{"id":545,"date":"2018-04-11T14:12:03","date_gmt":"2018-04-11T14:12:03","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=545"},"modified":"2018-04-11T14:20:59","modified_gmt":"2018-04-11T14:20:59","slug":"groupe-des-dombes-nur-einer-ist-euer-meister","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=545","title":{"rendered":"Groupe des Dombes: \u201eNur einer ist Euer Meister\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Groupe des Dombes: <em>\u201eNur einer ist Euer Meister\u201c. Die Lehrautorit\u00e4t in der Kirche, <\/em>Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2017, Pb., 222\u00a0S., \u20ac\u00a022,90, <a href=\"http:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p3863_-Nur-einer-ist-euer-Meister--.html\">ISBN 978-3-374-04321-7<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Kloeckner_Dombes.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Mit der achten Ver\u00f6ffentlichung der Groupe des Dombes widmet sich das frankopho-ne, \u00f6kumenische Gremium einer der nach wie vor wesentlichen Fragen, die den inter-konfessionellen sowie binnenprotestantischen Zwiespalt begr\u00fcnden: der Frage nach der Lehrautorit\u00e4t in der Kirche. Die sich seit 1936 in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden treffende, jeweils parit\u00e4tisch aufgebaute Arbeitsgruppe nahm ihren Anfang in der Abtei von Notre-Dame des Dombes, in der N\u00e4he von Lyon und tagt nun seit 1998 in der Abtei Pradines, in der N\u00e4he von Roanne\/Loire. Zwischenzeitlich fanden Zusammenk\u00fcnfte auch in Taiz\u00e9 statt. Spiritus rector war vor allen der Lyoner Priester Paul Couturier (1881\u20131953; vgl. zu seiner Person Catherine E. Clifford, <em>The Groupe des Dombes: A Dialogue of Conversion,<\/em> AUS 231, New York: Peter Lang, 2005, 7\u201332), daneben Laurent R\u00e9millieux, ebenfalls aus Lyon, sowie der Berner Pfarrer Richard B\u00e4umlin. Die unter anderen auf diese drei zur\u00fcckreichende Bewegung, die sich einer komparativen und nicht mehr konfessionell-polemisch bestimmten Theologie zuordnen l\u00e4sst, tr\u00e4gt folgende Z\u00fcge: Grundmerkmale sind neben dem theologie- und dogmengeschichtlich erprobten, aber auch erm\u00fcdeten Mittel des theologischen Diskurses die Pflege gemeinsamer Spiritualit\u00e4t und \u2013 im Falle der Erkenntnis von eigenem falliblen Verhalten gegen\u00fcber der anderen Konfession \u2013 der Ruf zur Umkehr. So die etwas vollmundigen, jedoch aus tiefem Ernst und monastischem Eifer geschmiedeten Zielvorgaben.<\/p>\n<p>Bei dem kleinen B\u00fcchlein als Gemeinschaftsproduktion der EVA in Leipzig und des Bonifatius Verlages in Paderborn handelt es sich, soweit der Rezensent dies beur-teilen kann, um eine gelungene \u00dcbersetzung aus dem franz. Original durch Beate Bengard. Die <em>fides qua [creditur]<\/em> jedoch als \u201eBewegung der Zugeh\u00f6rigkeit\u201c zu be-zeichnen, ist zum einen erfrischend, zum anderen wohl eine R\u00fcck\u00fcbersetzung aus dem franz. Idiom (99). Orthografische M\u00e4ngel sind im ertr\u00e4glichen Ma\u00df vorhanden (s. nur 25: \u201e[d]es \u201aheiligen Gebiets\u2018\u201c; 45: \u201ebeugte [er] sich aber doch\u201c; 50: <em>\u201eDe ba[p]tismo\u201c;<\/em> 91: \u201eein[\u2026] Platz zuerkannt\u201c; 157: \u201ezahlreiche F\u00e4[l]le\u201c; 170: \u201eregelm\u00e4\u00dfigem A[b]stand\u201c; 176: \u201eJeglichen Li[\u2026]teralismus\u201c, vgl. 189; 32, Anm. 19: Verweis auf 1Kor 2,15 nicht im Index, 220). Erw\u00e4hnenswert ist die Tatsache, dass sich die \u00f6kumenische Arbeitsgruppe in einem Zeitraum von f\u00fcnf Jahren (1999\u20132004) jeweils f\u00fcr eine Woche mit gro\u00dfer Beharrlichkeit getroffen und somit zur Erarbeitung und Pr\u00e4sentation des vorliegenden Textes beigetragen hat. Die Namen der 40 Teilnehmer werden in einem Anhang genannt (216), ein Novum ist dabei die Teilnahme von vier Ordensschwestern und einer Pastorin (so auch schon im Vorwort, 11). Inhaltlich der westlichen Tradition verpflichtet mit ad\u00e4quater Offenheit f\u00fcr die ostkirchliche Perspektive (ebd.), die aber nicht personell vertreten ist, kreisen die einzelnen Artikel, es sind 494 an der Zahl, nunmehr thematisch geordnet um die Frage nach Autorit\u00e4t und Leitungsverst\u00e4ndnis in den Kirchen. Die schon in den vorhergehenden Ver\u00f6ffentlichungen gew\u00e4hlte Methode erinnert ein wenig an die g\u00e4ngigen Disputationsthesen der Fr\u00fchen Neuzeit und ihre anschlie\u00dfenden, teilweise lang geratenen <em>probationes.<\/em> Schulmeisterlich und diachronisch wird der Stoff vorgetragen anhand von f\u00fcnf Hauptkapiteln: Zun\u00e4chst f\u00e4llt der Blick auf die alte und mittelalterliche Kirche, dann folgt ein Kapitel \u00fcber Reformation und Neuzeit, eine neutestamentliche Besinnung anhand des Duktus der kanonischen B\u00fccher des Neuen Testaments schlie\u00dft sich an, ein systematisch-theologischer Vorschlag f\u00fcr die \u00dcberwindung der Lehrdivergenzen und final der besagte Ruf zur Umkehr runden das Ganze ab. Eine Wertung vorwegnehmend, es handelt sich bei dem ausdifferenzierten f\u00fcnften Kapitel um die eigentliche \u00f6kumenische Leistung der Gruppe, werden hier doch \u00fcber die bekannten dogmatischen Gr\u00e4ben und historischen Gemeinpl\u00e4tze hinaus Neuans\u00e4tze oder eben alte, selbstkritische Einsichten wieder neu vorgetragen und damit erfrischend ventiliert. Kapitel vier bietet nach Selbstauskunft im R\u00fcckgriff auf das Vorbild der \u201eGemeinsamen Erkl\u00e4rung zur Rechtfertigungslehre\u201c (GER, 1999) den Versuch eines \u201edifferenzierten Konsens\u02bc\u201c (21, 139\u2013153). Die ganze Problematik solcher Theologumena und in diesem Fall eines erneuten Konvergenzmodelles muss hier nicht n\u00e4her erl\u00e4utert werden.<\/p>\n<p>Nun einige Beobachtungen und Spitzen f\u00fcr die eigene Lekt\u00fcre: Der Abriss \u00fcber die mittelalterlichen Kirchenspaltungen ist recht kurz geraten (57\u201364). Artikel 121 be-spricht die reformatorische Scheidung (oder besser gesagt: nicht vorhandene Diastase) zwischen Interna und Externa etwas ungl\u00fccklich und nicht unbedingt im Sinne Luthers (67f; vgl. aber ebd., Anm. 2 die nachgeschobene, erhellende Erl\u00e4uterung). Wohltuend ist, dass fr\u00fche protestantische Ireniker wie Bucer und sein Sch\u00fcler Calvin erw\u00e4hnt und zitiert werden (69\u201371), wie auch nicht anders zu erwarten in einer frankophonen Ver\u00f6ffentlichung zur Thematik. Nicht neu, jedoch erw\u00e4hnenswert ist der Hinweis, dass mit den sogenannten \u201eTheologen-Pastoren\u201c (im Unterschied zu den Laien-Priestern) der protestantischen Orthodoxie letztlich ein neues Lehramt in Kirche und Universit\u00e4t inauguriert wurde, um das entstandene Vakuum zu f\u00fcllen (76\u201378; vgl. hierzu den Hinweis von Heinz Scheible, \u201eDer Catalogus testium veritatis: Flacius als Sch\u00fcler Melanchthons\u201c, <em>BPfKG<\/em> 63, zgl. <em>Ebernburg-Hefte<\/em> 30 (1996): 91\u2013105, hier 104, dass schon das testes-veritatis Konzept der Reformatoren und ihrer Nachfolger letztlich eine Analogie und Substitution zur <em>succesio episcoporum<\/em> darstellte). Soziohistorische und systempsychologische Einsichten flankieren die theologische Argumentation in der gesamten Publikation. Die kleine Konzilsgeschichte ist lesenswert, enth\u00e4lt aber keine \u00dcberraschungen und entfaltet den r\u00f6mischen Ansatz einer Hierarchie der Wahrheiten, sprich einer Priorisierung und Balancierung der kanonisierten Lehrs\u00e4tze (91\u2013113). Einzelne Doktrin nun in \u00f6kumenischer Absicht aus dem <em>corpus doctrinae<\/em> zu streichen (oder v\u00f6llig zu nivellieren), w\u00e4re und bliebe jedoch ein reformatorischer Affront. Der Versuch die fr\u00fche Sonderstellung des Petrus im Apostelkollegium im Mt nachzuweisen wirkt etwas gezwungen (119). Insgesamt wird hier der Versuch unternommen ohne tiefgreifende Exegesen das Autorit\u00e4tsverst\u00e4ndnis im Neuen Testament kurz zu skizzieren, der Akzent wird gut neuzeitlich auf Transparenz und Authentizit\u00e4t gelegt (118, 130). Bemerkenswert ist, dass ein <em>consenus antiquitatis<\/em> basierend auf den ersten vier \u00f6kumenischen Symbolen postuliert wird (142), der bekanntlich zur\u00fcckgreift auf die gescheiterten Unionsbem\u00fchungen, nicht nur protestantischerseits durch Melanchthon und sp\u00e4ter Georg Calixt u.\u00a0a. Bereits die orthodoxen Ostkirchen erkannten jedoch das vierte Konzil von Chalcedon (451) nicht an, womit der neuaufgelegte Versuch nicht v\u00f6llig dessauviert werden soll. Zum konkreten Problem der wechselseitigen Autorit\u00e4t der kirchlichen Instanzen und insbesondere des Episkopats (wenn ekklesiologisch implementiert) bietet die Arbeits- und Gebetsgruppe Vorschl\u00e4ge an (149\u2013153). Ein strenger oder konsequenter Kongregationalismus bleibt dabei als infant terrible au\u00dfen vor (150, Anm. 16 ber\u00fccksichtigt nur presbyterial-synodale Verh\u00e4ltnisse). Am Ende der dogmatischen Reflexion \u00fcber die bestehen bleibenden Lehrdifferenzen wird noch einmal im Sinne eines <em>pium desiderium<\/em> und im deutlichen Rekurs auf die Konvergenz-Methode und den komparativen Aufbau der Studie dazu aufgerufen, \u201ejede Kirche sollte das neue Dokument [sc. GER] zu seinen konfessionellen oder lehramtlichen Schriften z\u00e4hlen. F\u00fcr den Fortgang der \u00f6kumenischen Suche scheint uns eine \u00dcbereinstimmung \u00fcber dieses methodische Vorgehen unverzichtbar zu sein\u201c (177).<\/p>\n<p>Das schon hervorgehobene f\u00fcnfte Kapitel ruft zur Umkehr der Kirchen auf und betont hinl\u00e4nglich bekannte \u00dcber- und Fehlinterpretationen im Laufe der Kirchenspaltungen, z.\u00a0B. ein Heilsegoismus, der das protestantische <em>sola scriptura<\/em> soteriologisch ausspielt gegen\u00fcber einem ekklesiologischen Kollektivismus, der nicht nur das Individuum <em>coram Deo<\/em> anerkennt (187). Letztlich f\u00fchrt dies zur komplexen Frage nach der Wechselbeziehung zwischen der Autorit\u00e4t des Gewissens und der Autorit\u00e4t der lehramtlichen Instanz. Die Autoren \u201ebitten\u201c darum, die katholische Konzeption eines kollektiven Ged\u00e4chtnisses mehr zu ber\u00fccksichtigen und nicht von vorneherein als obsolet und restaurativ zu bezeichnen (192). Dar\u00fcber hinaus rufen die Bittsteller zu einer Art Fasten von den eigenen Erkenntnissen auf, ein \u201enotwendige[r] Verzicht\u201c, um \u00fcberhaupt eine Basis f\u00fcr eine Kultur der Einheit schaffen zu k\u00f6nnen. Die protestantischen Kirchen werden hier stark ins Visier genommen und wegen ihrer vermeintlich theologisch \u00fcberlegenen, beinahe aristokratischen Haltung kritisiert (196). Historisch k\u00f6nnte die wieder zur\u00fcckgenommene Forderung sein, ein neues Konzil (nach dem Tridentinum, Vatikanum I\u2013II) einzuberufen, aber \u201enat\u00fcrlich sind wir nicht so vermessen, die Einberufung eines Konzils vorzuschlagen!\u201c (198). Die Rezeptions- und Wirkungsgeschichte der kurzen Studie wird nachweisen, inwiefern dieser Vorschlag vermessen oder angemessen war.<\/p>\n<p>Das inspirative Handb\u00fcchlein sei hiermit ausdr\u00fccklich empfohlen zur Lekt\u00fcre, auch wenn das eine oder andere materialdogmatisch aufst\u00f6\u00dft oder exegetisch zuwiderl\u00e4uft. Daher zu guter Letzt zwei Tipps f\u00fcr den Umgang hiermit: a) Man k\u00f6nnte die \u00f6kumenische Studie im selben Gestus aufgreifen, in dem sie verfasst wurde \u2013 als Studien- und Stundenbuch f\u00fcr die pers\u00f6nliche Besinnung und Anregung f\u00fcr die eigene Konfessionalit\u00e4t. b) Man k\u00f6nnte sie auch analysieren und exzerpieren, z. B. in einem systematisch-theologischen, symbolischen oder konfessionskundlichen Seminar. Sie w\u00e4re unter Umst\u00e4nden einfacher zu lesen als vergleichbare \u201eDokumente wachsender \u00dcbereinstimmung\u201c. Ihrem urspr\u00fcnglichen Anliegen k\u00e4me man damit alleine aber nicht auf die Spur.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Drs. Thomas Kl\u00f6ckner, Pastor der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde Kaiserslautern<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Groupe des Dombes: \u201eNur einer ist Euer Meister\u201c. 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