{"id":875,"date":"2019-10-21T14:06:26","date_gmt":"2019-10-21T14:06:26","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=875"},"modified":"2019-10-22T21:09:04","modified_gmt":"2019-10-22T21:09:04","slug":"christopher-r-seitz-the-elder-testament","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=875","title":{"rendered":"Christopher R. Seitz: The Elder Testament"},"content":{"rendered":"\n<p>Christopher R. Seitz: <em>The Elder Testament. Canon, Theology, Trinity<\/em>,Waco: Baylor University Press, 2018, geb., 304&nbsp;S., $&nbsp;39,95, ISBN <a href=\"https:\/\/www.baylorpress.com\/9781481308281\/the-elder-testament\/\">978-1-4813-0828-1<\/a> <\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Es gibt nicht viele Exegeten, die sich kompetent in beiden Testamenten\nbewegen, und synthetisch und systematisch gesamtbiblische Fragestellungen wohl\ndurchdacht und inspirierend bearbeiten und pr\u00e4sentieren k\u00f6nnen. Christopher\nSeitz ist einer der wenigen, dem dies seit Jahrzehnten gelingt. In die Reihe\nseiner wertvollen Beitr\u00e4ge reiht sich mit dem vorliegenden Buch eines ein,\nwelches vor allem ontologische Aspekte der Gotteslehre vom AT ausgehend\nbetrachtet. Dabei r\u00fccken Ausf\u00fchrungen zu den Gottesnamen (ein Schwerpunkt im\nzweiten Teil; 69\u2013181) und Reflexionen zu Gen 1, Spr 8 sowie Ps 2 und 110\ninsbesondere im dritten Teil in den Mittelpunkt (183\u2013270). Er kommt zu dem Ergebnis, dass\n\u201eThe Old Testament bespeaks the figure of the triune God under the verbal icon\nYHWH, with all that that name means. It is the distinctive character of the God\nof Israel in relation to his people and the world he has made, as disclosed by\nthe oracles of God entrusted to the Jews, that both enables and pressures a\nTrinitarian grammar and syntax to emerge\u201d (216). Seitz h\u00e4lt die alttestamentliche Rede f\u00fcr so bedeutsam und\nweitreichend, dass er dem NT eine Lehre von Gott im eigentlichen Sinne abspricht\n(\u201eThe New Testament has no doctrine of God properly speaking\u201c, 264). Vielmehr\nsetzt das NT den theologischen Rahmen des ATs voraus. Er navigiert mit seinen\nArgumentationsg\u00e4ngen dabei durch bisweilen schwer begehbares Gel\u00e4nde. Wer sich\nauf Seitz einl\u00e4sst und seine Interessen nur ansatzweise teilt, wird selten\nentt\u00e4uscht.<\/p>\n\n\n\n<p>Im ersten Teil des Buches (13\u201368) diskutiert er grundlegende Fragen,\nwas das AT als Literatur angeht. Wie kann man dem besonderen Charakter dieser\nTextsammlung gerecht werden, die einerseits in historischen Partikularit\u00e4ten\nverankert ist und doch weit \u00fcber sich hinausweist? Vielleicht es Zeit f\u00fcr andere Ans\u00e4tze. \u201eMy\nquestion is whether we have stayed long enough now with the specifics of the\nhistorical sense that it is time to reintroduce a conceptuality capable of\nthinking creatively about scripture\u2019s ontological referent, YHWH and Elohim,\nGod Almighty and the Logos as his living word in creation, patriarch, law, and\nprophet\u201d (203). Seitz gebraucht in diesem Zusammenhang den Begriff\n\u201eElder Testament\u201c, um irref\u00fchrende Konnotation wie \u201eoutdated\u201c f\u00fcr das AT und\n\u201ebetter\u201c oder \u201eup to date\u201c f\u00fcr das NT zu vermeiden (vgl. 125\u2013126). Er will\ndamit vielmehr damit unter anderem den Gedanken festhalten, der f\u00fcr das Denken\nin der Antike ein gro\u00dfes Gewicht hatte: das \u201eAlte\u201c wird mit etwas\nUrspr\u00fcnglichem (\u201eoriginal\u201c) und Bew\u00e4hrtem (\u201etime-tested\u201c) verbunden. Das ist\nein wertvoller Gedanke, ob sein Vorschlag sich nun durchsetzt oder nicht. Als\n(post-) moderner Leser wird einem leicht bewusst, wie sehr unser Denken von\neiner Fortschrittsgl\u00e4ubigkeit und \/ oder einer Mentalit\u00e4t gepr\u00e4gt ist, dass\n\u201eneu\u201c besser ist. Seitz legt damit nicht nur eine Frage auf den Tisch, sondern\nbenennt eine Aufgabe: \u201eWie kann diese Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr \u201eAltes\u201c mehr Raum in\nunserem (theologischen) Denken und unserem lebensweltlichen Vollzug von Glaube\ngewinnen? Das AT spielt dabei f\u00fcr die neutestamentlichen Autoren neben dem\nChristusereignis offensichtlich eine weichenstellende Rolle. Es ist eine\nEinladung, das AT verantwortlich (vgl. Seitz\u2018 \u201eReader Responseability\u201c, 51) zu\nlesen. Ein Weg, der sich lohnt, auch wenn er mit manchen Herausforderungen\nverbunden ist. <\/p>\n\n\n\n<p>Seitz versucht andere,\nmanchmal neue Wege zu gehen, wie er das beispielsweise f\u00fcr die Erl\u00e4uterungen zu\nden variierenden Gottesnamen in der Genesis festh\u00e4lt: \u201eMy goal is to offer an\nalternative to the idea that the variation is of no significance, indicates\ndisagreement, or can be attributed to a more abstract idea of single authorial\nalternation and predilection\u201d (98; vgl. 103). Wer seinen Ausf\u00fchrungen folgt, findet sich deswegen immer wieder in\nunbekannten Terrain. Das liegt auch an grundlegenden Voraussetzungen wie seiner Aussage zu\nInspiration und Kanon: \u201eInspiration means being given more to say than any\nsingle age can comprehend, and canon is the means by which to see all that come\ntrue in accordance\u201d (259). Das mag\nirritieren, wenn man es gewohnt ist, in feststehenden Systemen oder klar zu\nunterscheidenden Gr\u00e4ben zu denken. Seitz sperrt sich immer wieder einem \u201eLager\u201c\nzugeordnet zu werden. Eine solche Irritation kann aber auch mit der Zeit in den\nHintergrund treten und Seitz zu einem wertvollen Gespr\u00e4chspartner werden\nlassen, einem Gespr\u00e4chspartner, dem man nicht immer zustimmen muss, um von ihm\nlernen zu k\u00f6nnen. Dabei steht immer wieder die Frage im Raum, ob es nicht mehr\n(Denk-) M\u00f6glichkeiten jenseits der klassischen Fronten gibt. Man bekommt immer\neine Ahnung davon, welch weichenstellende Fragen Brevard Childs mit seinem\nArbeiten aufgeworfen hat und wie viele kompetente Exegeten er im Laufe der\nJahre inspiriert und gepr\u00e4gt hat. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Regel unterbrechen nur wenige explizite Verweise auf andere\nLiteratur oder andere Perspektiven Seitz\u2018 Ausf\u00fchrungen. Auf diese Weise gelingt\nes, eine gut zu lesende, eing\u00e4ngige und anregende Darstellung von vielen\nkomplexen und vielf\u00e4ltigen Fragestellungen, die zu weiterem Nachdenken und\nDiskutieren einladen. Ist der Leser mit vielen davon vertraut, kennt auch\nwichtige Positionen, dann kann bisweilen der Eindruck entstehen, man verliert\nsich gerade im guten Sinne in ein vertrautes, wohlwollendes und konstruktives\nGespr\u00e4ch mit einem kompetenten und lernenden Gegen\u00fcber. In solchen Momenten\nwirkt es auch nicht irritierend, dass Seitz in manchen Passagen vor allem auf\neigene Ver\u00f6ffentlichungen verweist. Es ist dann nachvollziehbar, \u00fcberzeugend\nund anregend. Schlie\u00dflich wird damit nicht nur die konstante, lernende\nBesch\u00e4ftigung mit vielen der vorliegenden Fragen anschaulich. Es wird daran\nauch ersichtlich, dass das vorliegende Buch nur einen Ausschnitt aus einer\ngr\u00f6\u00dferen Thematik darstellt, das Ergebnis und der Vollzug einer breit\nangelegten Fragestellung oder eines Forschungsinteresses ist und im Kontext von\nanderen \u00dcberlegungen verstanden werden will und muss. Die wenigen Stellen, an\ndenen Seitz sich aber auf eine detaillierte Verortung seiner Position im\nGespr\u00e4ch mit und in Abgrenzung von anderen Ans\u00e4tzen explizit einl\u00e4sst, f\u00fchren\ndem Leser aber auch den Verlust vor Augen, der damit einhergeht. Seitz\u2018\nPerspektive und seine \u00dcberlegungen gewinnen dort an Kontur, regen zum Gespr\u00e4ch,\nbisweilen zum Widerspruch, aber auf jeden Fall zum Weiterdenken an. <\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch lohnt sich aber nicht nur wegen dieser angenehmen Gespr\u00e4chsatmosph\u00e4re in die Hand zu nehmen. Wer der grundlegenden \u00dcberzeugung von Seitz manches abgewinnen kann, wird hier gute Ausf\u00fchrungen finden, wie dies inhaltlich entfaltet werden kann und welche Perspektiven daraus erwachsen. Wer dem etwas distanzierter gegen\u00fcbersteht, wird einen guten Gespr\u00e4chspartner finden, der vielleicht nicht immer im strengen Sinne logisch koh\u00e4rent \u2013 aber deswegen nicht weniger konsistent und \u00fcberzeugend \u2013 argumentiert. Er umkreist manche Frage, beleuchtet sie von verschiedenen Seiten, stellt sie in einen gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang und l\u00e4sst eine Argumentationskraft erwachsen, die auch einzelnen Zwischenrufen und Widerspr\u00fcchen standhalten kann. Auf jeden Fall finden Leser eine F\u00fclle von wertvollen, bedenkenswerten und inspirierender Beobachtungen. Das f\u00e4ngt bei dem grundlegenden Gedanken an, dass Altes oder \u00dcberliefertes in der Antike viel weniger Rechtfertigungsdruck mit Blick auf Relevanz und Autorit\u00e4t ausgesetzt war, als dies in unserer Zeit der Fall ist. Respekt vor einer Vielzahl an Jahren ist keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit mehr, wie es zu vielen Zeiten und in vielen Kulturen der Fall ist. Die Lekt\u00fcre des \u201eElder Testament\u201c \u00f6ffnet damit auch die T\u00fcr in einen Raum, dessen Einrichtung Seitz wohl noch nicht vollst\u00e4ndig beschrieben hat. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. In der Zwischenzeit k\u00f6nnen Leser diese Spur schon einmal aufnehmen.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Heiko Wenzel, Ph.D. (Wheaton College),&nbsp;Professor f\u00fcr Altes Testament an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Christopher R. Seitz: The Elder Testament. 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