{"id":694,"date":"2018-10-13T13:26:33","date_gmt":"2018-10-13T13:26:33","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=694"},"modified":"2018-10-13T13:27:02","modified_gmt":"2018-10-13T13:27:02","slug":"steven-c-van-den-heuvel-patrick-nullens-angela-roothaan-hg-theological-ethics-and-moral-value-phenomena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=694","title":{"rendered":"Steven C. van den Heuvel \/ Patrick Nullens \/ Angela Roothaan (Hg.): Theological Ethics and Moral Value Phenomena"},"content":{"rendered":"\n<p>Steven C. van den Heuvel \/ Patrick Nullens \/ Angela Roothaan (Hg.): <em>Theological Ethics and Moral Value Phenomena<\/em>. <em>The Experience of Values<\/em>, Abingdon: Routledge, 2018, geb., 210 S., \u20ac 114,\u2013, <a href=\"https:\/\/www.routledge.com\/Theological-Ethics-and-Moral-Value-Phenomena-The-Experience-of-Values\/van-den-Heuvel-Nullens-Roothaan\/p\/book\/9781138087774\">ISBN 978-1-138-08777-4<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Frei_Heuvel.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p>Das vorliegende Werk,\nbestehend aus zehn selbst\u00e4ndigen Beitr\u00e4gen, befasst sich damit, wie wir Werte\nerfahren, was uns dazu bringt, uns f\u00fcr diese Werte einzusetzen, und wie wir sie\nin ein Wertesystem einf\u00fcgen. Es sollen Grundlagen f\u00fcr eine Werte-Ethik gelegt\nwerden. Das vorliegende Werk wird von den Herausgebern als Resultat eines\nl\u00e4ngeren Prozesses des Schreibens und Diskutierens im Umfeld der in den\nNiederlanden beheimateten Forschungsgruppe \u201eTheological Ethics\u201c gesehen. Diese\nist Teil der Dutch Research School of Philosophy. Das Buch fordert ein\nst\u00e4rkeres Engagement mit einer Werte-Ethik, dem Personalismus und der\nph\u00e4nomenologischen Methode. Wie die durch Edmund Husserl gepr\u00e4gte\nphilosophische Str\u00f6mung finden Herausgeber und Autoren einen wesentlichen\nUrsprung der Erkenntnisgewinnung in den gegebenen Erscheinungen, also in den\nPh\u00e4nomenen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im 1. Teil (<em>\u201eReturn to the classics\u201c<\/em>) stellen sich\ndie Autoren der Frage, wie sich moralische Werte gewinnen lassen. Hier werden\nklassische, ph\u00e4nomenologische Denker diskutiert. Ich m\u00f6chte auf zwei der vier\nBeitr\u00e4ge eingehen:<\/p>\n\n\n\n<p>Patrick Nullens (<em>\u201eThe sentiment of the heart and Protestant ethics. A constructive\ndialogue between Paul Ramsey and Max Scheler\u201c,<\/em> 31\u201347) beginnt mit William\nWilberorce. Dieser sei zuerst ein Mann des\nGef\u00fchls und der moralischen Intuition und erst dann ein Mann des Denkens und\nder Tat gewesen (32). Nullens bringt Max Scheler und Paul Ramsey ins Gespr\u00e4ch.\nNach Scheler h\u00e4ngen die Wahrnehmung von Werten, Religion (inklusive\nG\u00f6tzendienst) und das, was wir lieben, miteinander zusammen (41). Ramsey ist\noffen f\u00fcr einen Dialog mit diesem mehr vom Menschen ausgehenden Ansatz, will\naber Werte weniger ontologisch als relational verstanden haben. Ramsey wehrt\nsich gegen eine christianisierte Form erotischer Selbstverwirklichung hin zu\neiner <em>unio mystica<\/em> (42). Schelers\nSicht der Liebe interpretiert Nullens als \u201esophisticated form of\nself-realization\u201c (37). Dagegen verstehe Ramsey Liebe streng als \u201ecovenental\nlove\u201c (36ff).<\/p>\n\n\n\n<p>Guus\nTimmerman (<em>\u201eEmpirically grounded ethics\nand John Taylor\u2019s relational ontology of goods\u201c,<\/em> 49\u201364) beabsichtigt, zu\nder Konzeption einer empirisch begr\u00fcndeten Moraltheologie beizutragen. Es sei\nanzuerkennen, dass im Tun moralische Erkenntnis gewonnen werden k\u00f6nne. Das Tun\nversteht Timmerman nicht nur als Akt des Tuns oder Lassens, sondern auch als\neinen Prozess, dem Menschen unterworfen sind. Timmermann bleibt seiner\nTradition verbunden und kann gleichzeitig postmodern denken (49).<\/p>\n\n\n\n<p>Der 2. Teil\n(<em>\u201eThe validating person\u201c<\/em>) untersucht\nmit der Person einen zentralen Aspekt ph\u00e4nomenologischer Ethik. Die Person ist\nhier der Ort der Werteerfahrung (10). Ich werde mich hier auf einen Beitrag\nbeschr\u00e4nken.<\/p>\n\n\n\n<p>Frits de Lange (<em>\u201eThe self in exile. Emmanuel Housset\u2019s\nconcept of personhood\u201c,<\/em> 95\u2013111) beginnt mit Houssets Personenverst\u00e4ndnis.\nDieser sieht im Menschen mehr als einen objektiven Beobachter, in der Natur\nmehr als ein Objekt und in der Erfahrung mehr als eine \u00fcberpr\u00fcfte Erkenntnis.\nEine Person zu sein, bedeute, ein Event zu sein, eine Unternehmung, ein Exodus,\nein Exil, st\u00e4ndig in Bewegung. De Lange spricht im Anschluss an Housset von\n\u201eLiminalit\u00e4t\u201c (von lat. <em>limen<\/em>\n\u201eSchwelle\u201c; gemeint ist ein Dazwischen-Sein, 96), was man am besten als\nPilgerschaft versteht. Der Pilger verl\u00e4sst seine Heimat, geht auf Pilgerschaft\n(zu verstehen als \u00dcbergangsphase, in welcher der Pilger dem heiligen Ziel\nentgegen reist), um wieder in sein urspr\u00fcngliches Umfeld zur\u00fcckzukehren. Das\nSelbst bleibe ruhelos, fortw\u00e4hrend auf der Abreise. De Lange verweist auf 1Joh\n3,2: \u201ees ist aber noch nicht offenbar geworden, was wir sein werden.\u201c Damit\nw\u00fcrde ein eschatologisches Verst\u00e4ndnis des Selbst impliziert. Das Selbst sei\nals Flugbahn mir offenem Horizont zu verstehen (109).<\/p>\n\n\n\n<p>Im 3. Teil\ndes Buches (<em>\u201eValue ethics in practice\u201c<\/em>,\n145\u2013203) n\u00e4hern sich die Autoren ethischen Feldern an, wobei ich mich auch hier\nein weiteres Mal begrenzen muss und als Beispiel die Umweltethik w\u00e4hle. Die\nFrage ist, wie theoretische Zugangswege den Umst\u00e4nden angepasst werden m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ronald T. Michener (<em>\u201eA ,value\u2018 prolegomenon for creation care. <\/em><em>Theological appropriations\nfrom Marion and Levinas\u201c,<\/em> 147\u2013163) stellt sich die\nFrage, welche Erfahrungen uns zur Bewahrung der Sch\u00f6pfung motivieren (147).\nDieser Artikel verdient es m.\u00a0E., genauer betrachtet zu werden. Im\nAnschluss an Jean-Luc Marion versteht Michener die Sch\u00f6pfung als <em>\u201eicon of god\u201c<\/em> (148). Die Sch\u00f6pfung zeige\nGott ikonographisch, ohne die ganze F\u00fclle Gottes in sich zu tragen oder\neinzufangen (ebd.). Marions Unterscheidung zwischen \u201eidol\u201c und \u201eicon\u201c sei\nwesentlich (149f). Das Idol steht f\u00fcr das, was wir beim Anblick ergreifen\nk\u00f6nnen, w\u00e4hrend die Ikone uns immer zur Transzendenz leitet, ohne diese selbst\nzu enthalten. Die Ikone offenbare dem Menschen etwas von Gott, ohne Gott in\nseiner F\u00fclle jemals zu fassen. Diese erneuerte Vision einer Ikone wendet\nMichener nun auf die Sch\u00f6pfung an (151ff). Die Sch\u00f6pfung selbst wird zu einem\nikonischen Zeichen, das auf den Sch\u00f6pfer selbst hinweist und Spuren des\nG\u00f6ttlichen selbst in sich tr\u00e4gt. So wird die Sch\u00f6pfung daf\u00fcr wertgesch\u00e4tzt,\neine Widerspiegelung der Sch\u00f6nheit Gottes zu sein (155). Dar\u00fcber hinaus sieht\nMichener in der Sch\u00f6pfung das \u201etranszendente Andere\u201c (156). Die Ikone versteht\ner als einen konkreten Zugangsort. Wie Gott Fleisch geworden sei, die Sch\u00f6pfung\ndurchdrungen habe und in sie eingedrungen sei, so erlaube uns die Ikone einen\nZugang, um Gott im Materiellen und Konkreten der physikalischen Sph\u00e4re zu\nbegegnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch enth\u00e4lt zehn meist sehr interessante Beitr\u00e4ge. Die in diesem Werk vertretenen Ans\u00e4tze sind bei aller Vielseitigkeit mehr oder weniger stark von der ph\u00e4nomenologischen Denkschule beeinflusst. Die ersten beiden Teile des Buches sind aus grundlagenethischer Sicht interessant. Die theologische Ethik aus diesem Blickwinkel zu betrachten, empfand ich als erfrischend. Im dritten Teil setzt sich ein von der Ph\u00e4nomenologie geschultes theologisches Denken mit konkreten ethischen Fragen wie der Bewahrung der Sch\u00f6pfung oder dem Nationalismus auseinandersetzt. Es wird deutlich, was der Ansatz zu leisten vermag. Das macht f\u00fcr mich die Auseinandersetzung mit diesem Werk so wertvoll. Auch wenn ich diesen Ansatz selber f\u00fcr meine Studien als zu einseitig betrachte, er\u00f6ffnet er mir doch Aspekte, die ich anderswo so nicht gefunden habe. Ob man beispielsweise das Selbst in der Weise deuten soll, wie es Frits de Lange vorschl\u00e4gt, bedarf weiterer Diskussion, ebenso die Frage, wie stark das ethische Urteil von einem solchen Selbstverst\u00e4ndnis abh\u00e4ngig sein darf oder nicht. Man muss ihm aber dankbar sein, dass er die Frage aufwirft. Wer sich f\u00fcr den von Jacques Derrida eingeschlagenen Weg der Dekonstruktion als Analyseverfahren nicht begeistern l\u00e4sst, wird im vorliegenden Buch, besonders aber im Beitrag Angela Roothaans (<em>\u201eHospitality versus personalism? <\/em><em>Weil, Levinas and Derrida on the encounter of the other\u201c,<\/em> 113\u2013127) gen\u00fcgend Anlass zur Kritik finden. Dass es auch anders geht, zeigt Axel Li\u00e9geois (<em>\u201eValue-besed ethics in care\u201c,<\/em> 129\u2013144). Kurz: Das in England bei Routledge gedruckte Buch bietet anregende Lekt\u00fcre mit einem Wermutstropfen. F\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse ist es mit US\u00a0$ 149,95 sehr teuer. Ich pers\u00f6nlich w\u00fcnsche diesem Buch eine deutsche \u00dcbersetzung zu einem vern\u00fcnftigen Preis.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Dr. Christian Reto Frei, Missionar und Gemeindegr\u00fcnder in M\u00fcnchen\/Bayern, Gastdozent f\u00fcr Ethik an der Staatsunabh\u00e4ngigen Theologischen Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steven C. van den Heuvel \/ Patrick Nullens \/ Angela Roothaan (Hg.): Theological Ethics and Moral Value Phenomena. 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