{"id":600,"date":"2018-04-11T16:21:53","date_gmt":"2018-04-11T16:21:53","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=600"},"modified":"2018-04-11T16:22:41","modified_gmt":"2018-04-11T16:22:41","slug":"michael-moynagh-mit-philip-harrold-fresh-expressions-of-church","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=600","title":{"rendered":"Michael Moynagh (mit Philip Harrold): Fresh Expressions of Church"},"content":{"rendered":"<p>Michael Moynagh (mit Philip Harrold): <em>Fresh Expressions of Church. Eine Einf\u00fchrung in Theorie und Praxis<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen, 2016, geb., 546\u00a0S., \u20ac\u00a050,\u2013, <a href=\"https:\/\/brunnen-verlag.de\/fresh-expressions-of-church.html\">ISBN 978-3-7655-9111-2<\/a><\/p>\n<p><a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/Bartholomae_Moynagh.pdf\"><\/p>\n<div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div>\n<p><\/a><\/p>\n<hr \/>\n<p>In den breiten Strom missionaler Gemeindeaufbau-Konzepte haben sich in j\u00fcngerer Vergangenheit auch die sogenannten \u201eFresh Expressions of Church\u201c (kurz: Fresh X) eingereiht, deren spezifische Wurzeln gr\u00f6\u00dftenteils im Bereich der Church of England liegen. Die zunehmende Breitenwirkung dieses missionalen Ansatzes hierzulande l\u00e4sst sich sowohl an der Entstehung eines deutschen Fresh X-Netzwerks (www.freshexpressions.de), als auch an der auf den ersten Blick \u00fcberraschenden Tatsache ablesen, dass die innovativen Fresh X-Ideen trotz offensichtlich abweichender ekklesiologischer und missionspraktischer Schwerpunktsetzungen bereits zweimal ausf\u00fchrlich im Rahmen von Willow Creek-Leitungskongressen einem gr\u00f6\u00dferen Publikum vorgestellt wurden. Da nun also auch die beiden hier zu besprechenden Fresh X-Grundlagenb\u00fccher des britischen Vordenkers Michael Moynagh auf Deutsch erschienen sind, ist zu erwarten, dass die Stimmen der Fresh X-Bewegung in Zukunft sowohl im missionstheologischen Diskurs als auch unter missionarisch t\u00e4tigen Praktikern verst\u00e4rkt Geh\u00f6r finden werden.<\/p>\n<p>Der mit \u00fcber 500 Seiten umfangreiche Band <em>Fresh Expressions of Church. Eine Einf\u00fchrung in Theorie und Praxis<\/em> (engl. Original: <em>Church for Every Context. An Introduction to Theology and Practice<\/em>, 2013) hat als \u201etheologisches Grundlagenwerk f\u00fcr neue kontextuelle Formen von Gemeinde und Kirche\u201c zu gelten und besitzt \u201eHandbuchcharakter\u201c (so die Herausgeber Jochen Cornelius-Bundschuh, Michael Herbst, Ralph Kunz, Patrik Todjeras und Markus Weimer; XII). Der parallel erschienene und mit \u00fcber 400 Seiten ebenfalls substantielle Begleitband <em>Fresh X \u2013 Das Praxisbuch<\/em> (engl. Original: <em>Being Church, Doing Life. Creating gospel communities where life happens<\/em>, 2014) ist eine von Erfahrungsberichten und Beispielgeschichten durchzogene Hinf\u00fchrung zur Praxis, die gemeindebauliche Inspiration und Handwerkszeug f\u00fcr diejenigen liefert, die sich der Gr\u00fcndung von neuen Gemeindeformen verschrieben haben. Dabei stellt Moynagh im Grundlagenband auch sehr praktische Bez\u00fcge her, umgekehrt verzichtet er im Praxisband nicht g\u00e4nzlich auf die theologische Grundlegung. Dennoch gilt: Wer sich fundierter mit den ekklesiologischen und missiologischen Weichenstellungen neuer gemeindlicher Ausdrucksformen auseinandersetzen will, sollte zu Moynaghs <em>opus magnum<\/em> greifen (auf das ich mich in der Folge vornehmlich beziehe). Wer dagegen als Gemeindepraktiker zun\u00e4chst eine praxisnahe, allgemeinverst\u00e4ndliche und konkrete Arbeitshilfe sucht, ist mit dem <em>Praxisbuch<\/em> besser bedient.<\/p>\n<p>Einleitend nennt Moynagh die vier zentralen \u201eekklesiogenetischen Grundkonstanten\u201c (Markus Weimer) einer Fresh X-Initiative (XIX-XXIII), die \u2013 im Sinne einer Zielvorgabe \u2013 als missional, kontextuell, lebensver\u00e4ndernd und ekklesial (d.h. gemeindebildend) definiert werden. Neue kontextuelle Gemeinden sind folglich ausgerichtet auf Menschen, die normalerweise nicht in die Kirche gehen und bisher wenige Bez\u00fcge zum christlichen Glauben hatten. In einem zunehmend s\u00e4kularen Umfeld liegt gerade darin die Bedeutung der Fresh X-Bewegung. Im Einklang mit anderen missionalen Stimmen, erscheint ein attraktionaler Komm-Ansatz (\u201eKomm zu uns!\u201c) im Blick auf stark kirchen- und glaubensferne Zeitgenossen kaum mehr zielf\u00fchrend, weshalb ein \u201einkarnatorischer Zugang\u201c (\u201eWir gehen und bleiben!\u201c) gerade f\u00fcr dieses kirchenferne Milieu vorzuziehen ist. Die ins Auge gefasste Kontextualisierung stellt in einem pluralisierten, nachchristlichen Kontext den Versuch dar, \u201eKirche auf eine Art und Weise zu sein, die Jesus treu bleibt und gleichzeitig zu den Menschen passt, denen sie dient. Sie setzt voraus, dass sich die Form der Gemeinde der jeweiligen Situation anpassen kann\u201c (167). Dabei l\u00e4dt man Menschen in eine verbindliche, lebensver\u00e4ndernde Nachfolge Jesu ein und will helfen, den neu entdeckten Glauben im Alltag in den verschiedensten Lebensbereichen Ausdruck zu verleihen. Ekklesial sind die neuen Ausdrucksformen gemeindlichen Lebens deshalb, weil ihnen im Gegensatz zu anderen missionarischen Initiativen von Beginn an explizit das Potenzial zugeschrieben wird, eine reife Form von Gemeinde zu werden.<\/p>\n<p>Moynaghs Grundlagenwerk gliedert sich in vier Hauptteile. In einem ersten Teil (Kap. 1\u20134) werden die neuen kontextuellen Gemeinden mit ihrem historischen und gegenw\u00e4rtigen Kontext verkn\u00fcpft und entsprechend auch soziologisch eingeordnet. Dabei f\u00e4llt vor allem das Bem\u00fchen des Autors auf, die Wesensz\u00fcge der von ihm ma\u00dfgeblich mitgepr\u00e4gten Fresh X-Bewegung aus den neutestamentlichen Quellen abzuleiten (3\u201329). In Teil 2 (Kap. 5\u201310) behandelt der Autor ekklesiologische und missiologische Grundlagen der kontextuellen Gemeinde. Hier stehen Fragen nach dem Ort der Mission im Leben der Gemeinde und nach angemessenen Modellen einer theologisch verantwortbaren Kontextualisierung im Mittelpunkt. In Teil 3 (Kap. 11-16) wird der \u201eGeburtsvorgang\u201c einer kontextuellen Gemeinde praktisch skizziert. In diesem Zusammenhang unterscheidet Moynagh zwei m\u00f6gliche Modelle auf dem Weg zu einer neuen Kirche. Das erste Modell beginnt mit der Etablierung eines attraktiven, kontextrelevanten Gottesdienstes. Allerdings scheint dieses Modell gerade \u201edann weniger effektiv zu sein, wenn es darum geht, Menschen zu erreichen, die nur geringe oder gar keine Erfahrung mit dem christlichen Glauben mitbringen und f\u00fcr die der Sprung in die Gemeinde zu gro\u00df ist. F\u00fcr diese Menschen werden Freundschaften zu Gemeindebesuchern kein ausreichender Anlass sein, die Gemeinde zu besuchen\u201c (228\u2013229). Daher hat sich im Rahmen der Fresh X-Bewegung ein zweites Modell herauskristallisiert, das besser geeignet scheint, \u201ewenn man diejenigen erreichen will, die kaum oder niemals Kontakt mit der Kirche hatten\u201c (229). Am Anfang dieses Modells steht der jeweilige Lebenskontext, an den zun\u00e4chst durch intensives Zuh\u00f6ren und liebevollen Dienst angekn\u00fcpft wird, bevor konkrete Schritte hin zur Bildung einer kirchlichen Gemeinschaft bzw. zur Etablierung einer gottesdienstlichen Veranstaltung gegangen werden. Schlie\u00dflich wird im vierten und letzten Hauptteil (Kap. 17\u201321) die Frage er\u00f6rtert, wie neu entstandene Gemeindeformen bei ihrem Wachstum zu geistlicher Reife nachhaltig unterst\u00fctzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Am Ende jedes Kapitels werden die Kernaussagen zusammenfassend geb\u00fcndelt. Wer sich also in einem ersten Schritt nicht gleich durch das umfangreiche Gesamtwerk arbeiten will, kann sich so zun\u00e4chst gut einen \u00dcberblick \u00fcber die wichtigsten Gedankeng\u00e4nge verschaffen. Dar\u00fcber hinaus liefert Moynagh jeweils einige Diskussionsfragen, die die M\u00f6glichkeit zu einer (auch gemeinschaftlichen) Vertiefung der entsprechenden Themen bieten. Jedem Abschnitt sind au\u00dferdem weiterf\u00fchrende Literaturhinweise beigegeben, wobei den Herausgebern zu danken ist, dass in Deutsch vorliegende Titel auch als solche gelistet wurden.<\/p>\n<p>Eine detaillierte Bewertung dieses vielschichtigen Bandes oder gar der darin zum Ausdruck kommenden Konturen einer ganzen Bewegung ist an dieser Stelle nicht m\u00f6glich. Doch insgesamt besteht kein Zweifel: Moynaghs fundierte Beobachtungen, Analysen und Handlungsperspektiven verdienen es, aus praktisch-theologischer und missiologischer Sicht, intensiv und kritisch rezipiert zu werden. Denn in unserem nachchristlichen Umfeld sind wir dringend auf neue, gleicherma\u00dfen ekklesiologisch wie kontextuell durchdachte Ans\u00e4tze f\u00fcr den missionarischen Gemeindeaufbau angewiesen. Wenn diese dann ausnahmsweise nicht aus dem US-amerikanischen Kontext kommen, wo der christliche Grundwasserspiegel trotz allem noch signifikant h\u00f6her ist als im s\u00e4kularen Europa, gilt es umso genauer hinzuschauen. Auch wenn sich die Fresh X-Bewegung in Ankn\u00fcpfung an das britische Volkskirchen-Vorbild in Deutschland bisher \u00fcberwiegend im Bereich der Landeskirchen entfaltet hat, spricht manches daf\u00fcr, dass sich das von Moynagh ausf\u00fchrlich vorgestellte Gedankengut gerade in Rahmen des freikirchlichen Gemeindeaufbaus als hilfreich erweisen k\u00f6nnte. Da viele Fresh X-Initiativen nachweislich einen postkonfessionellen Charakter tragen (Sabrina M\u00fcller), ist davon auszugehen, dass sich diese Art der christlichen Gemeinschaftsbildung grunds\u00e4tzlich gut mit einer freikirchlichen, st\u00e4rker kongregationalistischen Ekklesiologie verbinden l\u00e4sst. Au\u00dferdem sind die meisten Fresh Expressions in Gro\u00dfbritannien evangelikalen bzw. evangelikal-charismatischen Ursprungs, was darauf hindeutet, dass diese Formen der missionarischen Gemeindearbeit auch in tendenziell eher theologisch konservativen Freikirchen anschlussf\u00e4hig sind.<\/p>\n<p>Verschiedentlich weist Moynagh auf Untersuchungsergebnisse hin, die nahelegen,\u00a0 dass die innovativen Fresh X-Ans\u00e4tze eine \u00fcberdurchschnittlich starke Anziehungskraft auf Menschen aus\u00fcben, die sich von der Kirche entfernt haben oder bisher g\u00e4nzlich ohne kirchliche Erfahrung geblieben sind (vgl. bspw. <em>Praxisbuch<\/em>, 31\u201333). Wie gerechtfertigt ein solch hoffnungsvoller Ausblick letztlich ist, wird sich m.\u00a0E. erst noch erweisen m\u00fcssen. Bestimmte Untersuchungen scheinen tats\u00e4chlich in diese Richtung zu deuten, allerdings pr\u00e4sentieren sich die bisher im Bereich der Church of England erhobenen empirischen Daten bisweilen als recht uneinheitlich. Um die Frage zu beantworten, ob die neuen kontextuellen Ausdrucksformen von Kirche besser in der Lage sind, nachchristliche Zeitgenossen zu erreichen als andere missionarische Konzepte, wird in Zukunft (dann auch hinsichtlich der m\u00f6glicherweise in gr\u00f6\u00dferer Zahl entstehenden Fresh X-Initiativen in Deutschland) weitere quantitative wie qualitative Forschung notwendig sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Dr. Philipp Bartholom\u00e4, Leiter des Europ\u00e4ischen Instituts f\u00fcr Gemeindegr\u00fcndung und Gemeindewachstum, Pastor der Er-lebt Gemeinde in Landau<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Michael Moynagh (mit Philip Harrold): Fresh Expressions of Church. 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