{"id":532,"date":"2018-04-11T13:23:28","date_gmt":"2018-04-11T13:23:28","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=532"},"modified":"2018-04-11T13:23:28","modified_gmt":"2018-04-11T13:23:28","slug":"thorsten-dietz-suende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=532","title":{"rendered":"Thorsten Dietz: S\u00fcnde"},"content":{"rendered":"<p>Thorsten Dietz: <em>S\u00fcnde. Was Menschen heute von Gott trennt<\/em>, Witten: SCM R. Brockhaus, 2016, geb., 220\u00a0S., \u20ac\u00a016,95, <a href=\"https:\/\/www.scm-shop.de\/suende.html\">ISBN 978-3-417-26784-6<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Stuhlhofer_Dietz.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Thorsten Dietz ist Professor f\u00fcr Systematische Theologie an der Evangelischen Hochschule Tabor in Marburg. Er studierte Theologie in M\u00fcnster, T\u00fcbingen und Marburg (wo er promovierte und sich habilitierte). Sein Buch \u00fcber S\u00fcnde schrieb er \u201ein erster Linie f\u00fcr Christen\u201c (5); denn mitunter sp\u00fcren Christen, dass sie das Thema S\u00fcnde \u201enicht mehr gut erkl\u00e4ren k\u00f6nnen\u201c (5). Dabei vermisse ich in seinem Buch allerdings eine Zusammenfassung, d.h. die vielen angeschnittenen Einzelaspekte werden nicht geb\u00fcndelt zu zentralen Antworten, die der christliche Leser nun aufgreifen k\u00f6nnte f\u00fcr Gespr\u00e4che mit Andersdenkenden, etwa \u00fcber die Frage \u201eWas Menschen heute von Gott trennt\u201c (so der Untertitel). Der Hauptteil des Buches besteht aus sieben Kapiteln (3 bis 9), in denen Dietz sieben Zug\u00e4nge zum S\u00fcndhaften darlegt und diese \u00fcberschreibt mit: <em>blind, hart, s\u00fcchtig, selbstlos, reich, sicher <\/em>und<em> tr\u00e4ge,<\/em> laut Dietz \u201esieben neue S\u00fcnden, neu im Sinne von neu verstanden\u201c (7). Diese \u201esieben S\u00fcnden\u201c behandelt Dietz nacheinander, ohne sie in ein Konzept einzuordnen (wie es in einer Einleitung oder einer Zusammenfassung geschehen k\u00f6nnte). Immerhin einen Ansatz zu einer solchen Zusammenschau bietet Dietz in seiner \u201eZwischenbetrachtung\u201c (131f). Leider gibt es auch kein Sach- oder Bibelstellenregister.<\/p>\n<p>Der Stil des Werks ist allgemeinverst\u00e4ndlich, mitunter salopp, etwa: \u201ewir alle wissen, dass man sich nie und nimmer im Nachhinein dadurch rausreden kann, dass man doch nichts f\u00fcr seine eigene M\u00fcdigkeit k\u00f6nne\u201c (46), oder: \u201eNa klar, man kann mit einem Smartphone N\u00e4gel in die Wand schlagen\u201c (47). Dennoch, und trotz kurzer S\u00e4tze, ist das Nachvollziehen der Gedankeng\u00e4nge oft anspruchsvoll; mitunter wird die Geduld des Lesers auf die Probe gestellt, indem Dietz zuerst eine gute Frage darlegt und den (manchmal vergeblich) auf eine Antwort Wartenden auf eine Umleitung \u00fcber diverse Zitate aus Filmen f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Als Beispiel daf\u00fcr, wie Dietz sich mit Andeutungen \u2013 anstelle von nachvollziehbaren Antworten \u2013 begn\u00fcgt, zitiere ich den letzten Absatz des Buches: \u201eAlles kommt zu seinem Ende. Auch die S\u00fcnde. Das ist ein Glaubenssatz. Ein Satz, der mehr verspricht, als unsere allt\u00e4gliche Lebenserfahrung beglaubigen kann. Es ist der Satz von Menschen, die bei diesem Jesus von Nazareth auf eine Spur gesto\u00dfen sind. Eine Spur, die nach drau\u00dfen f\u00fchrt, raus aus dem Ozean menschlicher S\u00fcnde und Verlorenheit. Heraus aus aller Verstrickung, heraus aus den Gr\u00e4bern der Verzweiflung, heraus aus dem Tod. Es ist nur eine Spur, aber sie ist ein Versprechen auf mehr, auf Neues und Ungeheures, und genau so etwas suche ich als Entdeckungsreisender \u2026\u201c (210). Ich meine aber, dass Gott uns durch seine biblische Offenbarung weit mehr gibt als nur eine Spur als Anhaltspunkt bei der weiteren Suche.<\/p>\n<p>Eine besondere St\u00e4rke von Dietz liegt in seiner gro\u00dfen Vertrautheit mit der modernen Kultur. Er verweist auf Filme und Literatur, um bestimmte Ansichten und Empfindungen moderner Menschen zu veranschaulichen. So zitiert er z.\u00a0B. aus dem Gedicht \u201eMenschen getroffen\u201c, das Gottfried Benn am Ende seines Lebens schrieb, folgenden Satz: \u201eIch habe mich oft gefragt und keine Antwort gefunden, woher das Sanfte und das Gute kommt, wei\u00df es auch heute nicht und muss nun gehen\u201c (203). Solche Bez\u00fcge zur modernen Kultur k\u00f6nnten eine Br\u00fccke schlagen f\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit Menschen, die keine Christen sind. Solche Bez\u00fcge stimmen teilweise mit biblischen Einsichten \u00fcberein, sie weisen jedoch oft in andere Richtungen, etwa in eine esoterische. So beispielsweise im letzten Unterkapitel, \u00fcberschrieben mit \u201eErl\u00f6sung\u201c (208\u2013210). Den letzten Absatz dieses Unterkapitels zitierte ich bereits oben. Bibelzitate gibt es in diesem Unterkapitel nicht, aber sechs Zitate aus einem Gespr\u00e4ch zwischen Frodo und Sam (aus \u201eHerr der Ringe\u201c), mit Hoffnungen wie der folgenden: \u201eEin neuer Tag wird kommen und wenn die Sonne scheint, wird sie umso heller scheinen\u201c (209). Das klingt eher nach einer allgemein-menschlichen Hoffnung als nach der christlichen. Dietz verweist auf die Evangelien, die seines Erachtens eine Geschichte erz\u00e4hlen, die Bedeutung\/Sinn hat: \u201eWoher kommt ein solcher Sinn? Offenbar aus der Begegnung mit etwas, was sich abhebt von allem einerlei\u201c (210). Geht es nur um eine \u201eBegegnung mit etwas\u201c, oder um eine Begegnung mit einer Person, mit Gott selbst?<\/p>\n<p>An manchen Stellen erscheint mir das Buch nicht ganz ausgereift, etwa wenn Dietz schreibt: \u201eEs geh\u00f6rt zu den grundlegenden Einsichten moderner Theologie, dass S\u00fcnde nur im Lichte ihrer \u00dcberwindung in den Blick geraten kann\u201c (47). Dann aber scheint Dietz selbst dieser Einsicht zu widersprechen \u2013 leider nur in einer Anmerkung (\u201eEndnote\u201c) am Ende des Buches: \u201eWie will man S\u00fcnde von der Vergebung her beschreiben, ohne beim Thema Vergebung einen vorl\u00e4ufigen Begriff dessen zu haben, was vergeben werden soll?\u201c (213).<\/p>\n<p>Dietz konzentriert sich bei der Betrachtung von S\u00fcnde auf den menschlichen Bereich; S\u00fcnde ist f\u00fcr ihn \u201edie gro\u00dfe Verkehrung unseres Lebens\u201c, woraus folgt: \u201eSo verfehlen wir Gott, indem wir uns selbst verfehlen\u201c (131). Wenn Begriffe wie \u201eGott\u201c oder \u201eNachfolge\u201c auftauchen, dann nur kurz (z.\u00a0B. 190), denn Dietz widmet sich vor allem der Entfaltung des individuellen Potentials und der Verbesserung des sozialen Miteinanders. Er bringt Tipps zur Lebensver\u00e4nderung, woran sich Hoffnungen kn\u00fcpfen wie: \u201eVielleicht werde ich ein wenig offener f\u00fcr die anderen\u201c (151). S\u00fcnde erscheint hier nur selten als schuldhafte Abwendung von Gott.<\/p>\n<p>Mich besch\u00e4ftigt beim Thema S\u00fcnde seit langem die Frage, wie einem Nichtchristen bewusst (gemacht) werden kann, (1) was S\u00fcnde mit ihm pers\u00f6nlich zu tun hat, (2) inwiefern seine S\u00fcnde so schwerwiegend ist, dass sie ihn von Gott trennt, und (3) dass zur Beseitigung dieser S\u00fcnde Jesus sterben musste (einen Antwortversuch pr\u00e4sentiere ich in meinem Buch <em>Warum es gut ist, Christ zu werden. Was es bringt und was es kostet,<\/em> N\u00fcrnberg: VTR, 2013, S. 36\u201356). Zum Aspekt (1) finde ich bei Dietz manche Anregungen, aber nicht zu den Aspekten (2) und (3).<\/p>\n<p>Dietz versucht in seinem Buch, nichtchristlichen Zeitgenossen neue, f\u00fcr sie nachvollziehbare Zug\u00e4nge zum Thema S\u00fcnde zu er\u00f6ffnen, und zieht dabei Aussagen moderner Literatur und Filme heran. Ich finde in seinem Buch gute Fragen, originelle Ans\u00e4tze, zahlreiche Andeutungen und Umschreibungen, aber keine komprimierte, auf die Bibel als g\u00f6ttliche Offenbarung gest\u00fctzte Beleuchtung dieses wichtigen Themas.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Franz Graf-Stuhlhofer, BSc., Prof. f\u00fcr freikirchliche Theologie an der Kirchlichen P\u00e4dagogischen Hochschule Wien\/Krems<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thorsten Dietz: S\u00fcnde. 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