{"id":690,"date":"2018-10-13T13:18:40","date_gmt":"2018-10-13T13:18:40","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=690"},"modified":"2018-10-13T13:18:42","modified_gmt":"2018-10-13T13:18:42","slug":"frederik-elwert-martin-radermacher-jens-schlamelcher-hg-handbuch-evangelikalismus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=690","title":{"rendered":"Frederik Elwert \/ Martin Radermacher \/ Jens Schlamelcher (Hg.): Handbuch Evangelikalismus"},"content":{"rendered":"\n<p>Frederik Elwert \/ Martin Radermacher \/ Jens Schlamelcher (Hg.): <em>Handbuch Evangelikalismus<\/em>, [transkript] Religionswissenschaft, Bielefeld: Transkript-Verlag, 2017, geb., 452 S., \u20ac 39,99, <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-3201-9\/handbuch-evangelikalismus\/\">ISBN 978-3-8376-3201-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Hille_Elwert.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p>Bei dem <em>Handbuch Evangelikalismus<\/em>\nhandelt es sich um eine durchgehend religionssoziologische Studie. Wie die\nHerausgeber bereits in der Einleitung darlegen hat das unglaubliche\nzahlenm\u00e4\u00dfige Wachstum der evangelikalen Bewegungen und Kirchen \u2013 vor allem in\nder s\u00fcdlichen Hemisph\u00e4re \u2013 den Ansto\u00df zur wissenschaftlichen Besch\u00e4ftigung mit\ndiesem Ph\u00e4nomen des Protestantismus veranlasst. Mit der Festlegung auf\nreligionswissenschaftliche Fragestellungen und Methoden ist der Vorzug\nverbunden, dass viele typische Klischees, die in der theologischen\nAuseinandersetzung gang und g\u00e4be sind, vermieden werden. Bei dem Bem\u00fchen um\neine ad\u00e4quate Definition des Evangelikalismus unterstreichen die Autoren, dass\nsich sehr wohl klar bestimmbare Merkmale sowohl historisch als auch\nreligionsgeografisch aufweisen lassen. Andererseits stellt der Evangelikalismus\nein vielschichtiges Erscheinungsbild dar, das sich in unterschiedlichen,\nteilweise sogar widerspr\u00fcchlichen Inhalten und Organisationsstrukturen\npr\u00e4sentiert. Die theologischen Gemeinsamkeiten evangelikaler Kirchen fassen die\nAutoren durch den Hinweis auf allgemein anerkannte Definitionen zusammen:\nn\u00e4mlich ein strikter Biblizismus, die Notwendigkeit pers\u00f6nlicher Bekehrung und\nHeiligung sowie der Auftrag zu Mission und Evangelisation. Die Vielfalt der\nevangelikalen Bewegungen erkl\u00e4rt sich indes aus den unterschiedlichen\nkonfessionellen Traditionen und der weltweiten Verbreitung evangelikaler\nGemeinden. Das f\u00fchrt dazu, dass die Verfasser gelegentlich Schwierigkeiten\nhaben, die einzelnen Str\u00e4nge ihrer Analysen deutlich auseinanderzuhalten, da\nbestimmte Charakteristika in verschiedenen Weltregionen auftauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Handbuch wird seinem\nSelbstanspruch verl\u00e4ssliche und breit angelegte Informationen zu geben aufs\nGanze gerecht. Die klar gegliederten Beitr\u00e4ge sachkundiger Autoren ergeben ein\ndetailliertes Mosaik des Evangelikalismus. Die Leser k\u00f6nnen sich rasch \u00fcber\nEinzelthemen und Aspekte kundig machen. Die beiden Hauptteile des Werkes\nbearbeiten einerseits die historischen Hintergr\u00fcnde und Zusammenh\u00e4nge im Blick\nauf verschiedene Kontinente. Andererseits erl\u00e4utern die Verfasser Spezifika der\nFr\u00f6mmigkeitspraxis, der Sozialformen und spezifischer Sach- bzw.\nLebensbereiche, wie z.\u00a0B. Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Sport,\nSoziale Arbeit usw. <\/p>\n\n\n\n<p>Deutlich ergibt sich aus dem\nVergleich der einzelnen religionsgeografischen Studien die besondere Bedeutung\ndes Evangelikalismus in den USA, der nicht zuletzt durch prominente\nPers\u00f6nlichkeiten (wie Billy Graham) wesentlich zur internationalen Beachtung\ndes Evangelikalismus in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts beigetragen\nhat. Nicht \u00fcbersehen darf man hinsichtlich des evangelikalen Selbstbewusstseins\ndas Zusammenspiel der in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts gegr\u00fcndeten World\nEvangelical Fellowship (heute World Evangelical Alliance) mit ihrer stabilen\nInfrastruktur und der sich in dynamischen Gro\u00dfveranstaltungen entfaltenden\nLausanner Bewegung. Beide Organisationsformen sind f\u00fcr die Wahrnehmung der\nEvangelikalen im \u00f6kumenischen Kontext von herausragender Bedeutung.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Entwicklung der\nEvangelikalen in Afrika zeigt nach \u00dcberzeugung der Verfasser, wie sich aus der\npietistisch gepr\u00e4gten Mission des 19. Jahrhunderts ein konservatives aber\nh\u00f6chst vitales protestantisches Kirchentum in nahezu allen Konfessionen\nentfaltet hat. Der Beitrag \u00fcber den Evangelikalismus in Afrika von J\u00f6rg\nHaustein sei deshalb kurz exemplarisch f\u00fcr die religionsgeografische und\nreligionshistorische Arbeitsweise der Autoren skizziert. Haustein beschreibt\nzun\u00e4chst Beurteilungen aus einem dezidiert anti-evangelikalen Hintergrund, um\ndann die Missionsbewegung des 19. Jahrhunderts, die Glaubens- und\nHeiligungsbewegung und schlie\u00dflich das Entstehen der Pfingstkirchen in Afrika\nsachlich zu beschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die London Missionary Society\nwar von der englischen Erweckungsbewegung inspiriert und hat in der Folgezeit\nentscheidende Einfl\u00fcsse auf die Entstehung des Evangelikalismus in Afrika\ngehabt. Von deutscher Seite sind es vor allem \u00fcberkonfessionelle pietistisch\ngepr\u00e4gten Missionsgesellschaften, wie die Berliner, Basler, Rheinische,\nLeipziger und Hermannsburger Mission gewesen, die den Evangelikalismus auf dem\nschwarzen Kontinent gepr\u00e4gt haben. Der Kampf gegen Sklaverei, das Insistieren\nauf die Eingeborenensprache bei der Bibel\u00fcbersetzung und nicht zuletzt das\nVerlangen nach pers\u00f6nlicher Bekehrung standen im Zentrum dieser Missionsarbeit.\nDie Glaubensmissionen haben sich als Gegenbewegung zur B\u00fcrokratisierung und\nKonfessionalisierung des etablierten Kirchentums verstanden. Sie versuchten,\nins Innere des afrikanischen Kontinents vorzudringen, indem sie eine Kette von\nMissionsstationen aufbauten.<\/p>\n\n\n\n<p>An die Glaubensmissionen\nkonnte dann die Pfingstbewegung ankn\u00fcpfen. Ihr ging es vorzugsweise um\n\u00fcbernat\u00fcrliche Krankenheilungen, die Praxis der Zungenrede und das prophetische\nReden. Als problematisch stellte sich jedoch das in den 1950er Jahren\naufbrechende sog. \u201eWohlstandsevangelium\u201c dar. <\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt belegt der Artikel\nvon Haustein, dass sich die Autoren um sachliche Objektivit\u00e4t bem\u00fchen und ihre\nreligionssoziologischen Urteile auf wissenschaftliche Arbeit gr\u00fcnden. Das\nGewicht der Evangelikalen in Afrika l\u00e4sst sich wesentlich aus der Verkn\u00fcpfung\nvon kontinentaleurop\u00e4ischem Pietismus und dem angels\u00e4chsischen Methodismus bzw.\nBaptismus in Verbindung mit der pfingstkirchlich-charismatischen Bewegung\nerkl\u00e4ren. In dieser wechselseitigen Verst\u00e4rkung liegen die eigentlichen\nZukunftskr\u00e4fte des Evangelikalismus, wie ihn die Verfasser sachgem\u00e4\u00df\nbeschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die vielen hilfreichen\nEinzelkapitel zu diversen Sachthemen mit ihren Facetten, die von den Autoren\nkonzentriert er\u00f6rtert werden, k\u00f6nnen hier ebenfalls nur exemplarisch angedeutet\nwerden. <\/p>\n\n\n\n<p>In dem Beitrag\n\u201eEvangelikalismus und Wissenschaft\u201c umrei\u00dft z.\u00a0B. Sebastian Sch\u00fcler das\nSpannungsverh\u00e4ltnis von Evangelikalen und Naturwissenschaftlern. Auch hier\nzeigt sich die Dominanz des US-amerikanischen Einflusses auf den weltweiten\nEvangelikalismus. Beispielhaft wird dies im Blick auf die Diskussion um die\nEvolutionstheorie und die biblische Sch\u00f6pfungslehre entfaltet. Der \u201eScopes\nMonkey Trial\u201c macht die politische Dimension der Auseinandersetzung besonders\nhinsichtlich des Schulunterrichts deutlich. Sebastian Sch\u00fcler zieht die Linien\nweiter und benennt die Differenzierung, die das Konzept des \u201eIntelligent\nDesign\u201c erm\u00f6glicht als Ansatzpunkt f\u00fcr das Gespr\u00e4ch mit \u201eaufgeschlossenen\nEvangelikalen\u201c, die sich \u00fcber die Naturwissenschaft hinaus auch f\u00fcr \u00f6kologische\nAufgaben engagieren. <\/p>\n\n\n\n<p>Im Fazit des Beitrags von\nSch\u00fcler wird seine wohlwollende Pr\u00e4valenz f\u00fcr liberalprotestantische Tendenzen\nin der evangelikalen Bewegung sichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend ist im\nZusammenhang des Handbuches auch danach zu fragen, warum die ansehnliche\nEvangelikalismusforschung aus evangelikaler Feder nicht ber\u00fccksichtigt wurde.\nDer Grund ist wohl in der konzeptionellen Beschr\u00e4nkung auf\nreligionssoziologische und religionswissenschaftliche Fragestellungen zu\nsuchen. Dadurch werden allerdings relevante Aspekte zum Thema \u00fcbersehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Handbuch ist in jedem Fall mit seinen Literaturverweisen und ausf\u00fchrlichen Bibliografien ein Forschungsbeitrag, der in seiner wissenschaftlichen Gr\u00fcndlichkeit aufgenommen und weiterdiskutiert werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Rolf Hille (Heilbronn), Professor f\u00fcr Systematische Theologie, Freie Theologische Hochschule in Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frederik Elwert \/ Martin Radermacher \/ Jens Schlamelcher (Hg.): Handbuch Evangelikalismus, [transkript] Religionswissenschaft, Bielefeld: Transkript-Verlag, 2017, geb., 452 S., \u20ac<\/p>\n","protected":false},"author":25,"featured_media":655,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[],"class_list":["post-690","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-systematische-theologie"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/690","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/25"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=690"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/690\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":691,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/690\/revisions\/691"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/655"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=690"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=690"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=690"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}