{"id":883,"date":"2019-10-21T14:14:50","date_gmt":"2019-10-21T14:14:50","guid":{"rendered":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=883"},"modified":"2019-10-22T21:08:20","modified_gmt":"2019-10-22T21:08:20","slug":"hendrik-j-koorevaar-mart-jan-paul-the-earth-and-the-land","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/rezensionen.afet.de\/?p=883","title":{"rendered":"Hendrik J. Koorevaar, Mart-Jan Paul: The Earth and the Land"},"content":{"rendered":"\n<p>Hendrik J. Koorevaar, Mart-Jan Paul: <em>The Earth and the Land. Studies about the Value of the Land of Israel in the Old Testament and Afterwards<\/em>, Edis 11, Frankfurt: Peter Lang, 2018, Hb., 403&nbsp;S., \u20ac&nbsp;49,95, ISBN <a href=\"https:\/\/www.peterlang.com\/view\/title\/68029\">978-3-631-75062-9<\/a><\/p>\n\n\n\n\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p>Das Thema\nIsrael und sein Land polarisiert. Der vorliegende englischsprachige Aufsatzband\nwill sich dem Thema aus biblischer Perspektive n\u00e4hern. Den Ausgangspunkt bildet\ndas Buch Genesis, wo es um die Erde im Allgemeinen und dem Land Kanaan im\nBesonderen geht und das die Theologie des Landes in nuce zusammenfasst. Im\neinleitenden Kapitel von Hendrik J. Koorevaar wird das Konzept des Buches\nvorgestellt. Die wesentlichen Inhalte f\u00fcr den Band wurden an der <em>Evangelische Theologische Faculteit<\/em> in\nLeuven\/Belgien in mehreren Tagungen entwickelt. Die zugrundeliegende\nexegetische Methode beruht auf einem speziellen kanonischen Ansatz, der die\nMakrostruktur des Kanons entsprechend dem Talmudtraktat Baba batra 14b-15a\nernst nimmt. Dieser Ansatz wird in folgendem Werk ausf\u00fchrlich dargelegt:\nHendrik J. Koorevaar \/ Mart-Jan Paul: <em>Theologie des Alten Testaments. Die\nbleibende Botschaft der hebr\u00e4ischen Bibel<\/em>, Gie\u00dfen: Brunnen, 2016. Der hier\nbesprochene Band ist im Grunde die exegetisch-theologische Entfaltung der\nLandes-Thematik dieser alttestamentlichen Theologie. Alle relevanten\nBibelstellen sollen dabei zu Wort kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die folgenden neun Beitr\u00e4ge Kapitel bilden\nden zweiten Teil unter der \u00dcberschrift \u201eDas Land im Alten Testament\u201c. Neun\nAutoren widmen sich jeweils einem Bibelbuch oder einer Bibelbuchgruppe der\nhebr\u00e4ischen Bibel: Gen (Koorevaar, 25\u201364), Ex-Num (Raymond R. Hausoul, 65\u201395),\nDtn (Paul, 97\u2013119), Jos\/Ri (Siegbert Riecker, 121\u2013154), Sam\/K\u00f6n (Herbert H.\nKlement, 155\u2013176), Propheten (Hetty Lalleman, 177\u2013197), Ps (Julius Steinberg,\n199\u2013222), Weisheitsliteratur (W. Creighton Marlowe, 223\u2013248) und Exilszeit\n(Geert W. Lorein, 249\u2013273). Im dritten Teil finden sich drei Beitr\u00e4ge, die die\nnach-alttestamentliche Zeit zum Gegenstand haben: Boris Paschke behandelt das\nNeue Testament (277\u2013304), Heiko Wenzel islamische Perspektiven (305\u2013344) und\nKees de Vreugd den zionistischen Staat Israel (345\u2013373). In einem\nSchlusskapitel der beiden Herausgeber gibt es Zusammenfassung, Folgerungen und\nAusblick (377\u2013400). Ein Autorenverzeichnis rundet den Band ab. Bibliografien\nfinden sich sinnvollerweise am Ende jedes Artikels.<\/p>\n\n\n\n<p>Dem Beitrag zur Genesis liegt die\nToledot-Struktur des Buches zugrunde. W\u00e4hrend in der Urgeschichte Gott als\nSch\u00f6pfer der Erde herausgestellt wird, wird die V\u00e4tergeschichte von der\nLandverhei\u00dfung an Abraham beherrscht, der zum Segen f\u00fcr die Nationen werden\nsoll. Die R\u00fcckkehr ins verhei\u00dfene Land am Buchende finde eine Parallele in der\nR\u00fcckkehr nach Eden und zum Baum des Lebens. Henoch und Jakob werden als\nHinweise auf das Leben auf einer neuen Erde gesehen, auch wenn die Auferstehung\nvon den Toten nicht direkt formuliert wird. Die B\u00fccher Ex, Lev und Num werden\nals literarische Einheit betrachtet. In zehn Bl\u00f6cken wird der Inhalt der\nBibelabschnitte referiert und jeweils die Relevanz des Landes herausgestellt,\ndas als eines, wenn nicht als das zentrales Thema betrachtet wird. Das Land\nKanaan wird als Gottes Eigentum, als Gabe an Israel und als Ort seiner\ng\u00f6ttlichen Gegenwart beschrieben (86\u201392). Viele Hinweise sprechen daf\u00fcr, das\nBuch Dtn als Ganzes in der Zeit vor der Landnahme zu datieren, was von\nBedeutung f\u00fcr die Theologie des Buches sei. Die Landesthematik stehe auch in\nden ermahnenden und den legislativen Abschnitten zentral. In Dtn sei eine\nSpannung zwischen Landverhei\u00dfung und der Verantwortung Israels auszumachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Buch Jos ist das alttestamentliche\nBuch zum Thema Land schlechthin. Gott verschaffe seinem Volk die erwartete\n\u201eRuhe\u201c und beziehe Wohnung \u201einmitten\u201c seines Volkes. Der Eindruck, dass das\nLand Kanaan als Erf\u00fcllung der Verhei\u00dfung vollst\u00e4ndig erobert worden sei, werde\ndurch das Buch Ri relativiert. Diese Spannung manifestiere sich in einer\n\u201eTheology of an incomplete conquest\u201c (128\u2013136). Aber auch die Landesgrenzen\nstehen in einer Spannung von theologischer Beschreibung und historischer\nRealisierung (136\u2013142). In Sam und K\u00f6n wird die Zeit der Monarchie bis zum\nVerlust des Landes beschrieben. Die Einf\u00fchrung der Monarchie werde in Sam\nambivalent geschildert. Die enge Verbindung zwischen Politik und Gott leide\nschon unter K\u00f6nig Salomo, werde aber durch den fortgesetzten Bundesbruch\nvollst\u00e4ndig zerst\u00f6rt, was in Konsequenz den Untergang von Nord- und S\u00fcdreich\nnach sich ziehe.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Propheten betonen, dass der Besitz des\nLandes von Gehorsam und Ungehorsam gegen\u00fcber den Gesetzen der Tora abh\u00e4nge.\nG\u00f6tzendienst und soziale Missst\u00e4nde f\u00fchren zum Verlust des Landes, w\u00e4hrend die\nExilspropheten die Hoffnung auf eine baldige R\u00fcckkehr ins Land und friedliche\nZeiten mit Jerusalem als Zentrum mehren. In den Psalmen seien drei Perspektiven\nwahrnehmbar: eine \u201edeuteronomistische Theologie\u201c und \u201eZionstheologie\u201c, die die\nB\u00fccher Gen-K\u00f6n reflektiere, zum anderen eine Bewegung vom Land zur ganzen Welt\nund schlie\u00dflich individualisierende und metaphorisierende Tendenzen. Dies wird\nan einigen konkreten Psalmen exemplarifiziert.<\/p>\n\n\n\n<p>In den Weisheitsb\u00fcchern finde sich ein\nbreites Bedeutungsspektrum von \u201eLand\u201c, auch wenn es nicht h\u00e4ufig verwendet\nwerde. Die exilische Zeit wird vor allem anhand der B\u00fccher Jeremia und Daniel\ngeschildert, die auch angesichts des erwarteten Eschatons zu einem Leben im\nHier und Jetzt ermutigen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Neuen Testament ist an einige Stellen\neine Spiritualisierung des Landes zu verzeichnen, aber nicht an allen Stellen.\nDie Position von W.&nbsp;D. Davies bringe die Mehrheitsmeinung\nneutestamentlicher Forscher zum Ausdruck, dass das Land den \u00e4u\u00dferen Rahmen f\u00fcr\nden Dienst Jesu bilde, f\u00fcr sich genommen aber nur einen begrenzten Wert habe.\nEtliche Stellen k\u00f6nnen aber auch in dem Sinne einer Kontinuit\u00e4t verstanden\nwerden, dass das Land als solches f\u00fcr Juden und Christen seine Bedeutung\nbehalte (Mt 4,25; 5,5; R\u00f6m 9,4; 15,8; 2Kor 1,20).<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kapitel \u00fcber die islamischen\nPerspektiven will den Leser mit den Axiomen und Argumenten islamischer\nTheologie zum Land vertraut machen. Die Aussagen im Koran, ob das Land den\nJuden verhei\u00dfen sei, erlauben keine eindeutige Antwort und werden kontrovers\ndiskutiert. Eine semantische Untersuchung von <em>\u2019r\u1e0d<\/em> zeigt das Bedeutungsspektrum im Koran auf (307\u2013312). Mohammeds\n(globale) Stellung leite sich von Allahs Position als Sch\u00f6pfer und Richter der\nErde ab. Es wird auf die Bedeutung Jerusalems als eine der heiligen\nmuslimischen St\u00e4dte verwiesen. Schlie\u00dflich wird die Begr\u00fcndung f\u00fcr die\nIdeologie der Hamas aufgezeigt. Der christliche Leser sollte nicht die Bedeutung\nder Sunna als grundlegendes hermeneutisches Prinzip f\u00fcr die Deutung des Koran\n\u00fcbersehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein weiteres Kapitel bietet zun\u00e4chst einen\n\u00dcberblick \u00fcber den Ursprung des Zionismus, stellt dann rabbinische Traditionen\nzum Land dar, zeigt die christliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Gr\u00fcndung des Staates\nIsrael auf und endet mit einer theologischen Problematisierung des Staates\nIsrael.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Leser wird dankbar sein, eine\nsachliche und biblisch begr\u00fcndete Theologie des Landes vor Augen gestellt zu\nbekommen. Jenseits aller Ideologie gelingt es, das gesamte alttestamentliche\nZeugnis einerseits in seiner Vielgestaltigkeit und gleichzeitig in seiner\ndurchgehenden Relevanz des Landes abzubilden. Von daher stellt das Werk eine\nwertvolle Erg\u00e4nzung zu alttestamentlichen Theologien dar, in denen das Thema\nLand in der Regel nur knapp und anhand weniger Bibelb\u00fccher zur Darstellung\nkommt. Die kanonische Perspektive hilft, die biblische Botschaft mit ihren\neigenen Schwerpunkten und Intentionen zu h\u00f6ren, ohne einer billigen\nNacherz\u00e4hlung zu verfallen. <\/p>\n\n\n\n<p>Die drei Kapitel im dritten Teil zum Neuen Testament, Islam und Staat Israel zeichnen sich alle durch eine wohltuende Differenziertheit aus. Hier wird der Leser in die Lage versetzt, andere Positionen nachzuvollziehen und sich selbst ein Urteil zu bilden. Angesichts des polarisierenden Potentials des Themas ist die Lekt\u00fcre des Buches deshalb ein Gewinn.<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n\n\n\n<p><em>Dr. Walter Hilbrands, Dozent f\u00fcr Altes Testament und Dekan an der Freien Theologischen Hochschule Gie\u00dfen<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hendrik J. Koorevaar, Mart-Jan Paul: The Earth and the Land. 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