{"id":772,"date":"2019-05-04T05:25:54","date_gmt":"2019-05-04T05:25:54","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=772"},"modified":"2019-05-04T05:25:56","modified_gmt":"2019-05-04T05:25:56","slug":"ryan-p-bonfiglio-reading-images-seeing-texts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=772","title":{"rendered":"Ryan P. Bonfiglio: Reading Images, Seeing Texts"},"content":{"rendered":"\n<p>Ryan P. Bonfiglio: <em>Reading Images, Seeing Texts. Towards a Visual Hermeneutics for Biblical Interpretation<\/em>, OBO 280, Fribourg: Academic Press; G\u00f6ttingen: Vandenhoeck &amp; Ruprecht, 2016, Hb., 384 S. mit 49 Abb., \u20ac 110,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.vandenhoeck-ruprecht-verlage.com\/themen-entdecken\/theologie-und-religion\/exegese\/7154\/reading-images-seeing-texts\">978-3-525-54406-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Uhlig_Bonfiglio.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p>Auch\n\u00fcber 40 Jahre nach seiner Erstver\u00f6ffentlichung vermag das Buch \u201eDie Welt der\nAltorientalischen Bildsymbolik und das Alte Testament. Am Beispiel der Psalmen\u201c\nvon Othmar Keel so manches Aha-Erlebnis bei denen auszul\u00f6sen, die sich auf den\nerhellenden Vergleich der Bildsprache des Alten Testaments mit der Bildwelt\n\u00c4gyptens, Kanaans und Mesopotamiens einlassen. Anfangs Spezialgebiet einiger\nweniger Alttestamentler (besonders der von manchen so genannten\n\u201eFribourg-Schule\u201c, neben O.&nbsp;Keel z.&nbsp;B. C.&nbsp;Uehlinger, S.&nbsp;Schroer),\nnimmt die sog. ikonographische Exegese inzwischen einen eigenen\nForschungsbereich ein und hat Einzug gehalten in Arbeitsb\u00fccher, Standartwerke\nund in viele B\u00e4nde der Kommentarreihe \u201eHerders Theologischer Kommentar zum\nAlten Testament\u201c. Wie aber verhalten sich eigentlich Bild und Text zueinander?\nWas bilden die Bilder \u00fcberhaupt ab? Welche Rolle spielen Rezipienten von\nBildern und Texten bei deren Bedeutungserschlie\u00dfung? Diesen und weiteren Fragen\nwidmet sich die hochspezialisierte Studie \u201eReading Images, Seeing Texts\u201c von\nRyan P. Bonfiglio, deren Lekt\u00fcre aber unbedingt empfehlenswert ist f\u00fcr alle an\nHermeneutik generell sowie an der Hermeneutik von Bildern und ihrem Verh\u00e4ltnis\nzu Texten interessierten. <\/p>\n\n\n\n<p>Bonfiglios\nBeitrag zu einer Hermeneutik der Bilder (\u201evisual hermeneutics\u201c) l\u00e4sst sich als\nhermeneutische Begleitung der zweiten Welle ikonographischer Exegese lesen und\nwill wohl v.&nbsp;a. selbst so verstanden werden. Er hebt den Wert bisheriger\nikonographischer Arbeiten f\u00fcr die Bibelauslegung hervor, kritisiert aber, dass\nsie kaum die in den Kulturwissenschaften intensiv reflektierte Theorie der\nBilder (bzw. \u201evisual theory\u201c) wahrnehmen. Demgegen\u00fcber verfolgt er mit seinem\nBuch ein dreifaches Ziel: 1) er m\u00f6chte der ikonographischen Exegese zu mehr\nSelbstkritik hinsichtlich ihrer Methoden und Durchf\u00fchrung verhelfen, 2) m\u00f6chte\nbiblische Ausleger ermutigen, achtsamer f\u00fcr die Einsichten und Ideen anderer\nDisziplinen zu sein und 3) die Bedeutung von Bildern in den Bibelwissenschaften\nherausstellen. Entsprechend findet sich in den f\u00fcnf Hauptkapiteln ein\ndreistufiges Vorgehen von gel\u00e4ufigen Methoden ikonographischer Exegese \u00fcber die\nDarstellung jeweils eines zentralen Aspektes der Bildtheorie\/visual theory und\nwie diese jeweils Interpretationsmethoden ver\u00e4ndern k\u00f6nnen hin zu\nbeispielhaften Entfaltungen, wie \u201evisual hermeneutics\u201c Licht auf Fragen der\nBibelwissenschaft werfen kann.<\/p>\n\n\n\n<p>In\nden f\u00fcnf Hauptkapiteln entfaltet Bonfiglio jeweils einen zentralen Aspekt der\nDiskussion in der Theorie der Bilder anhand einer zentralen Position. Kapitel 2\nvotiert daf\u00fcr, Bilder als Sprache zu verstehen, als einen Typos der\nKommunikation, statt \u201enur\u201c als Illustration. In Kapitel 3 arbeitet er\nu.&nbsp;a. anhand der Interpretation des Behistun-Reliefs und der darum\ngruppierten Inschriften den Wert von W.&nbsp;Mitchells Verh\u00e4ltnisbestimmung von\n\u201eText\u201c und \u201eBild\u201c als \u201eDialektik\u201c und seines Konzepts eines \u201eMeta-Bildes\u201c\nheraus und welchen Beitrag dies f\u00fcr die Debatte zwischen Brent Strawn und Joel\nLeMon \u00fcber Ans\u00e4tze in der ikonographischen Exegese hat. Kapitel 4 stellt den\nsemiotischen Ansatz von N.&nbsp;Goodman dar, manche Bilddarstellungen als\n\u201enon-linguistic signs\u201c zu verstehen, kommt damit zu ganz wichtigen\nSchlussfolgerungen f\u00fcr die Bildinterpretation (demnach darf nicht nur auf\ntypische Elemente geachtet werden, bei denen abweichende Darstellungen nur\nDekoration, sondern vielmehr ebenfalls bedeutungsrelevant sind), wonach auf die\nkompositionelle Anordnung, die Rhetorik der Darstellung und der Modus der\nSignifikation zu beachten sind. In Kapitel 5 geht B. dezidiert der Frage nach,\nwas eigentlich ein Bild ist. Gegen\u00fcber der weitverbreiteten Reduktion des\nBildes auf eine Repr\u00e4sentation\/ein Ab-Bild von etwas, greift er die Theorien\nvon D. Freedberg und A. Gell auf \u00fcber die \u201eLebendigkeit\u201c von Bildern angesichts\nder Reaktionen, die sie ausl\u00f6sen (\u201evisual response\u201c). B. illustriert\nentsprechende Z\u00fcge an Arbeiten von Z. Bahrani zum Bild in Mesopotamien und\numrei\u00dft Implikationen f\u00fcr ikonographische Exegese u.&nbsp;a. anhand der\nG\u00f6tzenpolemiken in Jes 40\u201348. In Kapitel 6 schlie\u00dflich behandelt Bonfiglio das\nWechselverh\u00e4ltnis von Bildern und Kultur. Er stellt daf\u00fcr die Bildhermeneutik\nin Beziehung zu dem noch weiteren Feld der Kulturwissenschaften bzw. \u201ecultural\nstudies\u201c und votiert f\u00fcr eine Anwendung eines \u201evisual culture approach\u201c auf die\nReligionsgeschichte Israels. Daf\u00fcr f\u00fchrt er in die Arbeit von D.&nbsp;Morgan\nein, insbesondere seine Arbeiten zur bildlichen Vermittlung von Glauben und die\nKonditionierung der Wahrnehmung durch Religion, und macht dies fruchtbar f\u00fcr die\nDebatte um die Rolle von Bildern im Gottesdienst des alten Israel und dessen\nWesen.<\/p>\n\n\n\n<p>In\ndem abschlie\u00dfenden Kapitel begr\u00fcndet Bonfiglio die Notwendigkeit der\ntheoretischen Grundlegung f\u00fcr ikonographische Exegese als \u201evisual hermeneutics\u201c\nund verteidigt sie gegen m\u00f6gliche Anfragen bevor er aus den vorherigen Kapiteln\n9 Prinzipien als orientierenden Rahmen f\u00fcr die Interpretation zusammenzufasst\nund in 4 Unterabschnitten charakterisiert.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr manchen mag Thema und Titel der Arbeit wie ein Sonderthema von ein paar wenigen Spezialisten klingen. Und in der Tat ist der Umfang an herangezogenen, unterschiedlichen Theorien aus Kulturwissenschaft, Semiotik, Philosophie und Religionswissenschaft erheblich und fordert die Leser heraus. Aber Bonfiglio gelingt es, auch schwierige Theorien verst\u00e4ndlich zu vermitteln in einem wirklich ansprechenden und gut lesbaren Stil (allein die sich an der Bildmetaphorik orientierenden \u00dcberschriften sind wohlgew\u00e4hlt; f\u00fcr den Lesefluss st\u00f6rend waren lediglich zwei Stellen, an denen ein ganzer Abschnitt bzw. mehrere Zeilen dupliziert waren). Wer immer sich mit dem Verh\u00e4ltnis von Altem Testament und Altem Vorderen Orient, von Text und Bild, mit bildhafter Sprache, Metaphorik und Anthropomorphismen sowie auch spezifischer mit dem Bilderverbot und Formen des Gottesdienstes im alten Israel besch\u00e4ftigt, sollte an diesem Buch nicht vor\u00fcbergehen und wird \u201eDie Welt der altorientalischen Bildsymbolik\u201c neu und mit manch weiteren Aha-Erlebnissen betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Torsten Uhlig, Professor f\u00fcr Altes Testament an der Evangelischen Hochschule Tabor, Marburg<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ryan P. Bonfiglio: Reading Images, Seeing Texts. 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