{"id":522,"date":"2018-04-11T11:26:35","date_gmt":"2018-04-11T11:26:35","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=522"},"modified":"2018-04-11T11:26:35","modified_gmt":"2018-04-11T11:26:35","slug":"friedhelm-hartenstein-die-bleibende-bedeutung-des-alten-testaments","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=522","title":{"rendered":"Friedhelm Hartenstein: Die bleibende Bedeutung des Alten Testaments"},"content":{"rendered":"<p>Friedhelm Hartenstein: <em>Die bleibende Bedeutung des Alten Testaments. Studien zur Relevanz des ersten Kanonteils f\u00fcr Theologie und Kirche<\/em>, Biblisch-theologische Studien 165, G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2017, viii+310\u00a0S., \u20ac\u00a050,\u2013, <a href=\"http:\/\/www.v-r.de\/de\/die_bleibende_bedeutung_des_alten_testaments\/t-0\/1088408\/\">ISBN 978-3-7887-3047-5<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Wenzel_Hartenstein.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Diese Aufsatzsammlung f\u00fchrt in wichtige Fragen der Hermeneutik, Exegese und in \u00dcberlegungen zu einer \u201eTheologie des Alten Testaments\u201c ein. Das besondere Anliegen ist es, die bleibende Bedeutung des ATs herauszustellen, was dem Verfasser auf vielf\u00e4ltige Weise mit diesen Beitr\u00e4gen gelingt, die alle zwischen 2012 und 2016 bereits ver\u00f6ffentlicht wurden. Sie sammeln sich unter drei \u00dcberschriften: \u201eTheologie des Alten Testaments als Aufgabe christlicher Theologie\u201c (13ff), \u201eZur Spannung zwischen Religionsgeschichte und Theologie\u201c (129ff) und \u201eZu einem neuen Konzept einer Theologie des Alten Testaments\u201c (197ff). Der Entwurf einer \u201eTheologie des Alten Testaments\u201c und seine Notwendigkeit werden bei einigen Beitr\u00e4gen explizit thematisiert: \u201eWeshalb braucht die christliche Theologie eine Theologie des Alten Testaments?\u201c (15\u201353), \u201eJHWHs Wesen im Wandel. Vor\u00fcberlegungen zu einer Theologie des Alten Testaments\u201c (199\u2013228) und \u201ePersonalit\u00e4t Gottes im Alten Testament\u201c (229\u2013267). F\u00fcr den letztgenannten Aufsatz gilt das vor allem deswegen, weil Hartenstein JHWH als Mitte des ATs beschreibt. Zwei Beitr\u00e4ge behandeln wichtige (Vor-)\u00dcberlegungen f\u00fcr solch ein Projekt: \u201eAutorit\u00e4t der Religionsgeschichte \u2013 Polyphonie der Theologien?\u201c (131\u2013161) und \u201eDie Anf\u00e4nge JHWHs und die \u201aSehnsucht nach dem Ursprung\u2018. Eine geschichtshermeneutische Problemanzeige\u201c (163\u2013196). Andere Aufs\u00e4tze setzen sich mit wichtigen theologischen Fragestellungen auseinander, die bei der Beschreibung einer AT-Theologie von Bedeutung sind: \u201eEin zorniger und gewaltt\u00e4tiger Gott? Zorn Gottes, \u201aRachepsalmen\u2018 und \u201aOpferung Isaaks\u2018 \u2013 neuere Forschungen\u201c (79\u2013104), \u201eNeutestamentliche Hermeneutik aus alttestamentlicher Sicht. Theologische Anmerkungen zum Entwurf von Ulrich Luz\u201c (105\u2013128) und \u201eWunder im Alten Testament. Zur theologischen Begrifflichkeit f\u00fcr das Au\u00dferordentliche in der Hebr\u00e4ischen Bibel (<em>pl\u2018, p\u00e4l\u00e4\u2018 <\/em>und <em>nifla\u2019ot<\/em>)\u201c (269\u2013307). Der Beitrag \u201eZur Bedeutung des Alten Testaments f\u00fcr die evangelische Kirche. Eine Auseinandersetzung mit den Thesen von Notger Slenczka\u201c (55\u201378) verweist u.\u00a0a. auf einen Anlass f\u00fcr diese Aufsatzsammlung. Die vielf\u00e4ltigen Perspektiven und Fragestellungen sind eine Bereicherung f\u00fcr die Diskussion und f\u00fcr alle m.\u00a0E. unumg\u00e4nglich, die vergleichbare Themen behandeln.<\/p>\n<p>Ich kann Hartenstein an vielen Stellen folgen. Nicht zuletzt in einem seiner wesentlichen Anliegen, n\u00e4mlich die Fragestellung einer \u201eTheologie des Alten Testaments\u201c als Aufgabe anzunehmen, neue Wege zu suchen, wie diese ausgef\u00fchrt werden kann und in ihrer Durchf\u00fchrung den \u201eMehrwert\u201c des ATs sowie die Notwendigkeit der Fragestellung an sich \u00fcberzeugend darzulegen. Die grundlegende Beobachtung besteht darin, dass die Verfasser neutestamentlicher Schriften \u201edurchgehend\u201c die \u201e<em>Identit\u00e4t des Gottes JHWH mit dem Gott Jesu Christi<\/em>\u201c (26) voraussetzen. Dieser theologische und hermeneutische Ausgangspunkt schl\u00e4gt sich in seinem Aufriss f\u00fcr eine AT-Theologie nieder, die von JHWH als die Mitte des ATs ausgeht. Unter den \u00dcberschriften \u201eBeharrendes im Wandel: Langzeitige Charakteristika JHWHs\u201c, \u201eDynamisches im Wandel: Wachsende Einsichten in die Identit\u00e4t JHWHs\u201c und \u201eEinzigkeit und Zukunftsoffenheit: Die unabgeschlossene Geschichte JHWHs\u201c will er das in drei Gedankenkreisen entfalten (51, Anm. 88). Hartenstein versucht dabei einen Weg zwischen historischer Relativierung und Infragestellung theologischer Relevanz unter zur Hilfenahme der heuristischen Metapher \u201eZeugnis\u201c zu weisen.\u00a0 Eine AT-Theologie begreift Hartenstein als \u201eGesamtsinn\u201c des ATs, dem man sich mit einem \u201eNachdenken \u00fcber die in ihm enthaltene offene Geschichte JHWHs mit Israel, der Menschheit und der Welt\u201c (34) nur ann\u00e4hern kann. Er will damit auch einen Entwurf vorlegen, der weder die Bedeutung des ATs f\u00fcr das Christentum herunterspielt noch von einem Autorit\u00e4tsverst\u00e4ndnis ausgeht, welche die Bibel \u201eals hypostasiertes \u201aWort Gottes\u2018 oder als \u201aLehre\u2018, die auf Gehorsam zielt\u201c sieht (35).<\/p>\n<p>In Weiterf\u00fchrung seiner Habilitationsschrift <em>Das Angesicht JHWHs. Studien zu seinem h\u00f6fischen und kultischen Bedeutungshintergrund in den Psalmen und im Exodus 32\u201334 <\/em>(T\u00fcbingen 2008) entwickelt Hartenstein mit dem Beitrag \u201ePersonalit\u00e4t Gottes im Alten Testament\u201c bedenkenswerte Aspekte, die Interesse an einer weiteren Ausgestaltung wecken. Nicht zuletzt die \u00dcberlegungen zur Personalit\u00e4t Gottes als Grenzausdruck verdienen Aufmerksamkeit. Die Aussage \u201eDer wachsenden Einsicht in die Identit\u00e4t Gottes entspricht die zunehmende Betonung seiner Transzendenz\u201c (258) fasst wichtige Gedanken einer religions- und theologiegeschichtlichen Entwicklung zusammen, wie sie Hartenstein anhand einiger Beispiele und wegweisenden Thesen formuliert.<\/p>\n<p>Mit dem Beitrag \u201eWunder im Alten Testament. Zur theologischen Begrifflichkeit f\u00fcr das Au\u00dferordentliche in der Hebr\u00e4ischen Bibel (<em>pl\u2018<\/em>,<em> p\u00e4l\u00e4\u2018 <\/em>und <em>nifla\u2019ot<\/em>)\u201c will Hartenstein den Begriff des Wunders vom Alten Testament her beleuchten, um ihn \u201eweder rationalistisch noch supranaturalistisch zu verengen\u201c (270). Im Anschluss an Paul Veynes <em>Glaubten die Griechen an ihre Mythen? Ein Versuch \u00fcber die konstitutive Einbildungskraft <\/em>und Gottfried Quells \u201eDas Ph\u00e4nomen des Wunders im Alten Testament\u201c stellt er heraus, dass diese Frage wenig diskutiert wird und dass Wunder (dennoch) eine \u201ezentrale Kategorie biblischer Gotteserfahrung\u201c (276) sind. Da aber die Definition von Wunder als \u201eDurchbrechung der naturwissenschaftlichen Kausalit\u00e4ten \u2026. weder die Aussageform noch Inhalte und Aussageabsicht\u201c trifft, sucht er nach anderen Wegen. Vor allem formuliert er auf treffende Weise die Bedeutung der Frage. Hier geht es nicht nur um das Verst\u00e4ndnis von Wunder, sondern auch um das Thema Offenbarung und um das Selbstverst\u00e4ndnis von Theologie. Es ist deswegen nicht nur geboten und wertvoll, dass Hartenstein sich dieser Frage stellt. Ihm gelingt das auf eine Art und Weise, die zum Weiterdenken anregt und zur konstruktiven Auseinandersetzung einl\u00e4dt. Beispielsweise kommt mir die Reflexion, was im Alten Orient als Wunder oder \u201ewunderhaft\u201c angesehen wurde, etwas kurz.<\/p>\n<p>Wenn ich die \u201eDiskussion\u201c zwischen Hartenstein und Slenczka richtig verstanden habe, so spielt die Frage, ob mit Blick auf das AT von einem \u201eMehrwert\u201c gesprochen werden kann, eine wesentliche Rolle. Nach Hartenstein ist das AT eine Gabe und Aufgabe, die der Theologie (historisch und hermeneutisch) vor- und aufgegeben ist (18). Er anerkennt die Herausforderungen und \u00fcberschneidet sich teilweise mit Slenczkas Analyse der aktuellen Ausgangslage, z.\u00a0B. dass man von einer verbreiteten Fremdheit und z.\u00a0T. Unkenntnis mit Blick auf das AT ausgehen muss. Hartenstein nimmt diese Aufgabe an und will sie konstruktiv sowie zukunftsweisend (im Bewusstseins des Umgangs mit dem AT in der Vergangenheit) angehen. Damit stellt er sich in Person, vielen Anfragen, die durch Slenczka thematisiert wurden. Kurzum, nach der Debatte um Slenczkas Thesen sieht er die Zeit, \u201edie sachliche Diskussion fortzuf\u00fchren und das Thema weiter auf der Agenda zu halten. Es sollte als Ansto\u00df zu einer erneuten Grundlagenbesinnung ernst genommen werden\u201c (2). Damit tr\u00e4gt er wesentlichen Anliegen Slenczkas Rechnung (sachliche Diskussion und Grundlagenbesinnung). Insofern kann man hoffen, dass die Debatte manche Fragestellung angemessen in den Blickpunkt des Interesses r\u00fcckt. Vielleicht gibt die Debatte weiteren Anlass systematisch-theologisches, alttestamentlich-theologisches und exegetisches Denken vermehrt ins Gespr\u00e4ch miteinander zu bringen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Heiko Wenzel, Ph.D. (Wheaton College), Professor f\u00fcr Altes Testament an der FTH Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedhelm Hartenstein: Die bleibende Bedeutung des Alten Testaments. Studien zur Relevanz des ersten Kanonteils f\u00fcr Theologie und Kirche, Biblisch-theologische Studien<\/p>\n","protected":false},"author":8,"featured_media":523,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-522","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/522","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/8"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=522"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/522\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":524,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/522\/revisions\/524"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/523"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=522"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=522"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=522"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}