{"id":519,"date":"2018-04-11T11:21:54","date_gmt":"2018-04-11T11:21:54","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=519"},"modified":"2018-04-11T11:21:54","modified_gmt":"2018-04-11T11:21:54","slug":"notger-slenczka-vom-alten-testament-und-vom-neuen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=519","title":{"rendered":"Notger Slenczka: Vom Alten Testament und vom Neuen"},"content":{"rendered":"<p>Notger Slenczka: <em>Vom Alten Testament und vom Neuen. Beitr\u00e4ge zur Neuvermessung ihres Verh\u00e4ltnisses<\/em>, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2017, 506\u00a0S., \u20ac 44,\u2013, <a href=\"http:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4112_Vom-Alten-Testament-und-vom-Neuen.html\">ISBN 978-3-374-04942-4<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Wenzel_Slenczka.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Die Zitate am Anfang lassen erahnen, welche Dimension die Debatte um \u201eSlenczkas Position(en)\u201c f\u00fcr den Betroffenen hatte. Sie ist nicht \u201espurlos\u201c an ihm vorbei gegangen: \u201eH\u00e4ufig l\u00e4sst es die g\u00f6ttliche Vorsehung zu, dass durch mancherlei st\u00fcrmischen Aufruhr, der von fleischlich gesinnten Menschen betrieben wird, auch gute M\u00e4nner aus der christlichen Gemeinschaft ausgesto\u00dfen werden. Diese Schande und das ihnen angetane Unrecht sollen sie um des Friedens der Kirche willen mit h\u00f6chster Geduld tragen\u201c (5).<\/p>\n<p>Die Debatte und ihr Verlauf verdienen dabei ein aufmerksames Studium. Das Buch erm\u00f6glicht einen einfachen und gewinnbringenden Zugang zu Slenczkas Perspektive. Die bereits ver\u00f6ffentlichten Aufs\u00e4tze werden unver\u00e4ndert abgedruckt, was vor allem der Dokumentation dient. Dazu z\u00e4hlen:<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eDer Ausl\u00f6ser der Debatte: Die Kirche und das Alte Testament\u201c (49\u201384),<\/li>\n<li>\u201eIntertextualit\u00e4t und Multiperspektivit\u00e4t \u2013 und der Sinn des Alten Testaments\u201c (233\u2013249),<\/li>\n<li>\u201e,Lob der Religion als eines bildenden Sprachgeistes.\u2018 Theologische Implikationen der Hermeneutik Schleiermachers\u201c (277\u2013290) plus einem Nachwort (291),<\/li>\n<li>\u201eWas soll die These: Das Alte Testament hat in der Kirche keine kanonische Geltung?\u201c (295\u2013310),<\/li>\n<li>\u201eZur gegenw\u00e4rtigen Debatte um das Alte Testament\u201c (311\u2013325),<\/li>\n<li>\u201eWas ist das \u201aNeue\u2018 am \u201aNeuen Testament\u2018 und am Christentum?\u201c (326\u2013330),<\/li>\n<li>\u201eDie Predigt \u00fcber das Alte Testament\u201c (331\u2013336),<\/li>\n<li>\u201eWege, Holzwege und Abwege im Umgang mit den Landverhei\u00dfungen\u201c (422\u2013437),<\/li>\n<li>(in Teilen) \u201eDie trennende Kraft einer gemeinsamen Tradition\u201c (438\u2013463) sowie<\/li>\n<li>\u201eZur Verst\u00e4ndigung \u00fcber die Trinit\u00e4tslehre im christlich-j\u00fcdischen Dialog\u201c (485\u2013504).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Erg\u00e4nzt werden diese Beitr\u00e4ge durch Einf\u00fchrungen oder kurzen einleitenden Bemerkungen wie<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eEinleitung\u201c (in das gesamte Buch; 21\u201325),<\/li>\n<li>\u201eEinleitung: Eine facettenreiche Fragestellung\u201c (29\u201339),<\/li>\n<li>\u201eHilfe f\u00fcr eilige Leserinnen und Leser zum Ausl\u00f6ser der Debatte\u201c (40\u201348).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Au\u00dferdem bereichern vertiefende Reflexionen, Reaktionen, Meditationen und Predigten diese Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<ul>\n<li>\u201eLuther und das Alte Testament\u201c (217\u2013232),<\/li>\n<li>\u201eAltes und neues. Bemerkungen zur Hermeneutik im Ausgang von Anfragen von Friedhelm Hartenstein\u201c (250\u2013276),<\/li>\n<li>\u201eMeditationen und Predigten\u201c (337\u2013417),<\/li>\n<li>\u201e,Rechtfertigungslehre\u2018 \u2013 Reformulierung im Licht des christlich-j\u00fcdischen Dialogs\u201c (464\u2013484),<\/li>\n<li>\u201eEpilog\u201c (505\u2013506).<\/li>\n<\/ul>\n<p>Slenczka unterscheidet in seiner Zusammenstellung und Anordnung einen fachwissenschaftlichen Teil (29\u2013292), allgemeinverst\u00e4ndliche Darstellungen (293\u2013336), Meditationen und Predigten (337\u2013418) und \u201eBeitr\u00e4ge zur christlichen Verst\u00e4ndigung \u00fcber das Verh\u00e4ltnis zum Judentum\u201c (419\u2013504). Wahrscheinlich kann man den bislang unver\u00f6ffentlichten Beitrag \u201eKlarstellungen, Vertiefungen und Erl\u00e4uterungen \u2013 das Alte Testament und die Kirchen\u201c (85\u2013216) als ein Kernst\u00fcck des vorliegenden Buches beschreiben.<\/p>\n<p><em>Mit dieser Zusammenstellung gelingt es Slenczka die Debatte darzustellen und insbesondere durch seine Reaktionen in den erg\u00e4nzenden Beitr\u00e4gen und k\u00fcrzeren Bemerkungen sowie durch seine Predigten und Meditationen wichtige Aspekte nachvollziehbar zu pr\u00e4sentieren<\/em>. Bei alledem legt er gro\u00dfen Wert sowohl auf seine grunds\u00e4tzliche Lern- und Korrekturbereitschaft als auch darauf, dass er bisher keine zwingenden Grund gefunden hat, seine \u201ePosition wesentlich zu revidieren\u201c (23). Slenczkas \u201eFrage ist nun einfach diese: Was geschieht und welche Folgen hat es, wenn die protestantischen Kirchen und Theologen, \u2026 diese \u00dcberzeugung, dass auch das Alte Testament das Evangelium von Jesus Christus verk\u00fcndigt, aufgeben und unter dem Vorzeichen der Kanonizit\u00e4t von einer Verbindlichkeit des Alten Testaments sprechen\u2026\u201c (159). Die Frage der Kanonizit\u00e4t alttestamentlicher Texte wird damit ebenso thematisiert wie hermeneutische Herausforderungen, die damit verbunden sind. Slenczka spricht von einem klaren \u201e\u00dcber- und Unterordnungsverh\u00e4ltnis\u201c von AT und NT, denn die Autorit\u00e4t alttestamentlicher Texte steht \u201eunter dem Vorbehalt des Christuszeugnisses des Neuen Testaments\u201c (23). Seine Position besteht darin, alttestamentliche Texte \u00e4hnlich zu behandeln wie es Luther f\u00fcr die apokryphe Schriften in Unterscheidung von kanonischen Texten vorschlug.<\/p>\n<p>Eine kompakte Version wichtiger Aspekte seiner Position kann man beispielsweise auf S.\u00a0464ff finden oder aber eine allgemeinverst\u00e4ndliche Darstellung auf S.\u00a0295\u2013310. Im Zuge der Reflexion dieser (An-) Frage beleuchtet Slenczka von verschiedenen Seiten die Frage, was \u201eneu\u201c am Neuen Testament ist \u2013 eine Frage, mit der Christen wohl nie \u201efertig\u201c werden. Dabei stehen in einer lutherischen Pr\u00e4gung \u2013 und nicht nur dort \u2013 wichtige Aspekte der verschiedenen <em>sola<\/em> im Blickpunkt des Interesses. Es geht Slenczka nicht in erster Linie um Moral oder menschliches Handeln (auch wenn die Rede vom Gewissen eine bedeutsame Rolle bei ihm spielt), sondern die Gotteserfahrung steht im Zentrum. Und wenn nun \u2013 so referiert und rezipiert der Verfasser \u2013 das AT nicht \u201emehr\u201c von Christus redet (wie es lange Zeit die \u00dcberzeugung war, nun aber nicht aber als Mehrheitsmeinung gelten kann), dann sind alttestamentliche Texte nicht von derselben normativen oder kanonischen Qualit\u00e4t wie neutestamentliche: \u201eDie Neubestimmung der Gotteserfahrung formuliert das Neue Testament, das in diesem Sinne die Relekt\u00fcre des Alten Testaments und der vor- und au\u00dferchristlichen Gotteserfahrung unter dem Eindruck der Neubestimmung Gottes in der Begegnung mit Jesus von Nazareth ist\u201c (504). Au\u00dferdem setzt er sich mit weit verbreiteten \u00dcberzeugungen hinsichtlich Israels auseinander. Unter Verweis auf Marquardt kritisiert er beispielsweise, \u201edass genau diese Selbstintegration in den Israelbund eine geradezu unglaubliche Anma\u00dfung und Zumutung gegen\u00fcber dem j\u00fcdischen Volk und dem Selbstverst\u00e4ndnis seiner Sonderexistenz bedeutet \u2013 die Leugnung eben dieser Sonderexistenz\u201c (454). Er will also Israel \u201estehen lassen\u201c und es nicht einfach in (s)eine \u201etheologische Welt\u201c im Zuge einer Deutungshoheit einbauen.<\/p>\n<p>Mit der Dokumentation und den einf\u00fchrenden Bemerkungen werden nicht nur Slenczkas Argumentationen nachvollziehbar, sondern auch viele Aspekte der \u201eAuseinandersetzung\u201c mit ihm und seinen Thesen. Diese Nachvollziehbarkeit ist dabei m.\u00a0E. ein hoher Wert und ein Kennzeichen wissenschaftlicher Debatten. Das m\u00f6gen manche in der Hitze des Gefechtes vergessen haben. Vieles provoziert bei Slenczka. Das ist sicherlich so. Aber er ringt \u2013 nach allem, was man sagen kann \u2013 aufrichtig um eine angemessene Beschreibung des Verh\u00e4ltnisses von Judentum und Christentum, der beiden Traditionen und deren Umgang mit dem AT:<\/p>\n<p>\u201eDieses Verh\u00e4ltnis von Einheit und Differenz formuliert die christliche Trinit\u00e4tslehre in un\u00fcberbietbar offener Ehrlichkeit \u2013 und ich pers\u00f6nlich halte offene Ehrlichkeit f\u00fcr eine Tugend, die das zwischenmenschliche Miteinander nicht nur erleichtert, sondern allererst erm\u00f6glicht\u201c (503).<\/p>\n<p><em>Dem stimme ich uneingeschr\u00e4nkt zu<\/em>. Differenz ist wichtig und keine Gefahr f\u00fcr ein gutes Miteinander. Slenczka mag zu Recht die Frage aufwerfen, warum \u201eidentit\u00e4tsstiftende Differenzerz\u00e4hlungen\u201c (261) nicht gesch\u00e4tzt, sondern dekonstruiert und delegitimiert werden. Differenz ist kein Problem, religi\u00f6ser Pluralismus ist \u201en\u00e4mlich nicht das Zusammenleben des Kompatiblen, sondern das friedliche Zusammenleben unvereinbarer \u00dcberzeugungen\u201c (460). Es lohnt sich dieser Erinnerung nachzudenken, auch und gerade f\u00fcr die vorliegende Debatte.<\/p>\n<p>Slenczkas Argumentationen werfen viele Fragen auf. Alleine deswegen lohnt es sich, dieses Buch zu studieren. Egal, ob man sich nun der Position Slenczaks (teilweise) anschlie\u00dft oder nicht. Er ist ein wertvoller und ernst zu nehmender Gespr\u00e4chspartner. In diesem Sinne sind auch die folgenden Gedanken und Fragen zu verstehen. Liegt bei Slenczka nicht vielfach eine weichenstellende \u2013 und ich w\u00fcrde meinen irref\u00fchrende \u2013 Voraussetzung vor, als ob von einem \u201eNeuen\u201c, seinem Wesen und die Unterscheidung vom Alten nur vom Neuen her gedacht und gesprochen werden kann? Wenn allerdings alttestamentliche Texte immer wieder darauf hinweisen, dass (noch einmal) etwas Neues geschehen muss und wird, begreifen sie das Neue auf irgendeine Art und Weise als Fortsetzung des Alten. Wenigstens kann das Neue dann nicht ausschlie\u00dflich und auch nicht prim\u00e4r vom Widerspruch oder von der Diskontinuit\u00e4t her gedacht werden. Das gilt insbesondere dann, wenn im AT selbst manche Ver\u00e4nderungen in theologischer Hinsicht dokumentiert werden. Immer wieder hatte ich bei der Lekt\u00fcre den Eindruck, dass f\u00fcr Slenczka das AT in seiner (sprachlichen) Form f\u00fcr das NT relevant ist, aber das praktisch keine inhaltlichen Auswirkungen f\u00fcr neutestamentliche Schriften hat. \u201eEs geht um die Aufmerksamkeit auf die Neustrukturierung eines Sprachraums, der sich mit der Verk\u00fcndigung Jesu als des Christus vollzieht\u201c (291). Als ob man Form von Inhalt so einfach trennen k\u00f6nnte. Das hat Slenczka nicht behauptet und w\u00fcrde es wohl nie tun. Seine Position scheint das aber bisweilen nahezulegen.<\/p>\n<p>Warum muss die Rechtfertigungslehre einen Widerspruch zwischen dem Glauben an Jesus Christus und dem Werk des Gesetzes voraussetzen?\u00a0Das wird bei ihm zur Folie f\u00fcr die gesamte Kirchengeschichte (466). Aber ist das sowohl exegetisch wie auch systematisch-theologisch zwingend? Als Alttestamentler w\u00fcrde ich vor allem fragen: Ist das den alttestamentlichen Quellen angemessen? In der Auslegungsgeschichte war es die Regel: Aber kann man noch andere Weg denken und gehen? Damit wird \u2013 meiner Ansicht nach \u2013 eine Schw\u00e4che der Position Slenczkas deutlich. Es entsteht der Eindruck, dass es neben dem spannungsreichen Ist-Zustand und Slenczkas Reaktion keinen dritten (oder vielleicht vierten) Weg gibt. Vielleicht ist es aber auch schlicht die Einladung, seine Argumentation mit ihren Voraussetzungen und Folgen aufmerksam wahrzunehmen und andere Wege aufzuzeigen.<\/p>\n<p>Slenczkas Ausf\u00fchrungen zur Normativit\u00e4t (125ff) sind ein wichtiger Aspekt seiner Position. Er schlussfolgert:\u00a0\u201eVielmehr h\u00e4ngt die Kanonizit\u00e4t der Schrift nach protestantischem Verst\u00e4ndnis daran, dass die Schrift Jesus von Nazareth so verk\u00fcndigt, dass diese Person f\u00fcr den Leser bzw. den H\u00f6rer zum Lebensgrund werden. Die Kanonizit\u00e4t der Schrift h\u00e4ngt also an der ihr unterstellten performativen Intention, die sich ausschlie\u00dflich im Kontakt mit ihr erschlie\u00dft: indem man sie liest und von dieser Intention (dem Evangelium) erfasst wird\u201c (138). Dabei lehnt er \u201edie Normfunktion der Schrift\u201c als \u201eVermitteln gegenst\u00e4ndlich wahrer Einsichten und propositionaler Wahrheitsanspr\u00fcche\u201c ab (137). Auch hier gilt: ist dies ein angemessenes Entweder-oder? Sollte eine performative Intention dieses ausschlie\u00dfen? Oder kann man normative Anspr\u00fcche auch noch anders beschreiben, als sie auf \u201egegenst\u00e4ndlich wahre Einsichten\u201c oder \u201epropositionale Wahrheitsanspr\u00fcche\u201c zu reduzieren?<\/p>\n<p>Die Differenz zwischen dem Neuen und dem Alten bestimmt Slenczka wesentlich von der Gotteserfahrung her. Er betont die Umdeutung \u2013 ich frage mich dabei, wie man dann mit Hebr 1,1\u20132a umgehen kann und soll. Dieser neutestamentliche Verfasser fasst wohl beides unter dem einen Gedanken des Redens Gottes zusammen. Bei aller Differenz, die in Hebr 1,1\u20134 auch deutlich wird, scheint Kontinuit\u00e4t das tragende Element dieser Ausf\u00fchrungen. Wie w\u00fcrden sich manche Gedankeng\u00e4nge gestalten, wenn man Paulusbriefe oder Luthers \u00dcberzeugungen von diesen Versen her versteht?<\/p>\n<p>Beachtenswert sind auch Slenczkas Gedanken zum Predigen \u00fcber alttestamentliche Texte. Er legt dabei nicht nur seine Praxis offen, sondern betont auch, dass er gerne \u00fcber diese Texte predigt. Dabei scheint ihm eines besonders wichtig zu sein, n\u00e4mlich diese Texte \u201eentspannt und angemessen und ohne \u00dcbergriffigkeiten\u201c zu predigen (25). Hier finde ich mich uneingeschr\u00e4nkt wieder. Allerdings wirft das die Fragen nach der Angemessenheit und \u00dcbergriffigkeiten auf. Wie werden hier die Kriterien ausgew\u00e4hlt, um dies zu bestimmen? Welches sind sie? Slenczka w\u00fcrde wohl christologische Kriterien anf\u00fchren, was aber sicherlich noch zu spezifizieren w\u00e4re.<\/p>\n<p>Die Dynamik der Debatte um Slenczkas These zu bedenken ist vielleicht ebenso lehrreich wie die inhaltlichen Thesen zu reflektieren. \u201eDie Zeiten, in denen den aus welchen Gr\u00fcnden auch immer unliebsamen Positionen der H\u00e4retikerprozess gemacht wird, sind auch in der protestantischen Theologie und in den evangelischen Kirchen eine Vergangenheit,\u201c res\u00fcmiert Slenczka im Vorwort. Dies sollte alle aufr\u00fctteln, die sich auf die Fragestellung und die Debatte einlassen. Und so ist Slenczka f\u00fcr seine Konsequenz, seine Lernbereitschaf und seine Klarheit zu danken. Und ich stimme ihm uneingeschr\u00e4nkt zu: \u201eFalls mein Beitrag auch sonst zu gar nichts gut sein sollte (was ich nicht glaube), dann sollte er doch wenigstens ein Anlass sein, dass die Kirchen nicht nur auf der Leerformel einer ,Kanonizit\u00e4t des Alten Testaments\u2018 bestehen, sondern Auskunft dar\u00fcber geben, was sie sich unter der Kanonizit\u00e4t, das hei\u00dft: unter der in den Grundordnungen festgeschriebenen Bindung an die Schrift vorstellen\u201c (35). Der Wert von Slenczkas Position besteht schlie\u00dflich nicht zuletzt darin, dass er manches zu Ende denkt, querdenkt und von einer anderen Seite her beleuchtet als viele es tun. An manchen Stellen kann man davon sprechen, dass er manchen Positionen \u201eeinfach\u201c einen Spiegel vorh\u00e4lt. Das ist sicherlich nicht immer angenehm. Das kann aber im akademischen Diskurs kaum als Schw\u00e4che gewertet werden. Nicht zuletzt ist es meines Erachtens ein grundlegender Wert wissenschaftlicher Arbeit. Nach meinem Eindruck geschieht diese Auseinandersetzung auch in und aufgrund einer Sorge um den Protestantismus, den Slenczka in einer tiefen Krise sieht (325). Slenczkas Nachdenken scheint dabei von dem Anliegen getragen, etwas konsequent und nachvollziehbar zu bedenken und darzustellen (vgl. auch seine Bemerkungen mit rezeptionshermeneutischen Ans\u00e4tzen auf S. 33). Dies ist sicherlich sehr wichtig und hilfreich und eine besondere St\u00e4rke seiner Position. Vielleicht aber auch eine Schw\u00e4che, weil vieles in ein \u201eSystem\u201c passen \u201emuss\u201c. Aber vielleicht gibt es das eine ohne das andere nicht. Wie so oft im (theologischen) Leben.<\/p>\n<p><em>Zuletzt, der Wert akademischer Arbeit bestimmt sich vielleicht weniger durch den Applaus oder die Zustimmung, die man erh\u00e4lt. Vielmehr ist Differenz n\u00f6tig, um wichtige Aspekte einer Fragestellung differenziert und angemessen zu beleuchten. Egal, wie man sich zu Slenczkas Position verortet, dies ist ihm gelungen. Daf\u00fcr ist ihm ausdr\u00fccklich zu danken<\/em>.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Heiko Wenzel, Ph.D. (Wheaton College), Professor f\u00fcr Altes Testament an der FTH Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Notger Slenczka: Vom Alten Testament und vom Neuen. Beitr\u00e4ge zur Neuvermessung ihres Verh\u00e4ltnisses, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2017, 506\u00a0S., \u20ac 44,\u2013,<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":520,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-519","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/519","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=519"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/519\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":521,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/519\/revisions\/521"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/520"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=519"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=519"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=519"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}