sondern eher um M\u00f6glich\u00adkeiten, wie der Text zu (be)nutzen w\u00e4re, bzw. darum m\u00f6gliche Instrumentalisierungen zu be\u00adschreiben. Eine Ausnahme bietet der Teil zur Intermedialit\u00e4t, der neben rezeptionsge\u00adschichtlichen Aspekten auch auf die in der Bibel selbst immer wieder thematisierte Span\u00adnung von oralem und schriftlichem Text eingeht.<\/p>\n<p>Weder die Einf\u00fchrung, noch die einzelnen Kapitel sind mit didaktisch-p\u00e4dagogischem Ballast behaftet. Dabei wirken die Teile des Buches jedoch diesbez\u00fcglich nicht unfundiert. Der Anlage des Bandes als Praxisbuch wird damit Rechnung getragen. Auch werden nicht durchg\u00e4ngig Kenntnisse der Ursprachen seitens der Adressaten des Proseminars vorausge\u00adsetzt (es gibt auch ein Kapitel zum \u00dcbersetzungsvergleich) \u2013 sicherlich interessant f\u00fcr eine breitere unmittelba\u00adre Nutzbarkeit des Buchs. Die Vorschl\u00e4ge zu den p\u00e4dagogischen Einf\u00fch\u00adrungen sind gut \u00fcberlegt und bilden oft eine nachvollziehbare Br\u00fccke zur Welt der Studen\u00adten. Besonderes Augenmerk beim Versuch, die Vorschl\u00e4ge des Sammelbandes umzusetzen, sollte auf den Faktor Zeit in den Seminarsitzungen gelenkt werden. Aber hier spielt nat\u00fcr\u00adlich die Gewich\u00adtung des Seminars bezogen auf die ECTS Points eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>Sehr sinnvoll und inspirierend sind die abschlie\u00dfende Reflexion zu Pr\u00fcfungsformen, wel\u00adche nochmals auf die Kompetenzorientierung Bezug nimmt, und die umfangreiche Samm\u00adlung von Materialanh\u00e4ngen zu einzelnen Methodenkapiteln.<\/p>\n<p>Aus evangelikaler Perspektive ist es erfreulich, dass den Autoren abzusp\u00fcren ist, dass die Bibel als Wort Gottes in ihrem Gegenwartsbezug und damit ihrer Aktualit\u00e4t f\u00fcr Kirche und Gesellschaft ernst genommen wird. Das exegetische Proseminar ist eines der grundlegenden Module des Theologiestudiums. Dabei legt das vorliegende Buch gro\u00dfen Wert darauf, dass Exegese kein Selbstzweck ist, sondern in dem und f\u00fcr den gr\u00f6\u00dferen Kontext des Theologie\u00adstudiums und der Kirche eine wichtige Rolle spielt. Es kann nur im Sinne der Reformatoren sein, wenn heutige Studenten eine Begeisterung f\u00fcr die n\u00e4here Besch\u00e4ftigung mit der Bibel p\u00e4dagogisch reflektiert und dynamisch motiviert nahegebracht wird.<\/p>\n<p>Gerade f\u00fcr Lehrende, die ihre ersten Schritte in Sachen Exegese im Rahmen einer klassi\u00adschen, auf Fachkenntnisse fokussierten Veranstaltung gegangen sind, bietet der Sammelband gute und durchaus umsetzbare Anst\u00f6\u00dfe, das Konzept der Kompetenzorientierung auch in ih\u00adrer Lehre umzusetzen. Die vielen Beispiele und praktischen didaktisch orientierten Tipps re\u00adgen zur Reflexion des eigenen Unterrichts an. Mit etwas didaktischer Erfahrung und einer Prise Mut, Dinge auch einmal anders zu machen, l\u00e4sst sich vieles aus diesem Buch lernen \u2013 und umsetzen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Stefan K\u00fcrle, Dozent f\u00fcr biblische Theologie am Theologischen Studienzentrum Berlin<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Markus Lau \/ Nils Neumann (Hg.): Das biblische Methodenseminar. 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