{"id":704,"date":"2018-10-13T13:43:09","date_gmt":"2018-10-13T13:43:09","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=704"},"modified":"2018-10-13T13:43:11","modified_gmt":"2018-10-13T13:43:11","slug":"frank-jehle-hg-ain-christliche-underwisung-der-jugend-im-glouben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=704","title":{"rendered":"Frank Jehle (Hg.): \u201eAin christliche Underwisung der Jugend im Glouben\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frank Jehle (Hg.): <em>\u201eAin christliche Underwisung der Jugend im Glouben\u201c. Der St. Galler Katechismus von 1527<\/em>, Z\u00fcrich: TVZ \/ St. Gallen: VGS, 2017, geb., 85 S., \u20ac 17,90, <a href=\"https:\/\/www.tvz-verlag.ch\/buch\/ain-christliche-underwisung-der-jugend-im-glouben-9783290179274\/?page_id=66\">ISBN 978-3-290-17927-4<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.tvz-verlag.ch\/buch\/ain-christliche-underwisung-der-jugend-im-glouben-9783290179274\/?page_id=66\">978-3-7291-1164-6<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eber_Jehle.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Heidelberger Katechismus von 1563 ist in den calvinistischen Kreisen\nDeutschlands und der Schweiz die am weitesten verbreitete Zusammenfassung der\nreformierten Glaubenslehre im Reformationszeitalter. Der Verdr\u00e4ngungseffekt des\n\u201eHeidelbergers\u201c (47) hat \u2013 wie auf lutherischer Seite des Kleinen Katechismus\nLuthers \u2013 dazu gef\u00fchrt, dass auch mehrfach neu aufgelegte (47f) fr\u00fchere\nKatechismen heute wenig bis gar nicht mehr bekannt sind (vgl. Ferdinand Cohrs:\nDie Evangelischen Katechismusversuche vor Luthers Enchiridion, MGP 20\u201323 u. 39,\n5 Bde, Berlin, 1900 bis 1907, Neudr. Hildesheim, 1978). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Frank Jehle,\nUniversit\u00e4tsprediger und Theologiedozent im Ruhestand, hat mit der Neuedition\ndes St. Galler Katechismus von 1527 eine der ganz fr\u00fchen Glaubensunterweisungen\nf\u00fcr die Jugend der Vergangenheit entrissen. Besonders bei Waldensern und B\u00f6hmischen\nBr\u00fcdern gab es schon vor der Reformationszeit vergleichbare Beispiele\nreligi\u00f6ser Erziehung (14, vgl. 82). Doch erst mit Beginn der Reformation wurde\nchristliche Volksbildung zu einem kirchlichen Hauptthema. Der Herausgeber war\nbeim Abtippen des Originals immer mehr gefesselt: \u201eIch fing an zu staunen,\nzuerst \u00fcber die umfassenden Bibelkenntnisse seiner Verfasser, dann auch \u00fcber\nihre hohe theologische Bildung\u201c (82)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Inhalt des gediegen\nausgestatteten Taschenbuchs ist zweigeteilt: Auf die Einleitung des\nHerausgebers Frank Jehle (7\u201348) folgt die Edition des Katechismustextes\n(51\u201380), versehen mit einer knappen \u201epers\u00f6nlichen Nachbemerkung\u201c (81\u201385). Der\nSt. Galler Katechismus von 1527 geh\u00f6rt wie die Katechismen der Waldenser und\nB\u00f6hmischen Br\u00fcder zu den analytisch aufgebauten Katechismen (16), die nicht von\nden einzelnen katechetischen Themen, sondern vom Christsein als grundlegender\nLeitfrage ausgehen. Dies hat beim Text von St. Gallen allerdings nicht zu einem\nklaren inhaltlichen Aufbau gef\u00fchrt, so ist die Lehre von der Taufe seltsam\nisoliert nachgestellt (vgl. 28, 84). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schon 1525 gab es in Z\u00fcrich\neinen sp\u00e4ter mehrfach nachgedruckten \u201eWandkatechismus\u201c als Plakatdruck (17\u201320).\nDie Glaubensinhalte des St. Galler Katechismus war f\u00fcr neun- bis\nf\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Kinder gedacht, die an Sonntagnachmittagen behandelt und von\nden Eltern vorher zu Hause den Kindern vermittelt werden sollten (24). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der St. Galler Katechismus\nwurde sehr wahrscheinlich von Domini Zili nach dem Vorbild des Katechismus der\nB\u00f6hmischen Br\u00fcder redigiert. Zili hatte als St. Galler Lehrer noch weitere\nst\u00e4dtische \u00c4mter inne (25). Auffallend ist die kinderfreundliche Ausrichtung\ndes Textes, die sich schon auf dem Titelblatt zeigt: Hier ist programmatisch\nEpheser 6,4 abgedruckt! (26f)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Edition des Urtextes zeigt\ndie reformierte Grundausrichtung des Katechismus, dessen Theologie der\nHerausgeber in seiner Einleitung zusammenfassend darstellt (30\u201347). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei der Lekt\u00fcre f\u00e4llt auf,\ndass in den Fragen von Marienfr\u00f6mmigkeit und Heiligenverehrung nicht nur die\ndamalige katholische Position kritisiert wird (\u201eAbg\u00f6tterei\u201c, 65f), vielmehr\nwird auch das positive Vorbild von Maria und der Heiligen herausgearbeitet\n(67f). Das Bilderverbot impliziert, dass auch Christus nicht im Bild angebetet\nwerden soll (68, Nr.\u00a062). Diese Aussage bildet eine Br\u00fccke zur Verwerfung\nder r\u00f6misch-katholischen Abendmahlspraxis, in der das Sakrament angebetet wurde\n(68f). Dagegen wird herausgestellt, dass Christus jetzt \u201ewesentlich\u201c zur\nRechten seines Vaters im Himmel sitzt, also nicht hier auf Erden angebetet\nwerden kann (70). Beim Abendmahl soll der teilnehmende Christ fest glauben,\ndass das, was die Einsetzungsworte verhei\u00dfen, auf Golgatha geschehen ist (69,\nNr.\u00a064). \u2013 \u00c4hnlich betont der Taufartikel die Distanz zwischen den\nElementen und ihrem geistlichen Gehalt: Getauft wird zur Bu\u00dfe (78, Nr.\u00a078);\nnicht das Wasser reinigt, sondern das Blut Christi reinigt von S\u00fcnden (78, Nr.\n80\u00a0und\u00a081).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner pers\u00f6nlichen Nachbemerkung stellt Jehle fest, dass sich Forscher bereits im 19. Jahrhundert intensiv mit dem St. Galler Enchiridion besch\u00e4ftigt haben. \u201eSie leisteten eine gute Arbeit. Man kann fast nichts Neues herausfinden. Der wissenschaftliche ,Fortschritt\u2018 besteht offenbar oft darin, dass die von fr\u00fcheren Generationen erarbeiteten Resultate wieder in Vergessenheit geraten\u201c (82). Die Reformation in der Schweiz war beim Erscheinen des Katechismus erst drei bis vier Jahre alt, aber die Tauf- und Abendmahlslehre, die sp\u00e4ter \u201ereformiert\u201c genannt werden sollte, ist bereits voll ausgebildet (83). Die Sakramente werden in erster Linie als Verk\u00fcndigungshandlungen und nicht als heilsnotwendig verstanden (ebd.). \u201eSo spr\u00f6de der St. Galler Katechismus auf den ersten Blick wirken mag, er ist ein lesenswertes Dokument. <em>In einem Wassertropfen spiegelt sich die Welt<\/em>. Wenn ich noch an einer Universit\u00e4t t\u00e4tig w\u00e4re, w\u00fcrde ich eine Lehrveranstaltung \u00fcber das unscheinbare B\u00fcchlein ins Vorlesungsverzeichnis aufnehmen\u201c (85). \u2013 Diesem Wunsch des Herausgebers kann man sich nur anschlie\u00dfen! Allerdings w\u00fcrde das B\u00fcchlein sicher eine weitere Verbreitung, finden, wenn eine \u00dcbersetzung ins heutige Deutsch beigef\u00fcgt worden w\u00e4re \u2013 das h\u00e4tte den Herstellungs- und Verkaufspreis nur wenig in die H\u00f6he getrieben. Oder sollen wir uns in Zukunft damit abfinden, dass doch nur noch Spezialisten den Katechismus lesen? <em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein, Redakteur des Jahrbuchs Biblisch erneuerte Theologie<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frank Jehle (Hg.): \u201eAin christliche Underwisung der Jugend im Glouben\u201c. 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