{"id":709,"date":"2018-10-13T13:59:28","date_gmt":"2018-10-13T13:59:28","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=709"},"modified":"2018-10-13T13:59:29","modified_gmt":"2018-10-13T13:59:29","slug":"steven-paas-johannes-rebmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=709","title":{"rendered":"Steven Paas: Johannes Rebmann"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steven Paas: <em>Johannes Rebmann. Ein Diener Gottes in Afrika vor dem Aufkommen des westlichen Kolonialismus<\/em>, Missiologica Evangelica 15; Edition Missiotop \u2013 Mission Academics 42, Bonn: VKW, 2018, 384 S., \u20ac 23,\u2013, <a href=\"https:\/\/vkwonline.com\/products\/johannes-rebmann-ein-diener-gottes-in-afrika-vor-dem-aufkommen-des-westlichen-kolonialismus\">ISBN 978-3-86269-163-0<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Eber_Paas.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Johannes Rebmann (1820\u20131876) ist der \u201eEntdecker\u201c des Kilimandscharo.\n\u00dcber diesen Sachverhalt hinaus ist \u00fcber den Missionar aus dem schw\u00e4bischen\nGerlingen eher nichts bekannt. Doch einer Gruppe von Liebhabern ist sein\nmissionarisch-sprachliches Wirken \u00fcber die Entdeckung hinaus wichtig. Im\nGegensatz zu seinem w\u00fcrttembergischen Kollegen Ludwig Krapf, der in seiner\nHeimatstadt T\u00fcbingen mit den \u00fcblichen Negativ-Klischees \u00fcber Mission kritisiert\nwird, wird Rebmanns Lebenswerk in seinem Heimatort Gerlingen hochgehalten. Und\nebenfalls im Gegensatz zu hunderten von Basler Missionaren, \u00fcber die nichts\nau\u00dfer den Personalakten in der Schweiz und in England bekannt ist, haben die\nRebmann-Freunde sich flei\u00dfig um dessen Nachlass gek\u00fcmmert und alles\nzusammengetragen, was bisher zu finden war. An dieser Stelle h\u00f6re ich den\nabgrundtiefen Seufzer von Erforschern pietistischer Missionsgeschichte: Es\nsollte noch mehr solche Kreise geben!<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In seiner Einf\u00fchrung und in\nder Bibliographie (17\u201326, 325\u2013328) f\u00fchrt Steven Paas die gefundenen und die\nverlorenen Rebmann-Originale auf (vgl. 202\u2013206). Dienstliche und private\nTageb\u00fccher, die als Arbeitsnachweis geschrieben wurden, sowie Briefe sind die\nhaupts\u00e4chlichen Quellen heutiger Geschichtsschreibung. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Niederl\u00e4nder Steven Paas\nkommt nicht vom heimatgeschichtlichen Interesse des Gerlinger\nRebmann-Freundeskreises (http:\/\/www.johannes-rebmann-stiftung.de) her. Als\nChichewa-Spezialist, als Ostafrika-Missionar, Missiologe und Sprachforscher ist\nPaas auf Rebmann als Autor des damals so genannten \u201eKiniassa\u201c-W\u00f6rterbuchs\ngesto\u00dfen (vgl. im Vorwort 11f). Er publizierte seine Erkenntnisse \u00fcber Rebmanns\nLeben und Werk zuerst auf Englisch (Johannes Rebmann: A Servant of God in\nAfrica before the rise of Western Colonialism, Missiologica Evangelica 14, Bonn:\nVKW, 2018; Eugene: Wipf &amp; Stock; N\u00fcrnberg: VTR u. Bonn: VKW, 2011) Es ist\nDr. Klaus Wetzel sehr zu danken, dass er Paas\u2019 Werk ins Deutsche \u00fcbersetzt hat,\nso dass es jetzt im Verlag f\u00fcr Kultur und Wissenschaft von Thomas Schirrmacher\nin Bonn erscheinen konnte. <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paas\u2019 Monographie erweitert\nunser Wissen \u00fcber Johannes Rebmann, der bisher wegen fehlender weiterer Quellen\n\u00fcberwiegend durch die Brille seines \u00e4lteren und kritisch referierenden Kollegen\nLudwig Krapf wahrgenommen wurde. \u00dcber die ersten neunzehn Lebensjahre Rebmanns\nin Gerlingen, Basel und London ist allerdings immer noch wenig bekannt, ebenso\n\u00fcber die zwei Jahre auf Sansibar und die letzten eineinhalb Jahre seines Lebens\nin London, Gerlingen und Korntal (Einf\u00fchrung, 24). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer \u00dcbersicht \u00fcber die\nQuellen (Einf\u00fchrung, 17\u201326) und Rebmanns geistliche Wurzeln im Pietismus\nbesonders in W\u00fcrttemberg (Kap.\u00a02, 27\u201343) stellt Paas die fr\u00fchen Jahre\nRebmanns in Gerlingen, Basel und Islington dar (Kap.\u00a03, 45\u201358). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das vierte Kapitel \u201eMit Johann\nLudwig Krapf\u201c (59\u2013103) ist das umfangreichste des Buchs. Hier schildert Paas\nausf\u00fchrlich die Meinungsverschiedenheit zwischen Krapf und Rebmann. Krapf\nwollte mit einer Kette von Missionsstationen Zentralafrika erreichen, Rebmann\nhielt dies f\u00fcr unm\u00f6glich (z.\u00a0B. 84, 95). Au\u00dferdem r\u00e4umte Rebmann\nkolonisatorischer Arbeit gr\u00f6\u00dfere Bedeutung ein. Die aussendende Church\nMissionary Society war sich nicht sicher, ob die in den ersten Jahren scheinbar\nerfolglose Mission in Ostafrika ganz aufgegeben werden sollte. Rebmann reiste\n1851 nach Kairo (Kap. 5, 105\u2013127), um Emma Kent (\u2020 1866, vgl. 153\u2013155) zu\nheiraten. In den 1850er-Jahren arbeitete er mit Hilfe des einheimischen\nSprachhelfers Salimini an seinem Kiniassa-W\u00f6rterbuch (112). Der 1854 geborene\nSohn Samuel \u00fcberlebte nur wenige Tage (112f). Auf der Reise nach Aden und Kairo\n1855\u20131856 \u00fcberlebt das Ehepaar Rebmann einen Schiffbruch nur knapp (115). 1858\nverlie\u00dfen die Rebmanns ihre Missionsstation in Kisuludini und siedelten wegen\npl\u00fcndernder und mordender Massai-Banden in ihrer Gegend f\u00fcr zwei Jahre zuerst\nnach Mombasa und dann nach Sansibar \u00fcber (121). Die Zeit auf Sansibar benutzte\nRebmann zur Arbeit an drei W\u00f6rterb\u00fcchern in Kisuaheli, Kinika und Kiniassa\n(121). Bei seiner R\u00fcckkehr konnte Rebmann mit Freude feststellen, dass sich\nnach den Terror\u00fcberf\u00e4llen der Massai Einheimische dem christlichen Glauben\nzugewandt hatten (123f). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neben Fr\u00fcchten der Arbeit gab\nes auch R\u00fcckschl\u00e4ge (Kap.\u00a06, 129\u2013158). Nach dem ersten Christen Mringe,\nder noch von Krapf getauft wurde, wurden ab 1860 nach einer l\u00e4ngeren Probezeit\nweitere Bewerber getauft (132, Gunja, Nyondo). Die CMS hatte inzwischen\nallerdings f\u00fcr geraume Zeit ihr Interesse an der Ostafrikamission verloren\n(140). Afrika-Reisende, die als G\u00e4ste aufgenommen wurden, setzten sich zunehmend\nf\u00fcr ein Verbot der Sklaverei ein (vgl. 144\u2013148, 160f). Die kontinuierliche\nArbeit Rebmanns wird gelobt, seine zunehmende Ersch\u00f6pfung und Blindheit machten\nes jedoch n\u00f6tig, dass er durch weitere Mitarbeiter abgel\u00f6st wurde (Kap.\u00a07,\n159\u2013191). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Jahr 1875 machte sich\nRebmann auf den Weg in die Heimat, wo er nur noch 18 Monate leben sollte (Kap.\u00a08,\n193\u2013209). Ludwig Krapf \u00fcbernahm die literarische Arbeit des fast Erblindeten\nund war als Heiratsvermittler an der zweiten Ehe von Rebmann mit Luise D\u00e4uble\nt\u00e4tig (200f), bevor Rebmann am 4. Oktober 1876 starb (207).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In vier weiteren Kapiteln\nstellt Paas den Ertrag von Rebmanns Lebenswerk thematisch zusammen (211\u2013324).\nAls Sprachforscher steht Rebmann leider im Schatten seines Kollegen Krapf, der\ndie Qualit\u00e4t seiner eigenen Arbeit \u00fcbersch\u00e4tzte und auch von der Nachwelt mehr\nwahrgenommen wurde (Kap.\u00a09, 211\u2013241). Im Kapitel \u00fcber das Problem der\nostafrikanischen Sklaverei (Kap.\u00a010, 243\u2013263) setzt Paas Rebmanns\nChichewa-Sprachhelfer Salimini ein Denkmal. Im zweitl\u00e4ngsten Kapitel des Buchs\n(Kap.\u00a011, 265\u2013305) stellt Paas Rebmann \u2013 immer im Vergleich mit Krapf \u2013\nals Missionar vor: seinen ausgeglichenen Charakter, seine Berufung und\nArbeitsmethode, seine missionarische Botschaft und Theologie, die sich von\nKrapfs Orientierung an Hahn und Oetinger unterscheidet (300\u2013304). Abschlie\u00dfend\nzeichnet Paas die Wirkungsgeschichte von Rebmanns Lebenswerk bis in die\nGegenwart nach (Kap.\u00a012, 307\u2013324). Zwei Anh\u00e4nge widmen sich dem Chichewa\nvon Salimini (Andrew Goodson, 339\u2013356) und der Chichewa-Lexikographie (Paas,\n357\u2013375). <\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Steven Paas hat sich mit seiner Rebmann-Monographie gro\u00dfe Verdienste f\u00fcr die Darstellung der ostafrikanischen Missionsgeschichte erworben. Rebmanns Bedeutung f\u00fcr die Anf\u00e4nge ostafrikanischer Linguistik wird angemessen gew\u00fcrdigt. Paas korrigiert mit zahlreichen neu ausgewerteten Quellen kritisch das einseitige Bild, das Krapf in seinen Reiseberichten und Briefen zeichnet (z.\u00a0B. 94\u201398). Krapf hat als der \u00e4ltere, erfahrenere Missionar in paternalistischer Weise den Wert von Rebmanns Arbeit anscheinend oft nicht richtig erkannt und gew\u00fcrdigt. Es ist Paas zu danken, dass er Fehler in Krapfs Sicht aus den Quellen widerlegen konnte. Dieses Buch und sein englisches Pendant werden zuk\u00fcnftig unverzichtbar sein f\u00fcr jeden, der sich mit der Geschichte des Christentums in Ostafrika besch\u00e4ftigt. <em><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein, Redakteur des Jahrbuchs Biblisch erneuerte Theologie<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Steven Paas: Johannes Rebmann. 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