{"id":717,"date":"2018-10-13T14:15:18","date_gmt":"2018-10-13T14:15:18","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=717"},"modified":"2018-10-13T14:15:20","modified_gmt":"2018-10-13T14:15:20","slug":"daniel-i-block-richard-l-schultz-sepher-torath-mosheh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=717","title":{"rendered":"Daniel I. Block \/ Richard L. Schultz: Sepher Torath Mosheh"},"content":{"rendered":"\n<p>Daniel I. Block \/ Richard L. Schultz: <em>Sepher Torath Mosheh. Studies in the Composition and Interpretation of Deuteronomy<\/em>, Peabody\/MA: Hendrickson Publishers, 2017, Pb., 450 S., $ 39,95,<a href=\"http:\/\/www.hendrickson.com\/html\/product\/070665.trade.html#curr\"> ISBN 978-1-68307-066-5<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Kilchoer_Block.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p>Vom\n24.\u201326. September 2015 fand am Wheaton College das Kolloquium \u201eDebating\nDeuteronomy: A Colloquium on the Torah of Moses\u201c statt. Der vorliegende\nSammelband pr\u00e4sentiert eine \u00fcberarbeitete Form der gehaltenen Papers, die am\nKolloquium ausgiebig diskutiert wurden. Das Anliegen des Kolloquiums formuliert\nDaniel I. Block in der Einleitung folgenderma\u00dfen: \u201eThe purpose of this\ncolloquium was to explore together historical, literary, theological, and\nethical issues at the heart of the tensions evangelicals feel when they\ninteract with mainstream scholarship\u201c (1). Die Autoren sind also darin\nverbunden, dass sie sich als Evangelikale verstehen im Sinne des\nSchriftbekenntnisses des <em>Institute for Biblical Research<\/em>.<\/p>\n\n\n\n<p>Peter T.\nVogt gibt im Er\u00f6ffnungsbeitrag einen kurzen Abriss \u00fcber die\nForschungsgeschichte des Deuteronomiums. Dies geschieht entlang den Bereichen\nDatierung, Absicht und Ideologie des Buches sowie Komposition und Struktur. Zu\nallen drei Bereichen gibt er anschlie\u00dfend auch einen kleinen \u00dcberblick \u00fcber\nevangelikale Alternativen. Der Beitrag ist insgesamt informativ, kann aber\nnat\u00fcrlich nicht in die Tiefe der Diskussionen und Fragestellungen gehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der\nzweite Beitrag, \u201eAncient Near Eastern Treaty Traditions and Their Implications\nfor Interpreting Deuteronomy\u201c von Neal A. Huddleston, hat\n\u00dcberblickscharakter.\u00a0 Mittels\nDiskursanalyse hat Huddleston die verf\u00fcgbaren altorientalischenVertragstexte\nuntersucht und kategorisiert, wobei er die Kategorien (1. Eblaitische Tradition,\n2. Altassyrische Tradition, 3. Altbabylonische Tradition, 4. Mittelbabylonische\nund Hethitische Parit\u00e4tsvertr\u00e4ge, 5. Allgemeine mittelbabylonische und\nhethitische Vertr\u00e4ge, 6. Altaram\u00e4ische Vertr\u00e4ge, 7. Neuassyrische Vertr\u00e4ge)\nkurz an ausgew\u00e4hlten Beispielen vorstellt und charakterisiert. Der Vergleich\nmit dem Deuteronomium zeigt, dass das Deuteronomium die gr\u00f6\u00dfte N\u00e4he zu den\nmittelbabylonischen und hethitischen Vertr\u00e4gen, hingegen die geringste N\u00e4he zu\nden eblaitischen und neuassyrischen Vertr\u00e4gen aufweist.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Beitrag\n\u201eChallenges to the Use of Ancient Near Eastern Treaty Forms for Dating and\nInterpreting Deuteronomy\u201c vertiefen K. Lawson Younger Jr. und Neal A.\nHuddleston die Frage nach dem Vergleich des Deuteronomiums mit\naltorientalischen Vertr\u00e4gen. Sie benennen drei Herausforderungen: 1. Kann eine\nGenealogie zwischen den altorientalischen Vertragstraditionen aufgezeigt\nwerden? Die Autoren zeigen, dass f\u00fcr solche Vorschl\u00e4ge (bes. bei Kenneth\nKitchen und Paul Lawrence) bisher wichtige Verbindungsglieder fehlen, so dass\nvieles spekulativ bleibt. 2. K\u00f6nnen die Fl\u00fcche aus Dtn 28 mittels Parallelen in\naltorientalischen Vertr\u00e4gen datiert werden? Die Diskussion fokussiert nat\u00fcrlich\nbesonders auf die Parallelen zu den Nachfolgeeiden Asarhaddons (EST). Die Autoren\nkommen zum Schluss, dass die Evidenz nicht ausreicht, um eine literarische\nAbh\u00e4ngigkeit zwischen EST und Dtn 28 annehmen zu k\u00f6nnen. 3. Sind hethitische\nEinfl\u00fcsse in der s\u00fcdlichen Levante plausibel zu machen? Zwar sind aus der Zeit\nder <em>pax Hethitica-Egyptiaca <\/em>erstaunlich viele hethitische Artefakte in\nder s\u00fcdlichen Levante zu finden, darunter diplomatische Gaben, doch gibt es\nkeine arch\u00e4ologischen oder textlichen Hinweise auf einen direkten Kontakt\nzwischen den anatolischen Hethitern und den Israeliten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein\nweiterer \u00dcberblicksartikel stammt von Michael A. Grisanti und befasst sich mit\nder Josianischen Reform. Nach einem kurzen forschungsgeschichtlichen Abriss\nuntersucht er die intertextuellen Verbindungen von 2K\u00f6n 22\u201323 zum Deuteronomium\nund zeigt auf, wo sich dieselben Formulierungen auch in den Vorderen Propheten\nund in den vorjosianischen Schriftpropheten (bes. Hosea und Micha) finden, was\nzeigen soll, dass sich eine josianische Datierung aus diesen Parallelen nicht\naufdr\u00e4ngt. Im letzten Teil gibt es einen kurzen \u00dcberblick \u00fcber Stimmen, die das\nDeuteronomium vorjosianisch datieren (Vogt, Block, Peterson, McConville,\nArnold). Das Verh\u00e4ltnis von Dtn 12 zu Ex 20, das f\u00fcr de Wette der Hauptgrund\nf\u00fcr die josianische Datierung des Deuteronomiums war, wird nicht diskutiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Bill T.\nArnold schl\u00e4gt in seinem Beitrag vor, das Deuteronomium nicht als <em>ipsissima\nverba <\/em>(eigene Worte), sondern als <em>ipsissima vox<\/em> (eigene Stimme) des\nMose zu verstehen. Mit Michael Fishbane sei zwischen <em>traditium<\/em>, dem\nmosaischen Inhalt, und <em>traditio<\/em>, dem \u00dcberlieferungsprozess, zu\nunterscheiden. Der historische Mose habe eine Tradition begr\u00fcndet und sei somit\nQuelle von Prophetie und mosaischer Inspiration der Schreiber, doch rechnet er\nerst mit einem Verschriftlichungsprozess ab dem 8. Jhd., wobei nicht zwischen\nAutor und Schreibern zu unterscheiden sei: Die Schreiber w\u00fcrden nicht nur\nTradition bewahren, sondern auch aktiv den \u00dcberlieferungsprozess mitgestalten.\nDoch sei dies weder als Pseudepigraphie noch als Pseudonymit\u00e4t zu verstehen, weil\nsie nicht im Namen, sondern in der Stimme des Mose schreiben. Unklar bleibt,\nwie sich dieses Tradierungsverst\u00e4ndnis zur Kanonformel (Dtn 4,2; 13,1) verh\u00e4lt\nund in welcher Zeit und aus welchen Gr\u00fcnden diese Fortschreibung zu einem Ende\nkommt.<\/p>\n\n\n\n<p>Brent A. Strawn\nskizziert in einem etwas langatmigen Beitrag (\u201eSlaves and Rebels: Inscription,\nIdentity, and Time in the Rhetoric of Deuteronomy\u201c) anhand von Dtn 6,21 (\u201ewir\nwaren Sklaven\u201c) und Dtn 9,7 (\u201eihr wart Rebellen\u201c) die rhetorische Strategie des\nDeuteronomiums. Die zweite und alle folgenden Generationen werden in die\nGeschichte der Exodus-Generation \u201eeingeschrieben\u201c (Inscription), wobei die\nbeiden Pole jede Generation neu vor die Frage stellen, ob sie sich von Gott\nbefreien l\u00e4sst oder ob sie gegen Gott rebelliert.<\/p>\n\n\n\n<p>In einem\nsehr gr\u00fcndlichen Beitrag zum Gebot, den Fremden (<em>g\u0113r<\/em>) zu lieben, das\nsich in Lev 19,34 und Dtn 10,18\u201319 findet, geht Markus Zehnder den vielfachen\nVernetzungen der Gebote zum Umgang mit Fremden im Bundesbuch, dem\nHeiligkeitsgesetz und dem Deuteronomium nach und zeigt, dass die entsprechenden\nPassagen des Deuteronomiums nicht nur das Bundesbuch, sondern auch das\nHeiligkeitsgesetz voraussetzen d\u00fcrften.<\/p>\n\n\n\n<p>Richard E.\nAverbeck untersucht Dtn 12 in seiner inneren Logik und in Beziehung zu Ex\n20,24\u201326 und Lev 17 und argumentiert, dass die Gesetze in ihrer narrativen\nEinordnung im Pentateuch nicht miteinander konkurrieren: Dtn 12 tritt erst in\nKraft, wenn Gott dem Volk nach der Landnahme Ruhe verschafft hat (Dtn 12,8\u201310)\nwas im Kontext der Vorderen Propheten erst unter K\u00f6nig David eintritt (2Sam\n7,1). Bis dahin ist Ex 20,24\u201326 in Geltung. Das Verbot der profanen Schlachtung\nin Lev 17 bezieht sich auf die Lagersituation der W\u00fcstenwanderung und wird mit\nder Landnahme in Dtn 12 hinf\u00e4llig.<\/p>\n\n\n\n<p>J. Gordon\nMcConville geht der Frage nach dem Verh\u00e4ltnis des Deuteronomiums zur\nWeisheitsliteratur nach. Ausgangspunkt sind die sich gegen\u00fcberstehenden Thesen\nvon M. Weinfeld (eine deuteronomische Schule in Jerusalem nahm in der Zeit\nJosias \u00e4ltere weisheitliche Konzepte auf) und G. Braulik (das Deuteronomium hat\neine eigenst\u00e4ndige weisheitliche Sto\u00dfrichtung, die in einer breiteren\nalttestamentlichen und altorientalischen Tradition steht). An einem weiteren\nBeispiel (R. M\u00fcller: im Deuteronomium hebt sich mit Dtn 16,19 eine weisheitskritische\nFortschreibung von Dtn 1,15\u201316; Dtn 16,18 ab) zeigt McConville, dass Versuche,\nim Deuteronomium eine Entwicklung der Weisheit aufzuweisen, stets etwas\nZirkelschl\u00fcssiges an sich haben, wie auch die Konzepte von Weinfeld und Braulik\nvon Vornherein ein bestehendes Modell ins Buch hineintragen. So pl\u00e4diert\nMcConville daf\u00fcr, die Unterweisung des Deuteronomiums und die Weisheitslehre\nder Weisheitsliteratur in ihren Eigenarten zu lesen, wobei die Unterweisung des\nDeuteronomiums st\u00e4rker im Kontext von Vertrag und Gesetz angesiedelt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem\nVerh\u00e4ltnis zwischen Deuteronomium und Hosea widmet sich Carsten Vang. Im\nGefolge von H. W. Wolff gehen die meisten Exegeten davon aus, dass das\nDeuteronomium von Hosea beeinflusst ist, was sich allerdings lediglich aus der\njosianischen Datierung des Ur-Deuteronomiums ergibt und nicht aus einem\nliterarischen Vergleich. Auch Exegeten, welche die umgekehrte Richtung annehmen\n(und mit einer Fr\u00fchdatierung des Deuteronomiums verbinden), bieten keine\nliterarischen Argumente. Vang untersucht mit einem Set von Kriterien f\u00fcr\nliterarische Abh\u00e4ngigkeiten und deren Richtung Hos 13,4\u20136 mit Dtn 8,12\u201314; Hos\n2,10 mit Dtn 8,13; 7,16\u201317; sowie Hos 4,13 mit Dtn 12,2. In allen drei F\u00e4llen\nsprechen die Indizien f\u00fcr eine Priorit\u00e4t des Deuteronomiums. Versuche, die\nPriorit\u00e4t des Deuteronomiums durch eine deuteronomistische Hosea-Redaktion zu\nerkl\u00e4ren, erweisen sich als zirkelschl\u00fcssig.<\/p>\n\n\n\n<p>Die das\nDeuteronomische Gesetz rahmenden Texte Dtn 11,29\u201332; 27,1\u20138 lokalisieren eine\nBundeszeremonie bei Sichem auf den Bergen Ebal und Garizim. Sandra Richter\nzeigt in einem arch\u00e4ologischen Beitrag, dass es in der Geschichte des\nalttestamentlichen Israels nur zwei Phasen gab, in denen Sichem mit diesen\nbeiden Bergen eine kultische Rolle spielte, n\u00e4mlich die goldene Zeit Sichems\n(ca. 1450\u20131150 v.\u00a0Chr.), in der Sichem die wichtigste Stadt des\nnordisraelitischen H\u00fcgellandes war (arch\u00e4ologisch nachgewiesen sind f\u00fcr diese\nZeit kultische Aktivit\u00e4ten auf dem Berg Ebal, wohl mit einem Altar von\nunbehauenen Steinen, wobei von 2.862 gefundenen Tierknochen 96\u00a0% von Rind,\nSchaf und Ziege stammen, Knochen von unreinen Tieren aber g\u00e4nzlich abwesend\nsind), sowie die persische\/hellenistische Zeit (ca. 450\u2013114 v.\u00a0Chr.), in\nder auf dem Garizim ein gro\u00dfes Heiligtum nachgewiesen ist. Gegen den Trend, den\nPentateuch (mit der Unbestimmtheit von Dtn 12) als jud\u00e4isch-samaritanisches\nKompromissdokument aus der Perserzeit zu lesen, das Samaritanern und Jud\u00e4ern\nerlaubte, jeweils ihr Heiligtum als den von Jahwe erw\u00e4hlten Ort zu deuten, tr\u00e4gt\nRichter gute Gr\u00fcnde zusammen, um den Hintergrund von Dtn 27 eher in der\ngoldenen Zeit Sichems im 2. Jtd. zu verorten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nFeststellung, dass in der Diskussion zur neuen Paulusperspektive die Stimme von\nAlttestamentlern v\u00f6llig fehlt, f\u00fchrt Daniel I. Block dazu, am Beispiel des\nGalaterbriefes die Beziehung von Paulus zu Mose zu untersuchen. Dabei m\u00f6chte er\nnicht Mose im Licht des Paulus, sondern umgekehrt Paulus im Licht von Mose\nlesen. Im ersten Teil argumentiert er, dass Paulus sich selbst in seiner Berufung\nund Sendung als \u201eProphet wie Mose\u201c versteht, der das Evangelium direkt von\nChristus empfangen hat und nicht durch Menschen vermittelt (Gal 1,11\u201312). Im\nzweiten Teil fragt Block, was Mose wohl zur paulinischen Meinung bez\u00fcglich der\nBeschneidung sagen w\u00fcrde. Mose selbst scheint nicht nur seine eigene\nBeschneidung vernachl\u00e4ssigt zu haben (Ex 4,24\u201326), sondern auch die der\nIsraeliten (Jos 5,2\u20139). Im Deuteronomium spielt die Beschneidung des Fleisches\n\u00fcberhaupt keine Rolle, alles kommt auf die Beschneidung des Herzens an (Dtn\n10,16; 30,6). So kommt Block zum Schluss, dass Mose Paulus zustimmen w\u00fcrde,\ndass die Beschneidung nicht das Erkennungszeichen des wahren Israeliten ist.\nWas ist dann aber nach dem Deuteronomium dieses Erkennungszeichen? Block nennt in\neinem dritten Teil drei Punkte: 1. Die umfassende Liebe zu dem einen Gott, wie\nsie im <em>Schema Israel<\/em> (Dtn 6,4) formuliert ist. 2. Die mit Gehorsam\nbeantwortete Anteilhabe an Israels Geschichte der Erl\u00f6sung und Gabe des\nverhei\u00dfenen Landes. 3. Das tiefe Vertrauen in Jahwe.<\/p>\n\n\n\n<p>Abgerundet wird der Band durch ein kurzes Schlusswort von Richard L. Schultz, das insbesondere die aktuelle Diskussion zum Deuteronomium mit der Diskussion in der Jesaja-Forschung vergleicht. Der Band bietet insgesamt erfrischende Perspektiven auf ganz unterschiedliche Aspekte des Deuteronomiums, f\u00fchrt in grundlegende Fragestellungen ein und regt an, auch au\u00dferhalb der Linien, die durch die Pentateuchkritik insbesondere des 19. Jahrhunderts vorgezeichnet wurden und noch immer den Horizont konventioneller Deuteronomiumsforschung begrenzen, fruchtbar und mit Gewinn das Deuteronomium zu studieren.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Ass.-Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Daniel I. Block \/ Richard L. Schultz: Sepher Torath Mosheh. 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