{"id":779,"date":"2019-05-04T05:38:13","date_gmt":"2019-05-04T05:38:13","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=779"},"modified":"2019-05-04T05:38:15","modified_gmt":"2019-05-04T05:38:15","slug":"matthieu-richelle-the-bible-and-archaeology","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=779","title":{"rendered":"Matthieu Richelle: The Bible and Archaeology"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Matthieu Richelle: <em>The Bible and Archaeology<\/em>, Peabody\/MA: Hendrickson, 2018, Pb., XVI+152 S., $ 14.95,\u2013, ISBN <a href=\"http:\/\/www.hendrickson.com\/html\/product\/709119.trade.html\">978-1-61970-911-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Kilchoer_Richelle.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Bei vorliegendem Buch handelt es\nsich um eine revidierte und erweiterte \u00dcbersetzung aus dem Franz\u00f6sischen (zuerst\n2011 unter dem Titel \u201eLa Bible et l\u2019arch\u00e9ologie\u201c erschienen). Auch ins\nPortugiesische wurde das Buch \u00fcbersetzt (2016). Der englischen \u00dcbersetzung ist\nein Vorwort von Alan Millard beigef\u00fcgt. Matthieu Richelle ist Professor f\u00fcr\nAltes Testament an der Facult\u00e9 Libre de Th\u00e9ologie \u00c9vangelique in\nVaux-sur-Seine. Arch\u00e4ologische Fachkenntnis hat er sich besonders an der \u00c9cole\nbiblique et arch\u00e9ologique fran\u00e7aise in Jerusalem angeeignet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In der Einleitung benennt Richelle\ndrei Ziele des Buches: 1. Eine grunds\u00e4tzliche Bestimmung, was Arch\u00e4ologie zu\nleisten vermag und wo ihre Grenzen sind. 2. Orientierung in der kontroversen\nFrage des Verh\u00e4ltnisses zwischen biblisch bezeugter Historie und\narch\u00e4ologischen Entdeckungen. 3. Die ersten beiden Punkte sollen exemplarisch\nauf zwei neuere Kontroversen bez\u00fcglich der Zeit von David und Salomo angewandt\nwerden. Das Buch ist prim\u00e4r ein Lehrbuch, das sich an Theologiestudenten\nrichtet und darauf abzielt, dass Exegeten einen ausgewogenen Umgang mit\narch\u00e4ologischen Funden und Theorien erlernen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das erste Kapitel befasst sich\ndamit, was Arch\u00e4ologen entdecken und wie sie dabei vorgehen. Thematisiert\nwerden an anschaulichen Beispielen (mit farbigem Bildmaterial im Anhang des\nBuches) die Identifikation von Orten, chronologische Einordnung, Population und\nArchitektur. Es folgen Ausf\u00fchrungen \u00fcber die Rekonstruktion des Lebens in\nIsrael, angefangen beim allt\u00e4glichen Leben, \u00fcber die Gesellschaftsstruktur,\nreligi\u00f6se Praktiken, \u00d6konomie und Internationale Beziehungen, sowie historische\nEreignisse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das zweite Kapitel widmet sich\ndann den Schriftfunden und f\u00fchrt ein in die verschiedenen Typen von\nInschriften: K\u00f6nigliche Stelen (wobei der Codex Hammurabi, die Amman-Stele, die\nMescha-Stele, eine weitere Moab-Inschrift, sowie die Tell Dan Stele vorgestellt\nwerden), Tontafeln, Ostraka, Papyri, Schriftrollen und andere Materialien.\nBesondere Erw\u00e4hnung erhalten in einem kurzen Abschnitt die Rollen des Toten\nMeeres. Anschlie\u00dfend beschreibt Richelle die Schwierigkeiten, vor die die\nArch\u00e4ologie mit solchen Funden gestellt ist: Entzifferung, Interpretation,\nDatierung, Erkennen von F\u00e4lschungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das dritte Kapitel benennt die\nGrenzen der Arch\u00e4ologie. Richelle gliedert in Grenzen, die durch die\nInterpretation der Daten gegeben sind, und solche, die den Grabungen selbst\ninh\u00e4rent sind. Zu Ersteren rechnet er die fehlende Sicherheit bei der Identifikation\nvon Grabungsst\u00e4tten, m\u00f6gliche, aber unbeweisbare Korrelationen (u.&nbsp;a. auch\nzu biblischen Texten), die Tatsache, dass in \u201eBiblischer Arch\u00e4ologie\u201c sowohl in\nBezug auf die Bibel wie auch auf die Arch\u00e4ologie Interpretationen und nicht\nrohe Fakten miteinander verglichen werden, sowie die bisweilen schwierigen\nDatierungen. Den Grabungen inh\u00e4rente Grenzen bestehen darin, dass der\nGegenstand der Grabungen Ruinen sind, dass Orte nur partiell ausgegraben werden\nk\u00f6nnen sowie dass Grabungen nicht immer publiziert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im vierten Kapitel geht es um das\nVerh\u00e4ltnis von Bibel und Arch\u00e4ologie. Richelle stellt verschiedene Positionen\nvor, die er jeweils kurz w\u00fcrdigt, aber auch problematisiert. Dabei kommt das\nganze Spektrum zur Sprache, von einer Instrumentalisierung der Arch\u00e4ologie zum\nBeweis, dass die Bibel \u201eRecht hat\u201c (Arch\u00e4ologie als Dienerin der Bibel) bis zur\nGlorifizierung der Arch\u00e4ologie als einziger historischer Quelle und als\nRichterin der Bibel. Biblischer Arch\u00e4ologie steht Syro-Pal\u00e4stinische\nArch\u00e4ologie gegen\u00fcber, beide mit gewisser Berechtigung aber auch mit blinden\nFlecken. Richelle schlie\u00dft sich nicht einfach einer Position an, sondern\nbenennt St\u00e4rken und Schw\u00e4chen, bem\u00fcht sich um einen ausgewogenen Zugang und\nfordert intellektuelle Redlichkeit und Transparenz. Weiter f\u00fchrt er aus, wie\nm\u00f6gliche Verbindungen zwischen arch\u00e4ologischen Funden und biblischen Texten in\nder Praxis aussehen k\u00f6nnen: Von der Best\u00e4tigung biblischer Aussagen, \u00fcber\nVergleichsmaterial, Illustrationen, Erg\u00e4nzungen, bis hin zu Spannungen und\nWiderspr\u00fcchen benennt er Beispiele und kommentiert sie. Das\nKapitel beschlie\u00dft er mit einem Zitat von Eric Cline: \u201eIn no case has the\nBiblical account of an event of the first millennium sE. yet been shown by an\nextra-biblical inscription to be completely false\u201c&nbsp;(80).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das f\u00fcnfte Kapitel befasst sich\nals Fallstudie mit der Diskussion um das K\u00f6nigreich Davids und Salomos.\nRichelle f\u00fchrt in die Diskussion rund um die Palast- und Befestigungsanlagen in\nMegiddo, Gezer und Hazor ein, die als Konsens bis in die 1990er Jahren der\nRegierungszeit Salomos zugeschrieben wurde und zeigt die arch\u00e4ologischen\nSchwierigkeiten einer exakten Datierung, die Israel Finkelstein u.&nbsp;a. zu\neiner sp\u00e4teren Datierung in die Zeit der Omriden bewegten. Die Mehrheit der\nArch\u00e4ologen folgt Finkelstein in seiner neuen Chronologie nicht, ist aber mit\nvorschnellen und selbstsicheren Schl\u00fcssen zur\u00fcckhaltender geworden. Eine salomonische Datierung ist m\u00f6glich, aber nicht\nsicher: \u201eWhile the transition from consensus to uncertainty may appear to the\ngeneral public to be a regression, this amounts to progress from a scientific\npoint of view\u201c&nbsp;(93). Gleiches Urteil betrifft auch die Grabungen von Eilat Mazar in der\n\u201eDavidsstadt\u201c: Hat sie den Davidspalast gefunden? M\u00f6glich, aber nicht sicher.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sechste Kapitel widmet sich\nder Frage, ob die biblischen Texte \u00fcberhaupt auf Quellen aus der Zeit Davids\nund Salomos zur\u00fcckgehen k\u00f6nnten. Zwei Argumente dagegen werden oft vorgebracht:\nDas Fehlen von Inschriften aus dem 10.\/9.&nbsp;Jh. und die Annahme, dass die Entwicklung\neiner Schreibkultur einen bestimmten gesellschaftlichen Standard voraussetzt,\nder in Juda vor dem 8.&nbsp;Jh. nicht gegeben war. Richelle zeigt die Schw\u00e4chen\nbeider Argumente auf und nennt stattdessen einige Hinweise auf eine fr\u00fchere\nSchreiberkultur, u.&nbsp;a. die Entwicklung einer \u201enationalen\u201c oder \u201elokalen\u201c\nSchrift (Pal\u00e4o-Hebr\u00e4isch) ab dem 9.&nbsp;Jh. oder den Nachweis von\nSchnellschrift ab dem 9.&nbsp;Jh. Nebenbei bemerkt er, dass aus der Perserzeit,\ndie heute f\u00fcr die produktivste Zeit f\u00fcr die Entstehung des Alten Testaments\ngehalten wird, nicht ein einziger langer oder literarischer Text aus der\nProvinz Yehud \u00fcberliefert ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine Zusammenstellung von\nweiterf\u00fchrenden Literaturhinweisen schlie\u00dft das Buch ab. Etwas m\u00fchsam sind die\nEndnoten anstelle von Fu\u00dfnoten. Ein Anhang bietet farbiges Bildmaterial, auf\nwelches immer wieder Bezug genommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das Buch besticht durch das, was Richelle fordert: intellektuelle Redlichkeit. Sein Ansatz ist ausgewogen, die verschiedenen Positionen sind fair und frei von Polemik dargestellt, der Leser wird auch in den methodischen Kapiteln nebenbei in diverse arch\u00e4ologische Funde und Diskussionen eingef\u00fchrt. Richelle weist nicht nur auf die M\u00f6glichkeiten der Arch\u00e4ologie hin, sondern benennt auch ihre Grenzen und ruft sowohl Bibelwissenschaftler wie auch Arch\u00e4ologen zu einer gewissen Bescheidenheit auf. Ich kann das Buch vorbehaltlos empfehlen. F\u00fcr Studenten, die sich mit der Lekt\u00fcre englischer B\u00fccher schwertun, w\u00e4re auch eine deutsche \u00dcbersetzung w\u00fcnschenswert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Ass.-Prof. Dr. Benjamin Kilch\u00f6r, Staatsunabh\u00e4ngige Theologische Hochschule Basel<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Matthieu Richelle: The Bible and Archaeology, Peabody\/MA: Hendrickson, 2018, Pb., XVI+152 S., $ 14.95,\u2013, ISBN 978-1-61970-911-9 Download PDF &nbsp; Bei<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":780,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"colormag_page_container_layout":"default_layout","colormag_page_sidebar_layout":"default_layout","inline_featured_image":false,"footnotes":""},"categories":[4],"tags":[],"class_list":["post-779","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-altes-testament"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/779","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=779"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/779\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":781,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/779\/revisions\/781"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/780"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=779"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=779"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=779"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}