{"id":505,"date":"2018-04-11T10:51:47","date_gmt":"2018-04-11T10:51:47","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=505"},"modified":"2018-04-11T10:52:17","modified_gmt":"2018-04-11T10:52:17","slug":"mayer-i-gruber-hosea","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=505","title":{"rendered":"Mayer I. Gruber: Hosea"},"content":{"rendered":"<p>Mayer I. Gruber: <em>Hosea. A Textual Commentary, <\/em>Library of Hebrew Bible \/ Old Testament Studies 653, London \u2013 New York, NY: Bloomsbury T&amp;T Clark, 2017, Hb., XX+657\u00a0S., US\u00a0$\u00a0106.99, <a href=\"https:\/\/www.bloomsbury.com\/us\/hosea-a-textual-commentary-9780567671752\/\">ISBN 978-0-5676-7174-5<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Weber_Gruber.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>In einer bedeutenden Monographien-Reihe wie LHB\/OTS erwartet man keinen Bibelkommentar. Wie es dazu kam erl\u00e4utert der Verfasser, Professor emeritus an der Ben-Gurion Universit\u00e4t in Beerscheba (Israel), im Vorwort. Der hier vorzustellende 600-seitige Hos-Kommentar reiht sich ein in die Abfolge gewichtiger, neuerer Kommentare zum hebr\u00e4ischen (oder griechischen: Glenny [2013]) Text des ersten Dodeka-Propheten wie u. a. von Wolff (1961), Rudolph (1966), Andersen \/ Freedman (1980), Jeremias (1983), Stuart (1987), Hubbard (1989), Davies (1992), Garrett (1997), Macintosh (1997), Ben Zvi (2005), Dearman (2010) und Gisin (2014).<\/p>\n<p>Der Band umfasst eine Einleitung (ca. 40\u00a0S.), eine (eigene) englische \u00dcbersetzung des Gesamttextes und als Hauptteil eine versweise vorgenommene Kommentierung. Beigegeben sind Bibliographie und zwei Indices (Stellen und Autoren), eine Appendix zu den in Hos erw\u00e4hnten oder angespielten K\u00f6nigen von Israel, Juda und Assyrien, ferner eine Landkarte sowie einige Illustrationen.<\/p>\n<p>In seiner Einleitung behandelt Gruber ausf\u00fchrlich die Frage der Textgliederung von Hos unter Sichtung der wichtigsten (handschriftlichen) \u00dcberlieferungen. Ebenso informiert er \u00fcber Einfl\u00fcsse und Grundentscheide bei seiner Kommentierung. Als einflussreich nennt er eine Reihe von Lehrern und Kollegen, allen voran H.\u00a0L. Ginsberg, H. Tadmor und S.\u00a0M. Paul. Redaktionsgeschichtliche Ans\u00e4tze mit nachexilischer Sp\u00e4tdatierung von Hos als Buch bzw. Schrift, wie sie in neueren Ver\u00f6ffentlichungen g\u00e4ngig geworden sind, findet man bei Gruber nicht. Er geht von einer (klassischen) Zweiteilung von Hos 1\u20133 und Hos 4\u201314 aus. Dabei datiert er Hos 4\u201314 in die Zeit von Israels K\u00f6nig Menachem ben-Gadi (747\u2013737 v. Chr., n\u00e4herhin 743\u2013739 v. Chr.), einem K\u00f6nig, der in Hos 1,1 nicht erw\u00e4hnt wird, aber in dessen Zeit das Wirken des Propheten Hosea denkbar ist. Ungew\u00f6hnlich ist die \u201eFr\u00fchdatierung\u201c von Hos 1\u20133 ins 9. Jh. v. Chr. (zur Zeit Jehus, 842\u2013814 v. Chr. K\u00f6nig von Israel, vgl. Hos 1,4). Mit ihr wird das Wirken eines anderen Propheten, eines zweiten bzw. ersten \u201eHosea\u201c, voraussetzt. Dabei wird eine Textumstellung insofern angenommen, als 2,1\u20133 urspr\u00fcnglich nach 2,16 folgte und Kap. 2 beschloss (nachtr\u00e4gliche Rahmung der Gerichtsaussagen in 2,4\u201316). Wird Hos 1\u20133 gegen\u00fcber 4ff \u00fcblicherweise als sekund\u00e4r eingesch\u00e4tzt, so l\u00e4sst sich Grubers umgekehrte Zweistufigkeit besser mit der kanonisch gewordenen Leseabfolge verbinden. Mit den vorgenommenen zeitlichen Ansetzungen lassen sich nach Gruber Textaussagen mit geschichtlichen Bez\u00fcgen und Hintergr\u00fcnden am besten vereinbaren (f\u00fcr Einzelheiten ist auf Einleitung und Kommentierung zu verweisen). Dies f\u00fchrt zu einer Datierung von Hos insgesamt <em>ante quem<\/em> 738 v. Chr., also noch bevor das Nordreich von den Assyrern um Gebietsteile dezimiert wurde. Eine Ausnahme bilden ihm lediglich die rund ein Dutzend \u201ejud\u00e4ischer Glossen\u201c, die nach 722 v. Chr. anzusetzen sind. Es handelt sich namentlich um Erw\u00e4hnungen von \u201eJuda\u201c, die sich \u00c4nderungen (z.\u00a0B. Ephraim \/\/ Israel =&gt; Ephraim \/\/ Juda) oder Erg\u00e4nzungen verdanken (die Juda- und David-Erw\u00e4hnungen in 2,2; 3,5 sind aber urspr\u00fcnglich, d. h. f\u00fcr Gruber aus dem 9. Jh., und keine Interpolationen). So \u00fcbersetzt er 12,1 (rekonstruierend) folgenderma\u00dfen: \u201eEphraim surrounded me with treachery \/\/ And Israel with guile. And Israel is devoted with respect to El \/\/ And with respect to angels is loyal.\u201c (493f) Die hebr\u00e4ischen Bezeichnungen \u05d0\u05dc und \u05e7\u05d3\u05d5\u05e9\u05d9\u05dd werden dabei \u201eas designations of superhuman powers other than Yhwh, namely angels\u201c (495) verstanden. Gruber f\u00fcgt an: \u201eIt is much more plausible to see Hos. 12:1c\u2013d not as an assertion of the loyalty of Judah to the God of Israel but rather as a continuation of the description of the devotion of <em>Israel<\/em> to <em>angels<\/em> and the lexeme ,and Judah\u2018 as but one more example of an original <em>Y<\/em> meant as an abbreviation for Israel\u201c (S. 495).<\/p>\n<p>Vehement ist Grubers Kampf gegen den \u201ewissenschaftlichen Mythos\u201c von einer kultischen Prostitution: Weder in Hos 4 noch sonst irgendwo in Hos wird auf diese Bezug genommen. Es handelt sich bei den besagten Stellen vielmehr um Anspielungen auf G\u00f6tzendienst und Bundesbruch unter Verwendung sexueller Metaphern. Zudem wird (m\u00e4nnliche) eheliche Untreue und betr\u00fcgerisches Verhalten gegen\u00fcber den Ehefrauen angeprangert (insbesondere 4,10\u201318, ferner 5,3f; 6,10; 7,14; 91f). Unter diskutabler Absetzung von Hos 1,2 (\u201eprophetic theatre\u201c \u2013\u00a0\u201eHos 1:2 can refer only to adultery as a metaphor for idolatry\u201c [S. 81]) und 1,3 (Auftrag zur Eheschliessung mit Gomer und Kinderzeugung) gelangt er zum Schluss, dass es sich (auch) bei Gomer weder um eine Prostituierte noch um eine ehebrecherische Frau, die sich nach Eingehen der Ehe feilbot, handelte.<\/p>\n<p>Die St\u00e4rken von Grubers Kommentierung liegen in der sorgf\u00e4ltigen Analyse des sprachlich wie inhaltlich herausfordernden Prophetentextes unter Einbezug von Textkritik, Lexikographie, Syntax, Struktur und Poetik sowie biblischer und altorientalischer Texte, Artefakte und Geschichte. Auch wenn man ihm nicht \u00fcberall folgen will und kann, bietet er eine F\u00fclle von Einsichten zu den Textproblemen, die Hos aufgibt. Die Verse, in denen sich Verst\u00e4ndnisfragen zum Text stellen, d\u00fcrften diejenigen \u00fcberwiegen, bei denen dies nicht der Fall ist. Hos in seiner vorliegenden Textspur geh\u00f6rt zu den am schwierigsten zu verstehenden Texten des Alten Testaments. Und da ist ein Kommentar wie derjenige von Gruber, der die Textdetails behandelt, gefragt. Dabei f\u00fchrt er die Diskussion mit seinen Vorg\u00e4ngerkommentaren und weiterer Literatur zu Hos. Insbesondere hat er profunde Kenntnisse j\u00fcdischer Kommentatoren und Studien \u2013 von den gro\u00dfen mittelalterlichen Kommentatoren bis zur Gegenwart \u2013 und bezieht diese auch ein.<\/p>\n<p>Allein schon aus diesem Grund lohnt sich f\u00fcr Studierende von Hos die regelm\u00e4\u00dfige Konsultierung und Kenntnisnahme dieses umfangreichen Bandes. Grubers Werk geh\u00f6rt nun mit zu den eingangs erw\u00e4hnten \u201egro\u00dfen\u201c Kommentaren dieser Prophetenschrift.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Beat Weber, Pfarrer\/Dozent in verschiedenen Diensten<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mayer I. Gruber: Hosea. 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