{"id":822,"date":"2019-05-04T18:35:10","date_gmt":"2019-05-04T18:35:10","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=822"},"modified":"2019-05-04T18:35:11","modified_gmt":"2019-05-04T18:35:11","slug":"thomas-k-kuhn-veronika-albrecht-birkner-hg-zwischen-aufklaerung-und-moderne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=822","title":{"rendered":"Thomas K. Kuhn \/ Veronika Albrecht-Birkner (Hg.): Zwischen Aufkl\u00e4rung und Moderne"},"content":{"rendered":"\n<p>Thomas K. Kuhn \/ Veronika Albrecht-Birkner (Hg.): <em>Zwischen Aufkl\u00e4rung und Moderne. Erweckungsbewegungen als historiographische Herausforderung<\/em>, Region \u2013 Kultur \u2013 Gesellschaft. Studien zur Kultur- und Sozialgeschichte des Christentums in Neuzeit und Moderne 5, Berlin: LIT Verlag, 2017, kt., 382\u00a0S., \u20ac\u00a049,90, ISBN <a href=\"http:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/3-643-13156-0\">978-3-643-13156-0<\/a> (brosch.), ISBN <a href=\"http:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/3-643-13156-0\">978-3-643-13156-4<\/a> (PDF) <\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Treusch_Kuhn.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p>\u201eAnders als in der\ninternationalen Forschung fanden die christlichen Erweckungsbewegungen des 18.\nund 19.&nbsp;Jahrhunderts in der deutschsprachigen Historiographie in den\nletzten Jahrzehnten relativ wenig Aufmerksamkeit\u201c (9), konstatieren die\nHerausgeber, Thomas K. Kuhn und Veronika Albrecht-Birkner, in ihrem Vorwort\n(7\u201310). In der Tat greift der vorliegende Tagungs- und Aufsatzband ein\neminentes Forschungsdesiderat auf und den beiden Herausgebern geb\u00fchrt das\nVerdienst, sich eines Themengebiets angenommen zu haben, das in der\nKirchengeschichtsforschung vernachl\u00e4ssigt wurde. Der vorliegende Band ist ein\nerstes Ergebnis der 2012 gegr\u00fcndeten Arbeitsgruppe \u201eErweckungsbewegungen\u201c sowie\neiner Tagung in Greifswald (2015), \u201edie sich das Ziel gesetzt hatte, die\nErforschung der international agierenden Erweckungsbewegungen sowohl zu b\u00fcndeln\nals auch anzuregen\u201c (9). <\/p>\n\n\n\n<p>Die sechzehn Beitr\u00e4ge sind\nthematisch zusammengestellt unter den Aspekten \u201eForschungsperspektiven\u201c,\n\u201eInternationale Bez\u00fcge\u201c, \u201eGeschichte, Gegenwart, Zukunft\u201c, \u201eMission und\nDiakonie\u201c sowie \u201eTr\u00e4ger und Medien von Fr\u00f6mmigkeit\u201c. Bereits die \u00dcberschriften\nzeigen die Vielfalt, deuten aber auch an, dass es \u00fcber das kurze Vorwort hinaus\nkeine weitere Definition und Begrenzung des Themas \u201eErweckungsbewegungen\u201c gibt,\nsondern die einzelnen Beitr\u00e4ge diese Definition selbst geben und dabei\nvereinzelt auch vor das 19.&nbsp;Jahrhundert zur\u00fcckgehen. Auch die Perspektive\nder \u201ehistoriographischen Herausforderung\u201c wird von den Autoren unterschiedlich\nverstanden, sowohl als \u00dcberlegungen zu historiographischen Konzepten als auch\nals Herausforderung der Forschung, mithin als Forschungsdesiderate.\nW\u00fcnschenswert w\u00e4re hier eine Einf\u00fchrung zur B\u00fcndelung und Weiterf\u00fchrung der in\nden Beitr\u00e4gen genannten Forschungsperspektiven gewesen. Festzuhalten bleibt\naber, dass die sechzehn Beitr\u00e4ge fundiert die jeweils eigene Forschung und\nPerspektiven der weiteren Erforschung der Erweckungsbewegungen vorstellen und\nder vorliegende Tagungsband damit einen multiperspektivischen Zugang zu den\ninternationalen Erweckungsbewegungen des 19.&nbsp;Jahrhunderts bietet. <\/p>\n\n\n\n<p>So fragt Hartmut Lehmann\nnach dem \u201ePlatz der Erweckungsbewegung in der Geschichtsschreibung zur\ndeutschen Geschichte\u201c (13\u201326) und thematisiert, was eine Historiographie der\nErweckungsbewegungen ber\u00fccksichtigen m\u00fcsste, darunter die Sozialgeschichte,\neine \u201eAnalyse der jeweiligen Zeitperspektive\u201c (24), den\n\u201eKommunikationszusammenhang\u201c (25) sowie das Verst\u00e4ndnis von Erweckung als \u201eTeil\neiner umfassenden internationalen Auseinandersetzung der Frommen mit den Folgen\nder rapiden Modernisierung von Staat und Gesellschaft\u201c und \u201eals Teil der\nAuseinandersetzung zwischen Entchristianisierung und Rechristianisierung\u201c (26).\nFred van Lieburg analysiert die \u201eVerortung des niederl\u00e4ndischen R\u00e9veil in der\ninternationalen Erweckungsforschung\u201c (27\u201341) und weist nach, dass \u201eauch der\nniederl\u00e4ndische R\u00e9veil eine historiographische Erfindung in identit\u00e4rem\nInteresse\u201c (37) ist. Er regt eine Erforschung der Erweckungsbewegungen im\ninternationalen Rahmen an. Dem schlie\u00dft sich Thomas Hahn-Bruckart an mit einem\nPl\u00e4doyer f\u00fcr \u201etransfergeschichtliche Ans\u00e4tze in der Erforschung von Erweckungsbewegungen\u201c\n(43\u201362<em>)<\/em> und f\u00fcr eine \u201estark auf transnationale Dynamiken gerichtete\nPerspektive\u201c (62). Einen anderen Akzent setzt der umfangreiche Beitrag von\nVeronika Albrecht-Birkner, die Forschungsstand und -perspektiven der \u201eGender\nStudies zu den Erweckungsbewegungen des 19.&nbsp;Jahrhunderts\u201c (63\u2013100)\nvorstellt und Beispiele f\u00fcr noch zu leistende Gender Studies benennt (84\u2013100). <\/p>\n\n\n\n<p>Verbindet die Beitr\u00e4ge der\nSektion \u201eForschungsperspektiven\u201c das Postulat der Internationalit\u00e4t, greift der\nzweite Themenbereich die \u201eInternationalen Bez\u00fcge\u201c auf, worunter sowohl die\ntransatlantischen Beziehungen als auch ein Blick auf die skandinavische\nLiteratur fallen: Annette G. Aubert (103\u2013117) sieht ein Desiderat in der\nErforschung der akademisch-theologischen Netzwerke des 19.&nbsp;Jahrhunderts\nzwischen \u201eAmerican evangelical professors and their German pietistic\ncounterparts\u201c (103f). Exemplarisch zeigt sie die Rezeption von Friedrich\nTholucks Schriften in den USA, w\u00e4hrend Jan Stievermann (119\u2013139) den Weg\nreligi\u00f6s-erwecklicher Gedanken von den Vereinigten Staaten nach Deutschland\nverfolgt am Beispiel des presbyterianischen Missionars David Brainerd\n(1718\u20131747). Joachim Schiedermair (141\u2013156) betont, dass die\nErweckungsbewegungen des 19. und 20.&nbsp;Jahrhunderts bis heute identit\u00e4tsbildend\nf\u00fcr Skandinavien seien, und demonstriert am isl\u00e4ndischen Roman \u201eSalka Valka\u201c,\nwie die Erweckung als Teil des S\u00e4kularisierungsnarrativs aufgenommen wird. <\/p>\n\n\n\n<p>Der dritte Teil\n(\u201eGeschichte, Gegenwart, Zukunft\u201c) widmet sich dann dezidiert\nhistoriographischen Fragen. Thomas K. Kuhn (159\u2013197) gibt am Beispiel des\n\u201afrommen Basel\u2018 \u201eEinblicke in eschatologische Diskurse des\n19.&nbsp;Jahrhunderts\u201c (162) und er\u00f6ffnet damit ein weites Forschungsfeld von\nchiliastischen und Reich-Gottes-Vorstellungen sowohl innerhalb der Erweckungsbewegungen\nals auch in ihrem Einfluss auf akademisch-theologische Diskurse. Jan Carsten\nSchnurr (199\u2013216) identifiziert die erweckliche Diskursgemeinschaft, ihre\nVerflechtungen mit anderen Geistesstr\u00f6mungen sowie diachrone und synchrone\nVergleichsperspektiven als \u201eThemenfelder zum Geschichtsdenken der\nErweckungsbewegung\u201c (199f), die weiterer Forschung bed\u00fcrfen, wobei sein Beitrag\nzugleich einen Forschungs\u00fcberblick \u00fcber die Historiographie der\nErweckungsbewegung im Vorm\u00e4rz bietet. Ruth Albrecht fragt am Beispiel der\nSchriftstellerin Hedwig von Redern (mit Bibliographie ihrer Schriften!) nach\nder \u201ehistoriographischen Funktion biographischer Literatur\u201c (217\u2013251) und\nbenennt die systematische Erforschung der (Auto-)Biographik der\nErweckungsbewegungen als Desiderat. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Perspektive \u201eMission\nund Diakonie\u201c skizziert Michael Czolkoss die transnationalen Verflechtungen der\nKaiserswerther Diakonie (255\u2013280), Frank L\u00fcdke die \u201etransatlantischen Einfl\u00fcsse\nauf den deutschen Neupietismus\u201c anhand der Bedeutung von Charles G. Finney f\u00fcr\nden Deutschen Gemeinschafts-Diakonieverband (281\u2013305). Wie diese beiden\nBeitr\u00e4ge stellen auch die vier Beitr\u00e4ge des letzten Teils \u201eTr\u00e4ger und Medien\nder Fr\u00f6mmigkeit\u201c konkrete Beispiele aus der Erweckungsforschung vor: Michael\nKannenberg untersucht das Wochenblatt \u201eChristen-Bote\u201c als \u201eMedium erweckter\nMeinungsbildung\u201c (309\u2013323) und l\u00e4dt dazu ein, die periodische Presse st\u00e4rker\nals Quelle einzubeziehen. Urszula Bo\u0144czuk-Dawidziuk (325\u2013340) stellt als\nFallbeispiel die Erweckungsbewegung im Hirschberger Tal in Schlesien vor,\nMarcus Heydecke (341\u2013359) den 1853 gegr\u00fcndeten \u201eVerein f\u00fcr Reisepredigt\u201c als\nTeil der Siegerl\u00e4nder Gemeinschaftsbewegung. Klaus vom Orde beschlie\u00dft den\nTagungsband mit einem Beitrag zu Sixt Carl Kapff (1805\u20131879) als \u201eVermittler\nzwischen w\u00fcrttembergischer Landeskirche, schw\u00e4bischem Pietismus und der\nEvangelischen Allianz\u201c (361\u2013374). <\/p>\n\n\n\n<p>Ungeachtet der oben ge\u00e4u\u00dferten Kritik ist der Tagungsband durchweg lesenswert und zur Lekt\u00fcre empfohlen. Es ist den Herausgebern und der Arbeitsgruppe \u201eErweckungsbewegungen\u201c zu w\u00fcnschen, dass durch diese vielf\u00e4ltigen Beitr\u00e4ge die systematische Erforschung der internationalen Erweckungsbewegungen angeregt und intensiviert wird und es nicht bei dieser Publikation bleibt, sondern eines Tages sogar eine \u00dcberblicksdarstellung \u201eErweckungsbewegungen\u201c erscheinen wird. <\/p>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dr. Ulrike Treusch, Professorin f\u00fcr Historische Theologie an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas K. 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