{"id":835,"date":"2019-05-04T18:51:20","date_gmt":"2019-05-04T18:51:20","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=835"},"modified":"2019-05-04T18:51:34","modified_gmt":"2019-05-04T18:51:34","slug":"c-stephen-evans-a-history-of-western-philosophy","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=835","title":{"rendered":"C. Stephen Evans: A History of Western Philosophy"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">C. Stephen Evans: <em>A History of Western Philosophy. From the Pre-Socratics to Postmodernism<\/em>, Downers Grove, IL: IVP Academic, 2018, Hb., 608 S., $ 54,\u2013, ISBN <a href=\"https:\/\/www.ivpress.com\/a-history-of-western-philosophy\">978-0-8308-5222-2<\/a><\/p>\n\n\n\n<a class=\"linkeddiv\" href=\"https:\/\/rezensionen.afet.de\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/Grassl_Evans.pdf\"><div class=\"dwnldbtn\">Download PDF<\/div><\/a>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was Gott zusammengef\u00fcgt hat,\nsoll der Mensch nicht scheiden! Dies gilt nicht nur f\u00fcr die Ehe zwischen Mann\nund Frau, sondern auch f\u00fcr die Ehe zwischen Philosophie und Theologie. Beide\nd\u00fcrfen nicht getrennt werden. Beide geh\u00f6ren zusammen. In seiner vorz\u00fcglichen\nAnalyse zum Werdegang der westlichen Philosophie bietet uns der amerikanische\nPhilosoph C.&nbsp;Stephen Evans, Professor an der renommierten Baylor\nUniversity und in den USA einer der f\u00fchrenden Experten zu S\u00f8ren Kierkegaard,\neinen klar strukturierten und \u00e4u\u00dferst lesbaren \u00dcberblick zur Entwicklung dieser\n\u201eEhe\u201c seit der Zeit der Vorsokratiker.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Evans, der sieben Jahre an\ndiesem Werk gearbeitet hat (ix), schreibt aus explizit christlicher Perspektive\n(10) und vertritt die Auffassung, dass Philosophie und Theologie intrinsisch\nvoneinander abh\u00e4ngen, sich einander bedingen. Mit Klemens von Alexandrien (131)\nund Augustinus von Hippo (140) ist er \u00fcberzeugt, dass die \u201ePhilosophie Teil des\ng\u00f6ttlichen Plans zur Vorbereitung der griechischen Welt f\u00fcr das Evangelium\nwar.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aus Gr\u00fcnden, auf die wir in\ndiesem Rahmen nicht n\u00e4her eingehen k\u00f6nnen, ist diese Sicht den meisten Christen\nder Gegenwart bedauerlicherweise jedoch verloren gegangen. Beide Bereiche\nwerden in den meisten K\u00f6pfen strikt voneinander getrennt und, was noch\nschlimmer ist, die Philosophie oft mit Argwohn oder gar Feindseligkeit bedacht.\nUmso mehr ist es zu begr\u00fc\u00dfen, dass seit gut einem halben Jahrhundert unter\nangloamerikanischen Nachfolgern Christi diesbez\u00fcglich ein Umdenken stattfindet,\nwelches sich langsam aber sicher auch auf dem europ\u00e4ischen Festland, z. Bsp.\ndurch ein wiedererwachtes Interesse an der Apologetik, bemerkbar macht\n(vertiefend hierzu William Lane Craig, \u201eDie Revolution in der\nangloamerikanischen Philosophie\u201c, <a href=\"http:\/\/www.professorenforum.de\/fileadmin\/content\/professorenforum.de\/newsletter\/2015\/Artikel_IV_2015\/Craig_Die_Revolution_.pdf\">http:\/\/www.professorenforum.de\/fileadmin\/content\/professorenforum.de\/newsletter\/2015\/Artikel_IV_2015\/Craig_Die_Revolution_.pdf<\/a>).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Evans selbst ist ein\nwichtiger F\u00f6rderer dieser positiven Entwicklung und bietet uns mit seinem\nj\u00fcngsten Werk ein weiteres hilfreiches Werkzeug zur Wiederentdeckung und Pflege\nder gegenseitigen Abh\u00e4ngigkeit von Philosophie und Theologie. Die konzentrierte\nAuseinandersetzung mit den zentralen philosophischen Entfaltungen des Westens\nbirgt im Wesentlichen drei Vorteile: Einerseits erlangen Christen dadurch eine\nvertiefte Kenntnis und somit St\u00e4rkung des eigenen Glaubens. Andererseits lassen\nsich wertvolle Einsichten bez\u00fcglich der aktuellen westlichen Geistesverfassung\ngewinnen, welche nat\u00fcrlich nicht <em>ex\nnihilo<\/em> entstand, sondern vielmehr das Resultat philosophischer und\nideologischer Entwicklungen ist. Der dritte wesentliche Gewinn folgt aus den\nbeiden eben genannten: Durch das Studium der westlichen Philosophiegeschichte\nwerden Nachfolger Christi zuger\u00fcstet im Hinblick auf eine effektivere\nVerk\u00fcndigung des Evangeliums.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anhand von vierundzwanzig\nwohlgegliederten Kapiteln auf 608 Seiten erm\u00f6glicht es Evans seinen Lesern nun,\nden angef\u00fchrten Nutzen aus seinem durchdachten Werk zu ziehen. Jedes Kapitel\nbefasst sich mit einer zentralen Epoche oder einem wesentlichen Denker und kann\nsomit f\u00fcr sich selbst gelesen werden. Hervorzuheben ist hierbei die\nHerangehensweise des Autors, der es nicht dabei bel\u00e4sst, \u00fcber Ereignisse,\nDenkprozesse und Entwicklungen lediglich zu berichten, sondern diese vielmehr\nauch bewertet (9). Dadurch erhofft er sich, zum Prozess der Wahrheitsfindung\nkonstruktiv beizutragen. Der Vorteil dieses Vorgehens liegt f\u00fcr den Laien u. a.\ndarin, mit der philosophischen Arbeits- und Denkweise vertraut zu werden. Der\nerprobtere Denker hingegen profitiert vom Erfahrungsschatz und den spezifischen\nEinsichten eines christlichen Philosophen, der sich mit der Materie seit\nJahrzehnten intensiv auseinandersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach einer kurzen Einf\u00fchrung\n(Kap.&nbsp;1) beginnt Evans seinen Gang durch zweieinhalb Millennien mit den\nVorsokratikern im Gefolge des \u201eBegr\u00fcnders der Philosophie\u201c [meine Wortwahl],\nThales von Milet. Dank der erfolgreichen Vorhersage einer Sonnenfinsternis im\nJahre 585 v. Chr. etablierte Thales die formale T\u00e4tigkeit des Philosophierens im\nalten Griechenland (15). Anschlie\u00dfend spannt Evans einen eindrucksvollen\nanalytischen Bogen: ausgehend von Sokrates, Platon (in dessen Schatten gem\u00e4\u00df\nAlfred North Whitehead die restliche philosophische Tradition Europas nur eine\n\u201eReihe von Fu\u00dfnoten\u201c bildet, 53\u201354) und Aristoteles (Kap.&nbsp;3\u20135), \u00fcber vier\nwichtige Schulen hellenistischer Philosophie (Kap.&nbsp;6) hin zu den Anf\u00e4ngen\nchristlichen Denkens, welches in Augustinus von Hippo einen ersten von\nzahlreichen Kulminationspunkten erf\u00e4hrt (Kap.&nbsp;7). Dieses Kapitel enth\u00e4lt\nauch eine kurze, aber dennoch hilfreiche Darstellung neutestamentlicher\nBibelstellen, mit Hilfe derer sich die philosophische T\u00e4tigkeit begr\u00fcnden l\u00e4sst\n(124\u2013127).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Gegensatz zu antiken und\nmittelalterlichen Denkern (deren Systeme Evans in den Kapiteln 8 bis 10\npr\u00e4sentiert; Thomas von Aquin erh\u00e4lt dabei als Schl\u00fcsselfigur ein eigenes\nKapitel) ver\u00e4ndern sich Ausganspunkt und Ziel philosophischer Besch\u00e4ftigung mit\ndem Auftreten des \u201eVaters der modernen Philosophie\u201c, Rene Descartes\n(Kap.&nbsp;12). W\u00e4hrend \u201edie Alten\u201c mit einer Einstellung des Staunens\n(\u201ewonder\u201c) \u00fcber Gott und die Welt nachsannen, erhebt Descartes den Zweifel zum\nmethodischen Ausgangsprinzip. W\u00e4hrend f\u00fcr erstere \u201edie prim\u00e4ren philosophischen\nFragen das Wesen der Realit\u00e4t [Metaphysik] und die richtige Art weisen Lebens\n[Ethik] betreffen\u201c, ist letzterer haupts\u00e4chlich daran interessiert, \u201ewas wir\nwissen k\u00f6nnen\u201c [Epistemologie] (276). Indem Descartes \u201edas denkende Ding\u201c zum\nDreh- und Angelpunkt seiner Philosophie macht, bereitet er allen nachfolgenden\nmodernen und postmodernen Gedankensystemen das Spielfeld, auf dem Philosophie\nfortan betrieben wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sowohl moderner als auch\npostmoderner Geist gehen dabei von einer gemeinsam akzeptierten Hypothese aus:\n\u201eWenn es so etwas wie objektive Wahrheit gibt, dann muss es auch eine Methode\ngeben, welche den Zugang zu dieser Wahrheit garantiert.\u201c Die gro\u00dfen Denker\nbeider Geistesstr\u00f6mungen akzeptieren diese Grundaussage, kommen allerdings zu\nv\u00f6llig unterschiedlichen Folgerungen in Bezug auf Verf\u00fcgbarkeit und Erfolgsaussicht\nbesagter Methode (584). Evans schlie\u00dft mit einer Ablehnung beider\nDenkvoraussetzungen, mit einer Ablehnung der Hypothese per se. Denn zum einen\nerkennen wir als Christen, dass wir im Bilde Gottes geformt sind. Deshalb\nd\u00fcrfen wir beruhigt davon ausgehen, immer ein<em> sicheres Wort<\/em> im Hinblick auf die letzten Fragen formulieren zu\nk\u00f6nnen. Diese \u00dcberzeugung bewahrt vor postmodernem Skeptizismus und\nexistentieller Verzweiflung. Zum anderen jedoch erfahren wir uns selbst als\nessentiell gefallene Wesen. Diese Einsicht, verankert in der Ur- oder\nErbs\u00fcndenlehre, sichert ab gegen\u00fcber intellektuellem Stolz und moderner Hybris.\nSie erinnert uns daran, dass wir in diesem Leben kein letztes, <em>finales Wort<\/em> zu \u00e4u\u00dfern haben. Die\nphilosophische und theologische T\u00e4tigkeit wird daher fortschreiten, bis beider\nHerr erschienen ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mit Ausnahme einiger stilistischer Ausrei\u00dfer (z. B. wird die Konjunktion \u201ehowever\u201c sehr h\u00e4ufig verwendet, zum Teil mehrere Male pro Seite) bietet Evans einen exzellenten einb\u00e4ndigen Abriss westlicher Philosophiegeschichte aus klar christlicher Perspektive; und dies auf h\u00f6chst lesbare Art und Weise. Er geht auch auf weniger bekannte Denker wie Thomas Reid (Kap.&nbsp;16) ein, ohne Schl\u00fcsselfiguren wie Hume (Kap.&nbsp;15), Kant (Kap.&nbsp;18; mit \u00fcber vierzig Seiten das l\u00e4ngste Kapitel) oder Nietzsche (Kap.&nbsp;23) zu vernachl\u00e4ssigen. Evans\u2019 <em>History of Western Philosophy<\/em> ist somit trotz des nicht g\u00fcnstigen Kaufpreises w\u00e4rmstens zu empfehlen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em>Dr. Fabian F. Grassl, Research Fellow an der Internationalen Akademie f\u00fcr Philosophie im F\u00fcrstentum Liechtenstein (IAP)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>C. Stephen Evans: A History of Western Philosophy. 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