{"id":832,"date":"2019-05-04T18:47:59","date_gmt":"2019-05-04T18:47:59","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=832"},"modified":"2019-05-04T18:48:01","modified_gmt":"2019-05-04T18:48:01","slug":"frank-luedke-norbert-schmidt-hg-dann-komm-jetzt-nach-vorne","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=832","title":{"rendered":"Frank L\u00fcdke \/ Norbert Schmidt (Hg.): \u201e&#8230; dann komm jetzt nach vorne!\u201c"},"content":{"rendered":"\n<p>Frank L\u00fcdke \/ Norbert Schmidt (Hg.): \u201e<em>&#8230; dann komm jetzt nach vorne!\u201c. Evangelisation als mediale Inszenierung des Evangeliums<\/em>, SEHT 8, Berlin, M\u00fcnster: Lit, 2018, Pb., 165 S., \u20ac 29,90, ISBN <a href=\"http:\/\/www.lit-verlag.de\/isbn\/3-643-13997-9\">978-3-643-13997-9<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Eber_Luedke_2.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p>Der vorliegende Sammelband pr\u00e4sentiert\nsieben Vortr\u00e4ge, die auf dem 5.&nbsp;Neupietismus-Symposium an der\nEvangelischen Hochschule Tabor in Marburg vom 3. bis 4.&nbsp;Februar 2017\ngehalten wurden, sowie zwei weitere thematisch passende Aufs\u00e4tze, jeweils mit\neiner englischen Zusammenfassung. <\/p>\n\n\n\n<p>Evangelisationen sind\n\u201emarkante Kennzeichen erwecklicher und evangelikaler Bewegungen\u201c (1). Ihre\nmediale Gestaltung seit dem Aufkommen von Evangelisationen mit Whitefield und\nden Camp Meetings im 18. Jahrhundert, zum anderen die Umbr\u00fcche in den Formen\nder Evangelisation besonders seit der 2. H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts stehen im\nFokus der Beitr\u00e4ge. Auch die Relevanz historischer Modelle f\u00fcr die Gegenwart\nwird nicht au\u00dfer Acht gelassen. <\/p>\n\n\n\n<p>In einer einleitenden\nZusammenfassung stellt Frank L\u00fcdke den Ertrag der Vortr\u00e4ge voran (2\u20136). Sein\nerster Beitrag unter der Frage \u201ePassen ,Evangelisationen\u2018 nach Deutschland?\nEntstehung und Import der angloamerikanischen Evangelisationsbewegung\u201c (7\u201321)\nbehandelt die vielf\u00e4ltigen kreativen Methoden medialer Inszenierung des Evangeliums.\nWerbung soll die Hinwendung zum christlichen Glauben attraktiv zu machen. Mit\ndem Ruf nach vorne, der die Entscheidung des Einzelnen f\u00fcr den Glauben deutlich\nmachen und festigen soll (\u201ealtar call\u201c) und oft auch mit Nachversammlungen\nhaben die Evangelisationen ihre charakteristische Form gefunden. L\u00fcdke\nbesch\u00e4ftigt sich mit dem auch heute noch zu h\u00f6renden Vorwurf, Evangelisation in\nDeutschland sei verschleierter amerikanischer Imperialismus oder eine\nAmerikanisierung von Gesellschaft und Kirche (8f, Ziegert: 2015). In Fragen der\nWillensfreiheit denken die Evangelisten oft arminianisch (12) und vertrauen auf\nevangelistische Methoden (12f). Der Publicity-Effekt von bekehrten Prominenten\nwird eingesetzt (14). und eine genau datierbare Bekehrung ist wichtig (15). Mit\nMoody werden Musik und Lieder in Gro\u00dfevangelisationen eingesetzt, f\u00fcr die\nprofessionell geworben wird (16f). Friedrich von Schl\u00fcmbach spielt die\nentscheidende Rolle als Vermittler dieser Verk\u00fcndigungsform nach Deutschland\n(17f). In Berlin wurde das Konzept durch Kooperation mit den landeskirchlichen\nGemeinden angepasst (18). Bleibende Konfliktfelder ermittelt L\u00fcdke in den vier\nBereichen des evangelistischen Stils, beim direkten Aufruf zum Glauben, in der\nArt der \u201eVermarktung\u201c des Ereignisses und in ihrer Einbindung in die kirchliche\nLandschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Werner Schm\u00fcckle referiert\nin seinem Vortrag \u201eFormen der ,Inszenierung einer Antwort\u2018 in der\nEvangelisationspraxis von Elias Schrenk\u201c (23\u201332) \u00fcber diesen bedeutenden\ndeutschen Evangelisten und ehemaligen Basler Missionar. Schrenk hatte Moody\nkennengelernt und von ihm \u00fcbernommen, dass sich Bekehrungswillige von ihren\nPl\u00e4tzen erheben, nach vorne kommen und an einer Nachversammlung teilnehmen\nsollten (24f). Diese kann auch die Form eines seelsorgerlichen Gespr\u00e4chs\nannehmen und zur Privatbeichte wie bei Blumhardt in Bad Boll f\u00fchren (28\u201330). <\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem heute weitgehend\nunbekannten Evangelisten Henrichs besch\u00e4ftigt sich Joachim Schn\u00fcrle in seinem\nbiographischen Beitrag \u201eWanderer zwischen Welten: Ludwig Henrichs (1871\u20131931) \u2013\nein Evangelist zwischen der Gemeinschaftsbewegung und kirchlicher Volksmission\u201c\n(33\u201347). Gerhard Hilbert gab 1916 das programmatische B\u00e4ndchen \u201eKirchliche\nVolksmission\u201c heraus; deren Protagonist wurde Ludwig Henrichs (40\u201343). Durch\nzahlreiche Schriften und Kleinschriften zur Volksmission wurde Henrichs nach\ndem Urteil von Paul Scharpff der \u201eSystematiker der Evangelisation\u201c (45f). <\/p>\n\n\n\n<p>Auf Schn\u00fcrle folgen die\nbeiden l\u00e4ngsten Beitr\u00e4ge von Wolfgang Becker \u00fcber Wilhelm Busch und von Ulrike\nTreusch \u00fcber ProChrist. Der 1966 verstorbene Pastor und Evangelist Wilhelm\nBusch lehnte bei seinen Evangelisationen ein Umkehrritual ab (52). F\u00fcr sein\nVorgehen war C. H. Spurgeons unkomplizierte und auf das Gewissen zielende\nPredigtweise vorbildlich (61). Die genaue Kenntnis eines Bekehrungsdatums und\nein Umkehrritual h\u00e4lt Busch nicht f\u00fcr notwendig, aber f\u00fcr die Gewissheit kann\nsie hilfreich sein (62, 65\u201368). Alternativ empfiehlt er das pers\u00f6nliche Gebet\nnach Abschluss der evangelistischen Veranstaltung (68f).<\/p>\n\n\n\n<p>Ulrike Treusch untersucht\n\u201eDie ProChrist-Gro\u00dfevangelisationen als mediale Vermittlung des Evangeliums und\nihre mediale Rezeption\u201c (75\u2013100). Bei ProChrist wurden von Anfang an die\nmodernen Medien einbezogen. Rezipiert wurde die Evangelisation von 1993 in den\nwichtigsten Printmedien \u201eFAZ\u201c, \u201eDie Zeit\u201c und \u201eDer Spiegel\u201c. Folgende\nProChrist-Veranstaltungen hatten f\u00fcr die \u00fcberregionale, deutschlandweite Presse\nkein Nachrichtenwert mehr (95). Zur Frage der Berichterstattung stellt Treusch\nfest, dass \u201eBesonders die Personalisierbarkeit, Politisierung und Eventisierung\nsowie die Skandalisierbarkeit und der Konflikt &#8230; Faktoren [sind], die den\nsog. Nachrichtenwert eines Ereignisses erh\u00f6hen\u201c (95f). Besonders durch die\nAnwesenheit von Billy Graham wurde die Gro\u00dfveranstaltung von 1993\npresserelevant (96).<\/p>\n\n\n\n<p>Der Aufsatz von Thorsten\nDietz erforscht die Evangelisation im Wandel der Mediengeschichte in der\nNeuzeit (101\u2013118). Dietz behandelt zuerst die Frage des Charismas des\nEvangelisten bei Otto Riecker (104\u2013107) im Vergleich mit Max Webers Theorie des\nCharismas (107\u2013110). Weiter stellt er fest, dass sich die Evangelisation durch\nden Wechsel zu den \u201eQuart\u00e4rmedien\u201c der digitalen Welt des Internets seit 2000\nso stark wie nie zuvor, n\u00e4mlich hin zur Crossmedialit\u00e4t ver\u00e4ndert hat (115f). <\/p>\n\n\n\n<p>Im siebten Beitrag zur \u201eDebatte\n\u00fcber \u00f6ffentliche Evangelisation in Gemeindeentwicklung und Missionstheologie\u201c\n(119\u2013133) stellt Matthias Clausen die Entwicklung hin zu Glaubenskursen, zum\nModell von Willow Creek als Vorbild und die Konzepte der emerging churches und\nder fresh expressions of church dar. Nach neueren Untersuchungen waren\nallerdings f\u00fcr fast die H\u00e4lfte befragter Glaubender\nEvangelisationsveranstaltungen f\u00fcr den Glaubensweg \u201ebedeutsam\u201c (129). Daher\nspricht Clausen vom bleibenden Wert \u00f6ffentlicher Evangelisationen (131). <\/p>\n\n\n\n<p>Johannes Zimmermann\nreferiert anschlie\u00dfend \u00fcber \u201eBausteine f\u00fcr eine Theologie der Evangelisation\u201c\n135\u2013150, die f\u00fcr Karl Barth \u201eErweckung der schlafenden Kirche\u201c (vgl.&nbsp;KD\n4,3,2, 1000) bedeutet hat. <\/p>\n\n\n\n<p>Der Sammelband wird mit dem\nEssay von Kathinka Hertlein \u201eEvangelisation als Motor der Verberuflichung im\nNeupietismus \u2013 am Beispiel von Taborbr\u00fcdern\u201c abgerundet (151\u2013164). \u201eEvangelist\u201c\nwar der v\u00f6llig neue Beruf, f\u00fcr den die Seminare des Neupietismus ausbildeten\n(151). Von Theodor Christlieb (1. Gnadauer Pfingstkonferenz 1888) stammt die\nbekannte Definition: \u201eEvangelisten sollten also einen innerkirchlichen Beruf in\nder Inneren Mission haben, der dazu dienen sollte, das Evangelium so zu\nverk\u00fcndigen, dass die entkirchlichten Massen erreicht werden k\u00f6nnten. Evangelisten\nsollten dem Ortspfarrer zuarbeiten und ihn als Laien-Gehilfen in der\nVerk\u00fcndigung erg\u00e4nzen.\u201c (152) In der Realit\u00e4t arbeiteten die Absolventen sp\u00e4ter\njedoch als Gemeinschaftspfleger und in der Diakonie. Zum DGD stellt Hertlein\nfest: \u201eEvangelisation war das Proprium der Ausbildung und des sp\u00e4teren\nDienstes. Ihr war alles nachgeordnet\u201c (154). Die evangelistische\nGrundausrichtung von Tabor hielt sich auch durch die Zeit des\nNationalsozialismus und nach der Ausbildungsreform von 1959 (158f), ja sogar\nbis heute (163). Die Verberuflichung evangelistischer Ausbildung war n\u00f6tig, \u201eum\nin der komplexer werdenden Gesellschaft evangelistisch arbeiten zu k\u00f6nnen\u201c. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn die Aufsatzsammlung nicht sehr umfangreich ist, bringt sie doch einen \u00dcberblick \u00fcber die gro\u00dfen Linien und Fragen evangelistischer Praxis in Deutschland sowie zu einzelnen Akteuren und Institutionen. Die Forschungsstelle Neupietismus an der Evangelischen Hochschule Tabor ist darin zu best\u00e4rken, durch Monographien und Symposien weitere wissenschaftliche Fr\u00fcchte auf diesem wenig bearbeiteten Gebiet hervorzubringen!<\/p>\n\n\n\n<p><em>Pfarrer Dr. Jochen Eber, Margarethenkirche Steinen-H\u00f6llstein<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frank L\u00fcdke \/ Norbert Schmidt (Hg.): \u201e&#8230; dann komm jetzt nach vorne!\u201c. 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