{"id":763,"date":"2019-05-04T05:12:12","date_gmt":"2019-05-04T05:12:12","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=763"},"modified":"2019-05-04T05:13:17","modified_gmt":"2019-05-04T05:13:17","slug":"peter-weimar-jona","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=763","title":{"rendered":"Peter Weimar: Jona"},"content":{"rendered":"\n<p>Peter Weimar: <em>Jona<\/em>, HThKAT, Freiburg: Herder, 2017, geb., 476 S., \u20ac 85,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.herder.de\/theologie-pastoral-shop\/jona-gebundene-ausgabe\/c-37\/p-10018\/\">978-3-451-26848-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Riebesehl_Weimar.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p>Der letzte bedeutende\nwissenschaftliche Kommentar zum Jonabuch in deutscher Sprache erschien 1977 von\nHans Walter Wolff und gilt als Klassiker der Jonaexegese. Nach 40 Jahren ist\nein Jonakommentar also ein Desiderat. Deshalb ist es erfreulich, dass nun mit\nder Auslegung von Peter Weimar, Professor emeritus in M\u00fcnster, also ehemals\nKollege des Begr\u00fcnders der Herder-Reihe Erich Zenger, eine Neukommentierung des\nJonabuchs vorliegt.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit 476 Seiten ist ihm\nwahrlich ein Opus magnum gelungen. Vorweg steht ein Literaturverzeichnis\n(15\u201333), das den Benutzer \u00fcber die wichtigsten Titel zur Jonaexegese\ninformiert. Dem schlie\u00dft sich der Einleitungsteil (35\u201366) an, der sich mit den\nwichtigsten Fragen zum Jonabuch befasst. Hier stellt Weimar auf dem neuesten\nStand der Forschung ansprechend die literarische Kunst des Jonabuchs mit einer\nchiastischen Gesamtstruktur (47) dar. Auch die neuesten Trends der\nIntertextualit\u00e4t und besonders die Bez\u00fcge zum Zw\u00f6lfprophetenbuch werden\nthematisiert. Das Besondere an seiner Position, das mehrstufige\nEntstehungsmodell, spricht Weimar nat\u00fcrlich auch an (s.&nbsp;u.). Ein\nBibelstellenregister (465\u2013476) schlie\u00dft das Werk ab. Eine riesige Lesehilfe\nbieten die reichlichen Marginalien, die viel an Sucherei ersparen. Sie setzen\nallerdings teilweise eine gute Kenntnis der Sachlage voraus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kommentierung bildet den\nHauptteil (67\u2013463). Das ergibt im Schnitt etwa 8 Seiten Kommentar pro Vers,\nwirklich ausf\u00fchrlich! Umfassend kann sich auch die verwendete Literatur nennen,\nmit der Basisbibliographie von 19 Seiten, sowie verstreuten Teilbibliographien\nzu den einzelnen Perikopen (zum Teil sogar zu einzelnen Versen) und Exkursen.\nWeimar kennt die einschl\u00e4gige Literatur und verarbeitet sie gekonnt und fair.\nWie bei einem Kommentar aus Herders Theologischem Kommentar zum AT \u00fcblich,\ngliedert sich der Kommentarteil in 1. Literatur zum Abschnitt, 2. \u00dcbersetzung,\n3. Anmerkungen zu Text und \u00dcbersetzung, 4. Analyse mit literaturhistorischen\nHinweisen, 5. Auslegung (zum Teil mit Exkursen und Sonderbibliographien), 6.\nBedeutung. Bei der Auslegung verbindet Weimar Synchronie und Diachronie. Auf\nder Ebene des Endtextes, wie von einem Kommentar in der Herder-Reihe zu\nerwarten, findet Weimar immer wieder kunstvolle Strukturen und viele Bez\u00fcge\ninnerhalb des Jonabuches. Auf der anderen Seite beobachtet er als ausgewiesener\nLiterarkritiker auch Hinweise f\u00fcr eine mehrstufige Entstehung. Das pr\u00e4gt dann\nauch die Kommentierung, wie an 4,1\u20134 zu zeigen ist: Zuerst wird 4,1.4 als\n\u00e4lteste Schicht ausgelegt, gefolgt von 4,2a.3 und mit der j\u00fcngsten Bearbeitung\n(4,2b) abgeschlossen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das besondere und neue an\ndiesem Kommentar ist das dreischichtige Entstehungsmodell. Nachdem die\nliterarkritische Phase der Jonakommentierung bis auf den Psalm in 2,3\u201310 in der\nJonaexegese im Wesentlichen \u00fcberwunden schien, kehrt Weimar in gewisser Weise\ndahin zur\u00fcck. Nicht das \u00fcbliche kritische Modell, dass der Psalm sp\u00e4ter\neingef\u00fcgt sei, ist seine Position, sondern dass das Buch in drei Schichten\ngewachsen sei. Die Bearbeitungen betr\u00e4fen dabei jeweils das gesamte bis dahin\nvorliegende Jonabuch. Am Anfang stehe die schmucklose Jonageschichte von der\nErf\u00fcllung des Gotteswortes. W\u00f6rtliche Rede sei eher Fehlanzeige. In der ersten\nBearbeitung beginne Jona zu sprechen, es k\u00e4men auch unter anderem Teile des\nPsalms hinzu. Dieser sei zun\u00e4chst ein Klagepsalm. Erst in der zweiten\nBearbeitung, der dritten Schicht, w\u00fcrde aus dem Klagepsalm ein Dankpsalm und\neine Stelle wie Jon 4,2b eingef\u00fcgt. Diese letzte Bearbeitung schaffe auch ein\nNetz von Verbindungen zu anderen B\u00fcchern im Dodekapropheton. Dies entspricht\nder These von den Kleinen Propheten als einem bewusst komponierten\nZw\u00f6lfprophetenbuch. Weimar nimmt somit auch den Abschluss der Entstehung des\nJonabuches in der hellenistischen Zeit (3. Jahrhundert v. Chr.) an und folgt\ndamit einem Trend der neueren Exegese. Wem die Einleitung zu kurz erscheint und\nwen die Einleitungsfragen aus Weimars Perspektive genauer interessieren,\nkonsultiere seine ausf\u00fchrlichen Vorarbeiten in \u201eEine Geschichte voller\n\u00dcberraschungen\u201c (SBS 217).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Jonabild ist in der\nForschung sehr umstritten. Neben Jona als komischer Figur auf der einen Seite,\ndas Buch mit reichlich Humor gew\u00fcrzt (Wolff), sieht man den Propheten auch als\ntragische Gestalt (Gerhards). Weimar findet wohl \u201etiefgr\u00fcndigen Humor\u201c, sieht\nim Jonabuch aber eher eine \u201eGeschichte von t\u00f6dlichem Ernst\u201c und in Jona selbst\neinen \u201ean Gott Gescheiterten\u201c, sieht in Jona also mehr den verst\u00f6rten\nGottesmann, als den widerborstigen Propheten.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus evangelikaler\nPerspektive erfreulich sind die Beobachtungen, die Weimar auf synchroner und\nintertextueller Ebene zusammentr\u00e4gt und anstellt. Sie eignen sich auch f\u00fcr den\nVerk\u00fcndiger als Material f\u00fcr eine theologische Exegese. Dazu geh\u00f6ren auch die\nAusf\u00fchrungen zur literarischen Struktur (z.&nbsp;B. die Chiasmen).<\/p>\n\n\n\n<p>Fraglich bleibt aus meiner\nSicht eine konzentrische Gesamtstruktur. \u00dcberzeugender scheint die Parallelit\u00e4t\nzwischen Kapitel 1\u20132 und 3\u20134 mit doppelter Sendung (1,1\u20133; 3,1\u20133a), doppelter\nHeidenperikope (1,4\u201316; 3,3b\u201310! \u2013 Weimar grenzt nach 4,4 ab) und doppelter\nInteraktion mit Gott (Kapitel 2 und 4), wie sie von den meisten Auslegern\nvertreten wird. Auch die weitgehende Auslegung des Psalms (2,3\u201310) in der Linie\nder Klage baut eher Spannungen zum Kontext auf, als dass er sie l\u00f6st. Eine\nAnfrage ist auch an das 3-Stufenmodell zu stellen, weil ja viele Exegeten\ngezeigt haben, wie sch\u00f6n sich das Jonabuch auf synchroner Ebene lesen l\u00e4sst.\nMeine Studierenden hat der Wechsel von Diachronie und Synchronie bei der\nKommentierung zum Teil verwirrt. Dass ein kritisch angelegter Kommentar sich\nmit historischen Fragen des 8. Jahrhunderts befasst, das brauchen Evangelikale\nwohl nicht zu erwarten.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz dieser Abstriche ist Weimars Auslegung ein Gewinn f\u00fcr jeden Leser, und ich werde ihn gern und oft zur Hand nehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Klaus Riebesehl, Lehrer f\u00fcr Altes und Neues Testament am Theologischen Seminar Rheinland<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Weimar: Jona, HThKAT, Freiburg: Herder, 2017, geb., 476 S., \u20ac 85,\u2013, ISBN 978-3-451-26848-9 Download PDF &nbsp; Der letzte bedeutende<\/p>\n","protected":false},"author":61,"featured_media":764,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-763","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/763","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/61"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=763"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/763\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":765,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/763\/revisions\/765"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/764"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=763"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=763"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=763"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}