{"id":819,"date":"2019-05-04T18:32:01","date_gmt":"2019-05-04T18:32:01","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=819"},"modified":"2019-05-04T18:32:02","modified_gmt":"2019-05-04T18:32:02","slug":"ruth-albrecht-hg-begeisterte-maegde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=819","title":{"rendered":"Ruth Albrecht (Hg.): Begeisterte M\u00e4gde"},"content":{"rendered":"\n<p> Ruth Albrecht (Hg.): <em>Begeisterte M\u00e4gde. Tr\u00e4ume, Visionen und Offenbarungen von Frauen des fr\u00fchen Pietismus<\/em>, Edition Pietismustexte (EPT) 10, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt, 2018, kt., 264 S., \u20ac 16,80, ISBN <a href=\"https:\/\/www.eva-leipzig.de\/product_info.php?info=p4386_Begeisterte-Maegde.html\">978-3-374-04785-7<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Treusch_Albrecht.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p>\u201eBegeisterte M\u00e4gde\u201c war die\nBezeichnung f\u00fcr zun\u00e4chst drei Frauen aus pietistischen Kreisen in Halberstadt,\nErfurt und Quedlinburg, die in den 1690er Jahren durch ekstatische Erfahrungen\nbekannt wurden. Doch nicht nur diese drei Frauen, sondern ebenso Frauen wie\nJohanna Eleonora Petersen und Rosamunde Juliane von der Asseburg erfuhren in\ndieser Zeit \u201eTr\u00e4ume, Visionen und Offenbarungen\u201c, die von ihnen selbst oder von\nschreibkundigen M\u00e4nnern aufgezeichnet, verbreitet und diskutiert wurden. Der\nvorliegende Quellenband aus der Reihe \u201eEdition Pietismustexte\u201c widmet sich\ndiesen Ph\u00e4nomenen. Ruth Albrecht hat hier eine feine Auswahl einschl\u00e4giger\nQuellentexte (mit Wort- und Sacherkl\u00e4rungen in den Anmerkungen)\nzusammengestellt (7\u2013204), editorisch kommentiert (205\u2013222) und abschlie\u00dfend\n(223\u2013240) in die zeitgen\u00f6ssischen Diskurse des fr\u00fchen Pietismus eingeordnet. <\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts solcher\npers\u00f6nlicher Offenbarungserfahrungen von Frauen verbanden sich im\n17.&nbsp;Jahrhundert zwei Diskussionen, die dar\u00fcber, ob Gott sich auch noch\ngegenw\u00e4rtig direkt Personen offenbare, und die dar\u00fcber, wie diese vision\u00e4ren\nund ekstatischen Erfahrungen von Frauen theologisch und auch\nmedizinisch-naturwissenschaftlich beurteilt werden m\u00fcssen. Die Quellenauswahl\nber\u00fccksichtigt beide Diskurse und beginnt mit einem Auszug aus der Berleburger\nBibel (erschienen 1726\u20131742) zur Geistausgie\u00dfung nach Joel 3,1\u20132, der eine\ngegenw\u00e4rtige Geistausgie\u00dfung nicht ausschlie\u00dft (Teil A; 7\u201310). Zwei Beispiele\nvon weiblichen Visionen und Offenbarungen aus dem 17.&nbsp;Jahrhundert (Benigna\nK\u00f6nigs, Anna Vetter) (Teil B; 11\u201322) zeigen, dass auch vor der pietistischen\nDiskussion der 1690er Jahre \u00fcbernat\u00fcrliche Offenbarungen an Frauen \u00fcberliefert\nsind. Der gr\u00f6\u00dfte Teil der Quellen sind aber Zeugnisse von Offenbarungen im\nfr\u00fchen Pietismus und von deren Diskussion durch Pietisten und ihre Gegner. So\nwird zun\u00e4chst ein Einblick in die \u201eTr\u00e4ume\u201c von Johanna Eleonora Petersen und\ndie Offenbarungen der mit dem Ehepaar Petersen eng verbundenen Rosamunde\nJuliane von der Asseburg gegeben (Teil C; 23\u201386). W\u00e4hrend es sich hier um\nFrauen aus der h\u00f6heren Gesellschaftsschicht handelte, geh\u00f6rten die\n\u201ebegeisterten M\u00e4gde\u201c, Magdalena Elrichs, Katharina Reinecke und Anna Maria\nSchuchart, der unteren sozialen Schicht an, arbeiteten als Dienstboten in\npietistischen Haushalten und hatten dort ekstatische Erfahrungen und\nprophetische Eingebungen. Von ihren Erfahrungen gibt die 1692 im Druck\nerschienene \u201eNachricht von dreyen Begeisterten M\u00e4gden\u201c Zeugnis. Sie ist hier\nfast vollst\u00e4ndig abgedruckt, ebenso die innerpietistische und zeitgen\u00f6ssische\nDiskussion \u00fcber die drei Frauen (Teil D; 87\u2013180). Innerhalb von pietistischen\nKreisen wurden diese au\u00dfergew\u00f6hnlichen Gotteserfahrungen in den 1690er Jahren\nkontrovers diskutiert und einerseits zur\u00fcckhaltend (so von\nPh.&nbsp;J.&nbsp;Spener), andererseits als Zeichen der mit dem Tausendj\u00e4hrigen\nReich anbrechenden Heilszeit wohlwollend betrachtet und als g\u00f6ttliche Zeichen\nakzeptiert, wie dies Johann Wilhelm Petersen r\u00fcckblickend zusammenfasst: \u201eetliche\nw\u00e4ren von der G\u00f6ttlichkeit \u00fcberzeuget, etliche aber nicht\u201c (85). <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Gegner des\nPietismus, wie z.&nbsp;B. den konservativen Lutheraner Johann Heinrich\nFeustking, boten die vision\u00e4ren und ekstatischen pietistischen Frauen Munition\nf\u00fcr ihre Polemik gegen die Bewegung. So spiegelt die letzte hier edierte Quelle\nauch den \u201epolemischen Nachklang\u201c (Teil E; 181\u2013204) mit einem Auszug aus\nFeustkings Schrift \u201eGynaeceum Haeretico-Fanacticum\u201c aus dem Jahr 1704, in der\nFeustking eine \u201efalsche Prophetin\u201c nach der anderen nennt und beurteilt.\nFeustking ist es auch, der Offenbarungs- und Frauen-Diskurs zusammenf\u00fchrt und\ngleicherma\u00dfen verurteilt: \u201eZwar meinen die begeisterte Weiber mit ihren\nOffenbahrungs-Patronen \/ GOtt werde solche extraordinaire Offenbahrungen der\nWeiber noch ohnfehlbar ergehen lassen \/ weil die Weissagung Joels [&#8230;] noch\nnicht erf\u00fcllet [&#8230;]. Allein sie irren und wissen die Schrifft nicht\u201c (186). <\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts von Feustkings\nGegenposition h\u00e4tte sich der Leser vielleicht als Kontrapunkt noch einen Auszug\naus Ph.&nbsp;J.&nbsp;Speners Schrift \u201eTheologische Bedencken\u201c gew\u00fcnscht mit\nseiner n\u00fcchtern abw\u00e4genden Argumentation. Andererseits ist Speners Text leicht\nzug\u00e4nglich, was nicht f\u00fcr alle hier edierten Texte gilt, neben\nautobiographischen Zeugnissen auch Briefe, juristische Dokumente und Ausz\u00fcge\naus Zeitschriften der 1690er Jahre. Weitere zeitgen\u00f6ssische Literatur stellt\ndie Herausgeberin in den \u201eEditorischen Notizen\u201c (205\u2013222) vor, in denen sie\nauch in die einzelnen Quellen einf\u00fchrt. Im \u201eNachwort\u201c (223\u2013240, anschlie\u00dfend\nBibliographie sowie Bibelstellen- und Personenregister, 241\u2013258) ordnet\nAlbrecht die Ereignisse der 1690er Jahre ein und zeigt dabei Verbindungen und\nNetzwerke der Pietisten, an denen auch Frauen aktiv beteiligt waren. Albrecht\nweist darauf hin, dass der Pietismus Frauen \u201eneue R\u00e4ume, die einem religi\u00f6s\nkonnotierten Verst\u00e4ndnis unterlagen\u201c (227), er\u00f6ffnete, dass aber diese \u201evon den\nfr\u00fchneuzeitlichen Dichotomien bestimmt\u201c blieben, \u201eindem das Feld der\nintellektuellen theologischen Lehrbildung den M\u00e4nnern vorbehalten war und\nFrauen mehr oder minder auf das Gebiet der Ausgestaltung von\nFr\u00f6mmigkeitspraktiken verwiesen wurden\u201c (227). Die Frage der Beurteilung von\nau\u00dfergew\u00f6hnlichen Fr\u00f6mmigkeits\u00e4u\u00dferungen benennt Albrecht abschlie\u00dfend als\nForschungsdesiderat: \u201eDie Beurteilung vision\u00e4rer \u00c4u\u00dferungen und prophetischer\nAnsagen stellt eine bleibende Herausforderung dar; in diesem Band wird ein\nkleiner Ausschnitt einer Debatte der 1690er Jahre vorgelegt, deren\nInterpretation weiterhin als nicht abgeschlossen gelten kann\u201c (240). <\/p>\n\n\n\n<p>Wie bei jedem Band der \u201eEdition Pietismustexte\u201c gilt auch f\u00fcr diesen: solide erarbeitet, preislich erschwinglich und zur Lekt\u00fcre empfohlen!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ruth Albrecht (Hg.): Begeisterte M\u00e4gde. 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