{"id":629,"date":"2018-10-13T11:05:25","date_gmt":"2018-10-13T11:05:25","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=629"},"modified":"2018-10-13T11:18:19","modified_gmt":"2018-10-13T11:18:19","slug":"pieter-j-lalleman-goldadern-der-bibel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=629","title":{"rendered":"Pieter J. Lalleman: Goldadern der Bibel"},"content":{"rendered":"\n<p>Pieter J.\nLalleman: <em>Goldadern der Bibel. Von der\nbleibenden Bedeutung des Alten Testaments<\/em>, Holzgerlingen: SCM Brockhaus,\n2018, geb., 158&nbsp;S., \u20ac&nbsp;14,95, <a href=\"https:\/\/www.scm-brockhaus.de\/goldadern-der-bibel.html\">ISBN 978-3-417-25359-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Hilbrands_Lalleman.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p>Der Niederl\u00e4nder Pieter\nLalleman ist Dozent am Spurgeon\u2019s College in London, theologischer Autor und\nHerausgeber der <em>Europ\u00e4ischen\nTheologischen Zeitschrift<\/em>. Das niederl\u00e4ndische Original des anzuzeigenden\nWerkes erschien 2015 unter dem Titel <em>Van\nblijvend belang: Het Oude Testament<\/em>. Dr. Friedemann Lux, der exzellente\nArbeit geleistet hat, hat das Werk aus dem Englischen \u00fcbersetzt. Zur englischen\nAusgabe findet man aber keine n\u00e4heren Angaben.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Autor\ngeht es um die Frage der Relevanz des Alten Testaments f\u00fcr die Kirche und den\neinzelnen Gl\u00e4ubigen. Seiner Auffassung nach hat das AT in vielen Bereichen dem\nChristen noch etwas zu sagen, ja, das Alte sage vielfach sogar mehr als das\nNeue Testament. Sein Pl\u00e4doyer f\u00fcr den \u201e\u00dcberschuss\u201c (englisch: \u201esurplus\u201c) oder\n\u201eMehrwert\u201c, wie er es nennt, macht er an neun Punkten fest: Sch\u00f6pfung, Namen\nund Titel Gottes, Sexualit\u00e4t, Politik und der Fremde, Skepsis und Zweifel,\nKlage, Gott Widersprechen, Botschaft des Esterbuches, j\u00fcdischer Kanon. Diese Themen\nmachen den bleibenden Wert des Alten Testaments aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem\nHauptteil vorangestellt wird eine Einleitung (7\u201320), die das Verh\u00e4ltnis der\nbeiden Bibelteile beleuchtet und die Intention des Buches herausstellt: Das AT\nist nicht einfach in Christus erf\u00fcllt und an sein Ende gekommen. \u201eErf\u00fcllung\u201c\nbedeutet nicht \u201eAusl\u00f6schung oder Abschaffung, sondern vielmehr, dass etwas zur\nReife kommt, dass es voll in Kraft tritt\u201c (14). In R\u00f6m 10,4 sei deshalb auch\nsachgem\u00e4\u00dfer mit \u201eZiel\u201c oder \u201eAbsicht\u201c zu \u00fcbersetzen. Das Buch behandelt f\u00fcnf\nBereiche nicht: weder messianische Weissagungen noch indirekte Prophetien auf\nChristus, weder Gebote wie die Zehn Gebote, die f\u00fcr den Christen noch\nG\u00fcltigkeit besitzen, noch Gebote, die f\u00fcr ihn nicht mehr gelten (wie die\nOpfervorschriften). Nicht behandelt werden schlie\u00dflich die Geschichten, die\nalttestamentliche Gestalten portr\u00e4tieren. Lalleman geht es in einer sechsten\nKategorie um solche Texte, die eine zeitlose G\u00fcltigkeit aufweisen, wenn sie\nnicht christozentrisch verengt werden. Hier steht er in Kontinuit\u00e4t zu den niederl\u00e4ndischen\nTheologen Albert van Ruler und Kornelis Heiko Miskotte, auch wenn er nicht alle\nihre Ansichten teilt (19\u201320).<\/p>\n\n\n\n<p>Beim\nersten Kernthema (21\u201335) wird entfaltet, dass die Sch\u00f6pfung gut ist und dass\njeder Mensch eine W\u00fcrde und einen Wert besitzt. Ebenbildlichkeit meine\nStatthalterschaft, k\u00f6nigliche Repr\u00e4sentanz und den Auftrag zum kreativen,\nverantwortungsbewussten Handeln. Das AT hilft uns, auch in dem anderen ein\nGesch\u00f6pf Gottes zu sehen und Gottes Wirken in der Sch\u00f6pfung besser zu erkennen.\nDer biblische Sch\u00f6pfergott stehe der Welt gegen\u00fcber, ohne in ihr aufzugehen.\nDie Erde ist als Gottes Eigentum ein sicherer, wenn auch nicht ewiger Ort. Im\nGegensatz zu \u00f6stlichen Religionen oder dem Platonismus verstehe das AT das\nLeben auf dieser Erde als das wirkliche Leben und f\u00fchre zu keiner\nWeltverneinung.<\/p>\n\n\n\n<p>Durch die\nzahlreichen Namen und Titel Gottes offenbare er sein Wesen, das das Bild von\nGott als einem strengen Richter als Klischee entlarvt (36\u201350). Die positiven Aussagen\ndes AT zu Sexualit\u00e4t und Ehe (51\u201361) sch\u00fctzen vor einer Leibfeindlichkeit und einer\nVergeistlichung des Eros. Im Gegensatz zu den altorientalischen Religionen\n\u00fcberrasche das AT aber damit, dass Gott nicht als sexuell aktiv beschrieben wird.\nZum Thema Regierung werden Schneisen durch die alttestamentlichen Konzepte von\nGerechtigkeit, Politik, Geschichte, K\u00f6nig, Prophet, Armut und Besitz und vom\nWert des Menschen und vom Fremden geschlagen. Es ist erstaunlich, wie es\nLalleman gelingt, eine Lanze f\u00fcr den ersten Bibelteil zu brechen und die Texte\naus sich selbst zu verstehen. An vielen Beispielen veranschaulicht er seinen\nhermeneutischen Ansatz, die g\u00fcltigen biblischen Prinzipien zu erheben. Kap. 5\u20137\nhandeln von der Klage und dem Zweifel und ermutigen, auch unsere N\u00f6te und\nunseren Protest vor Gott zu bringen. Er leitet zu einer theologisch\nverantworteten Lekt\u00fcre der kritischen Weisheitsliteratur und vergleichbarer\nBibeltexte an und warnt vor Fehlinterpretationen (76\u2013102). Der Autor entfaltet\ndie Botschaft des Esterbuches und erkl\u00e4rt Aufbau und Geschichte des hebr\u00e4ischen\nKanons. Die Dreiteilung h\u00e4lt er f\u00fcr eine \u201eerfrischende Alternative zu der\nAnordnung in unseren Bibeln\u201c (115).<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nletzten Hauptteil wird besprochen \u201ewie man das Alte Testament besser nicht benutzt\u201c,\nwenn beispielsweise ein dritter Tempel gebaut, der Sabbat gehalten, der Zehnte\ngegeben oder Priester eingesetzt werden sollen. In diesem Kapitel tritt\nvielleicht am deutlichsten der reformierte Ansatz Lallemans zutage (117\u2013128). Einem\nWohlstandsevangelium und dem Halten j\u00fcdischer Feiertage kann der Autor ebenso wenig\nPositives abgewinnen (129\u2013144).<\/p>\n\n\n\n<p>Auf den letzten Seiten (148\u2013158) findet sich eine Liste der verwendeten Literatur (18 Titel), zu jedem Kapitel vier bis acht aktualisierende Fragen f\u00fcr Gespr\u00e4chsgruppen und die Einzelnachweise als Endnoten. Nicht jeder Leser muss allen Aussagen zustimmen. Der Autor schreibt mit Herzblut, Enthusiasmus und Humor. Das Buch ist angenehm zu lesen und die einzelnen Kapitel k\u00f6nnen auch je f\u00fcr sich gelesen werden. Zugleich ist es theologisch gr\u00fcndlich reflektiert und gespickt mit exegetischen und theologischen Einsichten. \u2013 Ein wahres Kunstst\u00fcck, wie der Autor beides miteinander verbinden und ein umstrittenes Themenfeld allgemeinverst\u00e4ndlich und kurzweilig pr\u00e4sentieren kann!<em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. <a>Walter Hilbrands<\/a>, Dekan und Dozent f\u00fcr Altes Testament an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pieter J. Lalleman: Goldadern der Bibel. Von der bleibenden Bedeutung des Alten Testaments, Holzgerlingen: SCM Brockhaus, 2018, geb., 158&nbsp;S., \u20ac&nbsp;14,95,<\/p>\n","protected":false},"author":40,"featured_media":654,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-629","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/629","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/40"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=629"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/629\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":678,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/629\/revisions\/678"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/654"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=629"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=629"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=629"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}