{"id":569,"date":"2018-04-11T15:42:08","date_gmt":"2018-04-11T15:42:08","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=569"},"modified":"2018-04-11T15:43:35","modified_gmt":"2018-04-11T15:43:35","slug":"susi-hilde-michael-der-katechismus-des-david-chytraeus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=569","title":{"rendered":"Susi-Hilde Michael: Der Katechismus des David Chytraeus"},"content":{"rendered":"<p>Susi-Hilde Michael: <em>Der Katechismus des David Chytraeus. Edition und \u00dcbersetzung<\/em>, Leipzig: EVA, 2016, geb., XXXIV+262\u00a0S., \u20ac\u00a088,\u2013, <a href=\"http:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p3820_Der-Katechismus-des-David-Chytraeus.html\">ISBN 978-3-374-04292-0<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Eber_Michael.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>Ein historischer Katechismustext kann f\u00fcr viele Fachrichtungen interessant sein. Kirchen- und Theologiegeschichte, Dogmatik und vielleicht sogar f\u00fcr den kirchlichen Unterricht? Die theologischen Lehrtexte des David Kochhaf (Chytraeus, 1530\u20131600) aus der Zeit der Sp\u00e4treformation bzw. der Fr\u00fchorthodoxie k\u00f6nnen nicht eindeutig einem bestimmten Fachinteresse zugeordnet werden. Vorliegende Edition und ihre Einleitung sind auch weniger an Fragestellungen von Theologen interessiert. Das Werk der Rostocker Historikerin Susi-Hilde Michael ist vielmehr historisch ausgerichtet: Sie will einen f\u00fcr Schule und Universit\u00e4t wichtigen Text in einer soliden Neuauflage bereitstellen, der aber nach seinem Inhalt sachgem\u00e4\u00df vor allem Theologen interessieren wird. Michael ver\u00f6ffentlicht im vorliegenden Band nicht nur die <em>Catechesis in Academia Rostochiana ex praelectionibus Davidis Chytraei collecta<\/em> von 1554 und die umfangreichere Fassung, die in der <em>Catechesis Davidis Chytraei. Postremo nunc ab ipso autore recognita et multis in locis utiliter aucta<\/em> von 1599 vorliegt; sie erstellt erstmals auch eine moderne deutsche \u00dcbersetzung des Textes von 1554.<\/p>\n<p>Im ersten Teil des Werkes legt die Herausgeberin haupts\u00e4chlich Rechenschaft \u00fcber die angewendeten Editionsrichtlinien und \u00dcbersetzungsmethoden ab (XV\u2013XVIII). Den Editionen ist jeweils ein kritischer Apparat angef\u00fcgt, bei notwendigen Stellen- und Literaturangaben ein zweiter Apparat.<\/p>\n<p>Der 2. Teil stellt die Entstehungs- und \u00dcberlieferungsgeschichte der beiden Texte dar. Er enth\u00e4lt am Anfang einen biographischen \u00dcberblick \u00fcber das Leben von David Chytraeus (XIX\u2013XXXIV). Der aus dem Kraichgau stammende Theologe melanchthonianischer Pr\u00e4gung wurde 1551 von Wittenberg nach Rostock berufen. Dort hatte er ma\u00dfgeblichen Anteil am Entstehen einer evangelischen Universit\u00e4t und am Aufbau der evangelischen Kirche in Mecklenburg (XXI). Mit 183 Drucken der verschiedenen Ausgaben des Katechismus von 1554 bis 1613 ist eine sehr hohe Zahl von Ausgaben des Werkes bekannt. Zehn davon wurden in den dreizehn Jahren nach dem Tod des Chytraeus verlegt (XXIV). Im 4. Teil des Buchs werden sie tabellarisch zusammengestellt (227\u2013242). Vermutlich wurde die erste Ausgabe von Johannes Aurifaber besorgt (XXX).<\/p>\n<p>Die eigentliche Edition der Katechismustexte und die \u00dcbersetzung finden sich im dritten Teil, der ma\u00dfgeblich den Umfang des Buchs beeinflusst, so in Teil 3.1: Catechesis in Adademia Rostochiana ex Praelectionibus Davidis Chytraei Collecta, Rostock u. Wittenberg, 1554 = die Edition des lateinischen Textes von 1554 (5\u201351), auf den Seiten 53 (Textbeginn: 57) bis 118 Teil 3.2, der die deutsche \u00dcbersetzung des Lehrbuchs pr\u00e4sentiert: \u201eDer an der Rostocker Akademie anhand der Vorlesungen des David Chytraeus zusammengestellte Katechismus \u2013 Die deutsche \u00dcbersetzung\u201c, schlie\u00dflich als Teil 3.3 die Catechesis Davidis Chytraei. Postremo Nunc ab Ipso Autore Recognita et multis in Locis Utiliter Aucta \u2013 Die Edition des lateinischen Textes, Frankfurt (und Leipzig), 1599 (119\u2013226).<\/p>\n<p>Teil 4 stellt das schon erw\u00e4hnte Verzeichnis der ermittelten Drucke zusammen. Im f\u00fcnften Teil ist ein praktisches Personenglossar der im Text genannten Theologen, Philosophen und Politiker beigegeben (243\u2013251). Die 22 Personen werden nicht nach ihren \u00fcblichen Lexikoneintr\u00e4gen, sondern unter der im Katechismus genannten Form aufgef\u00fchrt, also Erhard Schnepf unter \u201eSnepius\u201c; Melanchthon findet sich bei \u201ePhilipp\u201c, und Johannes Damaszenus unter \u201eDamascenus\u201c. In diesen F\u00e4llen w\u00e4ren Verweise von der vorliegenden Form auf die allgemein gebr\u00e4uchliche Ansetzungsform der Namen angebracht gewesen. F\u00fcr Leser, die der Theologie und Philosophie kundig sind, h\u00e4tten auch k\u00fcrzere Lebensl\u00e4ufe beispielsweise zu Athanasius, Augustinus, Aristoteles, Melanchthon und Luther ausgereicht. Ein Verweis auf den besten Internetartikel h\u00e4tte es bei den bekannteren Pers\u00f6nlichkeiten auch getan. Das Verzeichnis von Abk\u00fcrzungen und Kurztiteln (Teil 6: 252f), eine Auswahlbibliographie mit Quellenverzeichnis (Teil 7: 254\u2013261) und der Quellen\u00adnachweis (Teil 8:\u00a0262) beschlie\u00dfen den Band.<\/p>\n<p>Chytr\u00e4us orientiert sich in seiner Darstellung des \u201eHauptgegenstandes der Lehre\u201c stark an Melanchthons \u201eHeubtartikeln Christlicher Lere\u201c von 1553 (57, vgl. z. B. 60f und 128 lat. die zehn Hauptthemen der Lehre). Er antwortet auf die auch heute noch gestellte Frage, warum es sinnvoll ist, den Katechismus auswendig zu lernen: \u201eAlle Menschen wurden geschaffen, damit sie Gott \u2013 gem\u00e4\u00df der von Christo \u00fcberlieferten Lehre \u2013 anerkennen, anrufen und verehren. Deshalb muss es das erste Verlangen des Menschen sein, den Katechismus beziehungsweise die christliche Lehre zu lernen.\u201c (59, lat.: 6).<\/p>\n<p>Der Verfasser spricht in heute selten zu h\u00f6render Klarheit von den ewige Strafen, die dem Ungehorsam gegen\u00fcber Gottes Gesetz folgen (67, lat.: 13), ebenso vom Weltgericht und vom doppelten Weltausgang, ewigem Tod oder ewigem Leben (218f). Nicht umsonst schreibt Landesbischof Andreas von Maltzahn in seinem Geleitwort zur Edition (V\u2013VI), dass ihn manches nachdenklich stimmt, z.\u00a0B. \u201eZw\u00f6lf erbeigenen Gr\u00fcnde des Verderbens der Kirche\u201c\u00a0(108f). Praktisch orientiert sind Texte wie die Vaterunserauslegung (219\u2013223) oder die \u201esieben heidnische[n] oder philosophische[n] Tr\u00f6stungen\u201c, die Chytr\u00e4us vor den \u201e12 Quellen des christlichen Trostes\u201c aufz\u00e4hlt (109f). Es f\u00e4llt auf, dass erst in der l\u00e4ngeren Version des Enchiridions von 1599 Schriftbelege f\u00fcr die Trinit\u00e4tslehre angef\u00fchrt werden (136f), ob man das Thema f\u00fcr allgemein bekannt gehalten hat? Nicht nur f\u00fcr diesen Fall w\u00e4re es f\u00fcr den heutigen Unterrichtsgebrauch einfacher gewesen, wenn die sp\u00e4tere und nicht die k\u00fcrzere fr\u00fche Version auf Deutsch vorliegen w\u00fcrde. Bei einer theologischen Dissertation h\u00e4tte der Leser erwarten k\u00f6nnen, dass in der Auswahlbibliographie (254f) weniger Lexikonbeitr\u00e4ge und mehr wichtige Titel der Sekund\u00e4rliteratur zu Chytr\u00e4us aufgef\u00fchrt wird, zum Beispiel Untersuchungen des in Ansbach wohnenden Spezialisten f\u00fcr Chytr\u00e4us und weitere fr\u00fchorthodoxe Theologen, Prof. Rudolf Keller. \u2013 In vorbildlicher Weise hat Andreas Stegemann das dogmatische Kompendium eines weiteren wichtigen Rostocker Theologen erschlossen, Johann Friedrich K\u00f6nig: <em>Theologia positiva acroamatica (Rostock 1664)<\/em> hrsg. u. \u00fcbers. von Andreas Stegmann (T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2006), dazu seine Dissertation: <em>Johann Friedrich K\u00f6nig; Seine Theologia positiva acroamatica<\/em> im Rahmen des fr\u00fchneuzeitlichen Theologiestudiums (BHT 137, T\u00fcbingen: Mohr Siebeck, 2006). Die begrenzte historische Aufgabenstellung der vorliegenden Chytr\u00e4us-Edition wird hoffentlich nicht dazu f\u00fchren, dass dieses wichtige evangelische Unterrichtsbuch auch trotz der vorliegenden Neuausgabe nicht angemessen wahrgenommen wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein, Redakteur des Jahrbuchs Biblisch erneuerte Theologie<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" style=\"border-width: 0;\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nd\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><br \/>\nDieses Werk ist lizenziert unter einer <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nd\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung &#8211; Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Susi-Hilde Michael: Der Katechismus des David Chytraeus. 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