{"id":538,"date":"2018-04-11T13:38:32","date_gmt":"2018-04-11T13:38:32","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=538"},"modified":"2018-04-11T13:38:44","modified_gmt":"2018-04-11T13:38:44","slug":"helmut-burkhardt-ethik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=538","title":{"rendered":"Helmut Burkhardt: Ethik"},"content":{"rendered":"<p>Helmut Burkhardt: <em>Ethik<\/em>. <em>Band III.<\/em> <em>Die bessere Gerechtigkeit. Spezifisch christliche Materialethik,<\/em> Gie\u00dfen: Brunnen, 2013, geb., 320\u00a0S., \u20ac\u00a029,95, <a href=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/ethik-band-iii.html\">ISBN 978-3-7655-9500-4<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Afflerbach_Burkhardt.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Mit diesem letzten Band hat Helmut Burkhardt, langj\u00e4hriger Dozent f\u00fcr Systematische Theologie am theologischen Seminar St. Chrischona, seine auf drei B\u00e4nde (vier B\u00fccher) angelegte Ethik abgeschlossen. F\u00fchrt er in Bd. I in die Ethik ein, indem er Grund und Norm sittlichen Handelns stichhaltig beschreibt, reflektiert er in Bd. II\/1 das gute Handeln in Religionsethik, Lebensethik und Sozialethik sowie in Bd. II\/2 in Sexualethik, Wirtschaftsethik, Umweltethik und Kulturethik. Hier in Bd. III nimmt er noch einmal ausf\u00fchrlich das spezifisch Christliche der christlichen Materialethik in den Fokus.<\/p>\n<p>Um diesen wichtigen Topos zu kl\u00e4ren, stellt Burkhardt in Hauptpunkt I. zuerst das <em>Problem<\/em> bzw. die Herausforderung einer spezifisch christlichen Ethik dar (1\u201327), leitet dann II. die <em>Normen<\/em> spezifisch christlicher Ethik aus dem Neuen Testament her (28\u2013148) und entfaltet in der zweiten H\u00e4lfte seines Buches III. die <em>Felder<\/em> spezifisch christlicher Ethik detailliert (149\u2013300). Das alles geschieht in der von Burkhardt bekannten stringenten Klarheit und Differenziertheit.<\/p>\n<p>Das Besondere der <em>christlichen<\/em> Ethik und die Frage, ob es \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, ein spezifisches Proprium christlicher Ethik im Unterschied zur allgemeinen (z.\u00a0B. humanistischen) oder andersreligi\u00f6sen (z.\u00a0B. islamischen oder buddhistischen) Ethik zu fordern, diskutiert Burkhardt kenntnisreich im ersten Teil. Er macht deutlich, dass diese Frage heute vielfach verneint wird (9\u201327). Dabei spricht er sich \u2013 entgegen des weithin anzutreffenden Trends in der christlichen Ethik (evangelischer- wie katholischerseits) \u2013 ausdr\u00fccklich <em>f\u00fcr<\/em> eine direkte Auswirkung des Evangeliums auf die christliche Lebensf\u00fchrung aus. Die im Neuen Testament in der Umkehr bezeugte Neuheit der \u201eexistentiellen Grundverfassung des Menschen\u201c f\u00fchrt konsequent zu einer Neuheit der \u201edaraus folgenden konkreten Lebensf\u00fchrung\u201c (20).<\/p>\n<p>Burkhardt versteht die spezifisch christliche Ethik durchaus im universalen Horizont und bewahrt sie so vor einer exklusiven Reduktion auf die Christen. Dadurch wird die Mitverantwortung f\u00fcr \u201edas Leben des nichtchristlichen Mitmenschen\u201c m\u00f6glich und n\u00f6tig. Gleichzeitig soll dieses Gemeinsame aber nicht zu einer Nivellierung der ethischen Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fchren, sondern die einzigartige Konsequenz des Christseins beschreiben. Der Christ handelt eben nicht \u201ewie irgendein beliebiger anderer\u201c, denn er hat in dieser Welt eine Aufgabe, die \u201ekein anderer erf\u00fcllen kann\u201c und ihm ist eine Sendung anvertraut \u201evon der der nat\u00fcrliche Mensch keine Ahnung\u201c hat (25, letzteres Zitat Jacques Ellul, <em>Leben als moderner Mensch,<\/em> Z\u00fcrich: Zwingli, 1958, 6). Aus diesem Grund bezieht Burkhardt ausdr\u00fccklich auch die <em>christliche Spiritualit\u00e4t<\/em> als eine \u201evom Geist Gottes bestimmte theozentrische Lebensf\u00fchrung\u201c (26) in seinen ethischen Ansatz mit ein und entfaltet sie konkret im dritten Teil.<\/p>\n<p>Die \u201eNormen spezifisch christlicher Ethik\u201c (II) leitet Burkhardt im Kontext seiner heilsgeschichtlich konzipierten Ethik aus den Strukturen des Neuen Testaments ab. Die <em>\u201eethische Weisung Jesu\u201c<\/em> (30\u201364) impliziert den f\u00fcr die christliche Ethik konstitutiven Umkehrruf, der allen Menschen gilt, sowie den Ruf in die Nachfolge und die Bedingungen der J\u00fcngerschaft, zu denen Burkhardt auch den Missionsbefehl des Auferstandenen z\u00e4hlt (64).<\/p>\n<p>Die \u201e<em>apostolische Paraklese<\/em>\u201c wird als weitere Norm von der Ethik Jesu unterschieden und gleichzeitig darauf bezogen. Dabei legt Burkhardt Wert auf ihre Kennzeichnung als spezifisch christliche Norm und weist sie in allen apostolischen Schriften des Neuen Testaments ausf\u00fchrlich und detailliert nach (65\u2013117).<\/p>\n<p>Die Liebe als spezifische \u201eGrundnorm christlicher Lebensf\u00fchrung\u201c unterscheidet Burkhardt von dem \u201eallgemeinmenschliche[n] Ph\u00e4nomen\u201c Liebe, weil nur sie in ihrer voraussetzungslosen und selbstlosen Art das spezifisch Christliche zeigt. In diesem Zusammenhang geht er auf die heute auch im christlichen Kontext durchg\u00e4ngig als Voraussetzung zur N\u00e4chstenliebe geforderte \u201eSelbstliebe\u201c ein und bejaht diese im Unterschied zur \u201eSelbstverliebtheit\u201c bzw. \u201eSelbstsucht\u201c (140).<\/p>\n<p>Die theologisch wie praktisch entscheidende Frage, ob das Gesetz dann noch eine Bedeutung f\u00fcr die spezifisch christliche Ethik hat, beantwortet Burkhardt mit deutlicher Klarheit: Darin hat es \u201enichts verloren\u201c (143, 1Tim 1,9). Die den Gl\u00e4ubigen geschenkte Liebe (Indikativ, vgl. R\u00f6m 5,5) ist der Grund f\u00fcr die daraus erwachsenden Handlungen (Imperativ). Er folgt darin weitgehend Klaus Bockm\u00fchl, <em>Gesetz und Geist. Eine kritische W\u00fcrdigung des Erbes protestantischer Ethik,<\/em> BWA 1.5, Gie\u00dfen: Brunnen, 2009, 434-498.<\/p>\n<p>Dieser theologisch nachvollziehbare Ansatz wird von Burkhardt im dritten Hauptteil auf den Feldern spezifisch christlicher Ethik anhand der traditionellen Viererkette <em>koinonia<\/em> (Gemeinschaft) \u2013 <em>leitourgia<\/em> (Gebet) \u2013 <em>martyria<\/em> (Zeugnis) und <em>diakonia<\/em> (Dienst) durchkonjugiert (149\u2013300). Dieser Hauptteil macht die ganze zweite H\u00e4lfte des Buches aus und m\u00fcndet stellenweise in dogmatische (ekklesiologische) und konfessionelle (landes-, freikirchliche und kommunit\u00e4re Gemeinschaften wie Mutterh\u00e4user u.\u00a0a. werden ausf\u00fchrlich beschrieben) Exkurse. Gleichwohl ist es sinn- und wertvoll, das spezifisch Christliche eben in diesen Charakteristika geistlicher Lebensgestaltung zu bew\u00e4hren.<\/p>\n<p>Dass die \u201echristliche Gemeinschaft\u201c als Thema der Ethik (und nicht der Ekklesiologie) abgehandelt wird, mag auf den ersten Blick befremden. Wer um die real existierenden Zust\u00e4nde der Kirche(n) wei\u00df, erkennt freilich darin auch ein notwendige Aufgabe christlicher Ethik. Die ethische Ausgestaltung des Glaubens in der Gemeinschaft und die Einheit der Kirche sind eben nicht einfach nur Optionen, sondern \u201eletzter Wille Jesu\u201c (183ff).<\/p>\n<p>Auch die ausf\u00fchrlichen dogmatischen und praktischen Ausf\u00fchrungen \u00fcber das Gebet (189\u2013225) vermutet man weniger in der Ethik, als eher in der praktischen Theologie oder in spirituellen Ratgebern. Das \u201echristliche Zeugnis\u201c, das von Burkhardt in \u201eMission\u201c (225\u2013254), \u201echristliche Lehre\u201c (254\u2013277) und \u201eMartyrium\u201c unterteilt wird (277\u2013283), geh\u00f6rt streng genommen nicht zuerst in die Ethik, sondern eher in die Missiologie. Dass Burkhardt diese \u201eFelder\u201c bewusst in die Ethik integriert, ist nicht nur kein Fehler, sondern Ausdruck eines theologischen Ansatzes, der dogmatische, spirituelle, missions- und diakoniewissenschaftliche Felder eindr\u00fccklich als ethische Einheit entfaltet. Und das gilt explizit auch f\u00fcr die \u201echristliche Lehre\u201c (254\u2013277), ohne die christliche Ethik unvollst\u00e4ndig und irregeleitet w\u00e4re. Freilich ist ernsthaft zu diskutieren, ob Mission lediglich ein \u201eFeld\u201c der Ethik oder nicht Grund und Ziel der Kirche ist. Dar\u00fcber hinaus h\u00e4lt die einengende Definition \u201eMission ist Evangelisation\u201c (227) dem missionswissenschaftlichen Diskurs heute sicherlich nicht mehr Stand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Horst Afflerbach, Leiter der Biblisch-Theologischen Akademie Wiedenest und Dozent f\u00fcr Systematische Theologie und Gemeindepraxis<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Helmut Burkhardt: Ethik. Band III. Die bessere Gerechtigkeit. 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